Der geheimnisvolle Prolog weckt zunächst Erwartungen an einen spannenden Psychothriller. Eine Frau blickt ihren letzten Augenblicken entgegen, während das Meer rauscht und eine rätselhafte Aussage über ein Leben für ein Leben im Raum steht. Doch schon bald schlägt die Geschichte einen anderen Weg ein. Aus dem vermeintlichen Thriller entwickelt sich nach und nach ein klassischer Krimi – und zwar ein verdammt guter.
Im Mittelpunkt steht Rebecca, die mit ihrer Frau Lucy und ihrer kleinen Tochter Greta an der Ostsee lebt. Als sie am Strand die geheimnisvolle Julia kennenlernt, scheint zunächst alles harmlos. Doch Julia verschwindet plötzlich, Lügen kommen ans Licht und Rebecca gerät immer tiefer in ein Netz aus Geheimnissen und verdrängten Wahrheiten.
Besonders gut gefallen hat mir, wie Petra Johann ihre Geschichte aufbaut. Immer wieder streut sie kleine Hinweise ein, die das Bild von Lucy und Rebecca verändern. Aussagen von Eltern, Freunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern werfen nach und nach ein anderes Licht auf die vermeintlich heile Welt der beiden Frauen. Kaum glaubt man, einen Zusammenhang erkannt zu haben oder den Täter zu kennen, taucht das nächste Puzzleteil auf und zwingt einen zum Umdenken.
Dabei bleibt die Handlung unblutig. Die Spannung entsteht nicht durch Gewalt oder spektakuläre Action, sondern durch die vielen offenen Fragen. Wer sagt die Wahrheit? Wer verschweigt etwas? Und wie hängen die verschiedenen Ereignisse zusammen? Gerade dieses Miträtseln machte für mich einen großen Reiz des Romans aus.
Auch die Figuren konnten überzeugen. Petra Johann gelingt es, ihnen Tiefe zu verleihen, ohne dass sie die eigentliche Handlung ausbremsen. Besonders die Ermittlerin Edda Timm ist mir positiv aufgefallen. Sie wirkt authentisch, sympathisch und glaubwürdig. Ihre Eigenheiten machen sie menschlich, ohne sie künstlich in den Vordergrund zu drängen.
Die Auflösung fügt die meisten Puzzleteile schlüssig zusammen und beantwortet die offenen Fragen zufriedenstellend. Einige Aspekte der finalen Enthüllungen wirkten auf mich jedoch etwas weniger überzeugend als der ansonsten sehr sorgfältig konstruierte Fall.
Dennoch schmälert das den positiven Gesamteindruck nur wenig. „Die Frau vom Strand“ ist zwar kein nervenaufreibender Thriller, als der er anfangs erscheinen mag. Wer jedoch einen intelligent aufgebauten Krimi mit lebendigen Figuren, einer sympathischen Ermittlerin und einer bis zum Schluss schwer durchschaubaren Handlung sucht, wird hier bestens unterhalten.





















