Peter Truschner

 3.4 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Die Träumer, Das fünfunddreißigste Jahr und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Peter Truschner

Peter TruschnerDie Träumer
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Die Träumer
Die Träumer
 (6)
Erschienen am 03.03.2007
Peter TruschnerDas fünfunddreißigste Jahr
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Das fünfunddreißigste Jahr
Das fünfunddreißigste Jahr
 (1)
Erschienen am 25.02.2013
Peter TruschnerSchlangenkind
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Schlangenkind
Schlangenkind
 (1)
Erschienen am 01.12.2004
Peter TruschnerWörterbuch des Körpers
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Wörterbuch des Körpers
Wörterbuch des Körpers
 (0)
Erschienen am 22.03.2005

Neue Rezensionen zu Peter Truschner

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Rezension zu "Das fünfunddreißigste Jahr" von Peter Truschner

Eva Menasse hat Peter Truschner als einen Autor beschrieben, der alles riskiere. Sie hat recht
WinfriedStanzickvor 5 Jahren


 

Auf den neuen Roman von Peter Truschner hat man lange warten müssen. 2007 in seinem Buch „Der Träumer“ hatte er den  Leser zum Zeugen einer verstörenden Entfremdung von Menschen von sich selbst und voneinander gemacht, in dem er  eine traurige Geschichte von Menschen erzählte, die einander, sich selbst und auch der Welt langsam, aber sicher verloren gehen. Sie wähnen sich dabei auf der Suche nach eben dem, aber trotz oder vielleicht muss man sagen wegen all dieser Anstrengung verfehlen sie das Ziel.

 

Auch in seinem neuen Roman „Das fünfunddreißigste Jahr“ begegnen wir einem Ich-Erzähler und seinen Freunden, allesamt etwa Mitte Dreißig, die ein Leben führen ohne einen inneren Halt. Und auch ihre äußere, ihre wirtschaftliche Existenz ist mehr als prekär. Keiner von ihnen hat es bis zu diesem Alter wirklich geschafft, sich eine tragfähige berufliche Perspektive und Sicherheit aufzubauen, obwohl sie alle nicht ungebildet sind. Auch ihre Beziehungen sind prekär oder schon lange gescheitert.

 

Immer wieder befindet sich der Ich-Erzähler in einem Dialog mit seiner Mutter, der er an einer Stelle seine Gedanken schildert, als er erkannt hat, dass er langsam älter wird. Auf ihre Frage, was denn dabei eigentlich der Punkt sie, antwortet er ihr mit Sätzen, die hier gut als Zusammenfassung eines Romans zitiert werden können, in dem Peter Truschner ernsthaft und ohne Plattitüden, letztlich aber auch ohne wirkliche Hoffnung die Seelenlage (s)einer Generation beschriebt.

„Dass man an einem bestimmten Punkt das Gefühl hat, dass nichts Großartiges mehr nachkommt. Dass man seine Chance vielleicht nicht genutzt hat.“ Dass man die Wohnung zu vernachlässigen beginnt, weil es keinen nennenswerten Grund gibt, sie sauber zu halten. Dass man am Anfang jeder Beziehung fragt, wie lange sie wohl dauern wird. Dass man leidenschaftslos in Bewerbungsgespräche geht, weil man im Voraus weiß, das es sich um einen Job handelt, der einen zwar ernähren, aber nicht erfüllen wird. Dass sich ein grauer Schleier über das eigene Leben legt, der schlimmer ist, als es die Entdeckung der ersten grauen Haare je sein könnte.“

Der Rezensent, der zu diesem Zeitpunkt seines Lebens die wirkliche Lebenskrise noch vor sich hatte, lange nicht wusste, ob er jemals aus ihr herauskommt, und mit fünfzig eine Familie  gründete und als Vater eine Sohnes und Familienmanager eine bis heute täglich erfüllende Aufgabe hat, fragt sich bange, was die in diesem Roman beschriebenen Menschen, die es im Kosmos des Autors wohl tatsächlich gibt, machen werden, wenn ihr ach so entfremdetes Leben einmal wirklich in eine Krise gerät. So etwas wie Resilienz (vgl. Christine Berndt, Resilienz: Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft Was uns stark macht gegen Stress, Depressionen und Burn-out, DTV 2013) besitzen sie jedenfalls (noch) nicht. Truschner hat seine Kapitel mit Zitaten aus den Essays von Montaigne eingeleitet und den Lesern so Hinweise gegeben auf die literarischen Wurzeln, aus denen er für dieses Buch sich genährt hat. Eva Menasse hat Peter Truschner als einen Autor beschrieben, der alles riskiere. Sie hat recht. Indem er alles, zuletzt sich selbst riskiert, stürzt er den irritierten Leser mit hinein in einen Strudel, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint, außer dem, den der Leser selbst für sein eigenes Leben, seine eigenen Lebensängste wählt. Sich diesem Abgrund zu stellen und den Leser an seinen Rand zu führen, ist das große Verdienst  auch dieses Buches.

 

 

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Rezension zu "Die Träumer" von Peter Truschner

Von Menschen, die einander, sich selbst und auch der Welt langsam aber sicher verloren gehen
WinfriedStanzickvor 6 Jahren

Der neue Roman von Peter Truschner erzählt eine traurige Geschichte von Menschen, die einander, sich selbst und auch der Welt langsam aber sicher verloren gehen. Sie wähnen sich dabei auf der Suche nach eben dem, aber trotz oder vielleicht muss man sagen wegen all dieser Anstrengung verfehlen sie das Ziel.

Robert und Iris sind schon lange verheiratet. Obwohl Iris immer ein Kind wollte, hat sie Roberts Zögern (jetzt noch nicht, erst mal dies, dann das ....) immer nachgegeben und schlussendlich resigniert. Beruflich hat sie sich erfolgreich etabliert mit einem Catering-Service, mit dem sie mittlerweile auch die High-Society ihrer Stadt bedient und dabei mit allerlei interessanten Menschen zusammen kommt. Robert dagegen befindet sich nach zunächst steiler Karriere an der Hochschule als Universitätsassistent auf dem Weg nach unten. Eine aberwitzige und letztlich unerklärliche Auseinandersetzung mit einem Kollegen ist nur der vorläufige Endpunkt einer Entwicklung, deren Anfänge und Triebkräfte im Dunkeln bleiben. Der Leser bekommt allerdings durch die Sprachkunst Truschners den Eindruck vermittelt, wie dünn das gesellschaftliche und berufliche Eis ist, auf dem wir uns alle bewegen, wie zerbrechlich die äußerliche Fassade einer persönlichen Existenz und eines angeblich gefestigten Charakters sind, wie schnell das alles zusammenbrechen kann, ohne dass man wüsste, wie man dagegen ankämpfen könnte.

Und so hat die Suche von Iris, nachdem sie auf einer Party vom plötzlichen Tod ihres ihr schon lange sehr fremd gewordenen Mannes erfährt, nach den wahren Hintergründen von Roberts Tod, etwas Gespenstisches. Truschner wechselt kapitelweise von den verzweifelten Nachforschungen von Iris zu den Stationen eines Abstieges, der unerklärlich und deshalb für den Leser bedrohlich bleibt.

Robert ist auf seinem Weg Menschen begegnet, die sich mit den Gescheiterten dieser Gesellschaft befassen, er ist ihnen nahe gekommen, und wenn man nicht von Anfang an wüsste, dass Robert tot ist, könnte man hoffen, er würde dort einen neuen Sinn für sein Leben finden und eine neue Lebensaufgabe für sich entdecken.
"Das Leben kam Robert wie ein Stein vor, der seine Größe im Laufe der Zeit immer wieder zu ändern vermochte. Einmal lastete er ihm schwer auf der Brust, sodass er das Gefühl hatte, unter seinem Leben begraben zu sein. Dann bekam man ihn plötzlich von hinten an den Schädel -und mit ihm das eigene Leben oder das Leben anderer, die aus dem Nichts kamen und irgendwann wieder darin verschwanden, um die Ohren gehauen. Plötzlich hatte man den Stein selbst in der Hand und mit ihm die Macht, einem anderen das eigene Leben aufzuzwingen - oder es aus der Hand zu geben, indem man den Stein einfach fallen ließ. Meist jedoch war das Leben kaum größer als ein Steinchen, das einem in den Schuh geraten war und an dem man sich - ehe man sich`s versah - eine Wunde geholt hatte."

Und so werden wir Zeugen einer verstörenden Entfremdung von Menschen von sich selbst und voneinander. Verstörend ist die Lektüre auch deshalb, weil die beiden Protagonisten aus genau der Schicht stammen, der auch die potentiellen Leser dieses irritierenden Buches angehören, Menschen, die schon seit längerem sich ihres Lebens nicht mehr wirklich sicher fühlen, und deren Angst vor einem "Abstieg" um so größer wird, je mehr sie darüber wissen und nachdenken.
Roberts Tod bleibt im Dunkeln, ebenso wie sein Leben. Und Iris ?

"Sie wußte, dass sein Verlust, der in Wahrheit kein jäher, sondern ein allmählicher gewesen war, sie noch lange begleiten würde, und sei es als Schatten, den er über ihre künftigen Liebesbeziehungen warf. Sie hatte lediglich die Antwort auf eine Frage bekommen, die zu stellen ihr nie in den Sinn gekommen wäre: ob und wie das Leben nach Robert weitergehen konnte."

Eva Menasse hat Peter Truschner als einen Autor beschrieben, der alles riskiere. Sie hat recht. Indem er alles, zuletzt sich selbst riskiert, stürzt er den irritierten Leser mit hinein in einen Strudel, aus dem es keinen Ausweg zu geben schient, außer dem, den der Leser selbst für sein eigenes Leben, seine eigenen Lebensängste wählt.
Sich diesem Abgrund zu stellen und den Leser an seinen Rand zu führen, ist das große Verdienst dieses Buches.

 

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Rezension zu "Die Träumer" von Peter Truschner

Rezension zu "Die Träumer" von Peter Truschner
BeautyBooksvor 10 Jahren

Truschners (nicht gerade neues) Thema ist zu einem großen Teil die Leere in Menschen, ihren Beziehungen, ihren Leben und ihren Hoffnungen und die Schwierigkeit, überhaupt etwas von Bedeutung (von wirklichem Gewicht) über das alles zusagen bzw. die Frage, ob es soetwas wie Bedeutung überhaupt gibt. Der Roman hat nur das Problem, dass er dadurch selbst seltsam leer wird. Kaum mehr als belanglose Handlung, kaum Richtung, Fragen, Antworten oder Ergebnisse - es plätschert halt so dahin in einem seltsam schulgeschichtsbuchartigem Stil der simpelste Beobachtungen als Offenbarung behandelt, wie ein Dorf sich zu einer gesichtslosen Kleinstadt entwickelt oder wie Arbeitlose auf Bänken herumsitzen (kennen wir alles schon!), und in der Behandlung seiner zentralen Figuren zwischen oberlehrerhafter Erläuterung und indifferenter Kontemplation schwankt. Und dann, was ich wirklich übel nehme, arbeitet er die ganze Zeit mit einem Spannungsbogen, der einen trotz all des leeren Plätscherns am Lesen hält und am Ende schlicht keine Auflösung hat..

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