Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

von Peter Stamm 
4,0 Sterne bei43 Bewertungen
Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt
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Positiv (33):
Orests avatar

Wie sehr ist unser Schicksal vorgegeben? Wie sehr kann man sich in seinen Erinnerungen verstricken und in der Vergangenheit verlieren?

Kritisch (3):
renees avatar

Langatmig und Blutleer, eigtl. ein interessanter Gedanke, ein Blick auf sein eigenes Leben, aber dieses Buch hat mich gar nicht angesprochen

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Inhaltsangabe zu "Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt"

Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2018

Das eigene Leben noch einmal erleben. Soll man sich das wünschen?

Christoph verabredet sich in Stockholm mit der viel jüngeren Lena. Er erzählt ihr, dass er vor zwanzig Jahren eine Frau geliebt habe, die ihr ähnlich, ja, die ihr gleich war. Er kennt das Leben, das sie führt, und weiß, was ihr bevorsteht. So beginnt ein beispiellos wahrhaftiges Spiel der Vergangenheit mit der Gegenwart, aus dem keiner unbeschadet herausgehen wird.

Können wir unserem Schicksal entgehen oder müssen wir uns abfinden mit der sanften Gleichgültigkeit der Welt? Peter Stamm, der große Erzähler existentieller menschlicher Erfahrung, erzählt auf kleinstem Raum eine andere Geschichte der unerklärlichen Nähe, die einen von dem trennt, der man früher war.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783103972597
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:S. FISCHER
Erscheinungsdatum:22.02.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 22.02.2018 bei Parlando ein Imprint von Argon erschienen.

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    buchjunkies avatar
    buchjunkievor 12 Tagen
    Gleichgültigkeit passt hier



    Christoph verabredet sich in Stockholm mit der viel jüngeren Lena, die ihn an seine vergangene Liebe Magdalena erinnert. 
    Er erzählt Lena von ihr und dass er Schriftsteller sei. Lena antwortet, ihr Freund Chris sei ebenfalls Schriftsteller und schreibe gerade an seinem ersten Buch.
    Er weiss das, sagt Christoph , und deshalb möchte er ihr seine Geschichte erzählen.
    Christoph hat Chris vor Jahren getroffen und in ihm sich selbst gekannt.
    Nun gehen Lena und Christoph durchs winterliche Stockholm spazieren , und sie reden über Christoph und Magdalena und über Chris und Lena.

    Peter Stamm war mir bisher nur aus der Abilektüre meiner Kinder bekannt. Er war sogar mal zu einer Lesung am Gymnasium dort. Aber "Agnes" hat mich gar nicht angesprochen.

    Dieses Buch jetzt hab ich ohne Erwartungshaltung gelesen. Der Schreibstil ist ruhig und gut zu lesen. Die Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart , zwischen Magdalena und Lena,  halten das Interesse aufrecht. 
    Aber irgendwie ließ mich der Roman ratlos zurück.
    Eigentlich ist es nur so , dass ein etwas älterer, verschrobenerer Herr glaubt, in der jungen Lena seine Magdalena wieder zu finden und auch noch überzeugt ist, dass er weiss, wie Lenas Leben weitergeht  und zudem ist er noch der Meinung Chris sei sein jüngeres Ich.
    Nun gut, schlecht war es nicht, aber restlos überzeugen konnte es mich auch nicht!

    Kommentare: 4
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    W
    WinfriedStanzickvor einem Monat
    Wunderbare Prosa vom Feinsten



    Wer hat schon nicht einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, das eigene Leben oder zumindest Phasen daraus noch einmal zu erleben? Wie wäre es, genau dasselbe noch einmal zu fühlen, zu denken, zu tun?

    In seinem neuen Buch „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“ erzählt Peter Stamm von einem Mann namens Christoph. Er ist Schriftsteller und ihm begegnet Seltsames, das ihn fast zur Verzweiflung bringt.

    Christoph hält sich in Stockholm auf und verabredet sich dort zu einem Spaziergang mit der viel jüngeren Lena. Sie beginnen ihren langen Weg bezeichnenderweise auf einem Friedhof.  Christoph erzählt Lena, er habe vor über zwanzig Jahren eine Frau geliebt, Magdalena, die nicht nur im Aussehen, sondern auch im Wesen, ihr, Lena, gleich gewesen sei.
    Nach einer dreijährigen Beziehung habe sie ihn damals vor zwanzig Jahren in Stockholm verlassen. Oder war es genau umgekehrt, weil sie nicht so ein Leben führen wollte wie er? Als Lena ihm erzählt, ihr Mann sei Schriftsteller und schreibe gerade an seinem ersten Buch, weiß Christoph schon Bescheid. Er kennt ihr Leben, und weiß genau, was ihr bevorsteht.

    So beginnen ein langer Spaziergang und ein wahrhaftiges Spiel der Vergangenheit mit der Gegenwart. Und immer wieder stellt sich zwischen den Zeilen die Frage, ob wir Menschen unserem Schicksal entgehen können, oder müssen wir uns abfinden mit der „sanften Gleichgültigkeit der Welt“?
    Peter Stamm, der große Erzähler existentieller menschlicher Erfahrung, erzählt auf kleinstem Raum eine andere Geschichte der unerklärlichen Nähe, die einen von dem trennt, der man früher war. Der Glaube an die Einmaligkeit der eigenen Biographie verschwimmt. Der Leser ist ähnlich irritiert wie der Protagonist und sieht sich existentiellen Fragen ausgesetzt. Es geht um  Liebe, Vergänglichkeit, Schmerz, Verlust, Trennung, Erzählen und Schreiben und Einsamkeit.

    Peter Stamms novellenartiges Buch bietet ein spannendes  Verwirrspiel um die Identitäten seiner Figuren. Sehr feinfühlig, mit einer poetischen Sprache geht es mit sanfter Melancholie um die großen Sinnfragen des Lebens, ein Leben, das sich nicht wirklich fassen lässt und stetig in Frage steht.  Es vergeht zwischen Vergeblichkeit und Vorbestimmung.

    Wunderbare Prosa vom Feinsten.



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    czytelniczka73s avatar
    czytelniczka73vor 2 Monaten
    Schicksal?

    "Es sind die Fehler,die Asymetrien,die unser Leben überhaupt erst möglich machen."


    Inhalt:

    " Christoph verabredet sich in Stockholm mit der viel jüngeren Lena. Er erzählt ihr, dass er vor zwanzig Jahren eine Frau geliebt habe, die ihr ähnlich, ja, die ihr gleich war. Er kennt das Leben, das sie führt, und weiß, was ihr bevorsteht. So beginnt ein beispiellos wahrhaftiges Spiel der Vergangenheit mit der Gegenwart, aus dem keiner unbeschadet herausgehen wird."

    Meinung:

    Wir treffen ständig Entscheidungen ,die unser Leben beeinflussen und manchmal wünscht man sich die Zeit zurückzudrehen und alles anders machen -"Hätte ich da voher gewusst..."Aber konnte unseres Leben wirklich anders verlaufen,wenn wir die Zukunft gekannt hätten?Oder gibt es eine Vorbestimmung,ein Schicksal und unsere Bemühungen sind umsonst? Der Protagonist Christoph kriegt eine unerwartete Chance seine Fehlentscheidungen zu korigieren als er sein jungeres Ich trifft.Jahre später verabredet er sich mit Lena,der jungeren Version seiner verlorenen Liebe Magdalena und muss faststellen,das sein jungeres Ich andere Entscheidungen getroffen hat,in der Geschichten gibt es viele Abweichungen,aber das Ende bleibt dennoch gleich-die Beziehung hält nicht.
    Eine stimmige,leise Geschichte,die mit nur knapp 160 Seiten und recht einfachen Sprache sehr nachdenklich macht und keine so leichte Kost ist,wie man das vielleicht bei dem Umfang annehmen könnte.Tiefgründig und philosopisch,die Geschichte lässt dem Leser viel Freiraum für eigenen Gedanken und Interpretationen,was sie natürlich besonders lesenswert und nachhatlend macht.An manchen Stellen fand ich sie allerdings verwirrend...trotzdem bin ich froh es gelesen zu haben und kann es nur weiterempfehlen.

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Das Aufeinandertreffen des gegenwärtigen und vergangenen Ichs eines Autors konnte mich trotz Gedankenvielfalt nicht ganz überzeugen.
    Die Philosophie einer aberwitzigen Begegnung

    „Du stellst dir das alles ein bisschen zu einfach vor, sagte ich, ein literarischer Text braucht eine Form, eine Folgerichtigkeit, die unser Leben nicht hat, Glück macht keine guten Geschichten.“


    Inhalt


    Christoph begegnet Magdalena, einer Frau, die er vor zwanzig Jahren geliebt hat, nur das sie immer noch so jung ist wie damals und sich nun Lena nennt. Doch wie er feststellt hat sie einen Freund und der ist kein anderer als sein eigenes jüngeres Ich. Er spricht die junge Frau an und möchte ihr seine Geschichte, die bald auch die ihre sein wird erzählen. Lena hört ihm aufmerksam zu, macht sogar die beiden Männer miteinander bekannt und stellt doch immer wieder fest, dass es zwischen dem Leben ihres Geliebten Chris und jenes fremden Mannes Christoph zwar viele Parallelen gibt, aber auch unüberbrückbare Unterschiede. Christoph schwankt ständig zwischen Unglauben und Sicherheit, zwischen dem Wunsch in das Leben der beiden jungen Menschen einzugreifen, um sich oder vielmehr dem anderen Paar die Chance zu geben dauerhaft miteinander glücklich zu werden. Denn das ist sein größter Verlust an der eigenen Lebensgeschichte, die Trennung von jener Frau, die er einst liebte und eigentlich immer noch liebt. Doch lässt sich das Leben wirklich auf zweite Chancen dieser Art ein?


    Meinung


    Vergangenes Jahr habe ich mit „Weit über das Land“ mein erstes Buch des Autors gelesen und war davon derart fasziniert, dass ich nun auch voller Neugier in sein aktuelles Buch gestartet bin. Dieser Roman bietet eine sehr ungewöhnliche, experimentelle Sicht auf den Lauf des Lebens und lässt sich auf die Möglichkeit ein, einem Menschen die Chance zu geben, seine vergangenen Entscheidungen durch sein Wissen der Gegenwart zu beeinflussen. Allein dieser angedeutete Handlungsschwerpunkt im Klappentext regt die Fantasie an und lässt eine Unmenge hypothetischer Fragen zu. Durchaus ein Ansatzpunkt, den ich in literarischen Texten zu schätzen weiß.


    Nur leider wird schon nach wenigen Seiten klar, dass es diesmal nicht gelingt, meine hohe Erwartungshaltung zu befriedigen, allein schon, weil der Text zu viele Unsicherheiten, zu viele Unvorstellbarkeiten in den Vordergrund rückt. Es hat mich zum Beispiel sehr verstört, dass sich Lena, so ohne weiteres auf dieses Gespräch mit dem Fremden einlässt, das auch der junge Chris, in den Fokus rückt, sich aber überhaupt nicht dafür erwärmt. Auch die Verflechtung der beiden Handlungsstränge Vergangenheit versus Gegenwart wechselt willkürlich und unübersichtlich, oft nur durch die andere Namensbezeichnung abgegrenzt, so dass ich stellenweise Passagen zweimal gelesen habe, weil sich gedanklich ein anderes Bild aufgebaut hatte.


    Ganz anders habe ich hingegen den Schreibstil zu bewerten. Ich glaube, der macht vieles wieder gut, was der Inhalt dieses Buches nicht geraderücken kann. Ich mag generell den klaren, schnörkellosen Erzählstil, der aussagekräftige Sätze mit Lebensweisheiten koppelt und sich nicht nur auf die Ebene des Erlebens stellt, sondern gedankliche Schlussfolgerungen des Lesers provoziert. Für mich ist auch dieser zweite Text von Peter Stamm ein wahrer Lesegenuss, der mich auch dazu veranlasst, noch weitere Erzählungen aus seiner Feder kennenlernen zu wollen.


    Am meisten vermisst habe ich die psychologische Komponente des Romans, denn dieses Gedankenexperiment lebt doch gerade dadurch, dass sich der Hauptprotagonist Fragen stellt und Antworten sucht. Leider unternimmt Christoph diesen Schritt nicht und sein Verhalten ist für mich unvorstellbar. Seltsam unbeteiligt und sehr frustriert begegnet er seiner obskuren Situation, erlebt eine bunte Gefühlspalette, distanziert sich aber vom Geschehen. Manchmal beobachtet er nur, dann ist er wieder sehr aktiv. Nur Antworten auf seine Fragen sucht er nicht, möchte sie vielleicht nicht finden und ergibt sich betroffen seinen Erinnerungen, die nun nicht mehr ganz ungetrübt sind.


    Fazit


    Ich vergebe mittelmäßige 3 Lesesterne für diesen Roman, der voller Ideen steckt und ein wahres Meisterwerk an Erzählkunst hätte werden können, doch er bleibt im Konjunktiv stecken. Zu wirr, zu aberwitzig, zu wenig überzeugend handelt der Hauptcharakter, auch die Nebencharaktere bleiben seltsam blass und es fehlt eine klare, konkrete Aussage am Ende des Buches. Tatsächlich kann man von „sanfter Gleichgültigkeit“ sprechen, der Titel ist hier Programm, viel wird nicht bleiben vom Inhalt und die Welt dreht sich trotzdem weiter. Mein Interesse an Romanen dieser Art bleibt jedoch entsprechend hoch, weil es die existentiellen Fragen sind, die ich mir nicht nur oft stelle, sondern auf die ich auch gern Antworten bekomme, insbesondere in der Gegenwartsliteratur.

     

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    Petriss avatar
    Petrisvor 5 Monaten
    Der Fluch, einen Doppelgänger zu haben

    „Davon handelte das Buch, von den Bildern, die wir uns voneinander machen, und von der Macht, die diese Bilder über uns bekommen.“ S. 111f.

    Das sagt der Ich-Erzähler Christoph, ein einst erfolgreicher Schriftsteller. Aber es trifft auch auf diesen Roman zu. Es geht um Bilder, die uns der Autor über die Stimme des Ich-Erzählers suggeriert. Und es geht um ein altbekanntes Motiv, das des Doppelgängers, vielfach in der Kunst verarbeitet.

    Christoph, der Ich-Erzähler, begegnete eines Tages auf einer Lesung seinem Doppelgänger in jüngerer Ausführung. Er ist irritiert, versucht zu fliehen, ihm bewusst aus dem Weg zu gehen. Doch als er auf Lena, die Frau des jüngeren Ichs trifft, muss er sich mit ihr treffen und ihr seine Geschichte erzählen.

    Die Grenzen verschwinden, ist das alles wahr, gibt es eine Erklärung, wer ist Christoph, wer ist Chris, wer Magdalena, wer Lena,…? Wieso stimmt so vieles überein und anderes wieder nicht? Der Autor erzählt einfach, versucht gar nicht zu erklären und zu entwirren. Vielleicht hat ja jede*r eine*n Doppelgänger*in, aber nicht jede*r das Pech ihn/sie kennenzulernen. Denn Christophs Leben wird durch das Wissen um seinen Doppelgänger durcheinandergewirbelt.

    „Es war einer jener Entschlüsse, nach denen man sich nicht mehr vorstellen kann, dass es eine Alternative gegeben hätte, einen anderen Weg.“ S. 114

    Sätze wie dieser finden sich viele im Roman. Genau deshalb hat er mir auch sehr gut gefallen. Ich mochte Peter Stamms Sprache und tauchte in ihren Rhythmus und seine Art zu erzählen ein.

    Für die volle Sterneanzahl fehlte der Geschichte meiner Meinung nach etwas an Substanz. Das Doppelgängermotiv ist ein vielbearbeitetes, deshalb liegt die Latte auch hoch und wurde hier nicht ganz überschritten.

    Dennoch ein sehr schönes, hochliterarisches Buch. Lektüre für anspruchsvolle Leser.

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    naninkas avatar
    naninkavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Eine flaue Geschichte....
    Die sanfte Gleichgültigkeit

    Der Plot tönt vielversprechend: Christoph verabredet sich in Stockholm mit der viel jüngeren Lena. Er erzählt ihr, dass er vor zwanzig Jahren eine Frau geliebt habe, die ihr ähnlich, ja, die ihr gleich war. Er kennt das Leben, das sie führt, und weiß, was ihr bevorsteht. Nicht nur das, sondern dass ihr Partner, den er auf einer Lesereise begegnete, genau gleich aussieht, spricht, fühlt und sich gibt wie er selbst früher So beginnt ein beispiellos wahrhaftiges Spiel der Vergangenheit mit der Gegenwart, aus dem keiner unbeschadet herausgehen wird. Der Roman hat mich so gar nicht gefesselt und ich kann nicht genau sagen, woran es lag. Denn spannend sind das Verwirrspiel zwischen den Parallelexistenzen, der Vergangenheit und des Jetzt wie auch das Spiel zwischen Realität und Einbildung. Eigentlich beste Voraussetzungen für ein tolles Leseerlebnis... Die einzige Erklärung, die ich dafür habe, dass ich die Geschichte als flau empfand und das ist wohl sehr subjektiv, ist folgende; Eine zu neutrale Sprache, zu ruhig, dramaturgisch wird keine Spannung erzeugt und der Autor kommt zu schnell zur Sache. Die Charaktere bleiben einem erstaunlich fremd.

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    Ginevras avatar
    Ginevravor 6 Monaten
    Träumerische Skizze

    Der Schriftsteller Christoph erzählt in Stockholm einer jungen Frau von einer seltsamen Begebenheit, die er vor eingier Zeit erlebte:

    auf einer Lesereise begegnete er einem jungen Mann, der aussah wie er, redete wie er und fühlte wie er. Seitdem weiß Christoph über einige Menschen bescheid - über ihr Schicksal, ihre Zukunft. Auch Lena zählt zu diesen Menschen.
    Doch will sie wirklich erfahren, was ihr bevorsteht? Welche Vor-  und Nachteile hat es, wenn wir alles wissen, was in uns liegt und aus uns wird? Würden wir uns anders entschieden? Glücklicher werden? Oder gar gelähmt sein von all den Möglichkeiten?
    Dieser relativ kurze Roman hat mich sehr bewegt und zum Nachdenken gebracht, wie zuvor schon weitere Bücher des Autors. Der Erzählstil ist trotz der existenziellen Themen leicht und fast träumerisch, so dass der Leser ebenfalls zu schweben scheint - zwischen Realität und Gedankenspielen, die Raum und Zeit überwinden...
    Da mir die Charaktere aber etwas fremd und un(be)greifbar blieben, ziehe ich einen Stern ab - 4 von 4 Sternen für einen besinnlichen Roman, der Freude macht zu lesen!

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    Clarivor 6 Monaten
    Subtile Suche nach den G rundlagen unserer aller Welt

    Eine seltsame Geschichte hat uns der bekannte Autor Peter Stamm mit diesem kleinen Roman vorgelegt.
    Chris ist ein alternder Mann. Er hat einen nicht ganz fassbaren Doppelgänger, den er beobachtet, und dessen Spurten er verfolgt.
    Gleichzeitig erzählt er einer zwanzig Jahre jüngeren Bekannten von seiner vergangenen Liebe zu Magdalena. Verwirrend und irritierend wechseln Zeit, Ort und Handlung. Chris ist Schriftsteller. Er hat schon lange kein Buch mehr geschrieben.
    Seine Spaziergänge, Begegnungen und schließlich auch Liebesnächte mit der jungen Lena sind ebenso mysteriös wie die ganze Handlung. Die assoziativ dargestellten Begebenheiten beziehen sich immer wieder auf die Liebe, das Warum und Wie des Lebens und unseres Endes. Lena, seine junge Begleiterin, ist Schauspielerin. In gewisser Weise wiederholt sich die Liebesgeschichte von Chris mit der der jungen Lena und deren Freund.
    Das Verwirrspiel um das Doppelgängertum verschiedener Figuren ist zweitweise kaum zu durchschauen.
    So wie das ganze Buch einer langen Lebensreflexion gleicht ist auch das Ende. Christopher sieht einem alten Mann zu, der in einem Haus verschwindet und man meint, dass er sich selber schon zusieht, wie er im Alter des alten Mannes sein wird.
    Keine Spuren hinterlassend und verschwinden im Nichts.

    Der Titel des Romans stammt aus dem Roman „Der Fremde“ von Peter Stamms Lieblingsschriftsteller Albert Camus. Mit Camus wird auch Peter Stamm zuweilen gleichgesetzt.
    Existenzfragen hier wie dort sind das Lebensthema beider Schriftsteller.

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    friederickesblogs avatar
    friederickesblogvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Es greift in die Tiefe der menschlichen Seele und lässt einen mit vielen Fragen über sich selbst und das Leben zurück.
    Faszinierende Geschichte des Lebens

    Klappentext

    Das eigene Leben noch einmal erleben. Soll man sich das wünschen?

    Christoph verabredet sich in Stockholm mit der viel jüngeren Lena. Er erzählt ihr, dass er vor zwanzig Jahren eine Frau geliebt habe, die ihr ähnlich, ja, die ihr gleich war. Er kennt das Leben, das sie führt, und weiß, was ihr bevorsteht. So beginnt ein beispiellos wahrhaftiges Spiel der Vergangenheit mit der Gegenwart, aus dem keiner unbeschadet herausgehen wird.

    Können wir unserem Schicksal entgehen oder müssen wir uns abfinden mit der sanften Gleichgültigkeit der Welt? Peter Stamm, der große Erzähler existentieller menschlicher Erfahrung, erzählt auf kleinstem Raum eine andere Geschichte der unerklärlichen Nähe, die einen von dem trennt, der man früher war.


    Der Autor

     

    Peter Stamms Figuren werden bestimmt von der Sehnsucht nach dem großen Gefühl, vom festen Glauben, dass das Leben mehr zu bieten hat. Wenn das scheue Glück aber kommt, verschieben sie es lieber auf später. „Andere zwingen die Welt, um sie zu verstehen, in Naturgesetze. Ich mache sie mir zu Geschichten“, schreibt Peter Stamm. Mit seinem Debüt „Agnes“ wurde er zum Shootingstar, seitdem sind drei gefeierte Romane und drei Erzählungsbände erschienen, die »zum Bemerkenswertesten gehören, was man gegenwärtig lesen kann« (NZZ). „Seerücken“, das vierte Buch mit Erzählungen, kommt im März 2011.

     

    Das Cover

    Das Cover zeigt eine nachdenkliche Frau. Ich finde die Darstellung äußerst gelungen und passend. Zusammen mit dem Titel und dem Klappentext entsteht eine harmonische Präsentation des Buches, die eine Einladung an die Leser ausspricht.

     

    Die Geschichte (Achtung Spoiler!)

    Diese Geschichte möchte ich nicht ausführlich zusammenfassen, damit ich nicht zu viel Spoilern muss. Aber zwei Sätze aus dem Klappentext sagen auf den Punkt das aus, was mich dazu bewegt hat, dieses Buch lesen zu wollen.

    Zitat: Christoph verabredet sich in Stockholm mit der viel jüngeren Lena. Er erzählt ihr, dass er vor zwanzig Jahren eine Frau geliebt habe, die ihr ähnlich, ja, die ihr gleich war. Er kennt das Leben, das sie führt, und weiß, was ihr bevorsteht. Zitat Ende

     

    Meine Meinung

     

    Dieses Buch ist ein ganz besonderes Buch. Es ist ein Roman der das Leben reflektiert, der sich mit Fragen beschäftigt, die sich wohl viele von uns schon einmal gestellt haben. Fragen wie diese: Warum habe ich nicht damals an jener Stelle meines Lebens nicht eine andere Entscheidung getroffen? Könnte ich das nicht doch noch korrigieren? Was vergangen ist ändern, in eine andere Bahn lenken? Geht das?

    Der Autor lässt Christoph einen Ich – Erzähler auf fantastische Art und Weise eine junge Frau treffen, die genauso aussieht, wie einst seine große Liebe vor vielen Jahren. Er erzählt ihr seine Lebensgeschichte und beide stellen fest, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben. Ja, er kennt vermeintlich sogar das Leben der jungen Frau und sieht in ihrem Freund sich selbst, denn der versucht sich auch als Schriftsteller, genau wie er damals. Christoph vermischt auf fantastische und leise Art die Vergangenheit mit der Gegenwart. Ob man das Leben, das Schicksal nachträglich beeinflussen kann?

    Das Buch ist in einer wunderbaren Sprache geschrieben. Die Geschichte ist allerdings in ihren Erzählebenen und in den Figuren sehr verwoben und nicht getrennt, sodass man schon sehr konzentriert dabei sein muss, um zu wissen, bei wem man sich gerade befindet. Aber genau das macht das Buch aus. Das Leben zweier Paare, das das gleiche Leben ist oder doch nicht? Es greift in die Tiefe der menschlichen Seele und lässt einen mit vielen Fragen über sich selbst und das Leben zurück. Ein Buch das beeindruckend und ganz anders ist.

    Von mir bekommt es eine ausdrückliche Leseempfehlung.

     

    friedericke von "friederickes bücherblog"

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    M
    MagdaLenavor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Das erste Buch von Stamm, das mir nicht so gut gefällt.
    Enttäuschend

    Ich liebe alle Bücher von Stamm - dieses ist die große Ausnahme. Die Figuren sind nicht so klar gezeichnet, psychologisch nicht ganz so ausführlich dargestellt. Alles scheint nur kurz entworfen und nicht ganz ausgefeilt zu sein. Schade..

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    Peter Stamm konstruiert in seinem neuen Roman eine raffinierte Versuchsanordnung: Aus dem Leben wird Literatur und umgekehrt.

    Peter Stamm spielt hier aufs Faszinierendste mit Zeiten und Identitäten […] Vergangenheit und Gegenwart schieben sich ineinander, Wirklichkeit und Möglichkeit, die Existenzen von einst und jetzt.

    Die Bewegungen der einzelnen Werke fügen sich immer deutlicher zur Landkarte eines bedeutenden Gesamtwerks.

    Ein vertracktes Spiel von Erinnerung und Existenz – traumhaft!

    Peter Stamm, der Spezialist der vielsagenden Unschärfe […] erweist sich auch in diesem Buch als Liebhaber verschachtelter zeitlicher Verhältnisse.

    Eine lakonische, knappe Sprache, hinter der die Abgründe menschlicher Existenzen lauern.

    Auf welch vertrackte Weise Leben und Literatur zusammenhängen, beschäftigt Peter Stamm im neuen Buch mindestens so stark wie die Doppelgänger- und Identitätsthematik.

    Das Erinnerungskarussell, das Stamm anschmeißt, erreicht das Höllentempo einer Zentrifuge […] Ein betörend verwirrendes Buch.

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