Peter Watson Der deutsche Genius

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Inhaltsangabe zu „Der deutsche Genius“ von Peter Watson

Deutsche Ideen, deutscher Geist und deutsche Ideologien haben das Weltgeschehen maßgeblich beeinflusst und geprägt. Peter Watson zeichnet diese Entwicklung von der Mitte des 18. Jahr hunderts bis zur Gegenwart nach und ergründet Ursprung und Wesen des »Deutschen Genius«. Philosophie und Literatur, Musik und Malerei, Wissenschaft und Technik – Watson bietet eine beeindruckende Gesamtschau deutschen Geisteslebens von Lessing bis Mann, von Humboldt bis Benz, von Kant bis Habermas, von Schleiermacher bis Ratzinger, von Bach bis Henze, von Friedrich bis Beuys. Eine faszinierende Kultur- und Ideengeschichte.

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  • Rezension zu "Der deutsche Genius" von Peter Watson

    Der deutsche Genius

    michael_lehmann-pape

    05. December 2010 um 12:15

    Detaillierte und umfassende Geistesgeschichte Vom Ende des Barock und damit vom Anfang der Renaissance bis zur Gegenwart reicht der zeitgeschichtliche Bogen, den der Publizist Peter Watson mit seinen Betrachtungen der Geistes – und Kulturgeschichte der Deutschen spannt. Hierbei beginnt er seine Darstellungen mit der Feststellung, dass die Zeit des Nationalsozialismus wie ein Fallbeil die bis dahin unbestrittene Vorrangstellung des deutschen Denkens in der Welt fast abgeschlagen hat und setzt daher, folgerichtig, zu dieser unseligen Zeit eine Zäsur. Mit dem Ziel, die tiefgreifende Erfolgsgeschichte der deutschen Geistesgeschichte einerseits wieder ins Bewusstsein zu rücken und andererseits die Anknüpfungspunkte an diese auch nach der Zeit des zweiten Weltkrieges neu in den Blick zur rücken. So reicht sein Bogen denn auch bis in die aktuelle Gegenwart, dem deutschen Papst Benedikt, hinein. Schwerpunkt aber ist die Zeit des beginnenden 18. Jahrhunderts bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Eine Zeit, in der Deutschland mehr Nobelpreisträger hervorgebracht hat, als Amerika und England zusammen, eine Zeit, in der das Wort Thomas Manns durchaus weitreichende Bedeutung hatte: „Kann man Musiker sein, ohne Deutsch zu sein“? Im Aufbau des Buches folgt Watson zunächst der Einsicht, das sich Genie und Zeit miteinander in Verbindung setzen, dass einerseits Zeitströmungen und Entwicklungen Menschen zu geistigen Höhenflügen motivieren, dass andererseits Zeitströmungen und geschichtliche Entwicklungen gerade durch solche Höhenflüge einzelner einen deutlichen Schub erhalten. Die langsame Einigung zu einer Volksgemeinschaft aus vielen Kleinstaaten heraus und der hohe Wert, der der Bildung mehr und mehr zugeschrieben wurde zu jener Zeit, sind die beiden äußeren Entwicklungen, die den Drang nach Vollkommenheit in einem geschlossenen, kulturgeschichtlichen Raum befördert haben. In sechs Teilen folgt Watson den Spuren des deutschen Genius. Eine Entwicklung, die nicht nur in Deutschland, sondern die in ihren Vertretern von Bach über Beethoven bis Wagner, von Novalis über Goethe bis Thomas Mann, von Kant über Hegel bis Feuerbach, sowohl den rein ästhetischen Genuss würdigt, natürlich an Philosophie und Humanismus nicht vorbeigeht und die Dichtung und geistige Blüte Weimars mit in den Blick nimmt. Eine Entwicklung, die Deutschland zur intellektuellen Großmacht hat werden lassen. Wichtig zudem, dass Watson nicht an der reinen Geistesgeschichte sich abarbeitet. Ebenso detailliert wirft er einen ausführlichen Blick auf die Forschungs- und damit materielle Kulturgeschichte. Sei es im Rahmen der Physik, im Blick auf die Laborforschung durch Siemens, Zeiss und andere oder im Metall- und Fahrzeugbau, immer gelingt es Watson, die inneren Verbindungen der einzelnen Entwicklungen zu zeigen, so dass ein kompaktes und in sich verflochtenes Bild der sich gegenseitig befruchtenden Geistes- und Kulturgeschichte Deutschlands entsteht, die zu weltweitem Ruf auf vielfachen Gebieten geführt haben. Eindrucksvoll schließt Watson mit seinen Einlassungen zu den Gefahren all zu großer Innerlichkeit und Idealisierung des Geistigen, des Genius. Gefahren einer Innerlichkeit, beruhend auf Luther und dem Pietismus, die leicht in Selbstüberhöhung und stereotypen Aburteilungen anderer ausmünden können, mit, wie die Geschichte gezeigt hat, massiv destruktiven Folgen. Dies alles stellt Watson in übersichtlicher Struktur dar, immer ist eine klare Orientierung im Buch möglich, bis in das breit angelegte Literaturverzeichnis hinein. Zudem in verständlicher, flüssiger Sprache, ohne abstrakte Wissenschaftlichkeit, aber auch die Gefahr vermeidend, sich im Trivialen sich zu verlieren. Durchaus aber findet sich auch reines Lebensgefühl im Buch, Blicke auf Schwabing, Wien und Berlin zu Zeiten zeigen, wie sehr geistiges Schaffen auch den Alltag mit zu beeinflussen verstand und der (fast) am Ende stehende Eindruck vom „Cafe Deutschland“ vermag in den Raum zu stellen, wie sich in der Moderne auch langsam der Blick von der Welt auf Deutschland beginnt, zu ändern. Peter Watson ist ein fulminantes Buch gelungen, dass nicht nur einzelne Epochen oder herausragende Persönlichkeiten der Geistesgeschichte eloquent erläutert und bildhaft vor Augen führt, sondern vor allem die inneren Verbindungen einzelner Bereiche und Strömungen zueinander offen legt und zudem die mannigfaltigen und oft ganz entscheidende Wirkungen deutscher Geistes- und Kulturentwicklung weltweit nachvollzieht.

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