Petra Morsbach Der Cembalospieler

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Inhaltsangabe zu „Der Cembalospieler“ von Petra Morsbach

Erhaben wird es sein, rauschhaft und beneidenswert, das Leben eines Wunderkinds. Und wir begegnen Moritz Bauer auf der Höhe seiner Kunst: »Ich soll ein Konzert in Venedig spielen, in einem Palazzo. Gala mit hundert illustren Gästen, Gourmetmenü, Weinverkostung, so was macht man gern.« Mit fünf Jahren sieht Moritz zum ersten Mal ein Klavier, nach einer Woche schon spielt er, als hätte er niemals etwas anderes getan. Und bald entdeckt Moritz das Cembalo, für ihn funkelt es, strahlt, ist reine Poesie. Doch ein Cembalo ist unerreichbar für ein Kind aus schwierigen Verhältnissen. Als er endlich eines bekommt, steht etwas anderes längst fest – Moritz wird erblinden. Ein großer, kluger, abgründiger Roman über die Tragik und die Lächerlichkeit eines Virtuosenlebens.

So ist das also im Kosmos der Musik. Petra Morsbach macht ihn auch für Klassikbanausen wir mich lebendig.

— alasca

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  • Rezension zu "Der Cembalospieler" von Petra Morsbach

    Der Cembalospieler

    Clari

    05. October 2008 um 00:33

    Petra Morsbach Der Cembalospieler Piper ISBN 3492048382 Synthese von Abgründigkeit und göttlicher Kunst! Als Moritz Bauer zum ersten Mal die Tasten eines Klaviers berühren darf, ist es um ihn geschehen: Jahr für Jahr wünscht er sich ein Klavier. Dann hört er zum ersten Mal den Klang eines Cembalos, und nun lässt es ihm keine Ruhe mehr: er muss eines haben! Und er bekommt es! Da ist er 13 Jahre alt. Er nähert sich fortan ohne zu Zaudern wie in einem Rausch den Präludien und Fugen von Bachs Wohltemperiertem Klavier. Es kursiert das Gerücht, er sei ein Wunderkind! In die Wiege gelegt worden ist ihm eine Zukunft als berühmter Cembalospieler nicht gerade. Der Vater war ein unfreundlicher und missmutiger Zeitgenosse, der glücklos seinem Leben als Bundeswehrangehöriger nachging. Seine unzufriedene und nörgelige Mutter konnte ebenfalls wenig zum Glück der Familie beitragen. Als sich bei Moritz frühe Sehstörungen zeigen, die zur Erblindung führen werden, beginnt sie, ihren Sohn und seine Musikerkarriere zu ihrem Lebensinhalt zu machen. Seine verzweifelten Auflehnungsversuche in den 68 ziger Jahren ändern daran nichts. Das in humorig -makabere Worte gekleidete Familienleben bildet den Auftakt zu einer seltenen Musikerkarriere, mit der Petra Morsbach ihre Entwicklungsstudie über einen Jungen beginnt, der immer nur sich selber im Blick hat. Als er in der Pubertät seine Homosexualität entdeckt, wird er von unbezähmbaren Leidenschaften erfasst, die ihn in Unsicherheit und Angst stürzen. Seine Selbstzweifel weichen bald einer stillen Eingenommenheit von sich selber, als er in der Musik zunehmend eine Sublimation für sein eingeengtes Gefühlsleben entdeckt. Die einzelnen Kapitel des Romans sind mit bekannten Werken Bachs überschrieben. Durchgängig aber bleiben die Goldbergvariationen im Fokus des Geschehens. Moritz Bauer erlebt eine rasante Karriere, die ihn in berühmte Konzertsäle führt und ihm Ruhm und Ehre einbringt. Sein Leben zwischen der Musik und seiner homoerotischen Neigung bildet den Tenor des Romans. Dabei lernt man nebenbei einen Kunstbetrieb kennen, in dem Künstler sich nur schwer behaupten können, und in dem es zuweilen recht skurril zugeht. Erst im Alter erkennt Moritz, wie oft er Wohlwollen und unverhoffte Chancen in seinem Leben vertan hat. Viel zu spät gelang ihm die Lösung von einer Mutter, die ihren Sohn mit eingebildeter Krankheit zu ködern trachtete. In Themenschwerpunkten behandelt Morsbach den Kunstbetrieb, Genie und Herkunft, Behinderung und Homosexualität. Indem sich die Autorin ganz auf das Leben ihres Protagonisten Moritz Bauer einlässt, zeigt sie sich als sensible und verständnisvolle Betrachterin seelischer Beunruhigungen und Nöte. Anrührend klar und eindeutig zeichnet sie das Leben ihres Helden, das sich beinahe kontrapunktisch ausnimmt: hier der Ästhet und bewundernswert kompetente Musiker, dort der von seinen Leidenschaften gepeinigte Mann. Die in den siebziger Jahren noch ganz ins dunkle Abseits gedrängte Homosexuellenszene steht im Kontrast zur göttlichen Musik von Bach und seinen Zeitgenossen. Petra Morsbach erlaubt uns einen Blick hinter die Kulisse einer leidenschaftlichen Musikerseele, die diesen zu tiefstem Gefühlsausdruck befähigt, während zugleich ein einsamer Mann seinen menschlichen Versäumnissen nachspürt. Morsbachs Anmerkungen weisen sie als ausgezeichnete Musikkennerin aus. In wunderbaren Passagen bietet sie Interpretationen über die Meisterwerke Bachscher Passionen, Orgel – und Klavierwerke. Der Protagonist wird mit seinen Nöten und Freuden, mit seinen Erfolgen und menschlichen Unzulänglichkeiten zum Prototyp unserer Zeit, in der Orientierung an und in der Musik zu einem Hilfsmittel von ausnehmender Bedeutung werden mag. Die selbstverständliche Erzählweise ist eindringlich, klar und nüchtern und lässt trotz des delikaten Doppelthemas: Musik und Homosexualität keinen Moment der Peinlichkeit aufkommen. Man mag das Buch auch als gelungene Hommage an die Musik von Johann Sebastian Bach ansehen!

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