Petra Morsbach

 4 Sterne bei 95 Bewertungen
Autor*in von Justizpalast, Opernroman und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Petra Morsbach, geboren 1956, studierte in München und St. Petersburg. Danach arbeitete sie zehn Jahre als Dramaturgin und Regisseurin. Seit 1993 lebt sie als freie Schriftstellerin in der Nähe von München. Bisher schrieb sie mehrere von der Kritik hoch gelobte Romane, u.a. »Opernroman«, »Gottesdiener« und »Justizpalast«. Zuletzt erschien bei Penguin der Essayband »Der Elefant im Zimmer«. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Jean-Paul-Preis. 2017 erhielt sie den Roswitha-Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim und den Wilhelm-Raabe-Preis.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Petra Morsbach

Cover des Buches Justizpalast (ISBN: 9783328103790)

Justizpalast

(27)
Erschienen am 08.10.2018
Cover des Buches Opernroman (ISBN: 9783328103943)

Opernroman

(16)
Erschienen am 08.10.2018
Cover des Buches Orion (ISBN: 9783328600732)

Orion

(13)
Erschienen am 13.05.2026
Cover des Buches Dichterliebe (ISBN: 9783442748297)

Dichterliebe

(12)
Erschienen am 12.01.2015
Cover des Buches Gottesdiener (ISBN: 9783328103929)

Gottesdiener

(8)
Erschienen am 08.10.2018
Cover des Buches Plötzlich ist es Abend (ISBN: 9783328103936)

Plötzlich ist es Abend

(6)
Erschienen am 08.10.2018
Cover des Buches Der Cembalospieler (ISBN: 9783752804973)

Der Cembalospieler

(6)
Erschienen am 18.06.2018
Cover des Buches Der Elefant im Zimmer (ISBN: 9783328600749)

Der Elefant im Zimmer

(3)
Erschienen am 31.08.2020

Neue Rezensionen zu Petra Morsbach

Cover des Buches Orion (ISBN: 9783328600732)
dielesejules avatar

Rezension zu "Orion" von Petra Morsbach

dielesejule
Eine Liebeserklärung ans Lesen

📖Nora ist Deutsch- und Geschichtslehrerin, Mutter, geschieden – und vor allem eine leidenschaftliche Leserin. Für sie sind Bücher weit mehr als Unterhaltung: Sie helfen ihr, Menschen und die Welt zu verstehen, Entscheidungen einzuordnen und mit Krisen und den großen Fragen des Lebens umzugehen.

 

Formularende

⭐ Petra Morsbach erzählt Noras Leben ohne große Dramatik, dafür mit sehr genauen Beobachtungen, klugen Gedanken und feinem, trockenem Humor. Die Figuren sind dabei nicht unbedingt immer sympathisch – aber gerade dadurch wirken sie eigenwillig und glaubwürdig.

⭐ Irgendwie hat mich das Buch stellenweise aber auch nachdenklich und traurig gestimmt. Die Beziehung zwischen Nora und ihrem Mann ist strange, und auch die Einschränkungen durch ihre Krankheit sind einschneidend. Trotzdem bin ich froh, dass Nora durch die Arbeit im Archiv eine Aufgabe findet, die ihr viel bedeutet und sie zufrieden macht.

⭐ Die Beschäftigung mit Literatur in allen Lebensbereichen und das Zurückgreifen auf literarischen Figuren, um das eigene Leben zu interpretieren und auch ein bisschen besser zu verstehen, fand ich sehr interessant. Gleichzeitig wurde ich das Gefühl nicht los, dass diese starke Konzentration auf Literatur auch einsam machen kann und soziale Beziehungen dabei manchmal zu kurz kommen

⭐. Auch eine Stärke des Romans: Morsbach fordert nicht dazu auf, ihre Figuren zu mögen, sondern sie genau anzuschauen.

⭐ Sprachlich hat mir der Roman sehr gut gefallen. Ich bin zunächst davon ausgegangen, dass hier vor allem die Vita einer ehemaligen Lehrerin erzählt wird, und hatte deshalb deutlich mehr Schulcontent erwartet. Zum Glück war das überhaupt nicht der Fall. Orion war für mich viel mehr: ein kluger, ungewöhnlicher Roman über Literatur, Menschen und das Leben.

Dieser Roman ist eine ungewöhnliche Liebeserklärung an die Literatur.
 Absolute Leseempfehlung! 📖❤️

Cover des Buches Orion (ISBN: 9783328600732)
Sigismunds avatar

Rezension zu "Orion" von Petra Morsbach

Sigismund
Literarische Reflexionen

REZENSION
– „Ich wollte übers Lesen erzählen und was man daraus fürs Leben lernen kann oder auch nicht. … Andererseits widerspiegelt die Literatur das ganze menschliche Spektrum, von Ehrlichkeit und Tiefe bis zu Dummheit, Brutalität und Infamie“, kommentierte die Schriftstellerin Petra Morsbach (70) in einem Interview ihre Idee zu ihrem im Mai beim Penguin Verlag veröffentlichten Roman „Orion“. In diesem modernen Bildungsroman zeigt die bereits für ihr Lebenswerk mit dem Jean-Paul-Preis ausgezeichnete Autorin, welche Bedeutung Literatur für unser Leben hat, indem Bücher unsere Wahrnehmung, unser Denken und unseren Umgang mit anderen Menschen prägen können.

Der Roman fasziniert weniger durch seine unspektakuläre Handlung, sondern durch seinen ungewöhnlichen Blick auf das Alltagsleben der krankheitsbedingt pensionierten Gymnasiallehrerin Nora, auf das diese durch die Welt der Bücher zurückblickt. Das Lesen war und ist für sie also nicht nur eine unterhaltsame Freizeitbeschäftigung, sondern ein bedeutsames Mittel, um ihre Mitmenschen zu verstehen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und notfalls Lebenskrisen zu bewältigen. Entsprechend versteht Nora „das Glück des Lebens“ als eine „intime Begegnung zwischen Leserin und Autor, das wache Aufnehmen einer ehrlichen und tiefen Literatur. Durch die Berührung öffnet sich das Kunstwerk gewissermaßen und offenbart die polyphone, verstörend faszinierende Essenz des Lebens, das, was wir als Wahrheit empfinden“. Zeit ihres Lebens bleibt Nora eine leidenschaftliche Leserin und gleicht ihre Erfahrungen und Erlebnisse immer wieder mit ihrem durch Literatur gewonnenen Wissen ab. Doch kann uns die Literatur im Alltag wirklich helfen? Nicht immer trifft Nora die richtige Entscheidung.

Im Roman erzählt Nora aus ihrem keineswegs ungewöhnlichen Leben. Geboren in den 1960er-Jahren, lernt sie als Studentin beim Ferienjob im Staatsarchiv einen um Jahre älteren Archivar kennen, den sie später heiratet – weniger aus Liebe, eher aus Gründen der Vernunft. Sie wird literaturbegeisterte Lehrerin für Deutsch und Geschichte an einem oberbayerischen Gymnasium, zieht ihren Sohn Enni als Einzelkind auf und lässt sich, von ihrem Mann vernachlässigt, nach einer bereits beendeten Liebesaffäre scheiden. Nach einem Nierenversagen muss sie als 60-Jährige vorzeitig den Schuldienst verlassen und arbeitet fortan stundenweise in einem Literaturarchiv.

Wir erleben in „Orion“ die Entwicklung einer Frau von der Jugend bis ins Alter, deren Wahrnehmen und Handeln von Literatur, Philosophie und Bildung geprägt ist. Im Roman geht es um grundlegende Fragen wie Erziehung, Moral, Liebe und den mitmenschlichen Umgang. Dabei zeigt sich Nora keineswegs als alles beherrschende Besserwisserin, sondern zwar als nüchterne, analytisch denkende, aber durchaus widersprüchliche und oft auch distanzierte Persönlichkeit. Gerade dieses Widersprüchliche macht sie zu einer glaubwürdigen Figur, deren Entscheidungen nachvollziehbar sind und der unser Mitgefühl sicher ist.

Morsbach zeigt in ihrem Roman anhand ausgewählter Zitate aus klassischen ebenso wie aus modernen Werken, wie eng Literatur und unser normales Leben miteinander verbunden sein können. Diese literarischen und philosophischen Bezüge verlangen beim Lesen Konzentration und Geduld. Gleichzeitig fasziniert das Buch durch die charakterliche Tiefenschärfe seiner Figuren, durch detaillierte Beobachtungen, intellektuell interessante Dialoge und trotz aller Ernsthaftigkeit der Themen auch durch eine wohltuende und lebensnahe Prise Humor – wenn zum Beispiel der inzwischen erwachsene Sohn sich von seiner inzwischen von Diät lebenden Mutter ein echtes „Männermenü“ wünscht: „Ich antwortete, ich würde ihm gern beibringen, wie man eins kocht und wie man anschließend die Küche wieder aufräumt.“

Nicht aufregende Ereignisse prägen also die Handlung dieses Romans, sondern über weite Strecken gute Beobachtungen, literarische Reflexionen und intelligente Dialoge – Szenen aus dem Jahrzehnte währenden Alltagsleben einer literarisch gebildeten und lebenserfahrenen Frau. „Ich hätte gedacht, dass es zutiefst befriedigend sein müsse, so viel Farbe und Energie aus dem banalen Alltag ziehen zu können, einfach, indem man es in Sprache fasste“, sagt Nora einmal. Mit diesem Zitat lässt sich auch der Gesamteindruck nach der Lektüre des Romans „Orion“ zusammenfassen: Es ist beeindruckend, wie es Petra Morsbach gelingt, aus der Schilderung eines mehr oder minder alltäglichen Lebens einen intellektuell anspruchsvollen Bildungsroman zu schaffen, der seine Leser nachhaltig zum Denken herausfordert.

Cover des Buches Orion (ISBN: 9783328600732)
Angie*s avatar

Rezension zu "Orion" von Petra Morsbach

Angie*
Keine Herzenswärme,,,,

Wir verfolgen im Buch das Leben der Deutsch - und Geschichts - Lehrerin Nora Dellenbrücker , teilweise aufgewachsen bei Oma Auguste, der Mutter des Vaters, die sich für ihre grosse  Familie aufgeopfert hatte. Zu ihrer eigenen Mutter Oma Friedchen zeichnet die Autorin ein merkwürdig farbloses und emotionsloses Bild für die Leser*innen auf. 

Nora heiratet den Archivar Theseus, ziehtn mit ihm den gemeinsamen Sohn Enni auf. Eine Scheidung folgt, forciert durch Nora's Affäre mit dem bodenständigen Baumchirurgen, Forstmann und Grosswildjäger Bruno. Eine schwere Nierenerkrankung zwingt sie in ihren letzten Jahren an die Dialyse und  fesselt sie an ihre häusliche Umgebung. 


Nora liebt lebenslang die Klassiker der Antike und deren Philosophische Denkansätze. Sie versucht in ihrem langjährigen Berufsleben viele dieser demokratischen Werte an ihre Schüler*innen und auch an ihre Familie zu vermitteln. Lebenslang versucht sie die Menschen ihres

 realen Umfeldes mit ihren geliebten, philosophischen Büchern und deren Protagonisten zu vergleichen. 

Zitat Seite 249 : " Nicht alle Menschen verwirklichen sich als Bücher, so wie nicht alle Autoren sich als Menschen verwirklichen. " 


Der angenehm und flüssig zu lesende Schreibstil der Autorin hat mir sofort zugesagt , auf den über vierhundert Seiten gut unterhalten und zum Nachdenken und Mitfühlen der Ich-Erzählerin Nora mitgenommen. 


Dieser von einem intellektuell geprägten Denken Frau und Lehrerin hat im Roman nur eines gefehlt: Herzenswärme, echte Zuneigung, Liebe und Sympathie für viele ihre Mitmenschen und Schüler*innen. Diese zutiefst menschlichen  Eigenschaften habe ich während der ganzen Lektüre schmerzlich vermisst. Wissenschaftliche Bildungselemente wurden von ihr super korrekt vermittelt. Sie hat ihre Schüler*innen perfekt gefördert, ihre Familie gut begleitet, doch immer ohne eine echte emotionale Bindung, eher kühl und fast abwesend. Im Kapitel *Bank* wird diese kalte Betrachtungsweise aus der sicheren, emotionslosen  Ferne der Zuhörerin Nora besonders gut erkennbar. Die Erzählungen von Lebenswegen  anderer Mitmenschen berühren sie kaum. Nora lauscht unbeteiligt,  fast wie beim Betrachten eines wissenschaftlichen Experimentes. Das hat mich in meinem Lesefluss behindert, sogar ein wenig verstört. Ich konnte Nora's philosophisch geprägte Gedankenwelt über klassische Lektüren, übertragen auf Menschen, deren Erlebnisse und Gefühle nicht gut nachvollziehen. Auch die unterkühlte  Beziehung von  ihrem erwachsenem  Sohn Enni  zu ihr hat mich deswegen nicht verwundert. Kaum jemand hat Zugang zu Noras wirklichem  Innenleben bekommen. Sie hat sich verschlossen wie eine Auster im Meeresstrom. Nora ist eine gute Beobachterin , aber ob sie mit ihrer Umwelt wirklich mitfühlen konnte bezweifle ich sehr. 


Meine Bewertung:  es ist ein sehr lesenswertes Buch mit VIER **** Sternen ! 


Gespräche aus der Community

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