Peter Turrini

 3,9 Sterne bei 20 Bewertungen

Lebenslauf von Peter Turrini

Peter Turrini, geboren 1944 in Sankt Margarethen in Kärnten. Lebt in Kleinriedenthal bei Retz. Seit 1971 freier Schriftsteller, schreibt Theaterstücke, Drehbücher, Essays, Gedichte. Seine Werke wurden in über dreißig Sprachen übersetzt. Seine Stücke werden weltweit gespielt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Peter Turrini

Cover des Buches Rozznjogd/Rattenjagd. Sauschlachten (ISBN: 9783518456361)

Rozznjogd/Rattenjagd. Sauschlachten

 (8)
Erschienen am 30.08.2004
Cover des Buches Manchmal ist ein Fasan eine Ente (ISBN: 9783702658533)

Manchmal ist ein Fasan eine Ente

 (3)
Erschienen am 24.05.2013
Cover des Buches Im Namen der Liebe (ISBN: 9783518457054)

Im Namen der Liebe

 (4)
Erschienen am 01.08.2005
Cover des Buches Fremdenzimmer (ISBN: 9783709978979)

Fremdenzimmer

 (1)
Erschienen am 16.04.2018
Cover des Buches Zwei Lebenswege. Eine Debatte (ISBN: 9783800077199)

Zwei Lebenswege. Eine Debatte

 (1)
Erschienen am 25.02.2019
Cover des Buches Josef und Maria (ISBN: 9783518455449)

Josef und Maria

 (1)
Erschienen am 27.10.2003
Cover des Buches Gemeinsam ist Alzheimer schöner (ISBN: 9783709979303)

Gemeinsam ist Alzheimer schöner

 (1)
Erschienen am 08.09.2020

Neue Rezensionen zu Peter Turrini

Cover des Buches Gemeinsam ist Alzheimer schöner (ISBN: 9783709979303)awogflis avatar

Rezension zu "Gemeinsam ist Alzheimer schöner" von Peter Turrini

Alzheimer Liebe und andere Kalamitäten
awogflivor 8 Monaten

Ich erwarte jedes neue Theaterstück von Peter Turrini immer mit Vorfreude, das letzte Drama vor zwei Jahren, als sich der sehr bekannte und kontroversielle Autor in Fremdenzimmer mit der Flüchtlingsproblematik beschäftigt hat, begeisterte mich restlos. Das aktuelle Stück, das mir von der Thematik her als alte Frau noch viel näher sein sollte, weil sich der Inhalt um ein greises Ehepaar mit Alzheimer dreht, hat mich erstaunlicherweise nicht ganz abgeholt und ich habe lange überlegt, warum das so ist.

Schon der Klappentext klingt sehr spannend:



"Im Nebel der Demenz lernt sich ein Ehepaar immer wieder neu kennen, lieben und hassen. In einem Reigen aus angeregter Unterhaltung und erdrückender Apathie erinnern sie sich an ihre junge Liebe, aber auch an nie verheilte Verletzungen. Was bleibt, wenn die Gedächtnislücken immer größer werden? Kann das Verblassen der Erinnerung sogar eine Befreiung bedeuten?"

Die Geschichte wird als tragikkomische und bezaubernde Liebesgeschichte bezeichnet und hat eigentlich alles, was mir vom Verlag versprochen wurde, genauso eingehalten, wie es angekündigt wurde.

Also was war es dann, was mich so gestört hat und meine Begeisterung derart bremste? Erst als ich mir meine letzten zwei Rezensionen von Rozznjogd (als Graphic Novel) und Fremdenzimmer durchlas, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich vermisse Peter Turrinis Bösartigkeit. Viel zu wertschätzend und vorsichtig ist er mit diesem Ehepaar als seine Leitfiguren umgegangen. Sie haben zwar Verletzungen erlebt, und sind auch wütend, aber sie offenbaren keine fiese, dreckige, ordinäre und monströse Seele mit grausamen Untiefen entweder aus der politischen Einstellung heraus oder aus nicht ausgelebten Perversionen oder anderen Schweinereien. Der Turrini ist mir diesmal zu milde geworden. Denn er hat für mich schon seit der Schulzeit die Funktion, mich mit verblüffender Primitivität, gleichsam mit dem Vorschlaghammer mit meiner Nase auf die Schlechtigkeit der Menschen und des politischen Systems zu stoßen. Er ist und war für mich immer derjenige, der den pinken österreichischen Zuckerguss – beziehungsweise den Punschkrapferlüberzug, der über alle gesellschaftlichen Grauslichkeiten in unserem Land darübergestülpt wird, so lange schmerzhaft wegkratzt, bis die schwarze Seele oder die braune politische Suppe zum Vorschein tritt. Natürlich sind seine typischen Monster als Protagonisten auch liebevoll, sehr menschlich und teilweise auch sehr sympathisch gezeichnet, denn sie sind immer auch wie Du und ich und halten den sogenannten und selbsternannten Korrekten einen sehr hässlichen Spiegel vor.

Dieses Bösartige, Entlarvende und Wütende gibt es eben in dieser Geschichte nicht. Das Drama könnte jetzt vielleicht auch trotzdem sehr gut sein, denn ein Autor muss ja nicht immer die Schubladen bedienen, in die ich ihn gesteckt habe, aber für mich ist der nette, umgängliche Turrini einfach weit weniger spannend und gut als jener, der ab und an einen Rundumschlag startet, um uns zu demaskieren und aufzurütteln. Eine solche tragikomische und sensible Liebesgeschichte schreiben, können einfach andere Autoren etwas besser.

Bleibt natürlich der sehr innovative Alzheimer-Aspekt des Theaterstücks übrig, der schon recht spannend ist, da sich die beiden im Ablauf und in der Bearbeitung ihrer Beziehung oft an die tiefsten Verletzungen nach und nach nicht mehr erinnern können. Am Ende, als fast alle Erinnerungen durch Alzheimer ausradiert sind, ist der alte Funke der gegenseitigen Anziehung geblieben, sie verlieben sich im Altersheim neu ineinander und wollen heiraten, nicht wissend, dass sie bereits verheiratet sind. Das ist ein schönes Finale.

Fazit: Für mich zu wenig Turrini-typische bösartige Demaskierung der Figuren und der Gesellschaft. Ansonsten ein nicht unspannender Ansatz in einer Liebesgeschichte.

Kommentare: 6
16
Teilen
Cover des Buches Im Namen der Liebe (ISBN: 9783518457054)nana_what_elses avatar

Rezension zu "Im Namen der Liebe" von Peter Turrini

"Im Namen der Liebe" von Peter Turrini
nana_what_elsevor 9 Monaten


Solange die Existenz
und die Lage 
des Paradieses 
nicht geklärt sind 
halte ich mich 
an dich.
Aus: Im Namen der Liebe von Peter Turrini, Seite 27


Das verrät der Klappentext: Am Anfang steht das Glück der jungen Liebe. Es folgen die ersten Trübungen. Sie steigern sich über Betrug und Lüge bis zum Kampf, führen in die Verzweiflung, fast in den Irrsinn und enden doch schließlich in der Versöhnung der Liebenden. In seinem Gedichtband schreibt Peter Turrini in einem Ton, der von sanfter Heiterkeit bis zu kühler Ironie, von sachlicher Ernsthaftigkeit bis hin zu schamloser Offenheit reicht, von der Entwicklung einer Liebe. [Textrecht: Suhrkamp]


Persönlicher Leseeindruck: Der Band – so heißt es in den einführenden Worten – enthält Gedichte, die sich mit allen Phasen des Liebens und Geliebt-Werdens beschäftigen, wobei schon hier latent das Memento Mori mitschwingt. Denn dass die Liebe ein Phänomen mit eher geringer Halbwertszeit und eine emotionale Möbiusschleife ist, deren Höhen zugleich ihre Tiefen sind, scheint innerste Überzeugung des Autors – oder zumindest Programm des dünnen Bändchens zu sein.


Wenn du gehst, will ich alles:
Das Geflüster.
Die Entdeckung.
Die Hingabe.
Die Raserei.
Den Schrei.
Das Aufatmen.
Das Verweilen.
Den Halbschlaf.
Zeit.
Wenn du bleibst, will ich nichts.
Aus: Im Namen der Liebe von Peter Turrini, Seite 41


Während einige der Gedichte auf der Zunge und im Herzen wie Schokoladeneis in der Sonne zergehen, manche Zeilen immer wieder gelesen werden wollen und dabei vollendet einfach sind, driften einige schnell und massiv ins Obszöne ab, wirken sprachlich lieblos und unausgegoren, leben von Vulgarität und Bildern, die mit Liebe so viel zu tun haben, wie ein Fisch mit dem Fliegen.

Einen Großteil der Texte würden wohl nur noch Menschen, die ein noch zynischeres Verhältnis zur Zweisamkeit als ich haben, noch als Liebesgedichte bezeichnen. Und die würden wohl nicht zu einem Gedichtband mit dem Titel Im Namen der Liebe greifen. Soweit meine Spekulation.

Vermutlich wäre an dieser Stelle sogar eine Triggerwarnung angebracht:

Selbstverletzung und -zerstörung haben nichts mit Liebe zu tun. Eifersucht hat nichts mit Liebe zu tun. Ignoranz und Gewalt haben nichts mit Liebe zu tun. Auch wenn sie angeblich im Namen der Liebe geschehen.


Die Wahrheit ist:
Ich bin unfähig
zu lieben.
Ich kann nur nicht genug
von dieser Unfähigkeit kriegen.
Aus: Im Namen der Liebe von Peter Turrini, Seite 111


Fazit: Für mich war der im Suhrkamp Verlag erschienene Gedichtband Turrinis ein durchwachsenes Leseerlebnis.


Im Namen der Liebe von Peter Turrini
Taschenbuch, 125 Seiten | Suhrkamp Verlag 2005 | ISBN: 978-3-518-45705-4 


Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Zwei Lebenswege. Eine Debatte (ISBN: 9783800077199)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Zwei Lebenswege. Eine Debatte" von Erwin Pröll

"Ein Freund ist ein Mensch, vor dem man laut denken kann" (R.W. Emerson)
Bellis-Perennisvor 2 Jahren

Unter der „Regie“ von Herbert Lackner treffen sich zwei höchst unterschiedliche Persönlichkeiten, die doch mehr gemeinsam haben, als es scheint: 

Erwin Pröll, geboren 1946 in der kleinen niederösterreichischen Gemeinde Radlbrunn und Peter Turrini, geboren 1944 in St. Margarethen in Kärnten. Während Pröll in einer Bauernfamilie geborgen aufwachsen und studieren konnte, wurde Turrini als Zuwandererkind jahrelang ausgegrenzt. 

Prölls beruflicher Höhepunkt waren seine Jahre als Landeshauptmann von NÖ (1992-2017). Turrini hingegen ist nach einer Reihe unterschiedlichster Berufe seit 1971 freischaffender Schriftsteller mit allen Vor- und Nachteilen. 

Während Pröll die eher konservative Weltanschauung vertritt, liegt Turrini der Kommunismus näher. Trotzdem kreuzen sich die Lebenswege der beiden immer wieder. 

Als Peter Turrini 1978 die legendäre TV-Alpensaga schreibt, prallen die Ansichten hart aufeinander. Die Bauern, deren Vertretung, der Bauernbund, dem Pröll damals angehört, fühlen sich von Turrinis Bild der Bauern desavouiert. Wütende Proteste sind die Folge. Dabei will Turrini das angestaubte Image der Bauern zurechtrücken. Manchmal ist eben „gut gemeint“ das Gegenteil von „gut“. 

Heute sind die beiden so etwas wie Freunde. Neben Pröll, lebt auch Peter Turrini (seit 1991) ebenso wie der Moderator dieser Debatte, Herbert Lackner, in Niederösterreich. 

Das spannende Experiment, zwei so unterschiedliche Menschen wie Erwin Pröll und Peter Turrini abseits eines „weiteren Beitrags zur Selbstdarstellungs- und Seitenblickegesellschaft“ (© Peter Turrini) an einen Tisch zu bringen, darf als durchaus gelungen betrachtet werden. Neben Anekdoten wird auch bislang Unbekanntes aus der Erinnerung geholt und im klassischen Sinn geteilt. 

Abwechselnd reden Pröll, Turrini und Lackner über Macht und Geschichte, Kirche und Kunst sowie das Leben als solches.   

Fazit: 

Ein Buch zum Verschenken oder Selberlesen. Gerne gebe ich 4 Sterne.


Kommentieren0
5
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Peter Turrini wurde am 26. September 1944 in St. Margarethe im Lavanttal (Österreich) geboren.

Community-Statistik

in 31 Bibliotheken

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks