‚Das ist die Theorie der Zwischenwelt. Oben sind die Lebenden und unten sind die Toten, und wir sind dazwischen. Wir sind dazwischen, weil auch die Personen, die sich in der oberen Welt befinden, ein Interesse daran haben, dass jemand aus der unteren Welt Sachen erledigt, die niemand anderes machen kann. Das ist es: Alles vermischt sich miteinander.‘ (Seite 21)
Petra Reski erzählt in ihrem Buch von Familie und Blutrache, von der Entstehung und Entwicklung der italienischen Mafia, von Cosa Nostra, 'Ndrangheta, Camorra und Sacra Corona Unita, von der Arbeit von und den Attentaten auf Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, vom Einfluss der Mafia auf und in Deutschland, vom Literaturbetrieb und der Filmindustrie. Am Ende räumt Reski mit zehn Mafia-Mythen auf.
Ich interessiere mich schon lange für die Mafia, eigentlich seit ich vor fast 30 Jahren ‚Ehrenwerte Leute‘ von Giuseppe Fava gelesen habe. Vor ein paar Monaten war ich zudem in Napoli, und da ist mein Interesse an mafiösen Strukturen - natürlich - nochmal aufgeflammt.
Den Einstieg ins Buch fand ich sehr sympathisch, und generell hat mir das Buch extrem gut gefallen. Es ist sehr dicht geschrieben, enthält trotz der wenigen Seiten viele Informationen, ist dabei gut lesbar, lehrreich und spannend.
Mir hat das Buch außerdem sehr viel Lust auf mehr Bücher von Reski gemacht, und ich kann dieses kleine Büchlein sehr empfehlen.
Eine Sache, die mich etwas geärgert hat, weil sie mich immer ärgert, ist die falsche Verwendung des Begriffs Schizophrenie auf Seite 96. Ich finde, es ist wirklich an der Zeit, dass Journalist:innen und Autor:innen nicht weiter zur Stigmatisierung der Schizophrenie beitragen, indem sie die Begrifflichkeiten auf völlig falsche Weise verwenden.
Petra Reski

Lebenslauf
Alle Bücher von Petra Reski
Als ich einmal in den Canal Grande fiel
Der Italiener an meiner Seite
Palermo Connection
Mafia
Mafia. 100 Seiten
Die Gesichter der Toten
Palazzo Dario
Von Kamen nach Corleone
Neue Rezensionen zu Petra Reski
Was ist passiert, wenn man auf dem Weg zum Zeitungshändler neuerdings an gotischen Palästen und barocken Kirchen vorbeikommt? Das kann einem ziemlich gut in Venedig passieren, dort, wo "die Vergangenheit ständige Gegenwart ist".
Ein Sprachkurs in der Toskana war 1989 wahrscheinlich DIE Idee Petra Reskis. Die Aufgaben, die man ihr im Auslandsressort des "Sterns" zugedacht hatte, füllten sie nicht aus. Da in dieser Abteilung niemand des Italienischen mächtig war, betrachtete sie den Kurs als "Investition in ihre Zukunft". Sie sollte sich nicht irren, auch wenn sie damals wohl nicht ahnen konnte, wie sehr sich die Investition lohnen würde.
Nach Beendigung des Kurses wurde sie prompt für eine Reportage nach Sizilien geschickt. Auf dem Rückweg machte sie für ein Interview einen Zwischenstopp in Venedig. Mit mäßigem Erfolg (eigentlich gar keinem), aber dafür bahnte sich eine grundlegende, sehr private Veränderung an. Sie lernt "den Italiener" ihres Lebens" kennen.
Da man ja nicht permanent Privates erzählen kann (und will), müssen andere Themenbereiche sich dazu gesellen, zum Beispiel Politik und Gesellschaft. Insbesondere den politischen Teil verknüpft sie mit ihrer eigenen Geschichte, wobei dieser dann nicht ganz unanstrengend zu lesen und zu verarbeiten ist.
Beeindruckend ist jedoch ohne Zweifel die Sachkenntnis der Autorin, die aber wiederum politisch nicht so Bewanderten einiges abverlangt. Teilweise gar zu viel, denn schließlich erwartete man so viel sachbuchartigen Charakter nicht unbedingt. Gut immerhin, dass hartnäckige Leserinnen und Leser dergestalt belohnt werden, indem sie fast automatisch (gezwungenermaßen) etwas dazu lernen.
Logischerweise gestaltet sich die italienische Politik ebenso abwechslungsreich wie kaum verständlich, weshalb Petra Reski mit allerlei weitergehenden, typisch italienischen Eigen- und Besonderheiten ihr Portrait des Landes auflockert. Das beginnt schon bei sehr speziellen Vergangenheitsformen in der italienischen Grammatik, die sie ganz allgemein "in einem gigantischen Meer ohne Aussicht auf ein Ufer" treiben lässt.
Gesellschaftlich gibt es selbstverständlich ebenfalls jede Menge Kuriositäten, was die Autorin gleich auf den ersten Seiten äußerst pointiert zu berichten weiß. Verraten werden soll das hier aber nicht so genau. Nur so viel: Im Prinzip geht es (auch) um den Unterschied von "normal" und "nicht richtig", wer und warum in Italien als "Mutant" gilt, oder welche Wirren ein bestimmtes Satzzeichen auslösen kann.
Auch der Gebrauch von Schimpfwörtern oder dem Fluchen ganz allgemein erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl, wobei das italienische Fluchen viel schöner als das deutsche ist. Um Frisuren und Haarfarben geht es übrigens auch, und hier zeigt die Autorin ihren ganz besonderen Humor. Beispielsweise weiß sie am Rande (einen Knaller) zu erzählen, unter welchen Umständen sie die Notwendigkeit sieht, sich "brünett abgrenzen" zu müssen.
Naja gut... so kann man sich verzetteln. Eigentlich dreht es sich in der Hauptsache ja um Petra Reskis selbstgestecktes Ziel, schnellstmöglich die italienische Staatsbürgerschaft zu erhalten, was ja wohl nicht so schwierig sein kann, wenn man seit 1991 in Italien lebt und zudem mit einem Italiener verheiratet ist.
Das ist natürlich ein Irrtum, wie unschwer zu erraten ist. Allen, die wissen möchten, WIE schwierig, sei diese Lektüre empfohlen, eine sehr gelungene Fusion aus Geschichtsbuch, Sachbuch, Biografie, Reiseführer und einer wohldosierten Prise Liebesroman. Jene bezieht sich auf einen ganz bestimmten Venezianer, sowie letztlich auf das ganze Land.
Petra Reski war mein Gesprächsgast an den Literaturtagen Zofingen, Einerseits war sie verblüfft, wie viele Menschen im Saal waren. Andererseits waren wir verblüfft, wie direkt sie antwortet und was sie über ihr geliebtes Italien denkt. Ein Interview kann man auch hier lesen: https://www.unsere-zeitung.at/2024/11/02/von-der-kunst-auf-dem-seil-zu-tanzen/
Gespräche aus der Community
Zusätzliche Informationen
Petra Reski im Netz:
Welche Genres erwarten dich?
Community-Statistik
115 Bibliotheken
13 Merkzettel
2 Leser*innen























