Peter Wawerzinek Rabenliebe

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Inhaltsangabe zu „Rabenliebe“ von Peter Wawerzinek

Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie. Das Ergebnis ist ein literarischer Sprengsatz, wie ihn die deutsche Literatur noch nicht zu bieten hatte. »›Rabenliebe‹ ist ein tolles Buch: unerträglich und laut, leise und liebevoll, geduldig und unduldsam, sprachmächtig und sprachlos zugleich. Es geht an die Nieren und zu Herzen, es macht bescheiden und sehr, sehr still.« NDR

Schwere Kost über ein Thema, für das man bereit sein muss, dann ist es aber eine interessante Lektüre, sowohl von Stil als auch vom Inhalt.

— Duffy
Duffy

schwere Kost, aber wirklich lesenswert! interessanter Schreibstil und eine Geschichte, die einem eine neue Welt eröffnet.

— OscarKA
OscarKA

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  • Rezension zu "Rabenliebe" von Peter Wawerzinek

    Rabenliebe
    Christa_Schyboll

    Christa_Schyboll

    21. August 2012 um 22:06

    Wer sehnt sich schon nach einem Gefangenenlager? Also wenn es in Form eines sehr guten Buches daher kommt, kann man ins Überlegen kommen. Rabenliebe nahm mich gefangen und bekam einen Sonderplatz unter meinen Favoriten. Es war so berührend in all der Brutalität und dem Schmerz, dass diese Gefühle einen merkwürdigen Widerstreit begannen. Ein Mann, der so hervorragend Gefühle transportieren kann, so eine Tiefenschicht auch bei Nichtbetroffenen anzusprechen vermag, schenkt uns hoffentlich noch viel von seinem Talent.

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  • Rezension zu "Rabenliebe" von Peter Wawerzinek

    Rabenliebe
    UteSeiberth

    UteSeiberth

    11. January 2011 um 18:20

    Dieses Buch hat mich ziemlich erschüttert, vor allem der Blick des verlassenen Kindes auf sich und seine Umwelt. Das Erlebnis der verschiedenen Kinderheime,die versuchten Adoptionen,die nicht geglückt sind und dann die letzte Adoption zu einem Elternpaar,dass einen renomierten Status hatte, weil der Ehemann Lehrer war.Es stellt sich für den Jungen heraus, dass diese "Adoptionsmutter", wie er sie nennt,keinerlei Einfühlungsvermögen für das Kind hatte.Sie wolllte ihn offenbar nur zurechtstutzen und vorzeigen können, was sie für eine tolle Mutter sei.Lediglich die Großmutter und zeitweise der Adoptionsvater zeigten wirkliches Interesse an dem Jungen.Als er mit Mitte 50 dann die leibliche Mutter besucht,muss er nochmals feststellen,dass es ihn und seine auch in der DDR zurückgelassene Schwester im Leben seiner Mutter nicht mehr gibt.

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  • Rezension zu "Rabenliebe" von Peter Wawerzinek

    Rabenliebe
    leserin

    leserin

    03. December 2010 um 20:28

    Peter Wawerzinek schreibt in seinem Roman über die Suche nach seiner leiblichen Mutter.Er macht den Rückblick über seine traurige Kindheit. Die Mutter verließ ihn und seine Schwester als er vier Jahre alt war, da sie von der DDR in den Westen wollte. Peter kam ins Kinderheim und erlebte die weiteren Jahre "heimisch" behütet, aber die Mutter fehlte ihm Tag und Nacht und immer und überall. Sein ganzes Fühlen, seine Gedankenwelt und seine Umgebungswahrnehmung drehten sich nur um seine nicht vorhandene Mutter. Es gab Versuche, in "richtige Familien" aufgenommen zu werden, die oftmals dann scheiterten und das Kind mußte wieder ins Heim zurück. Letztendlich "fanden" ihn Adoptiveltern, die ihn sehr wohl erzogen, aber ihm absolut keine Wärme und Liebe entgegenbringen konnten. Einzig mit der Adoptiv-Großmutter verband ihn Zuneidung und Verständnis. Seine Lebensgedanken kreisten eigentlich nur um die Findung seiner leiblichen Mutter. Letztendlich konnte er sie ausfindig machen und der Weg und das Kennenlernen war eine große Enttäuschung für ihn. Der Schreibstil des Autors war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber je weiter man als Leser in seine Gedankenwelt eindringen durfte, desto "spannender" wurde das Buch. Es zeigt sein trauriges und schmerzhaftes Schicksal auf. Der Autor hat es trotzdem geschafft, durch seine "Mutterfindung" und Aufarbeitung sein Leben gut in den Griff zu bekommen und ein äußerst interessantes Buch für andere Menschen geschrieben, um an diesem seinem Werdegang des Lebens teilnehmen zu dürfen. Ein sehr berührendes Buch, das von der Suche nach Liebe erzählt.

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  • Frage zu "Rabenliebe" von Peter Wawerzinek

    Rabenliebe
    elisa

    elisa

    Peter Wawerzinek verarbeitet in seinem Roman Rabenliebe seine Kindheitserlebnisse. Inwieweit hilft das Niederschreiben dem eigenen Glücklichsein?

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  • Rezension zu "Rabenliebe" von Peter Wawerzinek

    Rabenliebe
    TA_Wegberg

    TA_Wegberg

    11. November 2010 um 20:45

    Ein mitreißendes Thema: die Erinnerungen eines Mannes, der als Kleinstkind von seiner Mutter im Stich gelassen wurde, weil diese aus der DDR in den Westen geflüchtet ist, und der ihr schließlich als längst Erwachsener wiederbegegnet. Dem kann man sich in seiner Eindringlichkeit kaum entziehen. Allerdings ist das Buch meiner Meinung nach literarisch ein bisschen überbewertet. Wawerzinek schreibt stellenweise recht manieriert und erhebt einen Anspruch, der so gar nicht zu seinen grammatikalischen Patzern passen mag. Auch seitenlange Volkslieder-Zitate oder Kochanleitungen sind nicht unbedingt das, was ich unter einer großen literarischen Leistung verstehe. Und was mich ebenfalls stört - allerdings nicht nur bei Wawerzinek, sondern bei vielen seiner Schicksalsgenossen -, ist diese gewisse Verbitterung und eine Tendenz, alles im Heim bzw. bei den Adoptiveltern Erlebte negativ einzufärben, obwohl viele dieser Erfahrungen auch von Kindern in intakten Familien gemacht wurden, wo sie allerdings als alltäglich gelten. Gleichwohl bleibt "Rabenliebe" ein packendes Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, weil man sich als Leser die Muttersuche schnell zu seiner eigenen Angelegenheit macht. Und die grenzenlose Enttäuschung des Sohnes, als er dann seiner Mutter endlich gegenübersteht und sie in all ihrer Unterdurchschnittlichkeit, Gefühlsarmut und Indolenz erfasst, empfindet man bis ins Detail nach.

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  • Rezension zu "Rabenliebe" von Peter Wawerzinek

    Rabenliebe
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    Ricercare über das Mutterliebesuchen… Peter Wawerzinek hat 2010 mit einem Ausschnitt seines Romans „Rabenliebe“ den Ingeborg Bachmann Preis und dazu gleich auch den Publikumspreis gewonnen. Nun ist der Roman fertig, erschienen und auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Eine gewaltige Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben ist es geworden. Das Trauma, von der Mutter in der DDR zurückgelassen zu werden, während die Mutter in den Westen flüchtete, hat den Autor fünfzig Jahre beschäftigt. Das Resultat ist ein riesiges, großes, fesselndes, teilweise aber auch wirres, schwer nachvollziehbares Buch, dass sich am Ende doch als enigmatisches, persönliches Loswerden der Erzählung entpuppt und sich, wie viele große Bücher, dem Leser auf gewisse Art und Weise auch entzieht. Fast vierhundert Seiten dauert es, bis der Protagonist seiner leiblichen Mutter gegenübersteht. Fast vierhundert Seiten, die ein permanentes Kreisen, ja eine Art Verzetteln vermitteln, das scheinbar nur dem Zwecke dient, die Zusammenkunft mit der leiblichen Nichtmutter so lange wie möglich hinauszuzögern. Mit dem Muttertreffen ist die Spannung weg, das Material verpufft, der Leser (wie der Autor) erleichtert. Es kann weiter gehen. „Schnee ist das Erste, woran ich mich erinnere. Verschneit liegt rings die ganze Welt, ich hab nichts, was mich freuet, verlassen steht der Baum im Feld, hat längst sein Laub verstreuet, der Wind nur geht bei stiller Nacht und rüttelt an dem Baume, da rührt er seinen Wipfel sacht und redet wie im Träume.“ Dieser erste Satz löst eine wahre Flut an suchender, ständig abschweifender Muttersuche- und Waisenkindprosa aus. Eine Prosa, der man gebannt und begeistert folgt. Man spürt, wie wichtig es dem Autor mit diesem Text ist, ein Text, der so persönlich, wie er ist, auch kaum zu rezensieren ist, da sich das persönlich Erlebte der Beurteilung entzieht. „Im Heim verabreichen sie den Kindern auf Löffeln gegossen braunen Lebertran. Mir wird schlecht davon. Ich kann das Zeug nicht schlucken, muss mich übergeben. Und immer wird der Lebertran nachgeschoben. Das erste Stück Räucheraal spucke ich auf den Tisch der Adoptionsküche. Aus dem Heim in die Traubenzeit geschickt, ist das Schmalhansleben ausgestanden, eingetauscht gegen die paradiesische Üppigkeit der Mahlzeiten an der Tischlereifesttafel und Anfasser genannte Keulen der Weihnachtsgans. Ich bewältige ihre Festessen nicht…“ So groß ist die Sehnsucht nach der unbekannten Mutter, dass der Protagonist die Umstände seines Lebens neu erfindet, so verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und der kindlichen Wunschwahrnehmung. Heimalltag, das Aufwachsen des jungen Protagonisten, erste Küsse, Briefmarkentausch, die verhinderte Adoption der Köchin durch ihren Busfahrermann, was im jungen Protagonisten einen fast ewigen Busfahrerhass auslöst, eine schief gelaufene Adoption und eine erfolgreich verlaufene Adoption lösen im Erzähler, der das Buch rückblickend erzählt, unterschiedliche Gefühle aus. Wawerzineks assoziative Prosa ist im Verlauf des Buches immer knapp davor, den Leser mit einer Überfülle an Informationen und ihrer sprunghaften, von Einem ins Andere springenden Entwicklung wegzuschwemmen, aus dem Buch zu stoßen. Scheinbar willkürlich gesetzte Einschübe, eine Logik konnte ich bei bestem Willen nicht finden, mit Zitaten aus Zeitungsmeldungen über gesuchte, ermordete, vernachlässigte, vergewaltigte und anderen widrigen Umständen ausgesetzten Kindern, oder Auszügen aus dem (Deutschen) Recht bei Adoptionsverfahren dienen als kurze Unterbrechungen, als Momente des Durchatmens, des Sammelns von Kraft; Kraft, die man für den nächsten Prosaschwall braucht. Die emotionale Entfernung und Spießigkeit der Adoptionseltern, der ständige innere Kampf gegen dieses Leben, mit der Adoptionsoma als einziger Verbündeten prägt den Erzähler mehr als er zugeben will. Seine Beziehung zum weiblichen Geschlecht scheint durch diese Jahre geprägt zu sein, jede seiner drei im Roman angeführten Beziehungen ist kürzer als die vorige, bis sie quasi gar nicht mehr wichtig sind. Interessanterweise lässt Peter Wawerzinek das Thema DDR links liegen, berührt es nur peripher, nur dort, wo es sich gar nicht vermeiden lässt, wie beim Wehrdienst zum Beispiel, als der Protagonist zum Grenzschutz eingeteilt wird, einen Fluchtversuch plant und schon in der Zwischenzone ist, bevor er umkehrt. Nach dem Mauerfall dauert es noch einige Jahre, bis der Sohn, obwohl er längst Adresse und Telefonnummer der Mutter hat, diese auch wirklich kontaktiert und zu ihr fährt. Das Muttertreffen verläuft kühl, ohne Interesse der Mutter oder auch des Sohnes. Was sich vorausahnen ließ, ist eingetreten. „Ich war ein Idiot, denke ich, als ich mich entschlossen habe, zur Mutter zu fahren. Ich war ein Idiot, als ich mich habe nicht adoptieren lassen wollen. Ich war ein Idiot, als ich den Schlaumeiern zuzuhören begann, die mir einzureden versuchten, ich wäre beim Ringen ums menschliche Seelengleichgewicht auf der Verliererstrecke, wenn ich nicht zur verlorenen Mutter zurückfinde. Ich hätte durch den Muttermangel bereits sichtbaren Schaden genommen, müsse wettmachen, die Mutter aufspüren, den tiefen Graben zwischen uns überbrücken, unbedingt auf die Mutter zugehen, sie in die Arme schließen, dass sie ruhig sterben könne…“ Leicht macht es Peter Wawerzinek dem Leser nicht, man muss schon immer wieder eine gehörige Portion Geduld zur Verfügung haben, um über einige Längen im zweiten Teil hinwegzukommen. Nichtsdestotrotz entschädigt das Gefühl, das man am Ende, nach dem letzten Satz hat. Ein in dieser Form seltenes Glücksgefühl, diesen (autobiographischen) Roman gelesen zu haben, dadurch quasi passiv Teil dieser Geschichte geworden zu sein. „Rabenliebe“ ist ein eigenwilliger Roman, nicht leicht zu lesen, nicht perfekt, aber ganz große Literatur.

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  • Rezension zu "Rabenliebe" von Peter Wawerzinek

    Rabenliebe
    Clari

    Clari

    20. August 2010 um 18:27

    Folter oder Freiheit? Eine Aufarbeitung der Vergangenheit. Verlassen von der Mutter und aufgewachsen in Heimen und Pflegefamilien ist kein „rechtes Leben im Falschen!“ In seinem autobiographischen Roman „ Rabenliebe“ und in Abwandlung des Begriffes „Rabenmutter“ erzählt der Autor Peter Wawerzinek seine eigene Geschichte. Der assoziative Erzählfluss, unterbrochen nur von Geschichten aus den Nachrichten über verlassene und vernachlässigte Kinder, über Folter und Strafen an Kindern, Auszüge von Gesetzesauslegungen über Elternrechte - und Pflichten und eingefügte Texte aus bekannten Kinderliedern, bekommt man einen Einblick in das Leben eines verlassenen Kindes. Dieser Icherzähler erlebt sich als „Ding“ und nicht als Mensch. Mit vier Jahren wird er von den Aufsichtsbehörden in ein Heim gegeben, nachdem sich die Mutter aus dem Osten Deutschlands in den Westen abgesetzt und ihn ohne Aufsicht zurückgelassen hat. Man spürt förmlich, wie sie sich nicht mehr nach ihm ungesehen hat und schnell in die vermeintliche westdeutsche Freiheit geflüchtet ist. Er wurde ohne Einschränkungen seinem Schicksal überlassen. Von Heim zu Heim geschleift, unterbrochen nur von der gelegentlichen Aufnahme bei mehr oder weniger fürsorglichen Frauen, die ihn als Pflege - oder Adoptivkind anzunehmen versuchen, geht er einem Schicksal entgegen, in dem er nur folgen, gehorchen und sich fremden Regeln unterwerfen muss. Lange bleibt der Junge stumm, spricht nur mit den Vögeln und lauscht den Geräuschen der Natur, bis er der Wirklichkeit näher kommt. Niemand hat je gefragt, wie es diesem Kind geht. Tief in sich selbst eingeschlossen ist es weniger ein Leben als ein Überleben, dem sich der Junge ausgesetzt sieht. Die Gefühle von Verlassenheit und mangelnder Zugehörigkeit werden in unübertroffener Diktion durch monotone und kalt-nüchterne Beobachtungen des Opfers sinnfällig. Es gefriert die Seele, wenn man liest, was ein kleiner Mensch aushalten kann und muss. Wo ist die Mutter? Warum ließ sie ihn im Stich? Lebenslang quält er sich mit Fragen nach dem „Warum“. Als er sich nach langen Jahren auf der Suche nach dem Verbleib seiner leiblichen Mutter bei ihr im Kreise vieler Halbgeschwister wieder findet, entspricht sie nicht dem Bild, das er die ganze Zeit in sich trug. Erschütternd, tragisch und enthüllend sind diese Aufzeichnungen eines Gezeichneten. Zum Menschen wird man erst durch Liebe, Zuwendung und Ermutigung. Peter Wawerzinek hat mit der Poesie die Brücke zur Welt gefunden. Seine Ausführungen sind von sensibler und penibler Genauigkeit, klangvoll und tiefenscharf. Hier hat sich einer mit Wort und Schrift vom Trauma eines Lebens befreit. Ein hoch zu lobendes und preiswürdiges Buch!

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