Peter Turrini

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Rozznjogd/Rattenjagd. Sauschlachten

Rozznjogd/Rattenjagd. Sauschlachten

 (8)
Erschienen am 30.08.2004
Manchmal ist ein Fasan eine Ente

Manchmal ist ein Fasan eine Ente

 (3)
Erschienen am 15.10.2013
Im Namen der Liebe

Im Namen der Liebe

 (3)
Erschienen am 01.08.2005
Fremdenzimmer

Fremdenzimmer

 (1)
Erschienen am 16.04.2018
Josef und Maria

Josef und Maria

 (1)
Erschienen am 27.10.2003
Bei Einbruch der Dunkelheit

Bei Einbruch der Dunkelheit

 (1)
Erschienen am 30.07.2007
Der tollste Tag

Der tollste Tag

 (1)
Erschienen am 22.09.2003
C'est la vie: Ein Lebens-Lauf

C'est la vie: Ein Lebens-Lauf

 (0)
Erschienen am 30.09.2014

Neue Rezensionen zu Peter Turrini

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Rezension zu "Fremdenzimmer" von Peter Turrini

Familienaufstellung mit Flüchtling
awogflivor 9 Monaten

Der Autor Peter Turrini ist einer meiner langjährigen literarischen Begleiter seit meiner Teenagerzeit als Pflichtlektüre in der Oberstufe der Schule, Reibebaum und Grundlage für hitzige Diskussionen in der Klasse. Immer griff er brandaktuelle Themen auf und hat sie meist sehr pointiert, manchmal auch extrem polarisierend und bösartig - aber immer sehr spannend und mit enormer gesellschaftlicher Relevanz umgesetzt. Diesmal widmet er sich in einem brandaktuellen Theaterstück dem Flüchtlingsthema und es ist wirklich W U N D E R V O L L!

Sehr minimalistisch sind die drei Figuren schon zu Beginn wie in einer psychotherapeutischen Familienaufstellung installiert und grandios konzipiert: Gustl als pensionierter Briefträger und Beamter sehr gut versorgt, ein Alt-Sozi, dessen rote Grundeinstellung im Alter nun faulig braun und xenophob geworden ist. Hertha beziehungsfrustriert, unterdrückt, ein bisschen Gutmensch mit einem riesengroßen Herz und einem unverarbeiteten Trauma, da ihr Sohn vor Jahren verschwunden ist. Samir, der Syrer auf der Flucht vor der Polizei, die ihn abschieben möchte und selbstverständlich das Handy von Samir, das darf auch nicht fehlen. Richtig ironisch installiert Turrini das Mobiltelefon fast als eigene Figur, die kommuniziert und Gespräche unterbricht.

Samir spricht sehr gut Englisch, versteht aber nur bruchstückhaft Deutsch, das Pensionistenpaar als gelernte Österreicher, eher der sozialen Unterschicht zugehörig, kann kaum Englisch, was die Kommunikation untereinander etwas schwierig macht, aber natürlich dem Stück und den kuriosen, teils witzig-grotesken Verständigungsversuchen sehr zuträglich ist. Auch untereinander haben Hertha und Gustl schon seit Jahren nicht mehr richtig miteinander gesprochen, jeder hat sich in seinen eigenen Bereich und in sein Selbst zurückgezogen. Ihre Beziehung ist in Sprachlosigkeit erstarrt. Als Samir auf der Bildfläche auftaucht, durchbricht er alleine durch seine Existenz und die erforderlichen Diskussionen das jahrelange Schweigen des Ehepaars.

Das Paar hat ein freies Zimmer, das eigentlich für den vermissten Sohn freibleiben soll, und das nun von Hertha kurzerhand für Samir als Fremdenzimmer umfunktioniert wird. So inkriminiert Hertha den Syrer sofort als ihren Sohnersatz. Nach und nach kommt aber auch Gustl aus seinem selbstgebauten Schneckenhaus und gibt seine Ressentiments gegen Samir, den Ausländer auf, getreu dem sozialpsychologischen Motto, dass Leute, die gar keinen Kontakt zu Flüchtlingen haben, vor diesen weit mehr Angst und Ressentiments haben, als jene, die in Interaktion mit ihnen stehen. So fürchten sich die Landbevölkerung und abgeschottete Gruppen wie Pensionisten einfach mehr als Leute, die wirklich schon mal mit einem Flüchtling interagiert haben. Man fürchtet sich mehr vor Unbekanntem.

Durch Samir taut auch Gustl allmählich auf und auch die Beziehung zu Herta beginnt wie ein zartes Pflänzchen wieder zu sprießen. Spätestens ab diesem Punkt wird klar, dass das Theaterstück eigentlich nicht das Flüchtlingsthema behandelt, sondern Beziehungen im Allgemeinen sehr genau analysiert und seziert.

Was auffällt, ist der Umstand, dass Turrini offensichtlich im Alter auch ein bisschen milder geworden ist. Zwar prangert er gewohnt bissig und gemein zu Beginn der Geschichte die Fremdenfeindlichkeit, Bösartigkeit und die typische spießige Doppelmoral der österreichischen Gesellschaft an und hält uns somit einen Spiegel der Wahrheit vor unsere wirklich nicht schöne Fratze. Dennoch kommt es mir so vor, dass er mittlerweile einfach weniger gnadenlos geworden ist. Er hat Mitleid mit diesen Menschen, deckt auch ihre Traumata auf, die sie zu solchen Menschen haben werden lassen und gesteht ihnen außerdem eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung zu, was durchaus auch als optimistischer Blick in das gesellschaftliche Potenzial der Zukunft gesehen werden kann. Unter vielen Schichten verschüttet steckt ein guter Kern in seinen Figuren.

Das Ende der Geschichte hat etwas vom magischen Realismus der lateinamerikanischen Bestseller und manifestiert nicht nur sprichwörtlich sondern auch buchstäblich meine im ersten Absatz getätigte Beurteilung von W U N D E R V O L L. Es versteht sich als Akt der Befreiung, des zivilen Ungehorsams, der Menschlichkeit und der Freude am Leben. Mehr möchte ich hier aber nicht verraten.

Fazit: Mein erstes Buchstoffhighlight für 2018! Was mich ein bisschen mit Wehmut erfüllte, war, dass dieses grandiose Stück für ein Buch einfach viel, viel zu kurz war. Ich war richtig traurig, als ich so früh die Buchseiten zuklappen musste - ich hätte noch lange so weiterlesen mögen. Ich hoffe, ich habe bis Mitte Juni noch Zeit und Gelegenheit, Theaterkarten für eine der Aufführungen in Wien zu ergattern.

Nachtrag Theaterstück:
Das Theaterstück ist topaktuell und wurde am 15.1.2018 in Wien im Theater in der Josefstadt uraufgeführt. Auch wenn ich das Stück noch nicht gesehen habe, möchte ich ausnahmsweise trotzdem eine warme Empfehlung aussprechen. Erstens die Vorlage ist so gut, da kann man als Regisseur recht wenig verhunzen. Zweitens, der grandiose Erwin Steinhauer, der mich schon beim Bockerer so derart begeistert hat, dass er den Karl Meerkatz in meinem Gedächtnis einfach an die Wand klatschte und aus der Erinnerung löschte, spielt den Gustl und das kann ich mir extrem gut vorstellen. Somit hänge ich mich nun mal weit aus dem Fenster und sage: „Geht hin, wenn Ihr irgendwie die Gelegenheit habt!“ Das Stück läuft noch bis 19. Juni 2018  in der Josefstadt in Wien. Hier ist der Spielplan.

Theater in der Josefstadt
Josefstädter Straße 26
1080 Wien
https://www.josefstadt.org/programm/stuecke/action/show/stueck/fremdenzimmer.html
Premiere: 15. Jänner 2018
Letzte Aufführung: 19. Juni 2018

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W

Rezension zu "Manchmal ist ein Fasan eine Ente" von Peter Turrini

Faszinierende Gespräche
WinfriedStanzickvor 5 Jahren

In einem Interview hat der österreichische Schriftsteller Peter Turrini Auskunft gegeben, wie es dazu kam, dass er die Gespräche mit Theresa aufzeichnete und von seinem Freund Gerhard Haderer illustrieren ließ.

 

„Theresa und ihre Mutter wohnen vis-à-vis von mir in diesem sehr kleinen Dorf. Ihre Mutter ist zeitweise Mitarbeiterin von mir und tippt Texte. Sie hat die Theresa, die damals so an die vier Jahre alt war, mitgebracht und mich gebeten, ein bissl auf sie aufzupassen. Und dann ist sie selbstständig immer wieder gekommen, zeitweise jeden Tag. Wir haben meistens ein bis zwei Stunden miteinander verbracht. Ich hab ihr neben meinem Schreibtisch so einen kleinen Schreibtisch eingerichtet, und sie hat meistens gezeichnet. In diesem Jahr sind diese Gespräche entstanden. Dem Thema nach sind sie alle von ihr. Nach einem halben Jahr habe ich begonnen, sie thematisch aufzuzeichnen und später in eine literarische Form zu bringen. Ab dann hab ich mir nur noch eines gewünscht: Der Haderer möge das illustrieren.“

 

Und das hat er getan auf seine unvergleichliche Weise und somit ein Buch geadelt, dass zeigt, wie tief Kinder denken, wie sie den Sachen  auf den Grund gehen und den Erwachsenen, die immer alles zu wissen glauben, zeigen, dass sie die besseren Philosophen sind.

 

Es sind faszinierende Gespräche zwischen einem sechsundsechzigjährigen Intellektuellen und einen vierjährigen Mädchen, die zumindest den alten Mann nicht unverändert gelassen haben.

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The iron butterflys avatar

Rezension zu "Im Namen der Liebe" von Peter Turrini

Rezension zu "Im Namen der Liebe" von Peter Turrini
The iron butterflyvor 8 Jahren

Dort wo Turrini nicht im Selbstmitleid versinkt finde ich seine Gedichte richtig gut. Liebeszyklisch aufgebaut beginnt sein Gedichtband "Im Namen der Liebe" mit der ersten Verliebtheit und Euphorie, die Hormone steigen höher als der Scheitel steht. Die Liebe erblüht und steht schon bald im Zenit, von nun an geht es steil bergab. Über Routine zum Versagen, über Eifersucht hin zu Sehnsucht, über Verzweiflung, Selbstmitleid, Mord- und Selbstmordgedanken kommt er zum abgeklärten Ende und bloßer Erinnerung an das einmal Gewesene. Mit einem gewissen Schmunzeln stelle ich fest, dass es sich hier um sehr maskuline Lyrik handelt und lese dann im Nachwort, dass Turrini in einem "Spiegel"-Interview äußerte, er würde schreiben, um an Frauen heranzukommen. Dann wünsche ich mal viel Erfolg!

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Peter Turrini wurde am 26. September 1944 in St. Margarethe im Lavanttal (Österreich) geboren.

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