Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman

von Petra Piuk 
4,1 Sterne bei21 Bewertungen
Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman
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Positiv (17):
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Wenn Herzschmerz schmerzt und trotzdem lacht

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Kunst liegt im Auge des Betrachters- mein Geschmack wurde hier leider nicht getroffen!

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Inhaltsangabe zu "Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman"

Eine schöne Musik, eine heile Familie und eine Liebesgeschichte – das ist das Rezept für einen gelungenen Heimatroman. Schöner und heiler als in Schöngraben an der Rauscher kann die Welt gar nicht sein: heimatverbundene Menschen, ein starkes Wir und eine bevorstehende Hochzeit. Wären da nicht ständig diese Störungen: eine Großcousine, die den Mord in der Familie aufdecken will, eine Moni, die sich in einen Michael verliebt, Figuren, die sich nicht an die Regeln halten, und eine Romanautorin, die mit niederträchtigen Mitteln das glückliche Ende konterkariert.
Im Rahmen einer Gebrauchsanweisung entwirft Petra Piuk die provinzielle Antiidylle und zerstört Stück für Stück den Schein einer heilen Welt. Bitterböse und zugleich höchst unterhaltsam führt sie den Heimatroman ad absurdum und hebelt alle Regeln des klassischen Erzählens aus.

"Die Hebamme stülpt eine Saugglocke über meinen Schädel und zerrt mich aus dem Mutterloch heraus. Ich bekomme einen Schlag auf den Rücken, beginne zu schreien und lerne meine erste Lektion fürs Leben: EINE WATSCHEN IST GESUND."

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783218010795
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:208 Seiten
Verlag:Kremayr & Scheriau
Erscheinungsdatum:17.08.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Luis_Stabauers avatar
    Luis_Stabauervor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Wenn Herzschmerz schmerzt und trotzdem lacht
    „Toni und Moni“ ans Herz gelegt

    Herzhaft lachen ist befreiend, wenn das Lachen steckenbleibt bringt es dich weiter.

    Und wie ich gelacht habe (am Anfang), und wie das Steckenbleiben immer mehr zum Würgen wurde!

    Vor Jahren wurde mir während einer Kur von Therapeutinnen das Lesen von Karl Valentin verboten, mein Lachen hatte die Kojen zu stark geschüttet. Ich glaube, „Toni und Moni – Oder: Eine Anleitung zum Heimatroman“ hätten sie mir auch verboten.

    Im zweiten Teil die Schluckbeschwerden: Tief in der Kehle und zu spüren über die Ohren, bis hinab in die Zehen habe ich sie wahrgenommen und sie regen mich immer noch an.

    Wie die Schriftstellerin, wie Petra Piuk, wie Toni und Moni und auch ein wenig wie die Lektorin, bemühe ich auch einen alten Hadern: „Ich sprenge alle Ketten“ grölten sie alle und ließen nicht ein Kettenglied eingehängt in diesem Mysterien- ups, Literaturspiel. Vielleicht habe ich noch nie ein Buch gelesen, in dem die Fußnoten, das Personenverzeichnis (beinahe alle Alphabet Buchstaben), die Perspektivenwechsel, ein Dorf und meine Erinnerungen als Leser so treffend eingesetzt, beziehungsweise angestoßen wurden.

    Herzliche Gratulation Petra, Frau Schriftstellerin und Tanja

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Monaten
    Petra Piuk | TONI & MONI

    *** Die folgende Rezension erschien erstmals auf meinem Blog www.booksterhro.wordpress.com. Schaut mal vorbei, ich freu mich auf Euren Besuch! ***

    In Schöngraben an der Rauscher ist die Welt noch in Ordnung. Die Landschaft ist malerisch und immer scheint die Sonne. Die strammen Landburschen lieben die hübschen Dorfmädchen. Die Männer sind im Wirtshaus und ihre Frauen hinterm Herd, wo sie auch hingehören. Die Schöngrabener lieben ihre Heimat, die schöne Musik, das gute Essen und den guten Wein, denn sie sind gute Menschen unter Gottes Segen.

    In dieser österreichischen Idylle wachsen Toni und Moni auf. Sie sind füreinander bestimmt, denn die liebe Frau Schriftstellerin will es so. Doch – ach du Schreck! – da kommt der fesche Michael und schnappt dem Toni die Moni vor der Nase weg. Das glückliche Ende ist in Gefahr! Los, Toni! Du musst um die Moni kämpfen, sonst springen uns die Leser ab! Doch es kommt noch schlimmer: Die Moni, diese Nestbeschmutzerin, will ihre Heimat verlassen und in die große Stadt ziehen, wo doch jeder weiß, dass dort die Frauen in der U-Bahn von den Flüchtlingen vergewaltigt werden, und keinen interessiert’s! Das kann doch unser Toni nicht zulassen! Frau Schriftstellerin, so tun Sie doch was...

    Eines gleich vorweg: Ich habe bei einem Buch lange nicht mehr so viel und so laut lachen müssen, wie bei TONI UND MONI. Was Petra Piuk (*1975) hier zwischen die Buchdeckel hämmert, ist zum Brüllen komisch, ist so voller Sarkasmus und Provokation, so dermaßen anti … das ist literarischer Punk! Hier werden gekonnt alle Regeln der Heimatroman»kunst« aus den Angeln gehoben, Piuk gräbt sich durch die dicke Schicht aus Kitsch und Schnulz und gibt nach und nach den Blick frei auf den schmutzigen Boden darunter. Dort kommen ganz unverblümt Sexismus, Fremdenhass und häusliche Gewalt zum Vorschein.

    Bei ihrer Sezierarbeit macht Piuk eine Metaebene nach der anderen auf: Sie streitet sich in zahlreichen Fußnoten mit ihrer Lektorin, ändert zähneknirschend die Geschichte des Dorfes, um sie erzürnten Leserbriefen anzupassen, lässt die Schöngrabener sich ihrer Fiktionalität bewusst werden und verliert sich dank einer Schreibblockade zusehends im Äther zwischen den Zeilen. Ein großer Spaß für Postmodernisten also.

    Der Humor ist – je nach Thema, das gerade beackert wird – teils harmlos witzig, teils übel makaber, in jedem Falle aber entlarvend. Natürlich bedient sich Piuk auf beiden Seiten an Klischees, sowohl bei der Heimatidylle mit ihrem güldenen Schein, als auch bei der Subgesellschaft, die sie vorführen will. Aber die Message ist klar und deutlich, und ich kann mir vorstellen, dass TONI UND MONI in manchen Gegenden nicht gerade auf Wohlwollen stößt. Mich hat der Roman ein bisschen an Reinhard P. Grubers AUS DEM LEBEN HÖDLMOSERS erinnert, wo ähnlich – wenn auch nicht ganz so heftig – auf etwaige Konventionen gepfiffen wird. Für mich hat Piuks Roman das Zeug zum Kultbuch. Ein deftiger Schlag in die Fressen der Schlager-mitschunkelnden Heile-Welt-Doppelmoralisten.

    Mein Tipp: Wenn Ihr dieses Jahr nur ein Buch lesen dürftet, nehmt dieses.

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    krimielses avatar
    krimielsevor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Bitterböse Satire eines Heimatromanes mit Schlägen in alle Richtungen, gut gemacht aber Geschmackssache
    Demontage des Heimatromanes

    Ohne Idylle, nicht schön und bitterböse Satire sind Klassifizierungen, die mir zum Buch der Autorin Petra Puik „Toni und Moni. Anleitung zum Heimatroman“ einfallen. Von außen auf brav geputzte Heimat wird schonungslos extrem und derb auf die Schippe genommen mit treffend gewählten Themen. Es ist ein Buch, das gewiss polarisiert und in jedem Fall Geschmacksache ist.

    Die Geschichte selbst ist schnell erzählt:
    In typischer Bergdorf-Umgebung, im Dorf Schöngraben an der Rauscher, die allerdings maßlos übertrieben wirkt, so als wäre die Autorin kurz vor einem Idyllen-Kollaps, wächst das Neujahrsbaby Toni auf und ist verliebt in die Nachbarstochter Moni. Beleuchtet wird das, was ihn in seiner Umgebung prägt, nämlich der Umgang in der Familie - explizit der des ständig alkoholisierten Vaters mit der Mutter, das Tratschen und Ausgrenzen der mittlerweile in die Stadt gezogenen Großcousine, der Umgang in Vereinen, auf Dorffesten, mit Ausländern, sein Umgang mit Moni. Das glückliche Ende - natürlich immer, aber für wen?

    Klingt nach einem Heimatroman? Durchaus, wenn der Text selbst nicht experimentell wäre, neben der im Heimatroman-Vollrausch verfassten Geschichte Zwiesprache der Autorin mit verschiedenen Dorfbewohnern, der Lektorin und der Großcousine beinhalten würde. Und wenn viele der bitterbösen Passagen nicht Salz in der sowieso von der Autorin aufgerissenen Heimatwunde wären, die Idylle von Petra Puik stückweise zerstört und kontaminiert werden würde.

    Treffend gewählte Themen, für die man nicht erst nach Österreich gehen müsste, sondern die sich in wohl jeder ländlichen Gegend auch hier finden, werden schonungslos zerpflückt, was übrig bleibt ist teilweise zum Brüllen komisch, macht aber auch benommen und traurig, wenn Themen wie Frauenfeindlichkeit, Ausländerhass, Vereinsmeierei, Gewalt in Familien, Inzucht und Mord der Deckmantel des friedlichen dörflichen Zusammenlebens entrissen wird und nur noch Schmutz, Gewalt und Missgunst bleiben, die immer wieder mit heimatlich-friedlichem Anstrich versehen werden. Das muss man aushalten können, auch wenn es eine anspruchsvolle und sehr ungewöhnliche Kritik am Schein und Sein ist und nicht nur in den untersten Schubladen des dörflichen Mists gewühlt wird, wie es vielleicht auf den allerersten Blick wirkt.

    Es geht hier weniger darum, ein Buch gefesselt wegen seines Inhaltes zu verfolgen. Das Wesen des Romanes ist eher der extrem provokante, völlig übertriebene Umgang mit sogenannter schöner Heimat. Wie ein Amoklauf liest sich das Buch, knallhart ausgesprochen wird das, was man als städtischer Zyniker auf manchen Dorffesten vielleicht empfinden mag. Es ist gewollt völlig übertrieben, ein Buch, das aufrütteln will, und wie eingangs von mir erwähnt, eben Geschmacksache.
    Ich mag es, wenn kein Blatt vor den Mund genommen wird, und einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Mir war es allerdings etwas zu viel, und Satire ist nun mal nicht mein bevorzugtes Genre.
    Dennoch gibt es eine unbedingte Leseempfehlung von mir für das Buch.

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    abas avatar
    abavor einem Jahr
    Rezension zu "Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman" von Petra Piuk

    Das Herz am rechten Fleck

    Während ich die letzten Seiten von "Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman" lese, dem neuesten Roman von der Österreicherin Petra Piuk, wird im Fernsehen das Ergebnis der Parlamentswahlen in dem Heimatland der Autorin bekannt gegeben. Das, was gesendet wird, bildet eine passende Kulisse für dieses Buch und untermalt meine Lektüre in einer entsprechenden Form.

    Ein österreichischer Heimatroman! Was stellt man sich darunter vor? Idyllische Landschaften - meistens grüne und saftige Berge im Sonnenschein -, schöne und liebliche Frauen, Männer, die noch diesen Namen verdienen, Volksmusik und Liebe, ganz viel Liebe.
    Vor allem die Liebe kommt in diesem Roman ganz groß raus. Heimatliebe, Liebe zwischen Männern und Frauen, Liebe innerhalb der Familie. Auf dem Lande wird ganz viel geliebt, und wer etwas Anderes behauptet, kriegt, was er verdient. Abweichende Meinungen, die das Bild der schönen österreichischen Heimat verderben, werden nicht akzeptiert, und noch weniger, wenn diese Meinungen von Fremden kommen. Fremde kann man ohnehin nicht gebrauchen.

    Petra Piuk zeigt ihre Vorstellung davon, was hinter den Kulissen eines Heimatromans wirklich geschieht. Aber, so wie im Titel steht, ist dieses Buch auch eine Anleitung: Dazu gehören exklusive Dialoge zwischen Autorin und Lektorin und die verzweifelten Zwischenrufe des Verlages, der ganzen Diskussion, was zu einem Heimatroman gehört oder nicht, einen versöhnlichen Ton zu verleihen. Das alles in Form von Fußnoten, die die Besonderheit dieses Buches hervorheben. Nicht zu vergessen: interessante Dokumente, Briefe und Zeitungsartikel, die die eine oder andere Wahrheit über die Bewohner der Idylle enthüllen.
    Der Leser selber darf entscheiden, ob er Petra Piuks Version der österreichischen Idylle glaubt.

    Ich zumindest hatte Spaß mit Frau Piuks sarkastischem Ton. Und, angesichts der letzten Wahlergebnisse, könnte man vielleicht denken, dass ihre Vision viel realistischer ist als man denkt. Vor allen könnte leicht der Eindruck entstehen, dass Österreich das Herz am rechten Fleck hat.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Krasse Gesellschaftskritik! Sehr gelungen!
    Krasse Gesellschaftskritik! Sehr gelungen!

    Toni und Moni machen sich bereit für die ganz große Schmonzette vor alpiner Kulisse, im beschaulichen Dorf mit Kirchturm, Trachtenverein und Blumenkästen vor den Fachwerkhäusern.. 

    Doch die Autorin hat anderes im Sinn und so müssen die Figuren entrüstet mit ansehen, wie aus ihrem Heimatroman eine krasse Gesellschaftskritik wird, die nichts auslässt: Fremdenfeindlichkeit, Sexismus, Spießbürgertum, Gewalt und Drama. 

    Eine gelungene Satire, eine bitterböse Abrechnung mit einer scheinheiligen Gesellschaft und nebenher eine gelungene Analyse der Gattung des Heimatromans. Sehr gelungen! 

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    AgnesMs avatar
    AgnesMvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Für Leser, die eine Herausforderung suchen, ist dieses Buch genau das richtige
    Toni und Moni

    Die ländliche Idylle wird von Petra Piuk nicht nur durch den Kakao gezogen, sondern auch in diversen Nebensätzen kritisch betrachtet. Der Heimatroman zeigt nicht nur die vermeintliche heile Welt der typischen Dorfbewohner auf. Hier wird hinter die Kulissen geschaut und die bittere Wahrheit ans Tageslicht befördert, denn um bestimmte Dorfklischees zu kennen muss man nicht in einer dörflichen Gegend gewohnt haben.Bestimmte Bilder von dieser Kulisse und dem Leben der Dorfmenschen haben wir alle im Kopf und genau diese werden in dem Roman behandelt.

    Der Roman sprudelt förmlich vor bitterbösen Anspielungen und Tatsachen. Auf nahezu liebevolle Art und Weise wird manchmal bis ins kleinste Detail der Alltag mit Sexismus, hier und da einer Watschen, typischen Saufgelagen und der Abwehr gegen jegliche Modernisierung thematisiert. Schonungslos schildert die Autorin das ländliche Leben und als Leser ist man zum Teil amüsiert und zum Teil geschockt über die ehrlichen und vor allem bissigen Sätze.

    Der Humor kommt in diesem Buch definitiv nicht zu kurz. Viele Passagen bringen den Leser zum Schmunzeln, doch auch die Fußnoten, in denen ein reger Austausch zwischen der Autorin, ihrem Verlag und ihrer Lektorin stattfindet, haben es in sich und sind gelegentlich noch witziger als der eigentliche Romantext. An diesem Buch sind nicht nur die Fußnoten ungewöhnlich, sondern der gesamte Aufbau des Romans. Die Kapitel sind in diverse Unterkapitel unterteilt, die verhältnismäßig kurz sind. Zudem werden u.a. Geburtstagsanzeigen, Leserbriefe, Zeitungsausschnitte und Rätsel in den Text eingebaut. Am Ende des Buches findet man ein Personenverzeichnis und hat sogar Platz für eigene Notizen.

    Im Großen und Ganzen ist der Leser bei der Lektüre live dabei während der außergewöhnliche Roman entsteht. Dieser ist in jedem Fall lesenswert, doch auch gewöhnungsbedürftig und ich kann gut nachvollziehen, wenn der ein oder andere Leser mit dem Aufbau des Buches oder dem sarkastischen Inhalt nicht zurecht kommt. Für Leser, die eine Herausforderung suchen, ist dieses Buch genau das richtige.

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    Diana182s avatar
    Diana182vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Kunst liegt im Auge des Betrachters- mein Geschmack wurde hier leider nicht getroffen!
    Was möchte die Autorin mit diesem Buch sagen? Leider nicht wirklich nach meinem Geschmack

    Das Cover zeigt ein Dorf im schönsten Bergidyll. Alles wirkt, wie die perfekte Kulisse für einen Heimatroman. Auch der Titel lässt schlussfolgern, dass es sich um eine seichte Geschichte handelt, in der große Gefühle eine tragende Rolle spielen.


    Meine Meinung:
    Der Einstig in die Geschichte gelingt recht schnell. Die Autorin hat einen humorvollen Schreibstil, der den Leser sofort zum Schmunzeln bringt und locker leicht durch  das Dorfleben führt.


    Der Aufbau des Buches ist komplett anders, als alles bisher gelesene. Hier und da wird ein Lied oder eine Melodie vorgegeben, sodass man direkt in eine dörfliche  Schunkel -Stimmung kommt.


    Auch kleine Fußnoten zwischen Verlag und Autorin wirken erfrischend und auflockernd. So hat man direkt das Gefühl, als Leser bei der Schreibarbeit involviert zu sein.


    Anfangs musste ich oft laut lachen und auch der bitter böse, schwarze Humor lies manchmal die Augen ein Stück größer werden. Doch irgendwann blieb einem das Lachen regelrecht im Halse stecken. Körperliche Gewalt, Sexorgien auf Hochzeiten oder Vergewaltigungen werden hier thematisiert und fast schon satirisch parodiert. Auch Fremdenhass und die Flüchtlingswelle werden hier aufgegriffen und lustig in Worte gefasst. Hier war bei mir dann leider die Grenze des guten Geschmacks erreicht.


    Ich lese sehr gerne Thriller und Krimis, die teils recht heftig detailliert beschrieben werden. Aber dieses dann in einem lustigen, locker leichten Satz zu lesen, war mir irgendwie doch etwas zu viel des Guten.


    Das Ende lässt mich dann ebenfalls mit vielen Fragezeichen in den Augen zurück. Hier scheint alles drunter und drüber zu gehen und ich fragte mich einmal öfters: Was will die Autorin mit dem Buch eigentlich sagen!?


    Zum Schluss  hätte ich mir eigentlich schon eine kleine Auflösung des ganzen Themas gewünscht, dass klar wird, welche Gedanken die Autorin veranlasst haben, diesen gesellschaftskritischen Roman zu schreiben. Doch leider bleibt dies an der Stelle aus.


    Mein Fazit:
    Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde lesen dürfen. Daher habe ich es bis zum Ende hin verfolgt. Hätte ich das Buch allein, ohne Rezensionspflicht gelesen, hätte ich es wohl schon früher zugeklappt und beiseite gelegt.


    Aber Literatur ist ja auch eine Art Kunst – und Kunst liegt eben im Auge des Betrachters. Mein Geschmack wurde hier leider nicht getroffen und ich wüsste auch niemandem, dem ich dieses Buch empfehlen würde.

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    camilla1303s avatar
    camilla1303vor einem Jahr
    Ein Roman, der die heile Welt der Dorfgemeinschaft zerstört

    Die Heimatroman-Satire „Toni und Moni“ von Petra Piuk ist unter dem Untertitel „Oder: Anleitung zum Heimatroman“ 2017 im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen.

    Der Roman rund um den Protagonisten Toni spielt im fiktiven Ort Schöngraben an der Rauscher. Auf bitterböse Art und Weise beschreibt die Autorin, wie die vermeintliche Dorfidylle hinter geschlossenen Türen aussieht. Häusliche Gewalt, über die man nicht spricht und deren Auswirkungen niemand erahnen kann; offen gelebter Sexismus, der unter autochthonen Bewohnern akzeptiert wird und über den man am Stammtisch des Dorfgasthauses lacht spielen die Hauptrolle in dieser provinziellen Antiidylle.

    Petra Piuk schreibt dabei so überspitzt und voller Zynismus, das ich trotz des ernsten Themas mehrmals laut lachen musste. Bei den brutalen Detailbeschreibungen des Tatorts eines Familienmordes und der Ermordung der Nachbarskatze zu Liebeszwecken blieb ich oft sprachlos zurück und wusste nicht, was ich davon halten soll. Und obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass Sodomie und die „gesunde Watschen“ weiterhin toleriert werden, habe ich doch mein eigenes Dorfidyll mehrmals wiedererkannt. Gelten am Land doch noch eigene Regeln und man lernt schon früh, wie man sich zu verhalten hat um in der Dorfgemeinschaft akzeptiert zu werden. Dass zwischen den Rezepten in der Kronen-Zeitung, Schlagerhitparaden und den Festen in der Kirche nicht alles so harmonisch verläuft zeigt Petra Piuk auf. Die Autorin schafft es den Schein einer heilen Welt zu zerstören.

    „Toni und Moni“ ist definitiv nichts für schwache Nerven, meines Erachtens aber absolut lesenswert. Petra Piuk hat es geschafft, den Heimatroman ad absurdum zu führen. Ein Buch für Menschen, die am Land wohnen, aber wie die Schriftstellerin gerne aus der Dorfgemeinschaft ausbrechen.

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    vanessablns avatar
    vanessablnvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das zweite Buch der Autorin fällt noch mehr aus dem Rahmen als das erste - auf verschiedene Weise einfach gelungen. Aber: bitter-böse!
    Wunderbar böse und unkonventionell und mehr

    Nachdem ich den Erstling der Autorin "Lucy fliegt" schon so gut fand, weil ungewöhnlich und auf den Punkt (sofern man den Humor versteht), war ich sehr gespannt auf "Toni und Moni". Schon die Inhaltsangabe hörte sich sehr unkonventionell an. Das Buch ist tatsächlich eine ganz neue Literaturform, nämlich eine klug aufgebaute Anleitung zum Schreiben des perfekten Heimatromans (natürlich zutiefst ironisch gemeint) bzw. ein Experiment, wo immer wieder was schiefgeht und Lektorin wie Leser dazwischenreden.

    Daneben oder mittendrin gibt es eine bitter-böse Geschichte aus einem österreichischen Dorf zu lesen. Hier ist man noch stolz auf die Heimat, hat Familienzusammenhalt, zu allem eine Meinung und sogar Angst, die man aber unbedingt behalten will... Alles fängt so schön an, die kleinen Unschönheiten, die in der Idylle zum Vorschein kommen, lassen schmunzeln. Aber schon bald bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Obwohl vieles harter Tobak (und dazu leider vieles realistisch), fand ich das Buch sehr unterhaltsam und sogar zum überraschenden Schluss noch spaßig.

    Der Roman hat viele verschiedenen Ebenen, die auffallendste ist natürlich die bitter-böse Satire. Alles große und kleine Unschöne, was man schon von irgendwoher kennt (dazu muss man noch nicht einmal in einem Dorf gelebt haben), wird komprimiert und zur Karikatur. Somit macht das Buch auch sehr nachdenklich, gerade weil kritische Töne so unscheinbar in Nebensätzen untergebracht sind. Lustig ist: In aktuellen Thrillern gehört Blutrünstiges fast schon zur Selbstverständlichkeit, aber dieses Buch, das auf ganz andere Weise daherkommt und mit Wahrheiten (auch wenn sie hier teilweise auf die Spitze getrieben werden) durchzogen ist, schockt umso mehr. Somit hat die Autorin sicherlich geschafft, was sie im Kopf hatte - auch wenn sich die Meinungen spalten werden. Vielleicht gibt es ja noch eine Karikatur auf die Großstadt? :-)
     

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    Blacksallys avatar
    Blacksallyvor einem Jahr
    Ist wohl nicht mein Genre

    Meine Meinung
    Dieses Buch hat mich schon sehr interessiert, da ich noch nie wirklich einen Satire-Roman gelesen habe. Ich kenne das ganze nur als Texte in Zeitschriften oder dem Internet. Ein ganzes Buch hingegen ist schon ne ganz andere Hausnummer und war mir dann doch etwas zu viel des Guten.

    In diesem Buch werden die Gepflogenheiten des Heimatromanes auf die Schippe genommen. Sehr böse und manchmal auch zu viel des Guten. Da geht es nicht nur um Schläge für Kinder oder Sodomie, sondern auch ums Vergewaltigen und Töten.
    Meiner Meinung nach war es einfach zu viel des Guten, ich hatte ab der hälfte des Buches einfach keine Freude mehr daran.

    Wobei ich sagen muss, das Buch ist wirklich toll aufgebaut. Es gibt Zeitungsausschnitte, lustige Fußnoten bei denen die Autorin mit ihrer Verlegerin diskutiert und die Kapitel sind auch einzigartig aufgemacht. Das fand ich sehr schön zu lesen und hat auch Spaß gemacht - wenn da nicht der Inhalt wäre.

    Leider muss ich auch sagen, das der Preis für knappe 200 Seiten doch sehr hoch ist und ich mir das Buch so wohl nicht gekauft hätte.

    Autorin
    Petra Piuk, geboren 1975 in Güssing, Burgenland. Lebt in Wien. Absolventin der Leondinger Akademie für Literatur. Ihr Debütroman „Lucy fliegt“ wurde mit der Buchprämie der Stadt Wien ausgezeichnet. Mit einem Auszug daraus wurde sie zum Floriana Literaturwettbewerb eingeladen. 2016 erhielt sie den Literaturpreis des Landes Burgenland.

    Fazit
    Für mich ist Satire einfach nicht das richtige Genre, ich glaube ich belasse es bei diesem Selbstversuch und lese künftig wieder andere Genres :)

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Verlag_Kremayr-Scheriaus avatar

    Worum geht's?

    Eine schöne Musik, eine heile Familie und eine Liebesgeschichte – das ist das Rezept für einen gelungenen Heimatroman. Schöner und heiler als in Schöngraben an der Rauscher kann die Welt gar nicht sein: heimatverbundene Menschen, ein starkes Wir und eine bevorstehende Hochzeit. Wären da nicht ständig diese Störungen: eine Großcousine, die den Mord in der Familie aufdecken will, eine Moni, die sich in einen Michael verliebt, Figuren, die sich nicht an die Regeln halten, und eine Romanautorin, die mit niederträchtigen Mitteln das glückliche Ende konterkariert.
    Im Rahmen einer Gebrauchsanweisung entwirft Petra Piuk die provinzielle Antiidylle und zerstört Stück für Stück den Schein einer heilen Welt. Bitterböse und zugleich höchst unterhaltsam führt sie den Heimatroman ad absurdum und hebelt alle Regeln des klassischen Erzählens aus.

    "Die Hebamme stülpt eine Saugglocke über meinen Schädel und zerrt mich aus dem Mutterloch heraus. Ich bekomme einen Schlag auf den Rücken, beginne zu schreien und lerne meine erste Lektion fürs Leben: Eine Watschen ist gesund."

    Petra Piuk

    geboren 1975 in Güssing, Burgenland. Lebt in Wien. Absolventin der Leondinger Akademie für Literatur. Ihr Debütroman „Lucy fliegt“ wurde mit der Buchprämie der Stadt Wien ausgezeichnet. Mit einem Auszug daraus wurde sie zum Floriana Literaturwettbewerb eingeladen. 2016 erhielt sie den Literaturpreis des Landes Burgenland.


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    krimielses avatar
    Letzter Beitrag von  krimielsevor 10 Monaten
    Meine Rezension, sehr verspätet...Entschuldigung! https://www.lovelybooks.de/autor/Petra-Piuk/Toni-und-Moni-oder-Anleitung-zum-Heimatroman-1453971750-w/rezension/1518769842/ Auch wenn ich „nur“ drei Sterne vergeben habe, bleibt das Buch bei mir. Wie schon in der Runde geschrieben ist es ein Buch, das ich mir laut vorgesehen sehr gut vorstellen kann. Vielleicht ergibt sich mal die Gelegenheit.
    Zur Leserunde

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