Petra Morsbach Justizpalast

(9)

Lovelybooks Bewertung

  • 6 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 2 Leser
  • 6 Rezensionen
(5)
(2)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Justizpalast“ von Petra Morsbach

Petra Morsbachs großer Roman über Gerechtigkeit und jene, die sie schaffen sollen - ausgezeichnet mit dem Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2017
Thirza Zorniger stammt aus einer desaströsen Schauspielerehe und will für Gerechtigkeit sorgen. Sie wird Richterin im Münchner Justizpalast, doch auch hier ist die Wirklichkeit anders als die Theorie: Eine hochdifferenzierte Gerechtigkeitsmaschine muss das ganze Spektrum des Lebens verarbeiten, wobei sie sich gelegentlich verschluckt, und auch unter Richtern geht es gelegentlich zu wie in einer chaotischen Familie. "Justizpalast" ist ein Roman über die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, über erregte, zynische, unverschämte, verblendete, verrückte, verwirrte und verzweifelte Rechtssuchende sowie überlastete, mehr oder weniger skrupulöse, kauzige, weise, verknöcherte und leidenschaftliche Richter.

Die spröden Mühlen der Justiz und mittendrin eine eigenbrötlerische Frau: "Justizpalast" begeistert mit seiner Andersartigkeit.

— leselea

Wer sich für Justiz interessiert, dem kann ich das Buch empfehlen. Ein Blick hinter die Kulissen der Gerichtsbarkeit .

— vielleser18

Vieles macht Morsbach richtig, doch leider hat die trockene Gerichtsmaterie auf die Spritzigkeit des Romans abgefärbt.

— hundertwasser

Ein tolles Buch, das einem Justiz wirklich spannend näher bringt.

— leserattebremen

Ein großer Roman über eine unbeirrbare Frau.

— miss_mesmerized

Stöbern in Romane

Die erstaunliche Familie Telemachus

„Die erstaunliche Familie Telemachus“ ist ein Roman der anderen Art! -Faszinierend, spannend und ein einziger Zaubertrick!

Hellena92

Das Leben kostet viel Zeit

Was hat Mann/ Frau am Ende eines Lebens noch zu erzählen ... Mag sich interessant anhören, ist aber leider nicht mein Buch gewesen ...

19angelika63

Wiesenstein

Ein anspruchsvoller, komplexer Roman mit eindrucksvoll geschildertem Hintergrund

solveig

Ein mögliches Leben

Spannende und interessante Geschichte eines Deutschen in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, nach schwachem Start sehr lesenswert.

krimielse

Ein abgetrennter Kopf

Ein raffiniertes Spiel mit Emotionen, Lust und Liebe.

Belladonna

Die Mitternachtsschwestern

Recht interessant..

Bjjordison

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

    Mehr
    • 2095
  • Justitia

    Justizpalast

    leselea

    10. December 2017 um 15:52

    Das Unrecht geht immer weiter, aber das Bemühen um Gerechtigkeit auch! (S. 479) Es gibt Bücher, die erzeugen bei mir schon nach wenigen Seiten ein starkes paradoxes Gefühl: Ich weiß einerseits schon recht früh, dass das vorliegende Buch großartig werden wird; andererseits ist mir bewusst, dass das Buch, zerlegt in seine Bestandsteile, nur wenig Großartiges bereithält und es mir schwer fallen wird, es anderen Lesern schmackhaft zu machen. So geschehen auch beim jüngsten Roman der Schriftstellerin Petra Morsbach: Justizpalast erzählt von Thirza Zorniger, ihrem juristischen Werdegang bis zum Richteramt am Münchener Landgericht und vom Rechtswesen (theoretischer wie praktischer Natur) in der Bundesrepublik nach 1945. Wer nun allerdings beim Titel und der kurzen Zusammenfassung auf einen thrillerartigen Plot oder auf eine dynamische Geschichte mit irrwitzigen Wendungen, wie sie in amerikanischen Anwaltsserien zuhauf erzählt werden, hofft, der hat mit Justizpalast leider einen Fehlgriff gemacht. Denn Petra Morsbach verzichtet in ihrem Roman konsequent auf alle sensationshaschenden Elemente, mit denen eine Geschichte aufwarten kann: die Hauptfigur Thirza ist in erster Linie spröde und passiv, keine Sympathieträgerin, sondern eher eine Figur, bei der man zwischen leichtem Mitleid und freundlichem Spott schwankt; die Geschichte plätschert vor sich hin und fokussiert sich dabei stark auf die Mühlen der Justiz, die – wie wir alle wissen – zwar stetig, aber auch langsam mahlen; der Text selbst ist so trocken und nüchtern geschrieben wie ein juristisches Schriftstück und setzt mehr auf Informationsvermittlung als darauf den Leser, emotional mitzureißen. Kurzum: Es spricht vieles gegen diesen sperrigen Roman. Und dennoch hat mich Justizpalast restlos überzeugt und auf eigentümliche Weise begeistert. Das liegt vor allem an dem scharfen Blick, mit dem Petra Morsbach im Roman alles und jeden unter die Lupe nimmt: den Alltag an Gericht, die Motive der Klagenden, die Selbstpräsentation des juristischen Personals, die institutionellem Strukturen, die sich um die juristischen Grundgedanken entwickelt haben, den Unterschied zwischen Rechtsprechung und Gerechtigkeit sowie zwischen moralischen und juristischen Prinzipien. Dabei zeigt sie einerseits einen Faible für Details, indem sie verschiedenen Fällen ihrer Hauptfigur viel Platz im Roman einräumt; andererseits gelingt es ihr leichtfüßig den einzelnen Fall ins große Ganze einzufügen und auf diese Weise einen umfangreichen Blick hinter die Kulissen unseres Rechtsstaates zu werfen. Zudem ist ihr Stil bei aller Nüchternheit und vermeintlicher Objektivität nicht frei von subtiler Komik und feiner Ironie und macht den vielleicht auf den ersten Blick langweilig wirkenden Text heiter und schwungvoll zu lesen. Auch Thirzas verschrobener Charakter trägt viel zu einem leichten Umgang mit den doch bisweilen schweren und gewichtigen Themen bei und bindet einen – auch wenn man Thirza nicht unbedingt zur besten Freundin haben möchte – stark an diesen so andersartigen Text. Ich wünsche Justizpalast viele Leser, hat sich das Buch doch während der Lektüre völlig unerwartet zu einem literarischen Schatz und einem Lesehighlight 2017 entwickelt. Man braucht sicherlich eine gewisse Aufgeschlossenheit und vor allem zu Beginn den Willen, sich durch diesen Text zu beißen. Danach wird man meiner Meinung nach jedoch mit einem Roman belohnt, der aus der Büchermasse heraussticht und einer mit seiner Unkonventionalität für sich gewinnt. 5 Sterne!

    Mehr
    • 3
  • Griffig, kantig, intensiv, emotional dicht und hervorragend geschrieben

    Justizpalast

    michael_lehmann-pape

    03. November 2017 um 16:24

    Griffig, kantig, intensiv, emotional dicht und hervorragend geschriebenSchon die ersten Sätze nehmend en Leser umgehend in die Geschichte gefangen. Eine Geschichte, die sich um das Rechtswesen“ dreht, um dessen Protagonisten, aber auch um deren Umfeld. Die im Gerichtsgebäude auch spielt, aber dazu nimmt das Buch erst einmal ausführlich und ganz hervorragend im Timing seinen Anlauf.Denn am Wichtigsten, zentral, für diesen Roman sind die Figuren Jede der Figuren, Die Morsbach lebendig, abwechslungsreich, packend sowohl analytisch wie emotional für den Leser fast real werden lässt, statt in den Buchstaben eines Romans zu erstarren.Der Großvater, ehemaliger Richter, nach dem Krieg „zu spät gekommen“, irgendwo wesensverwandt untergekommen und, wie so viele im Buch, eine starke Szene, als Anspruch und Wirklichkeit aufeinandertreffen, als klar wird, dass da zwar einer „nie gegen das Recht verstoßen hat“ (hätte er mal besser zu Zeiten des dritten Reiches), aber wenig „Gerechtigkeit“ im Herzten trägt.„Dr. Wilhelm Kargus nun hatte für die Karriere seine Prinzipien verraten, ohne es zu merken. Er wusste nicht einmal, dass er nicht gerecht war“. Und das ist schon eine Kunst, das nicht zu wissen, wenn man mit der Axt „ungerecht“ eine Hütte zu Kleinholz verarbeitet“.Die Mutter, auf gutem Wege, gar nicht die die Jurisprudenz weiterverfolgt, denn Carlos Zorniger kam dazwischen. Und wie der dazwischenkam. Und wie der kantig, grob, fein, charismatisch, intensiv, distanziert von Morsbach ins Leben gerufen wird. Wie herzergreifend seine, unbewussten, verletzten Worte die kleine Tochter treffen, dass ist mitreißend geschrieben und löst die Distanz zwischen Leser und Werk treffend auf.Was alles in Thirzas Kopf zunächst und aus ihren Erinnerungen heraus dem Leser nahegebracht wird. Thirza, die Tochter einer dann verbitterten Mutter, eines abwesenden, egomanischen Vaters und eines frustrierten und dennoch ständig „Haltung vorführenden“ Großvaters. Die nun auch Richterin werden will. Aus all dem an Prägungen heraus, auch das baut Morsbach zwingend im Charakter der Thirza auf, Wie sie alle Personen unaufdringlich in ihrem „Sein“ erläutert. Die Tanten, die Mutter, die Großmutter, den Vater, Großvater, die Halbschwester und dutzende andere Figuren, die mal im flüssig verfassten Rückblick, oder in kantigen, fast assoziativ wirkenden Aufzählungen oder auch, dass vor allem, in ihrem Agieren dem Leser ihre inneren Haltungen emotional vermitteln.Eine Melange, die von allen Seiten ebenso zwingend in die Justiz führt. Die zerstörte, kaputte „Heimatfamilie“, die den Wunsch nach „etwas wieder zusammenfügen“ ebenso entstehen lässt, wie der „erfolgreiche“ Teil der mütterlichen Familie, in denen Juristen seit Generationen auf die ein oder andere Weise diesem „Handwerk“ nachgehen, was bei Thirza weitgehend zu Distanz und einem „es besser machen wollen“ führt.Aber ebensolche Menschen, wie sie als Kind kennenlernte, werden sie ihr gesamtes Berufsleben als Juristin „im System“ begleiten. Wie das an ihr etwas verändern? Wird sie manche heikle Situation und manche schmierigen Menschen Herr(in) werden könnten?Denn alles, was an „Typen“ in der Rechtsprechung zu finden ist, führt Morsbach mit klarem Blick für die Eigenarten der Persönlichkeiten und mit ebenso klarer und flüssiger Sprache hervorragend vor Augen.Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

    Mehr
  • Ein Blick hinter die Kulissen der Gerichtsbarkeit

    Justizpalast

    vielleser18

    27. October 2017 um 08:45

    Thirza Zorniger wächst bei ihrem Großvater, einem Richter auf. Schon früh interessiert sie sich für die Welt der Gerichtsbarkeit.  So verwundert es auch nicht, dass sie den selben Weg einschlägt, Jura studiert, verschiedene Stufen der Richterlaufbahn erringt, und es bis in den Justizpalast in München in eine führende Rolle schafft. Petra Morsbach erzählt das Leben von Thirza, von ihrem Schauspielervater, ihrer unglücklichen Mutter, ihrer Kindheit und Jugend, aber den meisten Raum nimmt ihre berufliche Laufbahn ein. Eingeflochten dabei immer wieder Gerichtsfälle, Gerichtsverhandlungen, Gerichtsurteile, es wird von Kollegen berichtet, von Arbeitsbelastungen, von wenig Freizeit. Der Roman ist nicht linear erzählt, er springt immer mal wieder vor und zurück im Leben von Thirza. Der Erzählstil ist nüchtern, erst gegen Ende kommen auch Emotionen ins Spiel, wird die Figur der Thirza menschlicher, greifbarer. Aber irgendwie passt der Stil auch zu der Protagonistin, die in einer eher als "trocken" geltenden Zunft arbeitet, in der es um Gesetze. Rechtsauslegungen, Aktenstudium und Urteilsbegründungen geht. Aber hinter jedem Fall stehen auch Menschen und das macht die Autorin mit den vielen beschriebenen Fällen auch deutlich. Thirza hingegen ist eine eher zurückgezogene, einsame Figur, die lange braucht um nicht nur ein berufliches Leben, sondern auch privates Glück zu haben, sich zu verlieben und einen Mann fürs Leben zu finden.Der Roman vereint das berufliche und private Leben der Protagonistin Thirza.  Obwohl der Beruf der Richterin hier im absoluten Mittelpunkt steht und ihr Privatleben eher als Untermalung dient. Sie bleibt als Figur eher kühl und nur am Ende wird es emotionaler.  Die Autorin deutet das Ende am Anfang an, doch erst nach und nach, Schritt für Schritt, schließt sich der Kreis im beruflichen Leben sowie im privaten Umfeld. Wer sich für die Arbeit und die Arbeitsbelastungen an deutschen Gerichten interessiert und dies auch noch verpackt in einem Roman, der viele Fälle aufgreift, dazu durch die Protagonistin Gedanken und Entwicklungen im Rechtssystem debattiert, dem kann ich den Roman empfehlen.  Er bietet eine breite Palette an Einblicken hinter die Kulissen der Gerichtsbarkeit. Die Autorin hat neun Jahre recherchiert, mit gut 50 Juristen über ihre Arbeit gesprochen und deren Erfahrungen und Erlebnisse mit in diesen Roman verwoben. Zusammen mit dem Lebensweg der fiktiven Protagonistin ergibt sich ein interessanter Roman, der, wenn auch kühl und nüchtern beschrieben, mich fesseln konnte.

    Mehr
  • Richterleben

    Justizpalast

    serendipity3012

    08. October 2017 um 11:16

    Richterleben Jeder, der schon einmal eine Anwaltsserie verfolgt oder einen entsprechenden Film gesehen hat, weiß: Recht und Gerechtigkeit sind zwei Paar Schuhe. Zwar ist die „gute“ Seite dort meist auch die, die im Zuschauerempfinden im Recht ist und die die meisten Fälle gewinnt (oder den Fall, wenn es nur einen gibt), dennoch geht es um noch viel mehr als den Sieg der Gerechtigkeit: zum Beispiel darum, wer den besseren, klügeren, vielleicht gerisseneren Anwalt hat. Keinesfalls kann man sich in der Gewissheit zurücklehnen, dass die Gerechtigkeit siegen werde, und am Ende der Geschichte hat man gelernt, dass es um Gerechtigkeit eigentlich nur am Rande geht.Für Thirza Zorniger, Protagonistin in Petra Morsbachs neuestem Roman „Justizpalast“, ist es dennoch das Streben nach Gerechtigkeit, das sie antreibt, als sie sich für die Juristenlaufbahn entscheidet. Auch viele Jahre später, als sie längst eine angesehene und routinierte Richterin am Justizpalast in München ist, hat sie noch den gleichen Anspruch an sich und somit an die Gerechtigkeit, die in ihrem Gerichtssaal walten soll, auch wenn sie längst gelernt hat, dass dies nicht immer möglich ist.Thirza stammt aus einer unglücklichen Ehe. Eigentlich wollte schon ihre Mutter Richterin werden, heiratete aber stattdessen Thirzas Vater, was ihren Plänen ein Ende setzte. Die Ehe war nicht von Dauer und Thirza wuchs bei ihren Großeltern und Großtanten auf. Ehrgeizig und zielstrebig nimmt sie nach und nach alle Stufen der Karriereleiter bis ins Richteramt. „Justizpalast“ ist im Großen und Ganzen die Lebensgeschichte seiner Heldin, wobei im Roman einzelne Fallschilderungen viel Raum einnehmen. Einerseits kann man hier viel Neues erfahren und über die Justiz lernen, andererseits sind die Prozesse, die wieder gegeben werden teilweise recht grotesk. Vieles hat sich vermutlich in ähnlicher Weise (wahrscheinlich abgewandelt) zugetragen: Petra Morsbach hat für ihren Roman neun Jahre recherchiert und mit insgesamt um die 50 Juristen über ihre Arbeit gesprochen. Man sollte also für die Lektüre des Romans in jedem Fall ein gewisses Interesse für das Themengebiet mitbringen. Die meisten Fälle sind interessant – erschütternd empfand ich, meine Vermutung bestätigt zu bekommen, was Erbstreitereien angeht, wie sich Familien zuweilen völlig überwerfen, weil die eine Partei sich von der anderen hintergangen fühlt. Ebenso interessant sind dann die Ausführungen dazu, auf welche Weise in den einzelnen Fällen entschieden wird und warum. Manchmal wird es des Juristendeutschs aber auch etwas zu viel und nicht immer ist alles gleich verständlich. Die Geschichte um Thirza bleibt dabei ab und zu ein wenig auf der Strecke. Zwar fügen sich die Fallbeschreibungen stets gut in die Handlung ein, dennoch unterbrechen sie sie. So wird zwar deutlich, wie das Richteramt Thirzas Persönlichkeit ausmacht, trotzdem hätte ich manchmal gern weiter über Thirzas Leben jenseits des Justizpalasts gelesen, zumal Morsbach mit ihr eine interessante, lebendige Figur geschaffen hat, die man gern auf ihrem Weg begleitet.Sehr gut gefallen hat mir der Stil Morsbachs. Sie lässt ihre Erzählerin das Geschehen nicht nur wiedergeben, sondern von Zeit zu Zeit auch sehr pointiert kommentieren, oft mit einem Augenzwinkern oder leiser Ironie, sie trifft oft mit wenigen Worten ins Schwarze. Wenn Thirza dann plötzlich selbst die Erzählung – meist nur ganz kurz – übernimmt, dann ist man wirklich ganz nah dran.So entsteht nach und nach ein deutliches Bild dieser Frau, deren Beruf für sie an erster Stelle steht – stehen muss, denn das Richteramt ist ganz offenbar harte und zeitintensive Arbeit. Morsbach lässt sie aber auch privat, ebenfalls im beruflichen Umfeld, ihr Glück finden. „Justizpalast“ gibt spannende Einblicke in die Juristerei, erzählt unaufgeregt über seine Heldin und ihr Leben und ist über weite Strecken dabei unterhaltsam und lehrreich. Wer sich für das Thema interessiert, sollte dem Buch eine Chance geben.

    Mehr
  • Über das Streben nach Gerechtigkeit

    Justizpalast

    leserattebremen

    15. September 2017 um 10:31

    Thirza Zorniger ist das Produkt einer leidenschaftlichen Beziehung zwischen dem Schauspieler Carlos Zorniger und Gudrun, Tochter von Strafrichter Wilhelm Kargus. Doch die Beziehung zerbricht und Thirza wächst bei ihrem Großvater und den Tanten in Parsing auf, nachdem ihre Mutter überfordert die Erziehung der Tochter aufgibt. Dort entwickelt sie den Wunsch, ebenso wie ihr Großvater, den sie sonst nicht besonders zu mögen scheint, Juristin zu werden und es bis in den Münchener Justizpalast zu schaffen. Petra Morsbach erzählt in „Justizpalast“ ausgiebig von Thirzas Leben, ihren Jugendjahren, aber hauptsächlich von ihrer Zeit als aktiver Juristin in verschiedensten Themengebieten. Familiengericht, Gnadenabteilung im Ministerium, Beschwerdekammer, Kartellrecht – durch all diese Bereiche arbeitet sich Thirza und was vielleicht langweilig klingt, ist ein hochspannender Roman über Recht und Gerechtigkeit. Bereits im Studium diskutiert Thirza mit Kommilitonen Radbruch und die Frage, welche Rolle Recht und Gesetz und welche darin die Richter zu spielen haben. Gibt es so etwas wie rechtgewordenes Unrecht? Diese Frage ist direkte Folge aus dem Fehlverhalten der Richter in der Nazi-Diktatur und beschäftigt Thirza ihr ganzes Leben lang. Der Roman „Justizpalast“ ist nicht nur spannend, man lernt auch eine Menge über Rechtsauslegung, Rechtsphilosophie und das Selbstverständnis der Justiz. Immer wieder werden Fälle eingeflochten, die Thirza verhandelt, was den Roman so nah und lebensecht macht, dass man manchmal vergisst, dass man eine fiktive, keine reale Geschichte liest. Thirza ist eine sehr spezielle Persönlichkeit, privat sehr gehemmt, sucht sie Erfüllung im Beruf und hat sich von der Vorstellung, in einer Beziehung glücklich zu werden, schnell verabschiedet. Sie kämpft in einer Zeit um Anerkennung, als Frauen in der Justiz selten und im Richteramt noch seltener waren. Jedenfalls zu Beginn, denn Morsbach lässt uns an Thirzas Beispiel auch die Geschichte der deutschen Justiz in der Nachkriegszeit erleben, die Veränderung der Probleme und Fragestellungen und die Komplexität des Rechts durch immer neue Gegebenheiten von Außen. Ich halte Petra Morsbachs Roman „Justizpalast“ für einen herausragenden Roman. Die Autorin bereitet ein zunächst langweilig erscheinendes Thema wie ein Leben für die Justiz so spannend auf, dass man den Roman kaum noch aus der Hand legen kann. Durch Thirzas speziellen Charakter wird das Buch noch kurzweiliger und selbst komplizierte Stellen über rechtsphilosophische Diskussion schreibt sie so klar und fesselnd, dass man sich keinesfalls abgeschreckt fühlt. Thirza wächst einem ans Herz und ihr uneingeschränktes Streben nach Gerechtigkeit schafft großen Respekt vor dieser Figur. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung für diesen Roman verbunden mit der Bitte, sich nicht abschrecken zu lassen vom vielleicht schwierigen Thema, denn Petra Morsbach macht es dem Leser unglaublich leicht, sich darauf zu einzulassen. 

    Mehr
  • Petra Morsbach - Justizpalast

    Justizpalast

    miss_mesmerized

    04. September 2017 um 05:41

    Thirza Zornigers Start ins Leben war schon nicht besonders glücklich. Ihr Mutter träumte von der Karriere in der Justiz, genau wie ihr Vater, aber als sie den Schauspieler Carlos Zorniger trifft, gibt sie die beruflichen Ambitionen zugunsten der Ehe auf. Diese ist kurz und schmerzvoll und der Rest des Lebens wird nicht besser. Die Tochter verbringt die meiste Zeit bei Großvater und den alten Tanten, wo sie zur cleveren und ambitionierten jungen Frau heranwächst. Es folgen Stationen in der Justiz, ihr Fleiß und Scharfsinn werden geschätzt und der Aufstieg geht stetig voran. Umgänglich mit den Kollegen und bedacht in der Arbeit vergehen die Jahre. Nur in der Liebe wollen die Dinge nicht so richtig klappen. Spät erst trifft sie mit Max auf einen Mann, mit dem sie ihr Leben und ihre Erlebnisse im Justizpalast teilen möchte, auch wenn sie lange dem Glück nicht trauen will. Und langsam neigt sich auch schon ihr Leben dem Ende entgegen, ein Leben, das maßgeblich von den Verfahren und ihren Urteilen bestimmt wurde, für sie als Person, bisweilen aber auch für große Firmen und das Land relevant.Petra Morsbachs Roman schafft eine geschickte Verbindung von der Geschichte einer Frau der Nachkriegszeit, die beharrlich auch gegen Widerstände ihren Weg geht und einem Blick auf die deutsche Justiz, der mal hoffnungsvoll, mal desaströs ausfällt. Immer begleitet wird die Handlung von einem Erzähler, der sich weitgehen dezent im Hintergrund hält, aber ab und an aber mit ironischen Spitzen („Lästern ist ein Laster, aber entlastend“, S. 83) oder gar zynischen Anmerkungen für ein Schmunzeln beim Leser sorgt.Schon früh realisiert Thirza, dass sie Kinderlos bleiben und somit im Alter allein sein wird. Ein Umstand, der sich nun einmal nicht ändern lässt und durch ihren beruflichen Erfolg noch verstärkt wird. Ohne einen konkreten Weg gezielt zu verfolgen, gelingt ihr doch der Weg durch die Kammern an immer höhere Positionen, ein wenig Glück gehört auch dazu, das Thirza in dieser Hinsicht hold stets ist. Da Liebe nicht in den Grundrechtekatalog gehört, wie der Erzähler feststellt, muss sie sich auf diesem Gebiet verwirklichen. Aber wie auch Max fragt sich Thirza, ob das das richtige Leben war und sie es sinnvoll und glücklich machend genutzt hat und nachdem sie selbst mit Krankheit konfrontiert wird, muss sie erkennen:„Hier beginnt der Übergang in ein anderes Spiel. Eines mit härteren Regeln, ohne Berufungsmöglichkeit, mildernde Umstände und rechtliches Gehör. Und ohne Gnade.“ (S. 472)Die Justiz hat ihr viel gegeben im Leben und immer war sie auf der Suche nach Gerechtigkeit und Ausgleich. Leiden verhindern, Recht zuerkennen, maßvoll auch gerecht urteilen – aber wird das Schicksal sich ihr gegenüber genauso verhalten? Sie ist das Sinnbild der erfolgreichen und stark verkopften Frau, die sich keinen intensiven Emotionen hingibt. Sie erkennt früh, dass sie beruflich den Männern in nichts nachsteht, gerät jedoch immer wieder an Herren, die in klassischen Klischees verhaftet sind und sie nicht als ebenbürtig anerkennen. Neben diesen privaten Aspekten Thirzas steht jedoch vor allem die Justiz im Vordergrund des Romans. Immer wieder werden Fälle skizziert und der Alltag der Richter aufgezeigt. Sehr deutlich wird hier deren Überlastung. Sie können das vorgegebene Pensum niemals bewältigen und suchen entsprechende Ausweichstrategien: wegducken, beschleunigen, weniger sorgfältig arbeiten. Man hat Verständnis für sie und hofft, dass man selbst nie der Fall ist, der gerade so abgehandelt wird. Auch die bisweilen auftretende Situation, dass die Gesetze schlichtweg für einen Fall nicht passen und dass diese Zwickmühle nur mit dem sogenannten „Sauhundprinzip“ – der schlichten Frage danach, wer gut und wer böse ist - beantwortet werden kann, ist nachvollziehbar, wenn auch bedenklich.Auch ein weiterer Missstand wird deutlich bekannt: „Tja, die Staatsanwaltschaft ist immer dann besonders überlastet, wenn es um höhere Kreise geht. Wir haben eine Zweiklassen-Justiz“ (S. 54) stellt der Erzähler schon früh fest. Am Beispiel der Familie Strauß wird dies später noch viel detaillierter erläutert und lässt einem als Leser schon stirnrunzelnd zurück, wenn man sonst keinen tieferen Einblick in die Vorgänge der Gerichtsbarkeit hat. Ein großer Roman über eine starke Frau in einem männerdominierten und hart umkämpften Umfeld. Erzählt in unterhaltsamen Ton, der nie – trotz vieler juristischer Details – tröge oder gar langweilig wird, sondern im Gegenteil die spannenden Seiten der Richterarbeit aufzeigt. 

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks