Der Bademeister ohne Himmel – Petra Pellini
Linda ist 15 und lebensmüde. Sie sieht keinen Sinn mehr und überlegt, wie sie dem allen ein Ende machen könnte. Das ist der Einstieg, und er ist erschreckend. Aber er lohnt sich, denn was folgt, ist alles andere als das, was man erwarten würde.
Von diesen Gedanken ablenken können Linda nur zwei Menschen: Kevin, ein Schulfreund, viel zu nachdenklich für diese Welt, der an der zunehmenden Umweltzerstörung verzweifelt. Und Hubert, 86 Jahre alt, ehemaliger Bademeister, dement, dritter Stock. Linda leistet ihm regelmäßig Gesellschaft, zusammen mit Ewa, einer polnischen Pflegekraft sind sie ein richtig gutes Team. Ewa professionell mit kreativen Ideen und Linda mit grossem Einfühlungsvermögen und jeder Menge Humor.
Was Petra Pellini dabei gelingt, ist bemerkenswert. Sie schreibt über Demenz mit Humor, Wortwitz und einer großen Portion Empathie, ohne das Thema zu verharmlosen. Linda erkennt, dass Erinnerungen wachzuhalten oft weniger zählt als Anteilnehmen, einbinden, sich hineinfühlen. Sie erfindet Geschichten für Hubert, so wie es für ihn passt, nicht wie es andere für richtig halten würden.
Petra Pellini, geboren 1970 in Vorarlberg, war lange in der Pflege demenzkranker Menschen tätig. Das prägt diesen Roman spürbar. Ihre Erfahrungen fließen mit ein, stimmen nachdenklich und machen Hoffnung, dass es eben nicht nur um Pflege geht, sondern um Einfühlen.
Sie hat die verschiedenen Aspekte sehr gut auf den Punkt gebracht. Das Bedürfnis der Angehörigen, die Erwartung an die Pflegerinnen, die eigene Welt des Betroffenen und mittendrin: Ewa und Linda mit ihrer ganz eigenen Art Hubert jeden Tag den bestmöglichen Tag zu schenken.
Ein Roman über Demenz und Erwachsenwerden, der trotz schwerer Themen leicht und lebendig bleibt. Die Dialoge voller Witz haben mich schmunzeln und Linda still immer wieder ermutigen lassen, gut so.
Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und vergeben 5 Sterne, aus Überzeugung. Ich hoffe, viele bemerken, entdecken und lesen dieses Buch.













