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Ausgewählter Beitrag

Huschdegutzel

vor 3 Jahren

(66)

Eine wahre Geschichte aus dunkler Zeit.
Anno 1636 ist ganz Deutschland vom Hexenwahn ergriffen. Schon einige Jahre zuvor traf es auch das beschauliche Rheinbach – eine Zeit, an die sich keiner gern erinnert. Und nun hat der Kurfürst den Hexencommissarius erneut in die Stadt beordert.
Hermann Löher, Kaufmann und jüngster Schöffe am Rheinbacher Gericht, hat Angst um Frau und Kinder. Sein Weib Kunigunde gehört zur «versengten Art»: Angehörige ihrer Familie wurden damals dem Feuer überantwortet. Löher glaubt nicht an Hexerei und an die Schuld derer, die vor Jahren den Flammen zum Opfer fielen. Eine gefährliche Einstellung in diesen Zeiten. 
Als die Verhaftungswelle auch auf Freunde übergreift, schweigt der Schöffe nicht länger. Und schon bald beginnt für ihn und seine Frau ein Kampf gegen Mächte, die weit schlimmer sind als das, was man den Hexen vorwirft ...


So besagt es der Klappentext und dieses Buch katapultierte mich mitten hinein in eine Zeit, in der auch ich das gewesen wäre, was ich im Grunde immer verabscheue - ein Mitläufer, der aus Angst schweigt.

Autorin Petra Schier lässt hier einen Mann sprechen, der tatsächlich lebte; der selbst zeitgleich Opfer und Mittäter war und der darunter sein Leben lang litt. Grundlage dieses Romans ist Herman Löher´s Werk: "Hochnötige Unterthanige Wemütige Klage der Frommen Unschultigen".

Aus diesem wird zu Anfang jeden Kapitels zitiert und das machte "Der Hexenschöffe" für mich umso eindringlicher und glaubwürdiger. Ich sah die Menschen zur damaligen Zeit nicht mehr nur als verblendete, abergläubische Irregeleitete ( obwohl es die mit Sicherheit auch gab ), sondern als Mitmenschen, die wegen einiger gnadenloser Hexenkommissare gar nicht anders konnten, als stillschweigend zu zusehen und zu hoffen, dass sie nicht die nächsten wurden, die brannten. Auch die Verhörmethoden und wie die "Zauberischen" dazu manipuliert wurden, genau diesen und jenen zu besagen, war für mich so erschreckend wie plötzlich nachvollziehbar. Warum die Kommissare so handelten, wird hier ebenfalls eindrucksvoll klar gemacht und so nebenbei beantwortete dieses Buch mir so manche Frage, die ich mir immer stellte, wenn die Rede auf die Hexenprozesse kam.

Sicher habe ich schon spanische Stiefel im Museum gesehen, aber über deren genaue Anwendung habe ich lieber nicht nachgedacht - genauso wenig wie über andere hier geschilderte Foltermöglichkeiten; ich habe schon einige Romane aus dieser Zeit gelesen - aber so hineinversetzt in die Schrecknisse der Hexenjagden hat mich noch kein anderes Buch. Und mir dabei so manchen Irrtum ausgetrieben und mich nachdenklich zurückgelassen - denn einiges, was dort geschah, geschieht immer noch, mit den gleichen subtilen Methoden.

"Der Hexenschöffe" ist so eindringlich wie wahr und wird dennoch zu keiner Zeit langatmig oder ausschweifend, ich habe jede einzige Seite genossen!

Ich möchte hier eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen und zwar nicht nur an die Liebhaber exzellent recherchierter Historischer Romane, sondern an jeden, der sich immer mal wieder fragt: wieso haben die Menschen geschwiegen...?


Autor: Petra Schier
Buch: Der Hexenschöffe

Arun

vor 3 Jahren

Schaue ich mir mal näher an.

eulenmama

vor 3 Jahren

find deine rezi so genial,wow toll geschrieben

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