Petrina Engelke

 4.1 Sterne bei 13 Bewertungen
Petrina Engelke

Lebenslauf von Petrina Engelke

Petrina Engelkes Maxime ist ein Dreiklang: In New York. Wegen New York. Trotz New York. Denn auch nach vielen Reisen – unter anderem auf einem US-Segelboot – findet sie nirgends mehr Geschichten als in New York. Seit es sie aus dem Ruhrgebiet nach New York zog, schreibt Petrina Engelke Geschichten aus der „irrsten Stadt der Welt“. Mal werden daraus Kurzgeschichten, die u.a. das Literaturmagazin Macondo veröffentlichte. Mal schreibt sie Reportagen, Interviews und Porträts für deutschsprachige Medien wie Galore, Handelsblatt und Style in Progress. Und in ihrem Blog "Moment: New York" hält Petrina Engelke mehrmals wöchentlich Momentaufnahmen aus New York fest - in Wort und Bild. In ihrem New York-Buch "Fettnäpfchenführer New York" bringt sie alle drei Formen zusammen: Sie lässt eine Ich-Erzählerin auf der Suche nach dem wahren New York durch die Stadt spazieren, recherchiert Hintergrundinformationen zu gesellschaftlichen Fragen und beleuchtet Momente, in denen New York Fragen aufwirft.

Alle Bücher von Petrina Engelke

Fettnäpfchenführer New York

Fettnäpfchenführer New York

 (13)
Erschienen am 01.10.2016

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Neue Rezensionen zu Petrina Engelke

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Joachim_Tieles avatar

Rezension zu "Fettnäpfchenführer New York" von Petrina Engelke

Welcome to Trump City
Joachim_Tielevor 2 Jahren

Ein Buch, das in keiner New-York-Bibliothek fehlen sollte war die erste Idee zu einer sibyllinischen Überschrift meiner Rezension und sie würde durchaus Sinn machen. Ein klassischer Reiseführer soll das Buch nach der Verlagsankündigung und den Bekundungen der Autorin nicht sein. Also ein Reiseführer einer neuen Art? Vielleicht, denn er tritt als Fettnäpfchenführer auf, was man durchaus ernst nehmen kann, bis man Seite um Seite liest und mit Ausnahme des für Europäer in den gesamten USA leidigen Problems der Trinkgelder (welche Berufsgruppe im Servicebereich bekommt eines und wie hoch sollte es sein) kein einziges findet, vor dem gewarnt oder das auch nur benannt würde. Dann stellt man fest, dass Fettnäpfchenführer ein Reihentitel des Verlages ist und damit ein werbliches Label, mit dem sich die Reiseführer dieses Hauses von anderen abheben sollen: Die Buchreihe, die sich auf vergnügliche Art dem Minenfeld der kulturellen Eigenheiten widmet, so ein kleiner Textblock auf der Buchrückseite. Ganz so wörtlich sollte man das mit den Fettnäpfchen also nicht nehmen.

Vielleicht doch ein ganz normaler Reiseführer? Von den üblichen Verdächtigen der Reiseführerbranche (etwa Polyglott, Baedeker, Marco Polo) unterscheidet sich das Buch schon beim ersten Durchblättern erheblich, denn es gibt kein Register, keine Detailkarten und keine Fotos. In einer Buchhandlung auf der Suche nach einem Begleitbuch für eine tatsächlich geplante Reise nach New York könnte dies bereits ein klares Ausschlusskriterium für einen Kauf sein. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis kann das wieder ändern, denn dieses weicht auf eine ganz andere Weise von anderen Reiseführern ab. Wohnen im Schuhkarton, Manhattanhenge, Black Lives Matter und Iss dich hip sind Beispiele für Kapitelüberschriften, die direkt ins Auge springen. Das Buch könnte durchaus spannend sein, egal was das Inhaltsverzeichnis zunächst (nicht) sagt. Also, als nächster Schritt der Annäherung an das Buch, etwas querlesen. Bei Belletristik kann das leicht in die Irre führen, aber bei Gebrauchsliteratur, wie sie Reiseführer üblicherweise darstellen, kann es bei der ersten schnellen Beurteilung helfen.

Beim Durchblättern und dem Hängenbleiben an einigen Textpassagen kam bei mir die Frage auf, für wen das Buch eigentlich geschrieben wurde, die Zielgruppe aus der Sicht des Verlages beziehungsweise das vorgestellte Publikum aus der Sicht der Autorin. Und es entstand der Verdacht, dass ich möglicherweise nicht zu denen gehöre, an die sich das Buch in erster Linie wendet: älterer Herr mit Vorstellungen von New York, die sich aus den Romanen Paul Austers speisen, den Filmen Woody Allens oder Robert de Niros, den Fotografien Robert Franks, den journalistischen Porträts und Miniaturen Djuna Barnes', Liveaufnahmen der Brecker Brothers und CD Compilations des New York Underground der Achtziger Jahre oder der gebookmarked-ten Webseite der Village Voice. Das führte dazu, alte eigene Vorstellungen beiseite zu schieben, das Buch mit neuen Augen zu lesen und mit einer neuen Leseperspektive, die zu einer allersten Idee zu einer möglichen Überschrift einer Rezension führte: A Young Hipster's Guide to the City that Never Smokes. Vielleicht würde das dem Buch eher gerecht werden als eine kulturbürgerliche Herangehensweise.

Es empfiehlt sich also ein genaues Lesen, von Anfang an und Kapitel für Kapitel, völlig anders als routinierte Reisende an einen Reiseführer herangehen. Und dann überrascht das Buch ein weiteres Mal, denn es steigt szenisch ein (und behält dies auch in späteren Kapiteln bei). Dabei wird schnell klar, dass New York für die überwiegende Mehrheit seiner Bewohner zunächst einmal eine problem city ist, aus welchen Gründen auch immer sie dort leben: Wohnungssituation, Verkehr, Arbeitsverhältnisse. Man ist also angehalten, auch als Fremder die Stadt mit den Augen ihrer Bewohner zu sehen. Dass Manhattan eine Insel ist, wissen wohl die meisten, aber dass praktisch ganz New York (bis auf Teile der Bronx) geradezu ein Inselarchipel ist, dürfte selbst den meisten New Yorkern im Alltag nicht bewusst sein. Erneut eröffnet sich eine ungewohnte Perspektive auf die Stadt, und diesmal sogar eine, die den Besucher mehr über die Stadt wissen lässt als die Mehrzahl ihrer Einwohner. Ebenfalls gelungen ist, dass die Autorin ihre Leser auf Touren durch die Stadt mitnimmt, wobei sie häufig in Begleitung ist und durch Gespräche mit echten New Yorkerinnen und New Yorkern sowohl Detailinformationen beisteuert als auch beim Leser eine  Identifikation mit der Stadt und ihren Bewohnern gelingen lässt.

Das Buch hat also durchaus Charme und seine Qualität besteht darin, dass es ein facettenreiches  New-York-Lesebuch ist, aber eines, das die Stadt nahezu ausschließlich durch die Brille der Verfasserin wahrnimmt. Zwar ist sie dem Leser durchaus zugewandt, aber immer zeigt sie ihm ihr New York. Was sie nicht kennt oder ihr nicht wichtig ist, kommt schlicht nicht vor. New York als Kino-, Theater-, Tanz- und Konzertmetropole - Fehlanzeige, bis auf Anekdoten, wie man man durch Ticketlotterien günstig an Karten kommen kann (aber Karten wofür?). Auch die von mir kurz vermutete Hipster-Perspektive (ein schnelles Vorurteil meinerseits, aber man kann sich ja korrigieren) gibt es in dem Buch nicht: ein einziges Mal kommt ein Hipster vor, in einem Abschnitt über das Schlange stehen an den Toiletten bei einem Musikfestival. Aha, es gibt also Musikfestivals in New York, aber welche, und wo, oder wo man sich darüber informieren kann, erfährt man als Leser nicht. Aber auch geografische Landmarken, die man als Erstbesucher der Stadt im Kopf haben könnte, seien es Gebäude oder Stadtviertel, sucht man in dem Buch häufig vergeblich. Ich möchte soweit gehen zu behaupten, dass man als Neuling in New York mit diesem Buch regelrecht aufgeschmissen ist; nach meinem Dafürhalten ist es als Reiseführer im klassischen Sinne nicht zu gebrauchen.

Dennoch ist es kein schlechtes Buch. Zusammen mit anderen (andere Reiseführer, Bildbände, Sachbücher, Romane, auch Internetrecherchen) liefert es eine gute Ergänzung zu einem abgerundeten Bild von New York, ob man sich ihm konkret als touristischer Besucher nähert oder den Topos New York um weitere Informationen ergänzen möchte (und darin stimmt das Bild vom Anfang, dass das Buch in keiner gut sortierten New-York-Bibliothek fehlen sollte). Eine Information gibt die Verfasserin vermutlich eher unbeabsichtigt. Obwohl die meisten New Yorker Donald Trump nicht gewählt haben, waren viele von ihnen bereits vor der Wahl völlig auf eine Gesellschaftsordnung nach seinen Vorstellungen hin abgerichtet. Petrina Engeleke beschreibt es brillant: Auch drei Jobs reichen bei vielen Einwohnern nicht, ihre Miete zu bezahlen. Freizeit und Erholung? Allenfalls als Teilnehmer eines cleveren Geschäftsmodells. Selbst Yoga kann als Leistungssport betrieben werden und hält das Rädchen am Laufen. Das handwerkliche Selbermachen und das wilde Gärtnern auf Hausdächern als Ausdruck einer als romantisch oder hip verklärten Armutsökonomie. Trump in Amerika - Schlüssel im Schloss, und New York ist seine Stadt. Welcome to Trump City.

Joachim Tiele - 25.01.2017

Kommentare: 1
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Booky-72s avatar

Rezension zu "Fettnäpfchenführer New York" von Petrina Engelke

New York mit guten Tipps besucht
Booky-72vor 2 Jahren

Klar, ein Reiseführer für so eine große Stadt ist sinnvoll, New York besucht man ja auch nicht so oft.

Die üblichen Ecken kann ja jeder finden und dafür gibt es ja auch schon genug Tipps, wenn genug Zeit bleibt, macht man das auch.

In diesem gut zu transportierenden Büchlein erfährt man so einiges, was man auch mal gern so nebenbei noch besuchen könnte auch ganz außerhalb der eintretenen Pfade, man bekommt Lust, wie die Autorin, auch mal die typischen Einwohner kennenzulernen, denn sie haben von ihrem ganz eigenen Leben in dieser Stadt viel zu berichten. Tricks und Geheimnisse über Sightseeing inklusive.

Ich war noch niemals in New York, aber ich habe es fest vor. Und ich bin nun sehr gut vorbereitet.

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buchfeemelanies avatar

Rezension zu "Fettnäpfchenführer New York" von Petrina Engelke

irreführender Titel
buchfeemelanievor 2 Jahren

Das Buch ist handlich, das Cover ansprechend gestaltet.
Die Kapitel in nicht zu lange, das "do it yourself" hat mir gefallen.
Der Schreibstil ist ist etwas persönlicher als ein neutral gehaltener klassischer Reiseführer.

Viele Themen fand ich interessant. Das Buch stellt auch viele verschiedene Möglichkeiten vor. Die kleinen Alltagsbegegnungen mit den vorgestellten Personen haben dem Leser New York näher gebracht. Obwohl mir einiges schon bewusst war, habe ich auch vieles intterssantes, lustiges oder verblüffendes dazu gelernt.
Von Kunst über Kultur bis hin zu wohnen und das leibliche Wohl wird hier berichtet.
Wir erfahren hier, wie man NY abseits von klassischen Kurzzeit-Touristen erleben kann. Dem entsprechend sind keine Sighseeing Ziele aufgeführt.
Leider fand ich den Titel " Fetttnäpfchenführer " irreführend. Dem entsprechend habe ich auch einen anderen Inhalt erwartet und mir etwas mehr zum Schmunzeln erhofft. Ich glaube aber, dass dieses Buch eine gute Ergänzung zu einem klassischen Reiseführer sein kann.

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Gespräche aus der Community

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PetrinaEngelkes avatar

+++ Das wahre Leben in New York +++

Noch bis zum 15. Januar läuft die Leserunde zum „Fettnäpfchenführer New York“, meinem Buch über – na, ratet mal. 

Im „Fettnäpfchenführer New York“ erzähle ich von gefährlichen Eichhörnchen, hölzernen Wassertürmen, Graffiti-Jägern, Austernbänken und patriotischen Hotdogs. Gemeinsam treffen wir Taxifahrer, Diamanthändler, Gourmets, Obdachlose und beinahe sogar einen Wal. Und aus all dem prallen Leben greife ich zum Schluss Tipps, wo ihr euch in New York auf die Suche nach ähnlichen Geschichten machen könnt. Es ist schließlich ein Buch für alle, die beim Lesen genauso wie im Leben hinter Fassaden blicken wollen.


Der Conbook Verlag hat Leserundenexemplare* des „Fettnäpfchenführer New York“ zur Verfügung gestellt, die ich verlosen darf! Die Bewerbungsfrist ist am 8. Dezember abgelaufen - herzlichen Glückwunsch an die 19 Gewinner!

vielleicht mögt auch ihr noch die Frage beantworten:

Was reizt euch an New York?

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* Bei der Verlosung von Leserunden-Büchern können nur Bewerber berücksichtigt werden, deren Profil öffentlich ist.
Gewinner verpflichten sich dazu, sich mit den anderen Teilnehmern über die Leseabschnitte auszutauschen und bis spätestens 15.01.2017 eine Rezension zu schreiben.
Und: Auch ohne Gewinn – sogar auch ohne Teilnahme an der Verlosung – dürft ihr selbstverständlich bei der Leserunde mitmachen!

Die 19 Gewinner eines Leserunden-Exemplars habe ich noch in der Nacht zum 9. Dezember ausgelost. Die Zeitverschiebung zwischen Deutschland und New York hat eben ihre Vorteile. ;-) Mit dem Lesen beginnen wir dann Mitte Dezember!

Ob ihr nun ein Buch gewinnt oder kauft oder schon längst auf dem Nachttisch liegen habt: Ich freue mich, in dieser Leserunde etwas über euch und euer Bild von New York zu erfahren – und natürlich über Rezensionen meines Buchs (gern übrigens auch auf anderen Internetseiten). Dreimal pro Woche werde ich eure Beiträge und Fragen beantworten. Ich bin schon sehr gespannt! 

Zur Leserunde

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