Peter Zantingh

 4,1 Sterne bei 189 Bewertungen
Autorenbild von Peter Zantingh (©Maurice Haas /  Diogenes Verlag)

Lebenslauf

1983 in Heerhugowaard in Nordholland geboren, studiert Peter Zantingh zunächst Wirtschaft und Digitale Kommunikation. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist er der stellvertretende Chefredakteur der Wochenendausgabe des NRC Handelsblad. Sein Debütroman war für verschiedene Preise, unter anderem den Dioraphteprijs, nominiert. Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt Peter Zantingh in Utrecht.

Neue Bücher

Cover des Buches Zwischen uns und morgen (ISBN: 9783257072891)

Zwischen uns und morgen

 (5)
Neu erschienen am 19.03.2024 als Gebundenes Buch bei Diogenes.

Alle Bücher von Peter Zantingh

Cover des Buches Nach Mattias (ISBN: 9783257246247)

Nach Mattias

 (184)
Erschienen am 22.06.2021
Cover des Buches Zwischen uns und morgen (ISBN: 9783257072891)

Zwischen uns und morgen

 (5)
Erschienen am 19.03.2024

Neue Rezensionen zu Peter Zantingh

Cover des Buches Zwischen uns und morgen (ISBN: 9783257072891)
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Rezension zu "Zwischen uns und morgen" von Peter Zantingh

Zwischen uns und morgen
Lust_auf_literaturvor einem Monat

Kennst du das, wenn dich ein Buch voll erwischt? Blöde Frage, du bist ein Bookie. Wir kennen das wahrscheinlich alle.

Ich muss sagen, die emotionale Katharsis kommt bei mir häufiger bei dickeren Büchern vor, wenn ich mich über viele Seiten richtig mit den Figuren verbunden habe. Seltener bei Romanen mit nur wenigen Seiten.


Es zeigt vom ganzen schriftstellerischen Können des niederländischen Schrifstellers Peter Zantingh, dass es ihm mit „Zwischen uns und morgen“ in einem nur schmalen Band absolut gelingt, mich mit seiner Geschichte zu berühren.


Die Rahmenhandlung ist eigentlich nur die längere Zugfahrt von Robin, dem Ich-Erzähler, der mit seinem kleinen Sohn zu seiner Freundin fährt, um sie zu überraschen. Tess ist auf einer beruflichen Lesereise und es ist klar, dass zwischen dem Elternpaar etwas vorgefallen ist, und sie nicht im Guten auseinander gegangen sind.


Während der Zugfahrt denkt Robin an die Vergangenheit zurück. Er denkt an seine Eltern und daran wie er seine Freundin Tess kennengelernt hat und vor allem an die Themen, die sie beschäftigen.


Es war in der Vergangenheit vor allem die Frage, ob sie in einer Welt, die kurz vor dem Kollaps und der Selbstzerstörung steht, ein Kind bekommen wollen. Überschwemmungen, jährliche neue Hitzerekorde und häufige Wetterkatastrophen werden unser Leben und das unserer nachfolgenden Generationen immer herausfordernder machen.

Ist ein Kinderwunsch egoistisch und verantwortungslos?


“Wie kann man das gegen die einzige Sicherheit - dass es mich und uns sehr glücklich machen würde - aufrechnen?«”



Robin war sich immer sicher, dass er nie Vater werden wollte, Tess hat ihre eigenen Struggles mit dieser Entscheidung. 

Aber wie sicher sind unsere Entscheidungen eigentlich? Was, wenn meine Entscheidungen nicht nur mich allein betreffen?


Zantingh überlässt mir in seinem nachdenklichen und poetischen Roman selbst das Nachdenken über die Antworten. In einer ebenso raffinierten und genialen Romankonstruktion greift er das Motiv der sich verzweigenden Lebenswege auf, was mir wirklich sehr, sehr gut gefällt und für mich den Zauber des Romans ausmacht. 


Der detailreiche und poetische Schreibstil Zantinghs schafft eine melancholische und zarte Grundstimmung und stimmt mich nachdenklich.  


Nachdem mir der Roman der neuen Diogenes Tapir Reihe „Sie und der Wald“ zwar literarisch gefallen, mich aber emotional nicht abgeholt hat, tut es „Zwischen uns und morgen“ umso mehr.

Ich bin überrascht, denn das Cover und die Kurzbeschreibung ließen mich nicht ahnen, welch wunderbares kleines Highlight sich dahinter versteckt!

Cover des Buches Zwischen uns und morgen (ISBN: 9783257072891)
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Rezension zu "Zwischen uns und morgen" von Peter Zantingh

Erzählweise schmälert thematische Auseinandersetzung
Missmarievor 2 Monaten

"Ich schaute und wusste, dass es kein Zufall war. Ich blätterte, immer schneller, bis zur letzten Zeichnung. Mit zitternden Händen schlug ich es wieder zu, für einen kurzen Moment glaubte ich, es verstecken zu können, so zu tun, als hätte ich es nicht gesehen. Aber da wusste ich schon, dass ich zu ihr musste."


Robin betrachtet in dieser Szene eines der Rezensionsexemplare seiner Partnerin Tess, einer Illustratorin. Sie ist auf Lesereise in Deutschland, er zuhause in den Niederlanden. Das, was er auf den Seiten sieht, bringt ihn schließlich dazu, der Frau hinterherzurennen, um ihr etwas Wichtiges zu sagen. Was genau, das erfährt der Leser bis zum Ende nicht. Aber auf den letzten Seiten, wenn die Handlung auf einmal Sinn ergibt und alle Puzzleteile an ihren Platz fallen, ahnt man, was Robin Tess gesagt haben könnte. 

Während Robin unterwegs ist (hin und wieder fragt man sich übrigens, welchen Job Robin genau hat. Denn seine Arbeit scheint aus dem Verfassen von Petitionen und dem Nachdenken zu bestehen), denkt er nach: Über vergangenen Tage mit Tess und über die Zukunft. Das zentrale Thema dabei: Soll, ja darf man in Zeiten von zunehmenden Klimakatastrophen eigentlich Kinder in die Welt setzen? Noch einen Erdenbürger produzieren, der konsumiert und Emissionen ausstößt? Oder ist die düstere Zukunft Grund genug, die eigene Linie ein für alle mal zu beenden? 


Auch wenn Zantingh hier eine relevante Frage der Gegenwart aufwirft, fällt es dem Leser schwer, sich auf das Eigentliche zu konzentrieren: Das Abwägen zwischen Klimaangst und Vaterfreuden. Das liegt vor allem daran, dass man immer wieder das Gefühl bekommt, die Handlung könne unstimmig sein. Es sind Kleinigkeiten, über die man zunächst hinwegliest, die dann aber doch für Irritationen sorgen. Hat man etwas falsch verstanden? Waren Autor und Lektorat nicht aufmerksam genug? Oder ist der Erzähler einfach unzuverlässig? Am Ende löst sich das alles auf. Aber bis dahin runzelt man immer mal wieder die Stirn. Mich hat es zeitweise fast zum Abbruch des Romans gebracht. Denn auch wenn dieser Kunstgriff am Ende doch gut funktioniert, hat mich diese Irritation um mein Lesevergnügen gebracht. Schade, denn das eigentliche Thema des Romans finde ich sehr interessant. Nur darauf einlassen konnte ich mich aufgrund der Erzählweise nicht. 

Cover des Buches Zwischen uns und morgen (ISBN: 9783257072891)
katikatharinenhofs avatar

Rezension zu "Zwischen uns und morgen" von Peter Zantingh

Legt die Welt in Kinderhände (Herbert Grönemeyer)
katikatharinenhofvor 2 Monaten

Robin reißt geradezu enthusiastisch das Paket mit den neuen Büchern auf, die als Belegexemplare angekommen sind. Seine Frau hat eine Botschaft im hinterlassen, die Robin dazu bewegt, alles stehen und liegen zu lassen und vollkommen überstürzt ihr hinterher zu reisen. An seiner Seite: Mats, gerade einmal drei Jahre alt. Es beginnt eine Zugfahrt, die nicht nur Erinnerungen heraufbeschwört, sondern viel Zeit zum Nachdenken bereithält....


Ich frage mich immer wieder, wie es Peter Zantingh schafft, auf so wenigen Seiten ein so großes Gefühlschaos zu verursachen, das zum einen Herz und Seele berührt, die Tränen zum fließen bringt und trotzdem Hoffnungen weckt ?! Die Geschichte ist wie eine Reise mit dem Zug, bei der die Gedanken wie das beständige Rattern der Räder auf den Gleisen in Robins Kopf hin und her gleiten, Erinnerungen wach rufen und immer wieder die Frage in den Raum stellen, ob in Zeiten des Klimawandels es überhaupt noch zeitgemäß ist, einem Kind das Leben zu schenken. Wie geht man als Eltern verantwortungsvoll mit der Aufgabe um, um für genau diese kleinen Menschen die Welt zu erhalten, damit sie auch behütet und beschützt in ihr aufwachsen können.

Robin und Tess sind Klimaaktivisten, aber nicht solche von der radikalen Sorte, sondern mit Herz und Verstand, und bringen auch den Leser:innen für die Dauer der Lektüre ihre Gedanken näher. Es lohnt sich immer, für ein nachhaltigeres und bewussteres Leben etwas zu tun und der nachfolgenden Generation genau diese Werte auch mitzugeben.

Der kleine Mats spielt dabei eine wichtige Rolle und es wird erst am Ende des Buches deutlich, wie sehr der kleine Mann in der Gefühlswelt seiner Eltern einen Platz einnimmt. Die Gänseblümchen auf den Buchseiten sind dabei kleine Hinweise, die bei genauerer Betrachtung seine Geschichte erzählen, ohne dabei Worte zu benutzen. Es liegt vieles zwischen den Zeilen, das zu Tränen rührt und nur wer sich ganz auf das Buch einlassen kann, versteht die Botschaft dahinter.

Der Autor erzählt mit einer großen Zärtlichkeit, packt aber auch Zukunftsängste, die Frage nach dem "Wie schaffen wir es, als Eltern unserem Kind gerecht zu werden ?" und immer wieder die Hoffnung mit ein, dass ein Kind nicht nur sichtbar gewordene Liebe, sondern auch immer ein Versprechen für eine bessere Zukunft ist.

"Zwischen uns und morgen" ist ein Buch, das sicherlich nicht auf den ersten Blick alle seine Botschaften offenbart. Es lohnt sich aber, die Geschichte mehrmals zu lesen, denn es öffnen sich erst nach und nach die vielen kleinen Fenster, die Zantingh für seine Leser:innen zum Entdecken seiner Botschaften bereithält.

Ein Roman, der sich deutlich vom Mainstream abhebt, mit leisen Tönen überzeugt und eine ganz starke Botschaft in sich trägt.

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