Petra A. Bauer Es geschah in Berlin 1930 - Kunstmord

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Inhaltsangabe zu „Es geschah in Berlin 1930 - Kunstmord“ von Petra A. Bauer

Hermann Kappes 11. Fall Berlin 1930: Der begabte junge Maler Victor Reimer lebt einzig und allein für seinen großen Traum: Er möchte nach Paris ziehen, um am Montmartre, dem Zentrum der Pariser Kunstszene, einzigartige Bilder zu schaffen. Eines Tages begegnet er Alfons Lauterbach, dessen Leidenschaft ebenfalls die Malerei ist. Der menschenscheue Victor glaubt, in ihm einen wahren Freund gefunden zu haben, doch bald sieht er seine Existenz bedroht. Währenddessen halten ein Mordversuch an einer alten Dame und ein von seinem Verlobten übel zugerichtetes Mädchen das Polizeipräsidium in Atem. Noch ahnt niemand, dass es eine Verbindung zwischen den Fällen gibt, und Hermann Kappes berühmte Kombinationsgabe ist gefragt … „Es geschah in Berlin “, der große Kettenroman um Kommissar Hermann Kappe, spiegelt in fiktiven Kriminalfällen das Berlin des frühen 20. Jahrhunderts wider. Im elften Band hat die erfolgreiche Krimiautorin Petra A. Bauer ein überraschendes Kriminaldrama um das Berliner Künstlermilieu der 1930er Jahre geschaffen.

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  • Rezension zu "Kunstmord" von Petra A. Bauer

    Es geschah in Berlin 1930 - Kunstmord

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    28. October 2010 um 09:51

    "Es geschah in Berlin", der große Kettenroman um Kommisar Kappe, geht in die elfte Runde. Nach den Mordfällen in "Unschuldsengel - Kappes neunter Fall", die sich 1926 zugetragen haben, und der direkten Fortsetzung "Bücherwahn", vom Erfinder der Reihe wiederum selbst geschrieben, übernahm die Berliner Journalistin und Autorin Petra A. Bauer die erneute Fortsetzung der Reihe. Inzwischen schreibt man das Jahr 1930. Die Arbeit der Polizei wird nicht weniger, die politischen Entwicklungen geben Anlass zur Sorge und erstmals gibt es scheinbar ernste Komplikationen in Kommissar Kappes Privatleben ... Der begabte Künstler Victor Reimer traut seinen Augen nicht. Was er sieht, glaubt er zunächst nicht, doch schnell macht sich Erkenntnis breit: Alfons Lauterbach hat ihn reingelegt! Erst kürzlich hat er ihn in seiner erbärmlichen Behausung in der Fürstenstraße besucht. Er lebt nicht etwa in einer Wohnung des Mietshauses, sondern im Keller. Aus zwei ehemaligen Verschlägen hatte man eine billige Unterkunft gezimmert. Doch auch dieses Etablissement wird er nicht mehr lange halten können, da er die geforderten Mietschulden bis Monatsende nicht aufbringen kann. Kennengelernt hatte er den Maler im Wirtshaus "Max und Moritz" in der Oranienstraße, in welchem der vor einem Jahr verstorbene Heinrich Zille Stammgast gewesen war. Victor ist nicht der Mensch, der die Gesellschaft anderer Menschen liebt. Entweder erschrecken sie ihn oder langweilen ihn mit ihrer Dummheit zu Tode. Doch an diesem Tag musste er einfach hinaus. Etwas zwang ihn, diesen Ort zu besuchen, obwohl er normalerweise niemals Kneipen besucht - nicht nur wegen der Leute, sondern auch weil das Geld knapp ist. Als Maler hat er zwar hin und wieder Auftragsarbeiten, doch es reicht hinten und vorne nicht. Und er braucht doch Geld für seinen Traum von Paris, denn dort liegt seine Bestimmung. Doch heute war der Tag. Einer jener Tage, an dem man an einer Weggabelung steht, an dem Weichen gestellt werden und wo sich Zukunft entscheidet, ohne dass man etwas davon ahnt ... Doch vorerst ist dieser Traum in weite Ferne gerückt. Geplatzt wie eine Seifenblase. Alfons stattet ihm einen Gegenbesuch ab. Zunächst klagt er sein Leid und Victor befürchtet schon, dass er die Frage stellen könnte, als Untermieter einziehen zu dürfen ... bis Alfons das Bild entdeckt. "Sól" hatte es Victor genannt - seine Sonnengöttin - inspiriert von der geheimnisvollen Fremden, die ihn angesprochen hatte und ihm erklärte, Leidenschaft in seinen Bildern zu entdecken. Das Portrait entstand wie von selbst. Angelehnt an Picasso schuf er etwas Neues. Mit neuen Farben malte er sich an unbekannte Ufer. Jetzt war er am Ziel. Mit diesem Bild würde er es schaffen. Ein neuer Anfang war da. Die langersehnte Tür. Aber genau diese Tür wird jetzt geschlossen. Mit einem Donnerschlag. Gedankenverloren streift er durch die Nacht, in Gedanken an die Fremde, die jetzt einen Namen hat: Eleonore. Eine Auftragsarbeit hatte sie ihm angeboten. Ein Portrait bei ihr zu Hause. Doch daraus wurde mehr, als sie sich plötzlich nackt auf dem Bett präsentierte. In tiefe Verwirrung gestürzt, wandelt Victor durch die schützende Dunkelheit, träumt vom großen Erfolg in Paris. Seinen Namen würde man in einem Atemzug mit den großen Meistern nennen. Alles ist eine Illusion, denkt er und nur das "ganz Große" macht Sinn. Erfolg über den Tod hinaus kann diesen besiegen und man wird unsterblich. Ein Schaufenster auf der anderen Gehwegseite bereitet diesem Traum ein jähes Ende. Der Laden ist voll mit Leuten, die Sektgläser in der Hand halten. Bilder hängen an der Wand. Es kann sich also nur um eine Ausstellungseröffnung handeln. Viele sehen verdammt wichtig aus und einen glaubt Victor zu kennen. Ein Mäzen, der junge Talente unterstützt und fördert, ein sehr einflussreicher Mann in der Kunstszene. Unvermittelt wird der Blick frei auf die gegenüberleigende Wand und Victor verliert jede Fassung. Dort hängt sein Bild! Sól. Jetzt erinnert er sich an Alfons Worte, er könne Bilder jederzeit aus dem Gedächtnis malen! Es ist ein Plagiat. Eben noch versank der "Freund" in tiefstem Klagen und jetzt steht er im Mittelpunkt an seiner statt. Das Plagiat ist zweifellos nicht so gut wie das Original, doch dieses kann er jetzt vergessen. Abgehakt. Aus der Traum. Denn wie soll er beweisen, dass dies Bild seine Idee war? Jetzt ist es wertlos. Der Traum von Paris ist gestorben. Victor Reimer schwört Rache ... "Kunstmord" hat gut 200 Seiten und bis Seite 100 "passiert" so gut wie gar nichts. In einem Kriminalroman erwartet man jedoch spätestens an dieser Stelle bereits heftigste Ermittlungsarbeit. Leichen hat es bis dahin selbstverständlich zu geben, wobei die Anzahl derselben auf der nach oben offenen Erwartungshaltung des geneigten Krimifans gar nicht hoch genug sein kann. Doch diesmal baut Petra A. Bauer die Story völlig anders auf. Das Böse begegnete uns in "Unschuldsengel" schon auf der ersten Seite, abscheulich, schockierend und unvermittelt, doch in "Kunstmord" kommt es auf wesentlich leiseren Sohlen. Es bildet sich aus, entwickelt sich, bezieht Stellung und zeigt seine detaillierte Entstehungsgeschichte. Hochinteressant auch die privaten Entwicklungen im Hause Hermann Kappe, die in der sich anbahnenden Katastrophe kunstvoll verwoben werden. Die treu sorgende Ehefrau Klara findet doch tatsächlich einen Bewunderer, der für einigen Wirbel sorgt. Es findet gar eine frühe, wenn auch flüchtige Begegnung mit Kappe und Victor statt. Petra A. Bauer schreibt einfach herzerfrischend unkonventionell und baut Spannung nicht vornehmlich aus Aktion auf, sondern erzeugt diese auch durch treffsichere Charakterzeichnungen. Die Handlung flacht hierbei nicht ab, sondern gewinnt durch die Lebendigkeit der Charaktere an Fahrt. Nicht ohne Witz werden selbst Nebenfiguren mit wenigen Worten (indirekt) charakterisiert, beispielsweise "Bockwurst-Trudchen", die Abteilungssekretärin des Präsidiums, welche die Fähigkeit besitzt, einen Kaffee derart stark brühen zu können, dass selbst ein Hufeisen nicht untergehen würde! Herrlich auch der Gag in Richtung heutige Telefongewohnheiten. Kappe erzählt stöhnend vom Kollegen Galgenberg, der ihm Herthas Sieg im Poststadion bis ins letzte Detail schilderte. "Wenn man Telefone in der Jackentasche mitnehmen könnte, hätte er mich wahrscheinlich direkt vom Stadion aus angerufen." Zusätzliche Brisanz bringt der zeitliche Rahmen ins Spiel. Dieser ist, im Gegensatz zu den fiktiven Kriminalfällen, wieder -teils erschreckend- real. Hertha BSC spielte 1.1 gegen Köln-Sülz, gewann im Wiederholungsspiel 8:1 und wurde am 22. Juni 1930 deutscher Meister. Die Frau des Schauspielers Werner Krauß, international bekannt seit seiner Hauptrolle in "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1920), stirbt in ihrer Villa in Dahlem. Paula Krauß begeht Selbstmord. Kappe liest Zeitung und ärgert sich, dass der schöne Sportpalast schon wieder für eine Kundgebung der NSDAP genutzt wird. "Dieser Hitler und der andere da, Joseph Goebbels, reden über 'Raum für unser Volk'. Und ich fürchte, sie meinen nicht, dass wir neue Wohnungen bauen sollen." Seine Frau kontert: " Dafür müssten sie überhaupt erst mal an der Regierung sein. Und es wird ja wohl niemand so dumm sein, die zu wählen!" © Thomas Lawall - www.querblatt.com

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