Petra Morsbach

 4 Sterne bei 80 Bewertungen
Autor*in von Justizpalast, Opernroman und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Petra Morsbach

Petra Morsbach, geboren 1956, studierte in München und St. Petersburg. Danach arbeitete sie zehn Jahre als Dramaturgin und Regisseurin. Seit 1993 lebt sie als freie Schriftstellerin in der Nähe von München. Bisher schrieb sie mehrere von der Kritik hoch gelobte Romane, u.a. »Opernroman«, »Gottesdiener« und »Justizpalast«. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Jean-Paul-Preis. 2017 erhielt sie den Roswitha-Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim und den Wilhelm-Raabe-Preis.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Petra Morsbach

Cover des Buches Justizpalast (ISBN: 9783328103790)

Justizpalast

 (25)
Erschienen am 08.10.2018
Cover des Buches Opernroman (ISBN: 9783328103943)

Opernroman

 (16)
Erschienen am 08.10.2018
Cover des Buches Dichterliebe (ISBN: 9783442748297)

Dichterliebe

 (12)
Erschienen am 12.01.2015
Cover des Buches Gottesdiener (ISBN: 9783328103929)

Gottesdiener

 (8)
Erschienen am 08.10.2018
Cover des Buches Plötzlich ist es Abend (ISBN: 9783328103936)

Plötzlich ist es Abend

 (6)
Erschienen am 08.10.2018
Cover des Buches Der Cembalospieler (ISBN: 9783752804973)

Der Cembalospieler

 (6)
Erschienen am 18.06.2018
Cover des Buches Der Elefant im Zimmer (ISBN: 9783328600749)

Der Elefant im Zimmer

 (2)
Erschienen am 31.08.2020
Cover des Buches Gasthauskind (ISBN: 9783492052900)

Gasthauskind

 (2)
Erschienen am 07.09.2009

Neue Rezensionen zu Petra Morsbach

Cover des Buches Der Elefant im Zimmer (ISBN: 9783328600749)
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Der Elefant im Zimmer" von Petra Morsbach

Die Sprache erkennen, um sich zu wehren.
Gwhynwhyfarvor 9 Monaten

«Das Gefährlichste an der Macht ist nicht, dass sie obsessiv wirkt, sondern dass sie peinlich ist und verleugnet wird. Sie füllt den Verhandlungsraum nahezu komplett aus, doch alle müssen so tun, als spiele sie keine Rolle, und diese akrobatische Heuchelei bindet einen Großteil ihrer Konzentration und Kraft. Das Englische kenn hierfür eine schöne Metapher: der Elefant im Zimmer (the elephant in the room)»


Petra Morsbach erkundet in drei spannenden Reportagen das Thema Machtmissbrauch auf rhetorischer Ebene. Die Sprache erkennen, um sich zu wehren. Als sie selbst betroffen war, hat sie sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. In diesem Essay nimmt sie sich drei Fälle vor, der letzte ist ihr eigener, um das Konstrukt chronologisch zu durchleuchten und sie gibt Tipps, Machtmissbrauch zu erkennen und zu entlarven, sich dagegen zu wehren. Drei Fälle: Warum deckt eine Kirchenbehörde einen Kardinal, von dem seit Jahrzehnten bekannt ist, dass er Schüler und Novizen sexuell missbraucht? Warum will in einem Untersuchungsausschuss nicht mal die Opposition den Fehltritt einer Ministerin ernsthaft aufklären? Warum akzeptieren die Künstler einer Akademie ein Verbot von Dichterlesungen? Vertuschung auf allen Ebenen.


«Machtmissbrauch ist, zumindest unter liberalen Verhältnissen, Bluff und funktioniert nur so lange, wie die Umwelt mitspielt – das Opfer und die Umstehenden.»


Zunächst wird ein kirchlicher Missbrauchsskandal aus dem Jahr 1995 beleuchtet, der den pädophilen österreichischen Kardinal Hans Hermann Groër betrifft – Ein bekanntes Paradebeispiel für den Umgang der katholischen Kirche mit Sexualstraftätern, die munter weitermachen, von der Kurie gedeckt. Die Kirche mauert, nachdem sich Opfer lautstark melden, die Politik versucht, die Berichterstattung zu verhindern. Als die nicht mehr zu unterbinden ist, neue Opfer um das Wort bitten, versucht der Bischof zu verharmlosen. «Hollabrunner Bubengeschichten», er denunziert die Opfer als «kranke Seelen», deren Erinnerung gestört ist. Vertuschung, Gegenanklage, Schweigen. Am Ende erfolgt eine Entschuldigung, die keine ist, weil sie das Wort WENN impliziert, somit der Beschuldigte seine Schuld in Frage stellt.


«Ich bitte Gott und die Menschen um Entschuldigung, wenn ich Schuld auf mich geladen habe.» 


Der zweite Fall beschäftigt sich mit dem Ehepaar Harderthauer (die Frau bayerische Sozialministerin, er Arzt in der Forensik), die mutmaßlich durch einen Patienten einer psychiatrischen Klinik durch dessen «Arbeitstherapie» Millionen verdient hatten. Ein versierter Ingenieur, der wegen diverser Sexualdelikte einsaß, übte seine Tätigkeit im speziellen Modellbau weiter dort aus, die Modelle wurden über eine speziell dafür gegründete Firma des Ehepaars vertrieben. Die Behörden versuchten, die Zusammenhänge zu vertuschen, eine Mitarbeierin wurde versetzt. Ein Untersuchungsausschuss hatte kein Interesse, den Fall aufzuklären, wichtige Akten wurden vermutlich später vernichtet.


«Das ist im Grunde ein unabhängiger Ehrverein, in dem Mitglieder sich dreimal im Jahr treffen und über Kultur reden und kulturelle Veranstaltungen planen.»


Im letzten Teil wird Petra Morsbachs eigner Fall beleuchtet: die Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Plötzlich gab es dort die Regel: «Dass Dichter nicht aus einzelnen Büchern lesen dürfen.» Niemand wusste, wer das beschlossen habe und warum; das sei weder von irgendwem vorgeschlagen noch jemals bei einem Treffen diskutiert worden. Petra Morsbach wunderte sich, dass sich keine Sterbensseele dagegen auflehnte. Sie wollte sich den Umgang mit den Mitgliedern nicht gefallen lassen. Deklarierte das als Machtmissbrauch. Aber kein Mitglied wollte darüber sprechen. Im Gegenteil – sie bekam nun die Macht mit voller Wucht zu spüren.


«Es wurde geradezu als Obszönität empfunden, wenn ich sagte: Das ist Machtmissbrauch. Wir sind freie Künstler. Wir lassen uns doch nicht ehrenvoll berufen in einen Verein, der uns Verbote auferlegt. Wo wäre da der Sinn? In unserer Satzung steht, wir sollen die Freiheit und Würde der Künste bewahren. Wie können wir das tun, wenn wir selber willkürliche Verbote schlucken?»


Die Autorin beschreibt in diesem Essay, wie man Machtmissbrauch erkennt. Sie gibt Tipps zur sprachlichen Analyse. «Da gibt es Tricks, sprachliches Handwerkszeug.» Und sie gibt auch Vorschläge, wie man sich wehren kann. Interessant zu lesen, die Fälle kompakt analysiert in einem Zusammenhang. Jeder weiß um den Machtmissbrauch in vielen Situationen – beide Seiten Doch nieman traut sich, das anzusprechen: Der Elefant im Raum.


Petra Morsbach, geboren 1956, studierte in München und St. Petersburg. Danach arbeitete sie zehn Jahre als Dramaturgin und Regisseurin. Seit 1993 lebt sie als freie Schriftstellerin in der Nähe von München. Bisher schrieb sie mehrere von der Kritik hoch gelobte Romane, u.a. »Opernroman«, »Gottesdiener« und »Justizpalast«. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Jean-Paul-Preis. 2017 erhielt sie den Roswitha-Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim und den Wilhelm-Raabe-Preis.


https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/uber-machtmissbrauch-und-widerstand-von.html

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Cover des Buches Dichterliebe (ISBN: 9783442748297)
sursulapitschis avatar

Rezension zu "Dichterliebe" von Petra Morsbach

Speziell und genial
sursulapitschivor 3 Jahren

Dieses Buch ist höchst speziell und höchst genial. Ich habe lange nicht mehr so viel gelacht, obwohl tatsächlich kaum etwas passiert.

Henry Steiger war ein angesehener Dichter in der DDR. Nach der Wende ist seine Kunst nicht mehr gefragt. Zum Glück hat sein Freund Gabriel Geld und Kunstverstand und lässt ihn in seiner Künstlerkolonie wohnen.

„Aber auch mich ernährte die Kunst, meine Gedichtbände hatten Auflagen von fünftausend Stück. Im Westen wäre das undenkbar, hier gibt es mehr Lyrikschreiber als -leser. Auf einmal sind wir lächerliche Figuren. Kein Wunder, dass unsere Frauen uns verlassen hatten.“

Dort treffen die unterschiedlichsten Genies aufeinander, aber auch die Nachwuchsschriftstellerin Sidonie ist auch dort gelandet und erhofft sich Unterstützung.

Petra Morsbach hat die Ironie erfunden und beobachtet genau. Unfassbar komisch lesen sich Henrys Betrachtungen.

„Ach, was soll schon gewesen sein. Ich habe mich geduckt, um dichten zu dürfen, und begann unwillkürlich, über das Ducken zu dichten. Ich wollte demonstrieren, wie man dichtend sich wegduckt, und habe, indem ich das Ducken verdichtete, mich selbst weggedichtet"

Henry erzählt von seiner Situation damals und auch jetzt, vom Künstlerleben und der DDR, den Wessis und seinen sparsamen Restaufträgen.

Man amüsiert sich großartig und ist zutiefst beeindruckt von diesem Erzählstil, der spitzfindig, frech und treffend die Dinge auf den Punkt bringt. Aber irgendwann wünscht man sich dann doch eine Spur mehr Handlung, nur eine Winzigkeit.

Dieses Buch ist besonders, ein großer Spaß und eine Herausforderung. Es macht Spaß, aber es zwickt auch ein wenig.

Kommentare: 7
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Cover des Buches Justizpalast (ISBN: 9783328103790)
buch_katis avatar

Rezension zu "Justizpalast" von Petra Morsbach

Interessante Einblicke, aber zu lang.
buch_kativor 4 Jahren

Das Buch handelt von Thirza Zorniger, die zunächst Jura studiert und später Richterin im Justizpalast in München wird. 
Man erfährt viel über das Leben hinter den Kulissen eines Gerichtes (zu viele Fälle für zu wenig Richter, verschrobene, kauzige Richter, Mauscheleien über die besten Posten, die Einmischung der Politik, kuriose Fälle usw.). Nach Angabe der Autorin im Nachwort hat sie hierzu auch mehrere Jahre recherchiert und mit mehr als 30 Richtern persönlich gesprochen. 
Diese Einblicke sind wirklich sehr spannend und ungewöhnlich. Allerdings ist für mich das Buch ein wenig zu langatmig, wenn es um die Schilderung der verschiedenen Fälle geht , die ich persönlich nicht besonders interessant fand. Insgesamt aber ein Buch für alle die sich für Jura und Justiz interessieren. 

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