Petra Pauls Der Galgenbuck

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Inhaltsangabe zu „Der Galgenbuck“ von Petra Pauls

Benedict, ein junger Mönch aus dem Kloster Allerheiligen in Schaffhausen, der ungewollt zum Mitwisser der reformatorischen Bewegung in der Abtei wurde, wird vom Prior persönlich im März 1522 nach Grafenhausen verbannt - mit der Hoffnung, dass er den schweren Aufstieg nicht überlebt. Doch das Schicksal hat andere Dinge mit dem jungen Mann vor, der auf dem Weg in den Hochschwarzwald nicht nur die Freuden des Lebens kennen lernt, sondern auch das Grauen zu jener Zeit, das sich unter den leibeigenen Bauern in dieser Region unaufhaltsam in den Vordergrund stellt.

Zur gleichen Zeit macht sich der Zimmermann Jacob aus Münster mit seiner Familie auf dem Weg in den Süden, um den Verfolgungen, denen er als Anhänger Luthers ausgesetzt ist, zu entgehen. Sein Ziel ist Basel, wo sein ältester Sohn auf ihn warten will. Doch wie gefährlich diese Reise in eine ihm völlig fremde Welt ist, wird ihm erst bewusst, als sein Sohn Walther ermordet wird.

Die dramatischen Vorkommnisse der Neuen Zeit verändern nicht nur schlagartig das Leben dieser Menschen. Es kommt zu einer schicksalhaften Begegnung in den dunklen Wäldern am Staufenberg, die den Galgenbuck in Grafenhausen noch einmal lebendig werden lässt.

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  • Rezension zu "Der Galgenbuck" von Petra Pauls

    Der Galgenbuck

    Edition-Lumen

    27. March 2012 um 18:41

    Der historische Roman "Der Galgenbuck" von Petra Pauls, umfasst 300 Seiten (13,5x21,5 Taschenbuch) und kostet im Buchhandel 9,95 Euro. Auffallend ist nicht nur das Buchcover (in dunkelblau bis schwarz gehalten, ein Gewitterhimmel mit einem Galgen im Vordergrund), sondern auch der optische Aufbau des Buches. Eigentlich recht ungewöhnlich für ein Buch, was dem Ganzen dann auch eine besondere Note gibt. Es gibt weder Kapiteleinteilungen, noch Überschriften. Der ganze Roman ist in vier Jahreszeiten eingeteilt, passend zu der Handlung. Vorweg ist ein Stadtplan der spätmittelalterlichen Gemeinde Grafenhausen im Hochschwarzwald, wo der Roman u.a. seinen Höhepunkt hat. Zum Schluss - sehr passend zur Handlung und dem geschichtlichen Hintergrund - ein Zitat von Martin Luther. Auch abweichend von vielen anderen Büchern ist das tragische Ende, das aber perfekt in die ganze Handlung des Romans eingebaut wurde und somit eine besondere Botschaft an den Leser hinterlässt. Es folgen im Anhang neben einem Personenregister mit Geburtsdaten und Geburtsort, auch eine Zeittafel und eine Tabelle mit Maßeinheiten für das bessere Verständnis. Ein umfassender Quellennachweis rundet das Buch neben den üblichen Autorendaten, Danksagungen usw. ab. Zum Inhalt: Erzählt wird aus drei Perspektiven: aus der Perspektive der Familie des Zimmermanns Jacob aus Münster, der wegen seinem Glauben 1522 in den Süden flieht. Zu der Zeit wurden die Anhänger Luthers verfolgt und als Ketzer verurteilt. Ebenso gewinnt der Leser Einblick in das Leben des ältesten Sohnes Günther, der bereits ein Jahr zuvor aus Westfalen, zusammen mit dem Augustinermönch Ruprecht, in die Schweiz flieht. Von Krankheit, Mord, Verfolgung, Missbrauch und Verzweiflung gezeichnet - begegnen sich die Protagonisten unverhofft kurz in Freiburg, wo man Günthers Mutter als Hexe angeklagt hat. Das Schicksal lässt die Familie - das, was von ihr nach Besessenheit, Gier, Lüge und roter Pest übrig geblieben ist - erst wieder in Grafenhausen zusammen treffen. Doch hier wartet der Scharfrichter auf dem Galgenbuck, um den Alpträumen der jungen Magdalena endlich ein Ende zu setzen. Zu Ostern 1522 macht sich auch der junge Schaffhauser Mönch Benedict, zusammen mit dem Einsiedler Jakobus, auf dem Weg in den Hochschwarzwald, um Holz für das Kloster Allerheiligen von den Fronbauern und Leibeigenen zu holen. Was er jedoch nicht weiß: dies soll eine Reise ohne Wiederkehr für ihn sein. Er wurde umgewollt zum Mitwisser der neuen Bewegung in der Abtei und der Prior sieht in ihm eine Gefahr aufsteigen. Auf den Weg nach Grafenhausen entdeckt der junge Mönch, unter welcher Last die Bauern im Schwarzwald leben. Um sein Leben zu retten bleibt er bis zum Sommer bei dem Heidebauern, kurz vor den Toren der Stadt. Doch das hindert ihn nicht, seiner Berufung zu folgen. Die Begegnung mit der jungen Magdalena verändert nicht nur sein Denken und sein Fühlen - auf tragische Weise beendet sie auch sein Leben. Ich persönlich war von diesem Roman sehr beeindruckt, weil er drei rote Fäden gekonnt durchs ganze Buch zieht, um zu einem bemerkenswerten Höhepunkt zu kommen, mit dem ich als Leserin nicht gerechnet habe. Die Autorin schildert neben der religiösen Einstellung der Protagonisten, auch das politische Geschehen im Deutschen Reich, die Lage der Bauern und Leibeigenen im Schwarzwald und die (fiktiven) Hintergründe, warum es zu einem Bauernaufstand durch Hans Müller im Jahre 1525 kommen musste. Spannend schiebt sie geschichtliche Hintergründe in die Handlung ein und lässt so den Leser quasi immer mitdenken. Durch einen der Zeit angepassten Dialog, bekommt der Leser das Gefühl, er befände sich mitten im Geschehen. Trockene Passagen habe ich so gut wie keine gefunden, ich war nicht einmal geneigt, eine Seite zu überschlagen. Etwas gewöhnungsbedürftig mag vielleicht für den ein oder anderen der ausführliche Dialog sein. Auch arbeitet die Autorin mit Metaphern und anderen Stilmitteln, so dass der Leser manchmal zweimal eine Passage lesen muss, um sie wirklich zu begreifen. Eine leichte Bettlektüre ist dieser Roman eher nicht. Es wurde viel Hintergrundwissen, sowie auch Symbolik verwendet, um dem Roman eine gewisse Spannung zu verleihen. Als Beispiel möchte ich den Ring anführen, den die 12-jährige Magda in einem Traum gesehen hat. Diesen Ring findet ihr Bruder Walther am Rheinufer. Immer wieder tritt dieser Ring in Erscheinung: als Wegweiser, als Orakel, sogar als Zauberwerkzeug, dem böse Mächte zugesprochen werden. Der Ring begleitet die junge Magdalena bis zur letzten Seite des Buches. Hier erfährt der Leser den wahren Sinn dieses Ringes – er ist das Symbol der Ewigkeit, dass der Tod die Liebe nicht zerstören kann. Das Buch ist für Leser zu empfehlen, die auch zwischen den Zeilen mitlesen können und sich nicht scheuen, der Realität der damaligen Zeit gegenüber zu stehen. Neben einer ausführlichen Beschreibung, wie man Frauen als Hexen gefoltert hat, gibt es auch Szenen von sexuellem Missbrauch oder der Hoffnungslosigkeit jener Menschen, die unter dem Joch der Leibeigenschaft standen. Von Abtreibung, Selbstmordgedanken und Mord wird der Leser ebenso Zeuge, wie von einem erotischen Fingerspitzengefühl. Was in anderen Romanen ordinär wirkt, beflügelt hier eher die Fantasie des Lesers. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es nur weiterempfehlen. Sylvia van Dyke

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