Petra Piuk

 4,2 Sterne bei 55 Bewertungen
Autorenbild von Petra Piuk (©detailsinn)

Lebenslauf von Petra Piuk

Geboren 1975 in Güssing, Burgenland. Lebt in Wien. Absolventin der Leondinger Akademie für Literatur. Ihr Debütroman „Lucy fliegt“ wurde mit der Buchprämie der Stadt Wien ausgezeichnet. Mit einem Auszug daraus wurde sie zum Floriana Literaturwettbewerb eingeladen. 2016 erhielt sie den Literaturpreis des Landes Burgenland.

Alle Bücher von Petra Piuk

Cover des Buches Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman (ISBN: 9783218010795)

Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman

 (26)
Erschienen am 17.08.2017
Cover des Buches Lucy fliegt (ISBN: 9783218010269)

Lucy fliegt

 (26)
Erschienen am 01.02.2016
Cover des Buches Wenn Rot kommt (ISBN: 9783218012270)

Wenn Rot kommt

 (1)
Erschienen am 14.09.2020

Neue Rezensionen zu Petra Piuk

Cover des Buches Wenn Rot kommt (ISBN: 9783218012270)awogflis avatar

Rezension zu "Wenn Rot kommt" von Petra Piuk

Hangover in Las Vegas als paranoider Horrortrip
awogflivor 5 Monaten

Eigentlich hat dieses Buch alles, womit ich überhaupt nicht zurechtkomme und was mich immer extrem abtörnt, nämlich einen zerhackten dekonstruierten Plot mit stakkatoartigen Szenenwechseln und sprachlich-stilistisch teilweise Jugendsprech ohne Hilfszeitwörter, aber irgendwie hat es dieser Roman ausnahmsweise geschafft, mich total zu packen. Warum das so ist, darüber habe ich ein bisschen nachdenken müssen.

Da ist zuerst einmal die Geschichte, die diesen zerrissenen Plotaufbau quasi fast zwangsläufig verlangt. Lisa wacht nach einer Drogennacht in Las Vegas alleine frühmorgens in ihrem Hotelzimmer auf. Sie ist völlig desorientiert und kann sich an nichts mehr erinnern. Ihr Freund Tom ist verschwunden und sie kann einfach nicht mehr nachvollziehen, wann sie sich in der vorhergehenden Nacht getrennt haben und wohin er verschwunden sein könnte. Nach und nach versucht sie, ihre aufkeimenden verwirrenden Erinnerungsfetzen zu sortieren, während sie verzweifelt in der Stadt umherirrt, um nach Tom zu suchen, noch immer von Drogenflashbacks und Paranoia geplagt. Die Dringlichkeit, ihren Freund zu finden, ist auch enorm, denn zu Mittag geht ihr Flug nach Hause. Lisa findet bei der Rückkehr ins Zimmer die Reisepässe nicht mehr und hat Angst, dass Tom auch noch die Flugtickets am Spieltisch verzockt hat. Sie sitzt also in der Falle und ist auf ihren Freund angewiesen, der einfach nicht auftaucht, während die Uhr tickt.



Du rufst lauter, TOM, TOM-BABY, vielleicht denkst du auch nur, dass du ihn rufen würdest, deine Worte kleben wie Karamellbonbons am Gaumen, kleben in den Zahnzwischenräumen fest, schmecken nur nicht süß, schmecken verdorben, die Zimmerwände pochen, pochen im Rhythmus deines Herzschlags, schnell, Schritte im Zimmer über dir, WIE SPÄT IST ES, ist es schon Tag oder noch Nacht, UM HALB ZWÖLF MÜSSEN WIR LOS, TOM, du kannst dein Telefon nirgendwo sehen, schaust zum Fenster, die Jalousie lässt kaum Licht herein, du weißt nicht, ist es Sonnenlicht, das durch die Ritzen blitzt, oder Neonlicht, die Stunden und Tage verschwimmen unter dem künstlichen Himmel.




Nach und nach setzt sich aus den Erinnerungsfetzen die vergangene Nacht zusammen, die am Anfang recht witzig ist, aber mit zunehmendem Drogenkonsum immer mehr eskaliert und letztendlich in einem bösartigen Albtraum mündet.

Das Paar hat eine außergewöhnliche Art, ihre Beziehung zu führen. Sie sind Gambler und Zocker, aber von einer besonderen Sorte, denn sie geben sich kleine verrückte, teilweise verruchte Aufgaben als Challenges, die zu absolvieren sind, wenn am Roulettetisch die Kugel auf Rot fällt, die nächste Karte eine rote ist, der andere einen roten Slip angezogen hat oder bei den nächsten drei Autos, die vorbeifahren, ein rotes dabei ist. Je länger sie durch die Stadt ziehen und je mehr sie unterschiedlichste Drogen konsumieren, desto gefährlicher, ausgeflippter und schräger werden die Challenges.

Dieser paranoide, panische, abgehackte Schreibstil ließ mich immer mehr in die Story und in diese Nacht in Las Vegas hineinkippen. Was aber eine echte Innovation im Gegensatz zu vielen ähnlichen Werken darstellt, ist der Umstand, dass sich die Autorin auch noch Hilfe von einer sehr guten Fotografin, Barbara Filips, geholt hat, die viele Szenen in rot eingefärbt zusätzlich noch optisch aufbereitet hat. Das machte die Geschichte total plastisch und ließ mich dann endgültig in diesen Kaninchenbau hineinfallen.

Insofern ist die in der Überschrift strapazierte Analogie zum Film Hangover auch zu sehen, weil er zwar ein ähnliches Setting aufweist: Blackout, Gedächtnislücken und verlorener Begleiter, Rekonstruktion der Erinnerung und am Ende der Fund einer Videokamera, die alles dokumentiert hat, aber eben eine völlig gegensätzliche Stimmung vermittelt, die eher zu Fear and loathing in Las Vegas passt.

Ein weiterer spannender innovativer Punkt des Romans von Petra Piuk ist der Aufbau des Plots in Form eines Roulettespiels. In einer Spielanleitung zu Beginn wird auch eine alternative Anordnung der zu lesenden Kapitel vorgeschlagen. Ich habe zwar die sequentielle Form gewählt und das Buch von Seite 1 bis zum Ende gelesen, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass das Lesen der Kapitel durcheinandergewürfelt nach den Nummern der Roulettefelder von 1-36 auch funktionieren könnte, und vielleicht ergibt sich dann auch noch ein völlig anderer, alternativer Inhalt. Aber, wie gesagt, ich habe es nicht probiert, nach den Roulettefeldern vorzugehen.

Fazit: Sehr innovativ, dieser Roman, nämlich gute und neue Ideen in mehreren Aspekten ausgezeichnet umgesetzt. Für mich diesmal eine echte Überraschung, dass er mir so gut gefallen hat, denn ich bin ja meist ein bisschen zu traditionell und unbeweglich mit Werken, die etwas außerhalb meiner Komfortzone liegen. Leseempfehlung!

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Cover des Buches Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman (ISBN: 9783218010795)L

Rezension zu "Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman" von Petra Piuk

„Toni und Moni“ ans Herz gelegt
Literatur_Famulusvor 2 Jahren

Herzhaft lachen ist befreiend, wenn das Lachen steckenbleibt bringt es dich weiter.

Und wie ich gelacht habe (am Anfang), und wie das Steckenbleiben immer mehr zum Würgen wurde!

Vor Jahren wurde mir während einer Kur von Therapeutinnen das Lesen von Karl Valentin verboten, mein Lachen hatte die Kojen zu stark geschüttet. Ich glaube, „Toni und Moni – Oder: Eine Anleitung zum Heimatroman“ hätten sie mir auch verboten.

Im zweiten Teil die Schluckbeschwerden: Tief in der Kehle und zu spüren über die Ohren, bis hinab in die Zehen habe ich sie wahrgenommen und sie regen mich immer noch an.

Wie die Schriftstellerin, wie Petra Piuk, wie Toni und Moni und auch ein wenig wie die Lektorin, bemühe ich auch einen alten Hadern: „Ich sprenge alle Ketten“ grölten sie alle und ließen nicht ein Kettenglied eingehängt in diesem Mysterien- ups, Literaturspiel. Vielleicht habe ich noch nie ein Buch gelesen, in dem die Fußnoten, das Personenverzeichnis (beinahe alle Alphabet Buchstaben), die Perspektivenwechsel, ein Dorf und meine Erinnerungen als Leser so treffend eingesetzt, beziehungsweise angestoßen wurden.

Herzliche Gratulation Petra, Frau Schriftstellerin und Tanja

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Cover des Buches Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman (ISBN: 9783218010795)lippunermarcs avatar

Rezension zu "Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman" von Petra Piuk

Eine Anleitung zur Dekonstruktion klischeehafter Provinzromantik
lippunermarcvor 2 Jahren

Der perfekte Heimatroman kommt vermutlich als Groschenheft daher: Eine romantische Liebesgeschichte, eine idyllische Bergkulisse, stereotypes Dorfpersonal… Rundum heile Welt also. Dass dieses Sujet bei österreichischen Schriftsteller_innen immer wieder Anlass zum beharrlichen Kratzen am schuldlos-naiven Heimatbild ist, kennt man von Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek, Marlene Streeruwitz oder Josef Winkler. Petra Puik, Jahrgang 1975 und somit mindestens eine Generation jünger, reiht sich mit Toni und Moni in die illustre Riege ein. Ihre Anleitung zum Heimatroman ist zugleich eine Anleitung zur Dekonstruktion klischeehafter Provinzromantik, und so kommen in der Geschichte, die von patriarchaler Macht, sexueller, körperlicher, verbaler Gewalt, Verlogenheit und Intrigen nur so strotzt, nicht nur die handelnden Figuren zu Wort, sondern auch die Erzählerin sowie – zumeist in Fußnoten – die Autorin und die Lektorin, die gern den Rotstift ansetzt und ganze Passagen durchstreicht. Die Grundidee, die Entstehung eines Romans auf diversen Metaebenen ironisch offenzulegen und sich so an dem Genre Heimatliteratur abzuarbeiten, ist großartig, erschöpft sich jedoch – vorrangig aufgrund einer gewissen Redundanz in der Auseinandersetzung von Autorin und Lektorin –  etwas zu schnell, um 200 Seiten lang gleichermaßen gut zu unterhalten. Nichtsdestotrotz ist Toni und Moni eine außergewöhnliche Empfehlung – Kreuzworträtsel, Fragebogen und Raum für eigene Notizen inklusive.


Diese Rezension erschien zuerst auf meinem Blog www.lippunermarc.wordpress.com.

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Gespräche aus der Community

Worum geht's?

Eine schöne Musik, eine heile Familie und eine Liebesgeschichte – das ist das Rezept für einen gelungenen Heimatroman. Schöner und heiler als in Schöngraben an der Rauscher kann die Welt gar nicht sein: heimatverbundene Menschen, ein starkes Wir und eine bevorstehende Hochzeit. Wären da nicht ständig diese Störungen: eine Großcousine, die den Mord in der Familie aufdecken will, eine Moni, die sich in einen Michael verliebt, Figuren, die sich nicht an die Regeln halten, und eine Romanautorin, die mit niederträchtigen Mitteln das glückliche Ende konterkariert.
Im Rahmen einer Gebrauchsanweisung entwirft Petra Piuk die provinzielle Antiidylle und zerstört Stück für Stück den Schein einer heilen Welt. Bitterböse und zugleich höchst unterhaltsam führt sie den Heimatroman ad absurdum und hebelt alle Regeln des klassischen Erzählens aus.

"Die Hebamme stülpt eine Saugglocke über meinen Schädel und zerrt mich aus dem Mutterloch heraus. Ich bekomme einen Schlag auf den Rücken, beginne zu schreien und lerne meine erste Lektion fürs Leben: Eine Watschen ist gesund."

Petra Piuk

geboren 1975 in Güssing, Burgenland. Lebt in Wien. Absolventin der Leondinger Akademie für Literatur. Ihr Debütroman „Lucy fliegt“ wurde mit der Buchprämie der Stadt Wien ausgezeichnet. Mit einem Auszug daraus wurde sie zum Floriana Literaturwettbewerb eingeladen. 2016 erhielt sie den Literaturpreis des Landes Burgenland.


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217 BeiträgeVerlosung beendet
krimielses avatar
Letzter Beitrag von  krimielsevor 3 Jahren
Meine Rezension, sehr verspätet...Entschuldigung! https://www.lovelybooks.de/autor/Petra-Piuk/Toni-und-Moni-oder-Anleitung-zum-Heimatroman-1453971750-w/rezension/1518769842/ Auch wenn ich „nur“ drei Sterne vergeben habe, bleibt das Buch bei mir. Wie schon in der Runde geschrieben ist es ein Buch, das ich mir laut vorgesehen sehr gut vorstellen kann. Vielleicht ergibt sich mal die Gelegenheit.

Worum geht's?

Lucy ist 23 und heißt eigentlich Linda. Sie ist süchtig nach Bewunderung und hat ein großes Ziel: Hollywood. Wie sie dorthin kommt, um eine berühmte Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin zu werden, ist ihr ziemlich egal, Hauptsache, es geht schnell. Allerdings steht ihr da so einiges im Weg: Sie hat kein Geld, sie hat Flugangst, und dann ist der Schwangerschaftstest auch noch positiv. Verbissen klammert sie sich an ihre Traumwelt, bis sie die Realität vollkommen aus den Augen verliert. 

In diesem spannungsgeladenen Roman eröffnet Petra Piuk mit viel schwarzem Humor einen ungefilterten Einblick in den Bewusstseinsstrom ihrer Protagonistin. Dabei zeigt sie die (Un-)Möglichkeiten, aus schwierigen Verhältnissen nach ganz oben zu gelangen.

Ich glaub nicht nur, dass ich es schaffen werde, ich weiß, dass ich es schaffen werde, und wisst ihr, wieso ich weiß, dass ich es schaffen werde, weil ich bis jetzt alles geschafft hab.“

Erscheinungstermin: 8. Februar 2016


Petra Piuk

geboren 1975 in Güssing, Burgenland. Lebt und arbeitet als freie Autorin und Fernsehredakteurin in Wien. Schauspielausbildung. Jahrelange Tätigkeit im Doku-Soap-Bereich. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften. Absolventin der Leondinger Akademie für Literatur. Die Arbeit an ihrem Roman wurde durch das Projekt-Stipendium für Literatur (BKA) gefördert. „Lucy fliegt“ ist ihr erster Roman.

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