Peter Terrin

 3.8 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Der Wachmann, Monte Carlo und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Peter Terrin

Der Wachmann

Der Wachmann

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Erschienen am 19.02.2018
Monte Carlo

Monte Carlo

 (4)
Erschienen am 01.09.2016
The Guard

The Guard

 (0)
Erschienen am 30.08.2012
Monte Carlo / druk 1

Monte Carlo / druk 1

 (0)
Erschienen am 08.05.2014

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Rezension zu "Der Wachmann" von Peter Terrin

Ein Genre-Mix-Roman, der Klaustrophobie und Paranoia auf die Lesecouch bringt
Schurkenblogvor 9 Monaten


Michel und Henry bewachen im Auftrag der Organisation eine Tiefgarage eines Luxuswohnblocks. Ihre Arbeitstage sind eintönig und an Gewohnheiten orientiert. Ihr Leben findet vollständig untertage statt, denn raus kommen sie nie. Ihr Gebiet endet am Garagentor. Ein einziger Schlitz im Tor lässt Michel in die Außenwelt lugen. Mehr wissen sie von außen nicht.

Doch meistern Michel und Harry dieses Leben gut. Normalerweise würde man vermuten, dass eine solche Isolation zu Wahnsinn führt. Doch Gewohnheit ist stärker. Michel weiß, wie viele Schritte bis zum Fahrstuhl sind, wie viele Schritte bis zum Garagenplatz 24 sind und wie die Welt da draußen vor dem Garagentor riecht.
Nun könnte man annehmen, dass diese Gewohnheiten langweilig zu lesen seien. Sind sie nicht. Dieser unterirdische Arbeits- und Wohnstil ist derart befremdlich, dass alleine dieses Setting den Leser lange bei der Stange hält. Außerdem fragt sich der Leser ebenso wie die Wachmänner, was da draußen wohl passiert sein könnte. Denn eines Tages reist ein Bewohner nach dem anderen ab. Alle bis auf einen verlassen an einem einzigen Tag das Apartmenthaus. Irgendwas muss passiert sein. Da draußen. Ahnungslos halten sie weiterhin die Stellung wie befohlen und an ihren Gewohnheiten fest.

Der Leser hat, wie Michel und Henry, keine Ahnung, ob die Welt vor dem Tor überhaupt noch existiert. Ob Menschen durch die Straßen gehen oder ob ein Atomangriff die ganze Welt draußen zerstört hat.
Die Durchbrechung dieser Gewohnheiten wirkt wie eine Erschütterung einer ansonst gut funktionierenden Welt. Und die Gewohnheiten werden weiterhin gestört. Die Vorratslieferung der Organisation kommt später als erwartet. Der Strom fällt nach und nach aus. Und dann taucht auch noch ein dritter Wachmann auf und der Wahnsinn löst die Gewohnheit ab.

Dieses Buch liest sich einerseits durch das Setting beklemmend, andererseits auch geheimnisvoll. Es wird nicht verraten, was da draußen vor sich geht. Es geht um das drinnen. Drinnen in diesem Gebäude, drinnen im Innersten isolierter Menschen, denen die Gewohnheit weggenommen wird. Die es gewohnt sind, sich unterzuordnen und ohne zu hinterfragen, Befehle zu befolgen. Was, wenn niemand mehr da ist, der Befehle gibt? Wenn sie von einer Minute auf die andere auf sich alleine gestellt sind? Ohne zu wissen, was vor sich geht? Das sind die Kernfragen, die dieses Buch aufgreift.

Leider ist das Ende sehr dem Wahnsinn verfallen. Die Geschichte färbt nämlich nicht nur auf die Figuren ab, sondern auch auf den Leser. Am Ende muss man sich selbst die Frage stellen: Was ist echt? Was ist Paranoia? Wo hört die Realität an und wo fängt der Wahnsinn an.

Ein Buch, das einfach und schlicht beginnt und mit Anspruch endet. Man muss wohl den Wahnsinn lieben, um glücklich mit der Geschichte zu werden.

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miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Monte Carlo" von Peter Terrin

Peter Terrin - Monte Carlo
miss_mesmerizedvor 2 Jahren

Jack Preston hat es geschafft. Vom kleinen Mechaniker bis zum Teil des Lotus Teams in der Formel 1. Nur noch Minuten sind es bis zum Start in Monte Carlo 1968. Die Stimmung ist ausgelassen, nicht zuletzt wegen Deedee, dem bewunderten Filmstar, die sich im Fürstentum zu diesem sportlichen Ereignis die Ehre gibt. Doch ein tragisches Ereignis wird sich für immer ins Bewusstsein der Zuschauer brennen: eine Stichflamme über dem Lotus. Jack kann sich geistesgegenwärtig auf Deedee werfen, schwere Verbrennungen sind die Folge für den Techniker, das Filmsternchen kommt ohne Verletzungen davon. Wieder im heimatlichen England wartet Jack auf seine Anerkennung als Retter, doch Deedees Bodyguard ist in aller Munde, er bleibt namenlos, unerkannt. Er glaubt an göttliche Gerechtigkeit, ruft den Allmächtigen an. Als dies nicht hilft, versucht er Kontakt aufzunehmen, ebenfalls ohne Erfolg. Doch es wird noch ein Zeichen kommen, das für vermeintliche Gerechtigkeit sorgt, allerdings nicht so, wie Jack sich das gedacht hat.

Peter Terrins Roman legt viele Deutungen nahe und hat trotz der Kürze von weniger als 200 Seiten eine ungeahnte Tiefe. „Monte Carlo“ – Hauptstadt des Fürstentums an der Côte d’Azur, seit jeher mit Glanz verbunden, mit Träumen vom Prinzessin sein und Grace Kelly, die diesen Traum für sich verwirklichen konnte. Aber in ihr ist auch schon die Spannung angelegt, denn ein jähes Ende wartete auf sie, das auch im Roman, wenn auch auf andere Weise, wiederholt wird. Die Realität lässt nun einmal Träume nicht zu. Die Formel 1, das legendäre Rennen auf dem schmalen Parcours der städtischen Straßen. Sicherlich eine der bekanntesten und legendärsten Rennstrecken, die unzählige Opfer forderte und dadurch nur ihren Reiz erhöhen konnte. Auch bei Terrin fordert das Rennen Opfer, auf und neben der Rennstrecke, im Rampenlicht und abseits im Schatten. Das Jahr 1968, geprägt von großen Veränderungen, vom Aufbrechen alter Ordnungen und zumindest dem Anschein neuer Möglichkeiten.

Große Erwartungen schickt der Autor dem Roman voraus und man wird nicht enttäuscht. Zunächst fängt Terrin die Atmosphäre vor dem Rennen ein. Der Fürstenhof mit den üblichen Ritualen, die Zuschauer zwischen gebanntem Staunen und freudiger Erwartung, die Rennställe mit letzten Handgriffen. Man taucht ein in diese sonderbare Mischung und jeder Moment kann auf seine Weise faszinieren. Terrin schildert Details, vermeintlich unbedeutend und doch mit erheblicher Tragweite, die der Mensch aber noch gar nicht erfassen kann. Danach der Bruch, fernab der Blitzlichter der Weg zurück ins Leben. Die Erwartungen eines einfachen Mannes, der sich immer korrekt verhalten hat und nun ebenso erwartet behandelt zu werden. Das Ausbleiben des Dankes, die fehlende Anerkennung, der langsam aufkommende Spott. Mehr und mehr versinkt Jack Preston in seiner Enttäuschung, die bald zur Wut wird. Seine Welt gerät aus den Fugen, die göttliche Ordnung von Gerechtigkeit ist aus den Fugen geraten und muss korrigiert werden. Man kann diesen Prozess der größer werdenden Verzweiflung förmlich greifen, lange noch ein banges Hoffen, das Ausmalen dessen, was in seiner Vorstellung zwingend geschehen muss; dann die Verzagtheit darüber, dass er von der Welt übergangen und vergessen wird. Das göttliche Korrektiv folgt, doch bleibt auch hier die faire Anerkennung für seine Tat aus. Am Ende ein kurzer Einwurf, die Option auf einen anderen Ausgang, den es jedoch nicht geben wird, weil ein einziger Mensch sich anders entschieden hat, nicht wissend, was dadurch hätte ausgelöst werden können. Der Schlag des Schmetterlings der den Lauf der Dinge hätte verändern können – er bleibt aus.

Es sind nicht die großen Themen, die suggeriert werden, sondern der Seelenzustand des kleinen Mannes, der diesen Roman trägt und ihm die Tiefe verleiht. Zahlreiche Anspielungen lehnen den Roman an die Realität an, er bleibt jedoch fiktiv und lässt uns so mit der Frage zurück, welchen Einfluss wir auf das haben, was in unserem Leben geschieht und wo andere Kräfte walten und wir nur tatenlose Zuschauer im eigenen Leben bleiben können. 

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raven1711s avatar

Rezension zu "Monte Carlo" von Peter Terrin

Ruhig und tragisch
raven1711vor 2 Jahren

Klappentext:
Monaco im Mai 1968. Minuten vor dem Start des Grand Prix. Die Beau Monde tummelt sich zwischen Fahrern und Wagen, so auch die bardothafte Deedee, die Schauspielerin der Stunde. Ein Treibstoffleck verursacht eine höllische Stichflamme, die Deedee verbrannt hätte, wäre nicht Jack Preston, ein einfacher Mechaniker, dazwischen gesprungen, um sie zu schützen. Er erleidet schwerste Verletzungen. Ein Leibwächter zerrt Deedee fort. Prestons Heldentat wird kaum bemerkt. Er kehrt in sein englisches Heimatdorf zurück, wo er für seine Tat zunächst verehrt wird. Doch dann erscheinen Zeitungsberichte, in denen der Leibwächter als Retter gefeiert, und Preston überhaupt nicht erwähnt wird. Er hofft, ein Fernsehinterview mit Deedee werde seine Ehre retten, doch es kommt ganz anders. Ein Roman über Heldentum, den Wunsch nach Anerkennung und die Fragwürdigkeit dessen, was wir für die Wahrheit halten. Peter Terrin erzählt in eindrucksvollen Bildern voller Glanz und Nostalgie.

Meinung:
Beim Formel 1 Grand Prix 1968 kommt es zu einem tragischen Unfall. Eine Treibstoffverpuffung sorgt für eine enorme Stichflamme, gerade in dem Moment, als das aufstrebende Model Deedee in dessen Bahn gerät. Der Mechaniker Jack Preston kann sich im letzten Moment auf Deedee stürzen und diese vor den Flammen retten. Er selber erleidet dabei starke Verbrennungen, wegen denen er monatelang im Krankenhaus genesen muss. Jack sieht sich als Held und hofft, dass Deedee und die Veranstalter ihm diese Ehre auch erweisen werden. Als er aus dem Krankenhaus entlassen wird muss er jedoch feststellen, dass der Ruhm einem anderen zugesprochen wurde: Deedees Bodyguard. Jack ist tiefbestürzt und hofft, dass Deedee diesen Fehler richtig stellen wird, doch die Zeichen stehen schlecht für ihn.
Jack Preston ist der tragische Held in Monte Carlo, und Peter Terrin schafft es sehr gut, dass man sich tief in diesen hineinversetzen kann. Sein Schicksal hat mich absolut nicht kalt gelassen und seine Erfahrungen, die er hier machen muss, haben mich bestürzt. Leider ist er die einzige Figur in diesem Werk, die wirklich Tiefe aufweist. Seine Gegenspielerin Deedee wird nur oberflächlich behandelt und verschwindet im Buch wieder in den Tiefen der Boulevard-Presse. Mehr als ein paar Sternchen-Momente bekommt man hier leider nicht, und das finde ich sehr schade und hat mich ein wenig enttäuscht.
Jacks Geschichte wird hier in der dritten Person erzählt und der Blickwinkel bleibt meistens auf ihn gerichtet. Aber auch andere Personen kommen in diesem Roman zu Wort, so dass sich dem Leser nach und nach ein Gesamtbild über die Ereignisse erschließt. Die Kapitel sind sehr kurz und übersichtlich, was für einen guten Lesefluss sorgt. Peter Terrin erzählt in ruhigen, eleganten Sätzen diese eher unaufgeregte Geschichte, in deren Mittelpunkt die Gefühle und Emotionen der Protagonisten stehen, weniger die Handlung. Alles in allem war der Handlungsverlauf in Ordnung, aber ich habe ihn mir, aufgrund des Klappentextes, um einiges glamouröser vorgestellt.

Fazit:
Nicht so glamourös wie erhofft, aber sprachlich sehr elegant, erzählt Peter Terrin hier eine nachdenklich machende Geschichte über verdrehte Tatsachen und einsame Helden. Leider blieb mir die Geschichte von der Sichtweise zu einseitig und blass.
Von mir gibt es 3 von 5 Punkten.
Vielen Dank an den Berlin Verlag für das Rezensionsexemplar.

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