Peter Stamm Weit über das Land

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Inhaltsangabe zu „Weit über das Land“ von Peter Stamm

Ein Mann steht auf und geht. Einen Augenblick zögert Thomas, dann verlässt er das Haus, seine Frau und seine Kinder. Mit einem erstaunten Lächeln geht er einfach weiter und verschwindet. Astrid, seine Frau, fragt sich zunächst, wohin er gegangen ist, dann, wann er wiederkommt, schließlich, ob er noch lebt. Jeder kennt ihn: den Wunsch zu fliehen, den Gedanken, das alte Leben abzulegen, ein anderer sein zu können, vielleicht man selbst. Peter Stamm ist ein Meister im Erzählen jener Träume, die zugleich locken und erschrecken, die zugleich die schönste Möglichkeit und den furchtbarsten Verlust bedeuten. »Weit über das Land« ist ein Roman, der die alltäglichste aller Fragen stellt: die nach dem eigenen Leben.

Ein Mann geht weg, ganz ohne Grund....

— jegelskerboeger
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  • Eine Story mit Potential, dass nicht genutzt wurde.

    Weit über das Land
    Rees

    Rees

    22. March 2017 um 09:23

    Dieses Buch stand schon lange auf meiner Wunschliste, denn die Thematik interessierte mich sehr. Ein Ehemann und Vater von zwei Kindern , geht eines Tages einfach aus dem Haus und kommt nicht zurück .Ich denke wir alle haben mal so Momente, in denen wir am Liebsten aus unserem Alltagstrott aussteigen würden,...auf und davon,...keine Verpflichtungen mehr, das alte Leben abschütteln um etwas Neues zu suchen oder sich selber wiederzufinden. Was wir alle nur in Gedanken tun, setzt Thomas in die Tat um,...er geht und läuft ohne Hab und Gut in die Nacht hinein..... Seine Frau Astrid bemerkt es erst am nächsten Tag und versucht den normalen Alltag so gut wie möglich zu meistern und hofft, dass ihr Mann bald wieder kommt. Die Kinder nehmen das Wegbleiben ihres Vater erst kaum wahr und begnügen sich mit Mutters Ausreden, er sei auf einer Geschäftsreise. An seinem  Arbeitsplatz fehlt er natürlich auch , aber Astrid erfindet eine Notlüge,...er sei krank , sagt sie und will so den Schein wahren. Thomas hingegen denkt nicht daran umzukehren und geht weiter in Richtung Süden, zu Fuss über Stock und Stein und man fragt sich, ob er denn kein schlechtes Gewissen hat. Wie kann er nur seine Familie so im Ungewissen lassen? Nach ein paar Tagen hält es Astrid nicht mehr aus und wendet sich an die Polizei. Den Kindern wird die Wahrheit gesagt und Astrid's Welt droht auseinanderzufallen. Sie kann ihren Mann nicht wirklich verstehen, nimmt ihn aber dennoch in Schutz. Thomas geht weiter .... Anfangs hat mich das Buch gepackt und ich war gespannt, wie es weiter geht. Mit der Zeit wurde es etwas langweilig und auch die Protagonisten blieben blass und unnahbar. Das Ende hat mir dann gar nicht gefallen und ich war enttäuscht. Die Story hätte grosses Potential , dass aber nach meiner Meinung nach nicht genutzt wurde.

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  • Auf und davon

    Weit über das Land
    Buecherwurm1973

    Buecherwurm1973

    29. December 2016 um 11:01

    Thomas und Astrid sitzen auf der Terrasse ihres Einfamilienhauses. Soeben ist die Familie aus dem Spanienurlaub zurückgekehrt. Astrid muss ins Haus, das jüngere der beiden Kinder jammert im Bett. Währenddessen geht Thomas zur Hecke, die ihr Grundstück zum Nachbar abgrenzt. Dann steht er am Gartentor als sich der Gedanke „wie wäre es, wenn ich einfach losmarschieren würde“ einschleicht. Aus einem Impuls läuft er weg – immer weiter. Von nun an wechseln die Perspektiven zwischen den Eheleuten hin und her. Thomas, der einfach ohne Ziel losläuft. Bedacht möglichst wenige Spuren zu hinterlassen und wenn dann so, dass er bereits wieder weg ist, falls sie entdeckt würden. Astrid, die zuerst versucht den Alltag aufrecht zu erhalten, Thomas beim Arbeitgeber krankmeldet und die Hoffnung auf Thomas‘ Rückkehr nicht aufgibt. Es ist mein erstes Buch von Peter Stamm. Irgendwie konnte ich mich nie richtig durchringen, ein Buch von diesem Schriftsteller zu lesen. Auch jetzt bin ich zwiegespalten, ich weiss nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Das Buch hat mir eigentlich gut gefallen. Ich habe es gerne zur Hand genommen und gelesen. Aber irgendwie bleiben die Protagonisten so blass und wertefrei. Leider kann ich darauf nicht näher eingehen, ich würde zu viel verraten. Für mich hätte die Geschichte mehr Potential gehabt. Hingegen gut gefallen hat mir der ruhige Grundton. 

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  • Ein ruhiges Buch, das zum Nachdenken anregt

    Weit über das Land
    sydneysider47

    sydneysider47

    16. November 2016 um 18:44

    Gerade habe ich folgendes Buch zu Ende gelesen. Ich hatte es aus der Ortsbücherei ausgeliehen und habe es heute wieder dorthin zurückgebracht: Weit über das Land des schweizerischen Autors Peter Stamm. Wie fand ich das Buch? Dazu mein Bericht. Thomas reißt aus – oder: die Handlung: Eigentlich geht es Thomas gut. Er hat einen sicheren Job, in dem er gebraucht wird. Er hat eine nette Ehefrau, namens Astrid, und zwei gesunde und wohlgeratene Kinder, namens Ella und Konrad. Aber eines Tages geht Thomas von zu Hause weg. Er steht auf und geht – die Gründe dafür sind unklar. Er kommt in Dörfer, er geht in Bars und trinkt dort Bier, er übernachtet im Freien oder sucht sich ein Quartier. Seine Geldkarte als Zahlungsmittel hat er ja dabei. Seine Frau Astrid vermisst ihn. Zuerst nur erstaunt, dann aber kommt die Angst. Ist Thomas etwas passiert? Sie schaltet die Polizei ein. Man findet Thomas' Kleidung in einem Einkaufszentrum in einer Tüte. Er hat sie wohl bewusst weggeworfen. Dann stellt sich heraus, dass Thomas in Zürich etwas mit der Geldkarte gekauft hat. Astrid fährt nach Zürich – immer in dem Glauben, sie möge Thomas finden. Seinem Chef sagt sie, Thomas sei krank. Doch das ist nicht die Wahrheit. Irgendwann trifft sie ihn und sagt, er sei fortgegangen. Einfach so. Der Chef versteht sie. Und beide warten... Ein ruhiger Roman – oder: meine Meinung: Das Buch ist aus der auktorialen Erzählperspektive in der Vergangenheit erzählt (also kein Ich-Erzähler). Da es ein relativ kurzer Roman ist, der in einer augenfreundlichen Schrift verfasst ist, lässt sich das Buch innerhalb weniger Stunden lesen. Der Stil ist ansprechend und gut gestaltet. Wichtig ist, dass wörtliche Rede nicht in Anführungszeichen steht, sondern zwischen Kommas gesetzt ist. Aber das stört mich beim Lesen nicht. Die Handlung vollzieht sich abwechselnd aus der Sicht von Thomas und von Astrid. Er geht einfach weiter, schaut, wie er irgendwie überleben kann. An seine Frau und seine Kinder denkt er kaum. Astrid dagegen quält sich. Zuerst ist es Erstaunen über das plötzliche Verschwinden ihres Mannes, dann die Angst, es könne ihm etwas passiert sein. Er könne gestorben sein. Sie weiß oft nicht, wie sie umgehen soll mit dieser Situation. Die Kinder versorgt sie mechanisch. Sie geht zur Polizei, sie redet mit Thomas' Chef. Das sind alles Dinge, die sie tun muss. Und sie macht sich Sorgen um die Finanzen. Thomas war der Versorger der Familie, sie selbst hat keinen Job. Was soll passieren, wenn kein Geld mehr für die laufenden Kosten fließt? Der Roman ist ruhig und nicht spannend. Dennoch ist das Leseinteresse geweckt. Man will wissen, was mit Thomas passiert – und wie es mit Astrid und den Kindern weitergeht. Und genau deswegen habe ich das Buch gelesen. Der Schluss ist übrigens absolut nicht vorhersehbar. Und genau das finde ich bei einem Buch klasse. Mein Fazit: „Weit über das Land“ ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt. Was passiert, wenn man einfach mal abhaut? Seinem derzeitigen Leben entflieht? Wie wichtig sind für einen Menschen Familie und Job? Das Buch ist gut geschrieben, allerdings hätte ich gern etwas mehr Spannung gehabt. An manchen Stellen denke ich, dass das Buch zu detailliert erzählt wird. Da wird fast jede Sekunde beschrieben, die beispielsweise Thomas in diversen Situationen erlebt. Außerdem finde ich 19,99 Euro für dieses Buch recht teuer. Aber – okay, ich musste es ja nicht kaufen. Wie schön, dass es Büchereien gibt! Ich vergebe dem Buch „Weit über das Land“ von Peter Stamm vier von fünf Sternen (Note „gut“) und empfehle das Buch weiter.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951
  • Der lange Weg zurück auf Null

    Weit über das Land
    jenvo82

    jenvo82

    24. October 2016 um 09:58

    "Nicht alles, was man tut, hat einen Grund. Es war kein großer Entschluss gewesen, eher eine Reihe kleiner, zielloser Entscheidungen, Nachlässigkeit vielleicht, ein Nachgeben."Inhalt Eines Abends, kurz nach der Rückreise aus dem gelungenen Sommerurlaub, beschließt Thomas, nicht nach drinnen ins Bett zu gehen, sondern hinaus in die Welt. Er läuft los, ohne ein Wort des Abschieds und verlässt nicht nur Frau und Kinder sondern auch sein gesamtes bisheriges Leben. Für die Hinterbliebenen bleibt nur Ursachenforschung und gähnende Leere, denn gerade Astrid, seine Frau findet keine Erklärung für sein Verhalten und kann es dennoch tief im Inneren nachvollziehen. Als er offiziell für tot erklärt wird, mag sie nicht daran glauben und behält Thomas auf eigene Art und Weise in ihrem Herzen.MeinungDieses Buch habe ich ohne besondere Erwartungshaltung begonnen, da ich weder den Autor kannte, noch ein Augenmerk auf den Deutschen Buchpreis hatte. Einzig die Geschichte an sich, so wie sie der Klappentext verspricht, reizte mich ungemein. Insbesondere die Aussage "Ein Roman über den einen Moment, der unser Leben in Frage stellt", weckte meine Neugier. Denn ich spekuliere sehr gerne über das Für und Wider einer Entscheidung und genau das, kann man hier tatsächlich.Auf recht wenigen Seiten entwirft Peter Stamm ein derart greifbares Szenario in einer schockierenden, lebensverändernden Situation, so dass ich zwischen Mitleid, Verzweiflung und Unverständnis hin und herpendelte. Gerade die durchaus banale Entscheidung, einfach aus der Tür zu gehen und niemals wieder zurückzukehren, entfacht eine unmittelbare Kettenreaktion, die gerade die Angehörigen nachhaltig und bitter beeinflusst. Beim Lesen habe ich immer wieder innegehalten und versucht, die Beweggründe der Protagonisten nachzuvollziehen, doch das ist mir nicht gelungen. Sowohl der entschlossene, doch unzufriedene Thomas als auch die patente, doch zurückgelassene Astrid blieben mir immer recht fremd, dennoch hat mich dieser Abstand nicht gestört, denn die Hauptcharaktere handeln schlüssig und werfen mit ihren Handlungen immer neue Fragen auf, denen man nur zu gern nachgehen würde. Auf Grund dieses Aspektes sehe ich auch eine Berechtigung darin, diesen Roman beispielsweise als Unterrichtslektüre zu wählen, denn kontroverse Diskussionen werden sich fast zwangsläufig ergeben.Ein kleiner Kritikpunkt meinerseits sind die ausufernden Landschaftsbeschreibungen, die gerade bei der geringen Seitenanzahl des Buches manchmal zu viel Raum einnehmen und den Blick auf die Gefühle und Gedanken der Protagonisten schmälern. FazitIch vergebe 5 Lesesterne und eine Leseempfehlung, für alle die sich gern mit unliebsamen Entscheidungen, einem aufgezwungenen Schicksal und der Möglichkeit, das eigene Leben radikal zu verändern, beschäftigen möchten. Es fällt schwer die Situation objektiv zu betrachten, selbst wenn Peter Stamm sehr distanziert und korrekt schreibt. Immer wieder fällt der Leser in eine Rolle hinein - in die des sinnsuchenden Vaters, der verlassenen Ehefrau, der enttäuschten Kinder und letztlich bleibt er hängen an der Tatsache, dass nicht alles im Leben einen Sinn haben muss. Und selbst wenn man keine müde Mark auf diese Aussage setzt, wird man hier gezwungen, darüber nachzudenken, was sein könnte, was wirklich ist und was niemals geschehen wird. Dieses Dilemma verkörpert "Weit über das Land" und wird mir damit lange und nachhaltig in Erinnerung bleiben.

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    • 8
  • Ein Mann steigt aus

    Weit über das Land
    schokoloko29

    schokoloko29

    20. October 2016 um 19:59

    Inhalt des Buches:Ein Mann entschließt seine Familie ohne einen Beweggrund zu verlassen. Er verlässt aus einer Laune heraus seine Familie und keine Mensch, noch nicht einmal er selbst, weiß warum. Vielleicht fühlt er sich eingeengt von den Erwartungen, der Arbeit, dem Lebensrhythmus. Doch das sind alles Spekulationen. Stattdessen wird in diesem Buch ausführlich über die Natur geschrieben. Die Alp auf der der Protagonist wandert. Inhalt des Buches:Als Leser weiß und spürt man, dass Peter Stamm mit Wörtern und Satzgebilden sich auskennt und, dass er mit der Sprache spielt. Mir blieb die Botschaft des Buches verborgen und ich hatte den Eindruck, dass irgendetwas fehlt. Erklärend möchte ich hinzufügen, dass es mein erstes Buch von Peter Stamm war und ich hohe Erwartungen hatte, die nicht erfüllt wurden.

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    • 3
  • Einfach großartig! Zu Recht für den Deutschen Buchpreis 2016 nominiert!

    Weit über das Land
    SarahV

    SarahV

    14. September 2016 um 15:12

    Klappentext: Ein Mann steht auf und geht. Einen Augenblick zögert Thomas, dann verlässt er das Haus, seine Frau und seine Kinder. Mit einem erstaunten Lächeln geht er einfach weiter und verschwindet. Astrid, seine Frau, fragt sich zunächst, wohin er gegangen ist, dann, wann er wiederkommt, schließlich, ob er noch lebt. Jeder kennt ihn: den Wunsch zu fliehen, den Gedanken, das alte Leben abzulegen, ein anderer sein zu können, vielleicht man selbst. Peter Stamm ist ein Meister im Erzählen jener Träume, die zugleich locken und erschrecken, die zugleich die schönste Möglichkeit und den furchtbarsten Verlust bedeuten. ›Weit über das Land‹ ist ein Roman, der die alltäglichste aller Fragen stellt: die nach dem eigenen Leben. Mein Eindruck: Peter Stamms Roman "Weit über das Land" hat mich von Anfang an gefesselt. Warum verlässt ein Mensch von jetzt auf gleich sein bisheriges Leben und verschwindet? Und wie gehen Familie und Angehörige mit dieser Situation um? Diese Fragen haben mich während der Lektüre unheimlich beschäftigt und ließen mich den Roman kaum mehr aus der Hand legen. In einer sehr nüchternen Schreibweise, die ohne wörtliche Rede und detailreiche Beschreibungen auskommt, berichtet uns Peter Stamm von Thomas Verschwinden. Dabei nimmt er abwechselnd die Perspektive von Thomas und die seiner Frau Astrid ein. Beide Blickwinkel auf das Geschehene überschneiden sich hin und wieder - eine hervorragend gelungene Erzählweise, die nach und nach das Bild auf die Geschehnisse rund um Thomas Aufbruch vervollständigt. Unklar blieben für mich jedoch bis zum Ende Thomas Beweggründe für sein plötzliches Verschwinden - eine Tatsache, die ich zum einen sehr schade finde, zum anderen hat mich diese offen gebliebene Frage aber auch lange über die Lektüre hinaus beschäftigt. Zum Nachdenken regt ebenso das Ende der Geschichte an. Der offene Charakter lässt Realität und Astrids Gedankenwelt miteinander verschwimmen. Ein herrlicher Abschluss für ein absolut gelungenes Werk, das in meinen Augen zu Recht für den Deutschen Buchpreis 2016 nominiert wurde!

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  • Deutscher Buchpreis – Die Longlist: Fragerunde mit Peter Stamm zu "Weit über das Land"

    Weit über das Land
    TanjaMaFi

    TanjaMaFi

    Fragerunde mit Peter Stamm zu "Weit über das Land" Auch in diesem Jahr habt ihr wieder die Möglichkeit, Autoren der Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 Fragen zu ihren Werken zu stellen und ihre Bücher zu gewinnen. Welches Buch ist euer Favorit? Hier könnt ihr abstimmen!Den Anfang bei unserer Fragerunden Aktion zum Deutschen Buchpreis macht Peter Stamm. Sein Roman "Weit über das Land" erzählt die Geschichte, vom Familienvater Thomas und seinem Wunsch, hinaus in die Welt zu gehen und sich selbst zu finden – eine der alltäglichsten und doch wichtigsten Fragen, die wir uns stellen können.Mehr zum InhaltIst es ein neuer Anfang, wenn man alles hinter sich lässt?Ein Mann steht auf und geht. Einen Augenblick zögert Thomas, dann verlässt er das Haus, seine Frau und seine Kinder. Mit einem erstaunten Lächeln geht er einfach weiter und verschwindet. Astrid, seine Frau, fragt sich zunächst, wohin er gegangen ist, dann, wann er wiederkommt, schließlich, ob er noch lebt. Jeder kennt ihn: den Wunsch zu fliehen, den Gedanken, das alte Leben abzulegen, ein anderer sein zu können, vielleicht man selbst. Peter Stamm ist ein Meister im Erzählen jener Träume, die zugleich locken und erschrecken, die zugleich die schönste Möglichkeit und den furchtbarsten Verlust bedeuten. ›Weit über das Land‹ ist ein Roman, der die alltäglichste aller Fragen stellt: Die nach dem eigenen Leben.Neugierig geworden? Hier geht es zur Leseprobe!Gemeinsam mit den S. FISCHER Verlagen verlosen wir unter allen Fragestellern ein Exemplar von "Weit über das Land"! Außerdem haben alle, die an den Fragerunden teilnehmen, die Chance auf ein großes Buchpaket mit allen Titeln, die auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stehen!Bitte beachtet, dass Peter Stamm eure Fragen am Montag, 05. September zwischen 14 und 18 Uhr beantworten wird und wir die Fragerunde dementsprechend schließen werden!Ich bin gespannt auf eure Fragen und wünsche euch viel Spaß!Bitte beachtet auch unsere Richtlinien: http://www.lovelybooks.de/info/richtlinien-lr-bv/

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    • 141
  • Bleibt im Kopf, weit über die Seiten hinaus

    Weit über das Land
    VanaVanille

    VanaVanille

    24. April 2016 um 20:02

    Mit Peter Stamms Erzählungen konnte ich zwar nicht allzu viel anfangen, sein Roman Weit über das Land hat mich jedoch etwas länger beschäftigt. Ein ganz gewöhnliches Ehepaar, festgefahren in ihrem Alltag, mit zwei Kindern, mit Nachbarn, einem Haus, einem Garten und einem Tor. Da beschließt der Mann zu gehen, alles liegen zu lassen, seinem Heim den Rücken zu kehren und in die Wälder zu ziehen, ohne jemandem etwas zu sagen. Abwechselnd erlebt der Leser die Geschichte dabei aus den Augen des Mannes und der Frau, deren Wege sich plötzlich trennen, obwohl sie so lange gemeinsam beschritten wurden. Dieser kleine Roman erzählt vom Ausbrechen aus der Normalität, aber eben auch vom Zusammensein, obwohl man weit entfernt voneinander ist. Denn - und so fühlt sich der Grundgedanke des Buches für mich an - manchmal braucht man die Distanz, um zu erkennen, wie wichtig man einander ist, trotz eines strukturierten Alltags, trotz der Festgefahrenheit. Eine Besonderheit an diesem Buch ist, dass man die Geschichte und ihren Verlauf dabei verschieden deuten und interpretieren kann, sodass nicht klar ist, wie sie endet. Ich mag soetwas, und auch wenn man sich mit mitte zwanzig weder mit der fleißigen Hausfrau, noch mit dem Ausreißer identifizieren kann, so hat mich der Roman dennoch berührt und hallte einige Zeit nach.

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  • Nüchtern-dokumentarisch, insgesamt einfach grossartig!

    Weit über das Land
    PaulaAbigail

    PaulaAbigail

    23. April 2016 um 09:32

    "Ein Mann steht auf und geht. Einen Augenblick zögert Thomas, dann verlässt er das Haus, seine Frau und seine Kinder. Mit einem erstaunten Lächeln geht er einfach weiter und verschwindet. Astrid, seine Frau, fragt sich zunächst, wohin er gegangen ist, dann, wann er wiederkommt, schließlich, ob er noch lebt. Jeder kennt ihn: den Wunsch zu fliehen, den Gedanken, das alte Leben abzulegen, ein anderer sein zu können, vielleicht man selbst."(Klappentext) Wieder und immer wieder schafft Peter Stamm es, den Leser in seinen Bann zu ziehen; und obwohl ich ein Fan von schöner Sprache bin, mag ich eben gerade das so sehr an Peter Stamms Schreibstil: das einfache, sachliche, fast schon banale. Denn genau das ist es, was die Geschichte(n) ausmacht. In Weit über das Land - und einem melancholischen, fast schon unerbittlichen Unterton - trifft er den Nerv der heutigen Gesellschaft, denn wer hat sich nicht selbst schon mal überlegt, einfach loszulaufen? Nichts planen, nichts sagen, alle Verpflichtungen zurücklassen und - gehen. Denn genau das tut Thomas; er geht und lässt Frau, Kinder und Haus zurück, um bei Nacht über Stock und Stein, durch Wälder und fremde Landschaften zu streifen. Astrid - seine Frau - sitzt derweilen zuhause und sucht nach vernünftigen Ausreden; für das Büro, die Familie, die Kinder - und nicht zuletzt für sich selbst; der Schein muss schliesslich aufrecht erhalten werden! Was in diesem Buch er- oder abschreckend wirken mag, ist die Tatsache, dass aufgrund Peter Stamms Schreibstil keinerlei Verzweiflung aufkommt, eher Lethargie. Man weiss, er - Thomas - ist weg und Frau und Kinder warten zuhause; ist nun mal so. Aber gerade dadurch, dass alles so sachlich scheint, wird nichts als richtig oder falsch dargestellt; ist es falsch, was Thomas gemacht hat? Reagiert Astrid richtig? Ich kann es nicht anders ausdrücken, als zu sagen: Peter Stamm hat - mal wieder - ein Meisterwerk vollbracht. Danke dafür!

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  • Ein Mensch verschwindet.....

    Weit über das Land
    Igela

    Igela

    Thomas und Astrid sind gerade mit ihren Kindern aus dem Urlaub zurück, als Thomas verschwindet. Für Astrid scheinbar grundlos,ist Thomas von einer Minute zur anderen einfach weg. So verleugnet sie auch erstmal sein Verschwinden vor den Kindern, den Nachbarn und Thomas Arbeitsstelle.Doch je länger er weg ist, je mehr muss sie den Tatsachen ins Auge sehen.Ein schmerzhafter Prozess. In zwei Erzählsstängen können wir Leser die Geschichte aus Thomas und aus Astrids Sicht verfolgen.Immer wieder überschneiden sich die selben Szenen aus beiden Blickwinkeln betrachtet.Etwas, das für mich die Faszination dieses Buches ausmacht. Zwar war mir Astrid beim Lesen näher, da man sehr viel von ihren Gefühlen mit bekommt.Thomas hatte hier den kalten, unnahbaren Part.Doch wie auch die ganze Erzählung ,hat der Autor auch bei der Personenbeschreibung und Charakter genau die richtige Mischung zwischen nötigen und unnötigen Details gefunden.So viel wie nötig, so wenig wie möglich! Der Schreibstil ist sehr ungewöhnlich.Sehr präzise und doch detailarm bringt Peter Stamm ohne ein Wort zuviel die Geschichte auf den Punkt.Eine Ausnahme hat der Autor bei den Landschaftsbeschreibungen gemacht.Hier spürt man deutlich wie schön die Schweiz, in der die Story spielt ,ist! Mich hat vor allem das eher offene Ende, bei dem man sich fragt was genau ist Tatsache und was Astrids Wunschdenken, sehr gefallen.Eine Geschichte ,die bei mir nachhallen wird!

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  • Ein Buch, das mich ein wenig ratlos zurückgelassen hat

    Weit über das Land
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    21. April 2016 um 11:19

    Warum verlassen Menschen von einem Tag auf den anderen alles, was sie haben, ihre ganze Familie und verschwinden einfach? Was macht das mit ihnen selbst, und wie geht es denen, die zurückgelassen werden?Mit dieser Frage beschäftigt sich der neue kleine Roman von Peter Stamm. Er handelt von Astrid und Thomas. Die beiden haben zwei Kinder und nennen ein Haus ihr Eigen, führen ein ganz normales Leben. Bis offensichtlich für beide überraschend, Thomas eines Tages abends das Haus verlässt und nicht mehr wiederkommt.Dass Menschen ihre Lieben auf diese Weise zurücklassen ohne sich ihnen zu erklären, geschieht öfter, als man denkt und ist deshalb auch in der Literatur ein bekanntes Thema. Pascal Mercier hat es in „Nachtzug nach Lissabon“ vor vielen Jahren beschrieben und Stefan Slupetzky hat in diesem Jahr in „Der letzte große Trost“ eine sehr interessante Version vorgelegt.Peter Stamm erzählt von den Tagen und Monaten nach Thomas` Verschwinden in zwei Strängen. Zum einen beschreibt er mit den für ihn bekannten ausufernden Naturbeschreibungen umrankt, den Weg und die Gedanken von Thomas und zum anderen die Gefühlswelt und die Gedanken seiner zurückgelassenen Frau Astrid. Ohne wörtliche Rede beschreibt Peter Stamm in einer sehr emotionslosen und nüchternen Sprache den Weg von Thomas und wie das Leben von Astrid weitergeht. Dem Leser bleibt eigentlich bis zum Ende unklar, warum er gegangen ist und es bleibt ebenso irritierend, dass und wie Astrid zu dem ermittelnden Polizisten Patrick eine ganz besondere Beziehung entwickelt.  Auch die zahlreichen Rückblenden bringen da wenig Aufklärung, machen aber die Figuren plastischer. Dennoch kommen sie einem beim Lesen nie wirklich nahe.Im letzten Drittel des Buches verschwimmen die Handlungsstränge von der Realität hin zu einer möglichen oder fantasierten Zukunft. Auch hier, wie in den ersten Teilen des Buches bleibt dem Leser erheblicher Interpretationsspielraum, den Peter Stamm offensichtlich bewusst so beabsichtigt.Keine der Figuren wächst dem Leser wirklich ans Herz. Sie bleiben in ihrem Handeln fremd und kühl. Ihr Leben geht weiter aber die Ungewissheit bleibt. „Weit über das Land“ ist ein Buch über die Rätselhaftigkeit des Lebens. Ein Leben, in dem sich über Nacht Abgründe auftun können, die auf immer unverständlich bleiben.Ein Buch, das mich jedenfalls ein wenig ratlos zurückgelassen hat.

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  • Warum?

    Weit über das Land
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    11. April 2016 um 16:47

    Warum?Sachlich, ruhig, karg in der Sprache schickt Peter Stamm seinen Protagonisten Thomas los.Erfolgreicher Mann. Guter Job, wichtig in der Firma. Frau und zwei Kinder (eine Frau, die ihm von Anfang an bereits gefallen hat). Haus, gerade aus dem Urlaub zurück. Einer, der von der Bank vor dem Haus aufsteht, die aufgeschlagene Zeitung fast noch in der Hand und geht.Und der Leser mag suchen und überlegen im Text, außer einem leichten Verdruss an den Gewohnheiten des Lebens (und noch nicht einmal einen drängenden Verdruss, eine ansonsten und überall eher alltägliche Krise vielleicht nach dem Urlaub zurück im gewohnten Ablauf) ist nichts als vordergründiges Motiv für diese Flucht zu finden.Aber im Lauf der Lektüre beschleicht einen doch ein Gefühl, eher unklar, zaghaft, aus dem heraus eine existenzielle Frage des westlichen Lebensstiles heraus sich entfalten wird.Warum schläft so einer lieber auf einer harten Plane im Vorzelt eines verlassenen Wohnwagens, denn das er nachts nach Hause zurückkehrt.„Die Umkleidekabinen waren schmutzig, überall lagen Abfälle herum und der hellblau bestrichene Fußboden fühlte sich klebrig an“.Unklar, aber mit einem melancholischen, unerbittlichen Unterton, der den Leser aufhorchen lässt. Könnte es sein, dass dieses „ganz normale Leben“, das jeder Westeuropäer für unbedingt erfolgreich und erstrebenswert erachten würde, einfach nichtig ist? Entleert, aushöhlt, so, dass alles andere als besser, gangbarer erscheint, so, dass der Aufbruch einfach existenziell notwendig ist?Erfolgreiche Frau, Astrid. Verheiratet, Mutter zweier Kinder, ganz aufgehend in diesem überschaubaren, bürgerlichen Leben. Und wacht auf und findet ihren Mann nicht mehr. Später, da sie zunächst davon ausgeht, dass dieser einfach nach dem Urlaub früher ins Büro gefahren ist.Bis das Büro anruft. Und Astrid beginnt, vernünftige Ausreden zu erfinden. Erstmal. Den Schein aufrechterhalten. Und doch merken, wie sie selbst Stunde für Stunde sich entleerter fühlt. Nicht vordergründig verzweifelt, eher auf lethargische Art und Weise. Doch, sie wird ihn suchen, doch, sie wird den Kindern irgendwann was erzählen müssen, doch, sie bearbeitet eine Verkäuferin, eine Geschäftsführerin und findet in einem Polizisten einen, der ihr zuhört, der sein mögliches tut. Aber all das trägt von Beginn an schon Zeichen der Zerfaserung und Zerfahrenheit, die Stamm höchst subtil im Text mitschwingen lässt.Denn, selbst wenn sie ihn fände, jetzt und hier, was dann? Was sagen, was zurechtrücken? Wo wäre der Draht zu ihrem Mann, wie könnte sie das angehen?In einer Welt, in der zu gelten scheint: „Sie redeten über Geld, über Liegenschaften, über Inventare und nötige Investitionen, aber nie darüber, worum es wirklich ging. Warum das alles“?Das scheint die entscheidende Frage zu sein. Und wüsste der Leser eine bessere, überhaupt ein „Mehr an Antwort“, als dieser Thomas? Vielleicht ist es so, dass diese „Leere des Lebens“, die Unerträglichkeit des „einfach so“ den Kern dieses kühl erzählten Buches ausmacht. Aber wer weiß, vielleiht finden andere Leser andere Antworten.Vor allem, was das Ende angeht, eine Auflösung ohne wirkliche Auflösung, ein Kreis im Leben, der sich nicht wirklich schließt, oder doch?Das Buch begleitet seine beiden Protagonisten, Erklärungen oder gar Erlösungen oder zumindest einfache Wertungen, wer von beiden es denn „richtig“ oder „falsch“ macht werden nicht angeboten. Und gerade deswegen bildet das Buch einen solch passenden, vergrößernden Spiegel, eine Lupe auf das, was allgemein unter alltäglichem, sogar erfolgreichen Leben gedacht wird. Worauf viele andere Hinarbeiten und was hier so lapidar, aber dennoch unter großem, inneren Zwang und alternativlos aufgeben wird.Die Sinnfrage an das übersichtliche Leben zu stellen ist Peter Stamm intensiv gelungen, mit einem Ende, dass den Leser fast alleine und ohne „runde Auflösung“ zurücklässt. Aber mit offeneren Augen, was das alles angeht, was so geschäftig den Tag füllt.

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  • Ein seltener Roman

    Weit über das Land
    MrsAmy

    MrsAmy

    17. March 2016 um 06:47

    Ein lauer Spätsommerabend. Thomas und Astrid sitzen in ihrem Garten, die Erinnerung an den gerade verbrachten Sommerurlaub ist noch frisch, die Kinder schlafen bereits. Auch Astrid ist müde und verschwindet ins Schlafzimmer. Thomas aber bleibt in Gedanken versunken sitzen. Schließlich steht er auf, geht bis zum Gartentor, bis zum Ende der Straße, bis zum Ende der Stadt. Er kommt an einen verlassenen Campingplatz und legt sich schlafen. Am nächsten Morgen zieht er weiter, versteckt sich, wenn ein Auto naht und schläft, wenn er müde ist. Kein Blick zurück, kein Bedauern. Aber auch keine Wut, sondern stets der friedliche Gedanke an die Familie, die Menschen, die Thomas liebt. Astrid bemerkt sein Verschwinden nur langsam. Das Leben dreht sich weiter, kommt schließlich zum Stillstand, nichts ist mehr, wie es war. Verzweiflung, Angst und Hoffnung ringen in ihr. Sie bleibt zurück, während Thomas immer weiter zieht. „Weit über das Land“ von Peter Stamm ist ein irritierender Roman und keinesfalls eine schnelle Lektüre für zwischen durch. Irritierend ist vor allem jener Handlungsstrang, der Thomas auf seiner Wanderung folgt. Es bleibt nur Handlung, nur Tat. Der Leser sieht, was Thomas tut, er versteht aber nicht warum, denn die Motivation bleibt verborgen. Mit ihr auch nahezu alle anderen Gefühlsregungen. Dem Leser bleibt nur der distanzierte Blick auf Thomas. Diese Figur, die seltsam konturlos erscheint und doch wieder auch scharf gezeichnet, ganz auf ihre Weise. Man möchte den Kopf schütteln und ihm zurufen: Kehr um! Du bereitest den Menschen, die dich lieben so viel Schmerz. Aber man schaut ihm auch fasziniert zu. Diese Unumkehrbarkeit seiner Handlung, die Konsequenz, die dahinter steckt, seiner gesamten Existenz den Rücken zuzukehren. Diesen Mut haben die wenigsten Menschen, den Drang manchmal zu fliehen, aber wohl die meisten. Doch was kommt danach? Astrid ist in ihrem Schmerz sehr viel greifbarer. Bei ihr wird dem Leser nicht der Blick auf ihr Innerstes verwehr. Vielmehr wird diese weidwunde Frau offen gelegt. Sie kann ebenso wenig wie der Leser verstehen, was Thomas antreibt. Der größte Schmerz entspringt der Abwesenheit eines Grundes und dem Fehlen jeglicher Nachricht. Es ist als habe es Thomas nie gegeben. Peter Stamm hat mit „Weit über das Land“ ein literarisches Meisterwerk geschaffen, dass die Fähigkeit hat, den Leser in seinen Grundfesten zu erschüttern. Am Ende bleibt man irritiert zurück. Es liegt an einem selbst zu entscheiden, welches Ergebnis man wählt. Vor allem dieser Schluss ist es, der noch lange in einem nachhallt und den man nicht wirklich greifen kann.

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  • Weit, weit fort über das Land ...

    Weit über das Land
    Monsignore

    Monsignore

    13. March 2016 um 16:11

    Auch wenn 97 % aller Vermisstenfälle in Deutschland aufgeklärt werden, so bleiben doch tausende Menschen spurlos verschwunden. Es ist der Traum vieler: sich von heute auf morgen allem entziehen, mit neuer Identität wo ganz anders neu anfangen. Der Familienvater in diesem Buch steht einfach auf und geht - ohne Vorbereitung, ohne Plan, anscheinend ohne Gedanken an irgendwas. Über sein Motiv kann man nur mutmaßen. Die Familie arrangiert sich schnell mit seiner Abwesenheit, der Arbeitgeber reagiert unaufgeregt, einzig der zuständige Polizist zeigt Anteilnahme.Seine Flucht ist erfolgreich, er schlägt sich durch, erst in der Schweiz, dann in vielen anderen Ländern. Bald wartet niemand mehr auf ihn.Die schmucklose und schnörellose Sprache mit kurzen Sätzen (außer in den so schönen Landschaftsbeschreibungen in der Schweiz!) zieht in den Bann. Die Geschichte dieses Mannes geht unter die Haut. Und gerade weil ein Erklärungsmuster fehlt, nur wenige Andeutungen vorhanden sind und der Autor an keiner Stelle psychologisiert, gerade deshalb kann beim Leser die Fantasie blühen ...

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