Es ist Schicksal und alle müssen mit, Väter, Töchter, Popen und natürlich die jungen Männer, alle, alle. Kann sein, es ist Krieg. Kann sein es ist Rache. Kann sein, es ist Pflicht, welche auch immer. Andreevski ist ein Meister des Todes. Chapeau! Erbarmungslose Realität des Balkans und seiner Geschichte gepaart mit der Bereitschaft, das unergründlich Vorherbestimmte des Lebens ehrfurchtsvoll wie eine Hostie entgegen zu nehmen, zieht sich durch die meisten der Kurzgeschichten. Das Land, das wir kennenlernen, heißt Nordmazedonien, hin- und hergerissen von den Nachbarn, ein Fetzen Europa nur, aber was für einer und mit welcher Geschichte, in die Andreevski uns mit hineinnimmt wie in ein magisches Kabinett. 217 Seiten hat das Büchlein, man sollte es nicht vor dem Einschlafen lesen.
Bewertung
Ich vergebe alle Punkte, die man vergeben kann. Die meisten der knappen Erzählungen sind sprachliche Juwelen, jedenfalls in der deutschen Übersetzung von Benjamin Langer. Von den mehr realistischen Texten blieben bei mir die Vater-Sohn-Episoden hängen. Eine schildert, wie der Sohn, ein Freischärler, die Brücke sprengt, die sein Vater mit einem Fuder Heu gerade überquert. Von den mehr übersinnlichen Geschichten, die privater sind, blieb bei mir "Avanos" hängen. Eine belebte Töpferstadt, in der einer jungen Frau nach reichlichem Weingenuss ein Büschel Haar abgeschnitten wird. Ab dann fühlt sie sich wie in einer magischen Spirale, die immer enger wird und schließlich zum Tod führt. Das Milieu ist großteils eines der Armut und es herrscht Gewalt. Doch bei Andreevski findet man keine Kritik der sozialen Verhältnisse noch macht er den Friedensmahner. Was die kurzen Geschichten zu sagen haben, das sagen sie selbst, dazu brauchen sie keinen schlauen Autor.


