Petina Gappah

 3.4 Sterne bei 22 Bewertungen

Lebenslauf von Petina Gappah

Petina Gappah, 1971 in Sambia, im ehemaligen Rhodesien, geboren und in Harare, Simbabwe, aufgewachsen, studierte Jura in Cambridge und Graz und arbeitete über zehn Jahre als Anwältin für internationales Handelsrecht bei der Welthandelsorganisation in Genf. Danach war sie für Simbabwes Regierung und andere Länder als internationale Handelsberaterin tätig. 2009 wurde sie für ihren Erzählband ›An Elegy for Easterly‹ mit dem Guardian First Book Award ausgezeichnet. 2015 folgte ihr Romandebüt ›Die Farben des Nachtfalters‹, 2016 die Erzählungen ›Die Schuldigen von Rotten Row‹. Ihr aktueller Roman ›Aus der Dunkelheit strahlendes Licht‹ entstand während ihrer Zeit im renommierten Künstlerprogramm des DAAD in Berlin. Gappa pendelt derzeit zwischen Harare, Edinburgh und Genf.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Petina Gappah

Cover des Buches Aus der Dunkelheit strahlendes Licht (ISBN: 9783103974492)

Aus der Dunkelheit strahlendes Licht

 (13)
Erschienen am 28.08.2019
Cover des Buches Die Farben des Nachtfalters (ISBN: 9783716040072)

Die Farben des Nachtfalters

 (6)
Erschienen am 04.08.2017
Cover des Buches Im Herzen des Goldenen Dreiecks (ISBN: 9783716040225)

Im Herzen des Goldenen Dreiecks

 (2)
Erschienen am 19.06.2020
Cover des Buches Die Schuldigen von Rotten Row (ISBN: 9783716027639)

Die Schuldigen von Rotten Row

 (0)
Erschienen am 10.11.2017
Cover des Buches The Book of Memory (ISBN: 9780571296842)

The Book of Memory

 (1)
Erschienen am 03.09.2015
Cover des Buches An Elegy for Easterly (ISBN: 9780571246946)

An Elegy for Easterly

 (0)
Erschienen am 03.12.2009
Cover des Buches An Elegy for Easterly (ISBN: 9780865479302)

An Elegy for Easterly

 (0)
Erschienen am 08.06.2010

Neue Rezensionen zu Petina Gappah

Neu

Rezension zu "Im Herzen des Goldenen Dreiecks" von Petina Gappah

Erzählungen aus Simbawe
Buecherschmausvor 6 Monaten

Im vergangenen Jahr gehörte der neue Roman von Petina Gappah, Aus der Dunkelheit strahlendes Licht, der von Tod und Überführung des Afrikaforsches David Livingston erzählte, zu meinen Lese-Highlights, jetzt veröffentlicht der Arche Verlag den Erstling der Autorin von 2009, den Erzählungsband Im Herzen des Goldenen Dreiecks.

In dreizehn Geschichten erzählt Petina Gappah von ihrem Heimatland Simbawe, von den enormen Gegensätzen die dort herrschen, der Korruption, der Bereicherung durch die Eliten, der diktatorischen Herrschaft Robert Mugabes, der das Land bis zu seiner Absetzung 2017 mehr als dreißig Jahre beherrschte. Nach der Unabhängigkeit des ehemaligen Rhodesien als Musterstaat für die postkoloniale Entwicklung geltend, führten Regierung und Eliten es zunehmend in den Ruin. 2009, als die Geschichten entstanden, betrug die Arbeitslosenquote unvorstellbare 95%, es herrschte Hyperflation mit einer Geldentwertung von ebenfalls unfassbaren 3.000.000%.

Petina Gappah erzählt in ihren Geschichten aus ganz unterschiedlichen Schichten, von der Frau eines Elitebeamten bis zu den Bewohnern der ärmsten Townships kommen die unterschiedlichsten Menschen zu Wort. Die Stories erzählen von Armut und unfassbarem Reichtum, vom Wüten von AIDS und dem offiziellen Totschweigen, von einer weitverbreiteten Misogynie, von Machotum und Gewalt, die sich wie immer gegen die Schwächsten der Gesellschaft richtet, die Kinder, die Frauen, die Behinderten.

Petina Gappah schaut mit Wut auf diese Dinge, aber auch mit Witz und Sarkasmus, außerdem mit großer Zuneigung gegenüber den Menschen, die unter diesen Bedingungen leben müssen. Und so stellt sie ein Zitat der amerikanischen Dichterin Jane Hirshfield voran, in dem es heißt:

„Widerstandskraft weckt in mir immer 

            mehr Bewunderung.

Nicht die schlichte Widerständigkeit eines 

            Kissens, dessen Füllung

stets zur ursprünglichen Form zurückfindet, 

sondern die geschmeidige

Zähigkeit eines Baums: Wird ihm plötzlich

            das Licht verstellt, auf einer Seite,

            wendet er sich einer anderen zu. Eine

blinde Einsicht, gewiss.“

 

Es sind vor allem die Frauen, die diese Widerstandsfähigkeit an den Tag legen, die Familien und letztlich die Gesellschaft zusammenhalten, während die Männer ihre Geliebten in „kleinen Häusern“ aushalten und um ihre Männlichkeit besorgt sind. So ist auch der hochdekorierte Militär, dem in der Eröffnungsgeschichte ein Staatsbegräbnis zuteilwird, in keiner Weise für das Vaterland gestorben, wie seine Witwe sarkastisch erzählt, sondern an der „Seuche“, die im Land grassiert, auch weil die Männer ihre Triebe nicht im Griff haben.

Die eine geistig beeinträchtigte junge Frau schwängern und nach der Geburt verrecken lassen, die unbequeme Frauen in die Psychiatrie abschieben, ein Hausmädchen mit falschen Eheversprechen verführen und sie dadurch in den Selbstmord treiben oder ihre Braut wissentlich mit AIDS infizieren. Nur sehr wenige Männerfiguren kommen in den Geschichten besser weg. Aber auch von den im Luxus lebenden, ihre ärmeren Geschlechtsgenossinnen missachtenden Frauen, erzählen die Geschichten. Es ist erstaunlich, dass die Stories bei all den geschilderten Missständen und der Wut der Autorin darüber dennoch eine gewisse Leichtigkeit und Heiterkeit besitzen. Die oben zitierte „Widerständigkeit“ der Menschen Simbawes, der Petina Gappahs Sympathie gilt.

Ein lesenswertes Buch, auch wenn es einige Jahre auf dem Buckel hat. Die Zustände haben sich leider nicht sehr verbessert. Einzig der sehr häufige Gebrauch von Shona- oder Ndebele-Begriffen, ja ganzen Sätzen in diesen afrikanischen Sprachen, stören den Erzählfluss in meinen Augen. Der Arche Verlag verzichtet dabei zudem auf ein Glossar, so dass man gezwungen ist, diese doch sehr zahlreichen Passagen zu überlesen. Das gelingt aufgrund der Güte der Erzählungen. Ich kann dieses von vielen englischschreibenden Autoren aus Afrika und Asien verwendete Stilmittel nicht wirklich verstehen, da es die Leser*innen, an die die Bücher adressiert sind, doch ein Stück weit ausschließt. Ein vollständiges, erklärendes Glossar sollte es den veröffentlichenden Verlagen aber zumindest wert sein.

 

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Rezension zu "Im Herzen des Goldenen Dreiecks" von Petina Gappah

Schöne Kurzgeschichtensammlung
Elenchen_hvor 7 Monaten

In "Im Herzen des goldenen Dreiecks" erzählt Petina Gappah in 13 Geschichten von den Menschen und vom Leben in Simbabwe. Sie schreibt über die Ängste, die die Menschen plagen, aber auch von ihren Hoffnungen und Träumen.


Zunächst möchte ich sagen, dass ich sehr, sehr beeindruckt und begeistert von Petina Gappahs Art, zu Schreiben und zu Erzählen, bin. Ihre Sprache ist so bildhaft und besonders, dass ich mir alles wirklich gut vorstellen konnte. Das war bemerkenswert, da ich mich zuvor noch nie mit Simbabwe beschäftigt habe.


Die Autorin wurde 1971 im damaligen Rhodesien geboren, was heute nach der Unabhängigkeitserklärung 1980 in Simbabwe umbenannt wurde. In ihren Stories geht es um diese Unabhängigkeit, aber auch darum, in welche Lage Simbabwe dadurch gebracht wurde und wie die Inflation und die großen Unterschiede zwischen Arm und Reich die Bevölkerung prägen.


"Im Herzen des goldenen Dreiecks" ist Petina Gappahs literarisches Debüt und in meinen Augen wirklich gut gelungen. Jede Geschichte war für sich einzigartig, spannend und außergewöhnlich. Sei es nun die Geschichte einer Witwe, die bei der Beerdigung ihres Mannes ihr Leben Revue passieren lässt, die Geschichte einer jungen Frau, die unbedingt raus aus Simbabwe möchte, um sich entfalten zu können oder die Geschichte eines älteren Herrn, der beim Tanzen alle Rekorde knackt - mich hat jede begeistert. Das einzige Manko war für mich, dass ich aus manchen Stories eher einen Roman gemacht hätte. Sie sind so interessant, dass ich einfach mehr erfahren wollte.


Ich freue mich jedenfalls sehr, wieder mal eine wirklich vielversprechende Autorin entdeckt zu haben und werde ihre beiden anderen Werke, die im Arche-Verlag erschienen sind, auch noch lesen. Ich vergebe 4,5 / 5 ⭐ für diese besondere Kurzgeschichtensammmlung.

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Rezension zu "Aus der Dunkelheit strahlendes Licht" von Petina Gappah

Teilweise langatmig und anstrengend zu lesen
Sikalvor einem Jahr

Der schottische Missionar und Afrikaforscher David Livingstone starb 1873 auf der Suche nach den Nilquellen mitten in Afrika. Seine Begleiter und Bediensteten wollen ihm eine letzte Ehre erweisen und tragen den Leichnam quer durch Afrika, um diesen in die Heimat Livingstones zu bringen. Im ersten Teil erzählt die Köchin Halima von Livingstones angegriffener Gesundheit, vom Leben in der Gemeinschaft, von ihren Träumen. Halima streitet gerne und plappert immer gleich drauflos – meist ohne nachzudenken ob sie mit ihren Aussagen jemanden verletzt oder ob es Sinn macht, was sie zu sagen hat. Bei „ihrem“ Doktor hat sie aber einen Stein im Brett und so verspricht er ihr auch ein Haus mit Tür zu kaufen, sollten sie je wieder nach Sansibar zurückkehren.


Nach dem Tod Livingstones und der Entscheidung wie denn nun mit dem Leichnam verfahren werde, begeben sich die Gefährten des Doktors auf den Weg. Diesen zweiten Teil des Buches beschreibt Jacob Wainwright, ein ehemaliger Sklave. Anfangs finden sich immer Auszüge aus einem Tagebuch, bevor man in die nächste Reiseetappe eintaucht. In diesem Abschnitt fand ich die elendslangen religiösen Auswüchse sehr anstrengend zu lesen. Ich sehnte mich richtig nach Halimas Geplapper wieder zurück.


Doch es werden auch viele wichtige Themen angesprochen, wie die Sklaverei, die Mission das Christentum zu verbreiten, Aberglaube und Kolonialisierung.


Der Roman lebt von Petina Gappahs großartigen Recherchen. Sie hat mit beeindruckender Hartnäckigkeit über Jahre Material zusammengetragen, welches nun in diesen Roman einfließen durfte. Der Schreibstil wechselt wie die Perspektiven – während sich Halimas Teil frisch, fröhlich und sehr flüssig lesen lässt, ändert sich dies als Jacob Wainwright zum Erzähler wird. Dieser Teil ist sehr ruhig, langatmig und ernster.


Die Charaktere sind äußerst vielschichtig, so findet man die ganze Bandbreite der menschlichen Schwächen und Stärken. Einige Charaktere entwickeln sich weiter und andere enttäuschen wiederum oder überraschen mit ihrer Einfältigkeit.


Auch wenn mich der Roman nicht zu hundert Prozent überzeugen konnte, wurde mein Interesse von der Autorin für Livingstone geweckt. 3 Sterne

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Starke Autorinnen, die uns inspirieren

Starke Autorinnen

"Kintsugi" von Miku Sophie Kühmel
"Hier sind Löwen" von Katerina Poladjan
"Nachts in Caracas" von Karina Sainz Borgo
"Aus der Dunkelheit strahlendes Licht" von Petina Gappah

Vier literarische Titel von vier inspirierenden Autorinnen – und ihr könnt bei unserer Buchverlosung selbst wählen, welches der Bücher ihr gewinnen möchtet!

Gemeinsam mit S. FISCHER verlosen wir jeweils 10 Exemplare der vier vorgestellten Titel. Was ihr dafür tun müsst? Bewerbt euch über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis einschließlich 21.07.2019 und verratet uns, welches der vier Bücher ihr am liebsten lesen möchtet.

Ich bin schon gespannt, für welches der vier Bücher ihr euch entscheidet und drücke euch ganz fest die Daumen für die Buchverlosung! 

Ein kleiner Hinweis: Das Buch von Petina Gappah erscheint später und kann daher erst Ende August versendet werden.  

Mehr zu den Büchern:

"Kintsugi" von Miku Sophie Kühmel
Es ist Wochenende. Wir sind in einem Haus an einem spätwinterlichen See, das Licht ist hart, die Luft ist schneidend kalt, der gefrorene Boden knirscht unter unseren Füßen. Gerade sind Reik und Max angekommen, sie feiern ihre Liebe, die nun zwanzig ist. Eingeladen sind nur ihr ältester Freund Tonio und seine Tochter Pega, so alt wie die Beziehung von Max und Reik. Sie planen ein ruhiges Wochenende. Doch ruhig bleibt nur der See.

"Hier sind Löwen" von Katerina Poladjan
Die alte Bibel einer armenischen Familie an der Schwarzmeerküste ist das Einzige, was den Geschwistern Anahid und Hrant auf ihrer Flucht bleibt. Hundert Jahre später in Jerewan wird der Restauratorin Helen eine Bibel anvertraut. »Hrant will nicht aufwachen«, hat jemand an den Rand einer Seite gekritzelt. Helen taucht ein in die Rätsel des alten Buches, in das moderne Armenien und verliebt sich in einen Mann. Sie wird erschüttert von Geschichte und Gegenwart, und sie bricht auf zu einer Reise an die Schwarzmeerküste und zur anderen Seite des Ararat.

"Nacht in Caracas" von Karina Sainz Borgo
Adelaida beerdigt ihre Mutter, aber sie bleibt nur kurz am Grab stehen. Auf dem Friedhof ist es gefährlich, genau wie an jedem anderen Ort in Venezuela. Noch vor kurzem kamen die Menschen aus Europa, um hier ihr Glück zu machen. Nun versinkt das Land in Chaos und Elend. Als Adelaida gewaltsam aus ihrer Wohnung vertrieben wird, weiß sie nicht wohin. Alles, was sie geliebt hat, existiert nur noch in ihrer Erinnerung. Wenn sie sich retten will, bleibt ihr nur die Flucht.

Ein intensives literarisches Debüt über das Schicksal einer jungen Frau und das virtuose Portrait eines untergehenden Landes.

"Aus der Dunkelheit strahlendes Licht" von Petina Gappah
Seit ihrer Jugend ist Petina Gappah von der Geschichte um David Livingstone besessen – dem berühmten schottischen Missionar und Afrikaforscher, der sich des großen geografischen Rätsels seiner Zeit verschrieben hatte, der Entdeckung der Nilquellen. Aus Faszination wurde ein Roman: Als Livingstone 1873 auf der Suche stirbt, will seine treue Gefolgschaft seinen Leichnam in seine Heimat zurückbringen. So machen sich 69 Gefährten auf den wagemutigen Weg, ihn quer durch Afrika zu tragen, angeführt von einer jungen Frau – Halima, Livingstones scharfzüngiger Köchin. Eine abenteuerliche und lebensbedrohliche Reise über 1.000 Meilen, auf der ihnen Hunger, Krankheit und Tod begegnen – und immer wieder die Frage: Wie weit sind wir bereit für unsere Freiheit zu gehen?
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