Petros Markaris Faule Kredite

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Inhaltsangabe zu „Faule Kredite“ von Petros Markaris

Die Morde an mehreren Bankern lassen die griechische Finanzwelt erzittern. Die Krise trifft inzwischen jeden, auch die, die sich in Sicherheit wähnten – und Kommissar Charitos steckt mittendrin.

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  • Regionalkrimi als Navi durch Athen und Wirtschaftsvorlesung - sonst nicht viel mehr

    Faule Kredite
    awogfli

    awogfli

    Ein moderner Athener Regionalkrimi vor dem Hintergrund der Finanzkrise, in dem Bankmanager geköpft werden, hörte sich irgendwie sehr spannend an... aber... Leider wird die Regionalität der Geschichte weder durch grossartige Ortsbeschreibungen oder Restauranttipps untermauert, sondern der Lokalkolorit beschränkt sich bedauerlicherweise auf detaillierte Autoroutenbeschreibungen, wie man den täglichen Staus im Athener Stadtverkehr ausweichen kann und das in jedem Kapitel. Zwar kenne ich den Grossteil der beschriebenen Strassen durchaus genau, aber wen interessiert das schon. Mir ist sowieso diese Mentalität schleierhaft, in einem Moloch wie Athen, den die Athener nur etwas besser als Kalkutta bezeichnen, seit 2004 (sehr guter Ausbau der U-Bahn wegen Olympia) mit dem Auto fahren zu wollen und dann permanent zu jammern, dass man unpünktlich zu Terminen erscheint. Da kommen wir auch schon zu einem weiteren, sehr realistisch beschriebenen Punkt der griechischen Mentalität, der sehr unsymphatisch und in einem Buch nicht wirklich interssant ist. Das ewige Jammern, erst mit 60 und nicht mit 55 bei vollen Bezügen in Pension gehen zu können, und sich aufgrund der vielen Privatkredite nix mehr leisten zu können, Umsatzsteuer zahlen zu müssen, Belege ausstellen zu müssen... und die Deutschen sind an allem schuld und nicht die eigenen mafiösen Strukturen in denen jedes Geld verbrennt und versickert. Auch sprachlich ist der Krimi sehr hölzern formuliert, lediglich die Wirtschaftsbeschreibungen und ein paar Bonmots zur Krise sind lesenswert, was nicht verwundert, den der Autor hat Volkswirtschaft studiert z.B. "Man sollte die Steuerhinterzieher ausweisen, die den Staat vierundzwanzig Milliarden schuldig sind, da sie auch in den nächsten achtzig harten Jahren keinen Groschen zahlen werden. Mit dem Wegfall der Steuerflüchtlinge sinken die Ausgaben, doch auf der Einnahmenseite entgeht uns gar nichts, weil die nützlichen Idioten hier bleiben, die brav ihre Steuern zahlen.“ Warum der Autor seinen eigentlichen armenischen Namen Markarian hellenisiert hat, würd mich in diesem Zusammenhang auch mal brennend interessieren. Der Krimiplot des Romans bleibt zwar bis zum Schluss spannend, der Grund dafür ist aber, dass die Motivation des Täters sich mir überhaupt nicht erschliesst. Ein bisschen Wut auf die Banken hat doch jeder. Wenn wie am Beispiel des Täters in dieser Geschichte, ein von der Krise nicht betroffener Bürger schon so auszuckt und als Mastermind eines Rachefeldzuges agiert, dann würde weltweit kein Schädel mehr auf seinem Körper sitzen. Fazit: 2,5 Sterne also nix weltbewegendes P.S. Ach und wer es noch nicht weiss und mich des bösen Griechenbashings bezichtigt: Ich bin Halbgriechin - ich darf das! ;-)

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    • 3
    Gulan

    Gulan

    12. March 2016 um 09:45
  • GREXIT für das Autofahren in Athen ..

    Faule Kredite
    Bellis-Perennis

    Bellis-Perennis

    01. August 2015 um 14:48

    Das ist mein erstes Buch dieses Autors. Es ist ein vielschichtiger Krimi, der im Jahre 2010 in Athen angesiedelt ist. Griechenland wird durch die Wirtschaftskrise geschüttelt. Die Maßnahmen, die die Regierung ergreift, treffen eher nur die kleinen Leute und lassen die wirklich Reichen ungeschoren. In diesem Umfeld werden einige Banker ermordet, ja nicht nur ermordet, sondern durch Enthaupten regelrecht hingerichtet. Gleichzeitig ruft eine Plakataktion zum Boykott der Kreditrückzahlungen auf. Ist da wirklich ein terroristischer Hintergrund, wie manche der ermittelnden Beamten glauben? Kommissar Charitos glaubt nicht so recht daran. Der Krimi hat recht lange auf meinem SuB verbracht, sodass sich manche Andeutungen im Buch in der Wirklichkeit schon längst überholt haben. Das Buch ist in der „ICH-Form“ geschrieben, sodass der Leser mit der Hauptfigur ermitteln, leiden und eigene Gedanken fassen könnte. Leider bin ich mit Charitos (der Name erinnert mich irgendwie an „Chaos“ nicht warm geworden. Er sieht zwar als einziger eine „Mitschuld“ der Griechen an der Finanzmisere, kann sich aber nicht behaupten. Am Meisten genervt hat mich, dass der Kommissar ständig sein Auto (einen SEAT) parkt oder zu seinem Auto geht/läuft usw.. Außerdem habe ich das Gefühl, eine Ausbildung zum Taxifahrer in Athen zu machen. Die detaillierte Schilderung welche Straße bei einem Stau zu nehmen wäre oder eben nicht, ist meiner Ansicht nach ziemlich entbehrlich. Das bringt die Handlung keinen Millimeter weiter. Den Schluss finde ich interessant, obwohl ich schon bei der Hälfte des Buches eine ziemlich gute Einschätzung vom Täter gehabt habe. Ihn und seine Helferleins kann ich guten Gewissens sympathisch finden. Deren Charakterzüge sind gut herausgearbeitet. Das Motiv scheint ein wenig konstruiert zu sein. Ob ich ein früheres Buch des Autors lesen werde, muss ich noch überlegen. Dieses hier bekommt nur 3 Sterne.

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  • Grexit(us)

    Faule Kredite
    Gulan

    Gulan

    Vor kurzem habe ich auf dem Blog „My Crime Time“ einen interessanten Beitrag gelesen, in dem sich Bloggerin Nicole darüber auslässt, was sie in Krimis nicht mehr lesen will: „Der Ermittler, das Wrack“ oder „Der persönlich involvierte Ermittler“ (https://mycrimetimeblog.wordpress.com). Diese Reihe wird noch fortgeführt. Nun muss man der Bloggerin bei ihrer Polemik nicht vollständig zustimmen. Aber dennoch ist es nicht ganz von der Hand zu weisen, dass viele Mainstream-Krimiautoren momentan mit ziemlich schematischen Versatzstücken (traumatisierte Ermittler, blutige Plots, unrealistische Ermittlungen und/oder „Ich-hatte-eine-schlimme-Kindheit“-Psychopathen) agieren. Einen Gegenentwurf hierzu, einen klassischen Old-School-Whodunnit, bietet Petros Markaris mit dem sechsten Fall des Athener Kommissars Kostas Charitos. Charitos ist ein biederer Mann in den Fünfzigern, immer noch glücklich verheiratet und vernarrt in seine Tochter, die zu Beginn des Buches heiratet. Als Kommissar ist er akribisch, gewissenhaft, weiß aber auch, wann Feierabend ist. Er hat durchaus eine Meinung, hält sich in Konflikten aber eher zurück. Ein stinknormaler Typ eben. Den einzigen Spleen, den Markaris seinem Kommissar gönnt, ist eine Leidenschaft für Wörterbücher und Lexika. Charitos' Fall ist allerdings alles andere als 08/15: Mitten in der griechischen Finanzkrise werden ein ehemaliger und ein aktueller Bankmanager geköpft aufgefunden. Und so richtig ist es zunächst auch nicht Charitos' Fall, denn erst einmal reißt sein Widersacher im Präsidium, der Leiter der Anti-Terrorismus-Einheit, die Ermittlungen an sich. Doch Charitos bleibt am Ball, ermittelt in eine andere Richtung und behält schließlich Recht. Doch der Täter schlägt derweil weiter zu. Was mir gut gefällt: Es wird mal wieder so richtig ermittelt. Verdächtigenlisten durchgegangen, Zeugen vernommen, Konten überprüft. Charitos und seine Mitarbeiter laufen sich die Hacken wund. Ebenfalls gelungen: Die Einblicke in die griechische Gesellschaft mitten in der Krise. Wut, Verzweiflung, Lethargie, Resignation. Die Griechen sind sich einig in der Ablehnung der Bevormundung durch die Troika, aber sie wissen auch, dass eine Gesellschaft auf Pump auf Dauer nicht funktionieren kann. Ebenfalls unterschwellig immer erkennbar, selbst bei der Hauptfigur, sind Ressentiments gegenüber Migranten. Es ist allerdings nicht alles top. Die Spannung erreicht nicht wirklich Höchstwerte, der Täter kristallisiert sich relativ schnell heraus und das letztendliche Motiv sorgte bei mir für Stirnrunzeln. Daher gebe ich diesem unaufgeregten, sehr klassischen Krimi aus Griechenland insgesamt gute drei Sterne.

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    • 9
    NiWa

    NiWa

    07. March 2015 um 17:03
    Gulan schreibt Aber dennoch ist es nicht ganz von der Hand zu weisen, dass viele Mainstream-Krimiautoren momentan mit ziemlich schematischen Versatzstücken (traumatisierte Ermittler, blutige Plots, ...

    Deswegen stöbere ich schon länger in anderen Genres, früher habe ich nur Krimis und Thriller gelesen. Aber dieser klassische Krimi scheint ja auch nicht gerade Pflichtlektüre zu sein ... außer ...

  • Rezension zu "Faule Kredite" von Petros Markaris

    Faule Kredite
    Elocin

    Elocin

    25. November 2012 um 14:37

    Die Morde an mehreren Bankern lassen die griechische Finanzwelt erzittern. Die Krise trifft inzwischen jeden, auch die, die sich in Sicherheit wähnten und Kommissar Charitos steckt mittendrin.

    Mein zweiter Krimi von Petros Markaris. Leider kommt er an die Qualität von „Die Kinderfrau“ nicht heran.

  • Rezension zu "Faule Kredite" von Petros Markaris

    Faule Kredite
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    21. November 2012 um 19:25

    Kommissar Kostas Charitos lädt zu großen Feierlichkeiten ein: Tochter Katerina heiratet den Arzt Fanis, ein Fest mit vielen Gästen und sogar mit tatkräftiger Mitwirkung der Polizeikapelle. Die Hochzeitsgeschellschaft hat kaum ausgeschlafen, als der Ernstfall für Charitos und die Kollegen von der Mordkommission eintritt. Das Opfer wurde geköpft, eine ebenso seltsame wie seltene Mordmethode. Das schafft Unsicherheit und nervt Charitos: "Ich frage mich, was gegen Pistolen, Jagdflinten, Messer oder auch Gift als Tatwaffe spricht." Das Opfer ist ein Banker, was in der Zeit der gravierenden Wirtschaftskrise einen fast symbolischen Charakter erhält. Die Polizei reagiert entsprechend nervös, denkt über Mord nach, über eine terroristischen Akt, über internationale Amtshilfe und über eine möglichst wenig aufsehenerregende Begleitung durch die Presse. Letzteres misslingt gründlich, nachdem nicht nur ein weiteres Opfer gemeldet wird, sondern parellel auch eine anonyme Anzeigenkampagne gegen die Banken lanciert wird. Petros Markaris beschäftigt sich intensiv mit der Wirtschaftskrise in Griechenland: "Faule Kredite" ist das erste Buch einer ganzen Trilogie, die der Autor seinerzeit plante. Dieser Ankündigung erboste einige, denn dass die Krise so lange dauern würde, wollte niemand in Betracht ziehen. Inzwischen fragt sich Markaris, ob seine Trilogie-Pläne ausreichend sind … Obwohl sich das Buch vorrangig um die Morde und die Kampagne gegen die Banken dreht, erzählt Markaris in vielen Details, wie die Krise sich auf die Bevölkerung auswirkt und auch, wie die Menschen selbst ihren Teil dazu beigetragen haben. Familie Charitos bildet keine Ausnahme: Zur Hochzeit der Tochter trennt sich der Kommissar von seinem geliebten alten Mirafiori, nachdem seine Frau Adriani auf ein neues Auto gedrängt hat. Nicht einmal, weil der Mirafiori kaputt war, sondern weil er die Tochter mit einem repäsentativeren Gefährt zur Kirche kutschieren müsse. Auch die Charitos' haben sich nun was gepumpt und müssen Ratenzahlungen leisten. Andere tun das noch viel fleißiger; Kredite gibt es nicht nur für den Hausbau und die Firmengründung, sondern auch für Urlaube oder gar die Hochzeit. Charitos und seine Mitarbeiter leisten harte Arbeit, putzt tagelang Klinken, während ihnen die Presse im Nacken sitzt. Die Plakatkampagne erweist sich als geschickt eingefädelte Aktion und noch dazu genießen die Täter eine gewisse Sympathie in der Bevölkerung. Die krisenbedingte Anhebung seines Rentenalters von 55 auf 60 Jahre scheint für Charitos dagegen irgendwie der kleinere Schrecken zu sein. Charitos lässt sich sogar von einem Patienten Fanis' helfen, um seine Wissenslücken im Finanzwesen zu schließen. Diese Hartnäckigkeit zahlt sich aus: "Sie haben eine seltende Gabe, Herr Kommissar", meint er dann. "Und zwar?" "Auf den ersten Blick wirken Sie begriffsstutzig, aber dahinter verbirgt sich eine Genauigkeit im Denken." "Es ist nicht so sehr eine Frage des Denkvermögens, eher eine Frage der Ausdauer, unermüdlich Hinweise zu sammeln und zu einem Puzzle zusammenzufügen." "Jedenfalls sind Sie ein kluger Kopf." Markaris findet für die Mordserie eine überraschende Parallele, die gegen Ende deutlich gemacht wird und auch die Krise und ihren Werdegang in einer neuen Perspektive erscheinen lässt. Während die Mordserie nicht unbedingt mit großer Spannung aufwartet, dreht das Ende das Buch zu einer klugen Parabel, die neugierig auf die Fortsetzung "Zahltag" macht.

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  • Rezension zu "Faule Kredite: Ein Fall für Kostas Charitos" von Petros Markaris

    Faule Kredite
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    03. August 2012 um 12:03

    In seinen bisherigen Kriminalromanen um den Athener Kommissar Kostas Charitos hat sich dessen Schöpfer, Petros Markaris, einer der bedeutendsten Autoren des gegenwärtigen Griechenlands, schon des Öfteren mit aktuellen und auch historischen politischen Fragen befasst. Diese Bücher haben Petros Markaris nicht nur einen Kultstatus unter einer gewissen Schicht der Krimileser verschafft, sondern auch das Bild Griechenlands bei ihnen geprägt. Ähnlich wie manche italienischen Autoren wie Camilleri ("Petros Markaris gefällt mit außerordentlich") und auch zuletzt immer stärker Gianrico Carofiglio, kritisiert Markaris mit viel Witz und hintergründigem Humor die Verhältnisse. Seine Analyse ist zuweilen scharf und beißend, und dennoch scheint er die griechischen Verhältnisse auch zu lieben und wirbt zwischendurch immer wieder um Verständnis beim Leser. Schon lange vor dem Erscheinen seines neuen Romans haben zusammen mit dem Rezensenten auch viele andere Liebhaber seiner Bücher mit Spannung darauf gewartet, wie er nach seinen zahlreichen Interviews in deutschen Medien über die sozialen Spannungen in Griechenland nach dem "Ausbruch" der Finanzkrise dieses Thema in einem Kriminalroman bearbeiten würde. Denn dass er einbauen würde, war klar. Und, um es vorweg zu sagen: es ist ihm hervorragend gelungen. Zu Beginn des wie immer spannenden neuen Buches heiratet Kostas' Tochter Katerina, promovierte Juristin ohne Job ihren Arzt Fanis, mit dem sie schon einige Jahre zusammen lebt. Und noch eine Neuerung hat es gegeben seit dem letzten Fall: Kostas Charitos hat seinen alten Fiat Mirafori verschrotten lassen und sich einen neuen Wagen gekauft, natürlich auf Kredit. Trotz der nicht geringen Kosten für Auto und Hochzeit kommen Kostas und seine Frau Adriani mit seinem Gehalt ganz gut hin, und obwohl sie selbst nicht wissen, wie lange sie ihre Raten noch zahlen können, kommentiert er immer wieder bissig und sarkastisch die sich durch das ganze Buch hinziehenden Kommentare seiner Kollegen, die sich darüber aufregen, dass sie im Zuge der in ihren Augen von Deutschland und anderen Ländern der EU durchgedrückten Sparmaßnahmen nun keine 14-15 Monatsgehälter mehr bekommen und nicht schon weit vor ihrem 60. Lebensjahr in Rente gehen können. Man kann den ganzen Roman lesen als ein aktuelles Soziogramm der griechischen Gesellschaft und ihrem Umgang mit dem Ende ihres jahrzehntelangen Lebens auf Pump. Kaum sind die Hochzeitsfeierlichkeiten abgeschlossen, werden innerhalb von wenigen Tagen zwei Banker auf grausame Art umgebracht. Der Mörder hat sie aus nächster Nähe mit einem Schwert geköpft und auf ihre Kleidung einen Zettel geheftet, auf dem ein großes D prangt. Insbesondere die Medien, aber auch Teile des Polizeiapparats schließen einen Terroranschlag nicht aus. Man vermutet natürlich Zusammenhänge mit der aktuellen Krise und dem sich in der Bevölkerung immer weiter zuspitzenden Hass auf die Banken, denen man die Schuld an der ganzen Misere gibt, so als hätten die Bürger nicht jeden einzelnen ihrer "faulen Kredite" selbst und bei vollem Bewusstsein unterzeichnet. Dann ist über Nacht die Stadt mit Plakaten voll geklebt, auf denen die Bürger aufgefordert werden, keine einzige Rate mehr zu bedienen. Und dann geschehen noch weitere Morde, wieder Enthauptungen. Die Stimmung im Polizeiapparat ist hypernervös, andauernd muss Kostas zusammen mit seinem Chef zum Minister, den sie auch irgendwann davon überzeugen können, dass alle Indizien gegen ein terroristisches Motiv sprechen und der Täter woanders zu suchen ist. Die Zusammenhänge, die Petros Markaris in diesem Buch herstellt und die letzten Endes zur Aufklärung der Mordfälle führen, sind genial konstruiert und lange für den Leser überhaupt nicht offensichtlich, was das Buch zu einem echten pageturner macht. Ein Buch, ein Roman, dem es mit einer fiktiven Handlung wieder einmal gelingt, die aktuellen griechischen Gesellschaftskonflikte transparent zu machen und sich hervorragend in die Mentalität der Griechen einfühlt. Bei allem Spott, den Markaris zeitweilig übrig hat, bei aller Ironie, die er sprachlich brillant einstreut, ist er aber nie larmoyant oder gar besserwisserisch. Er beschreibt die harte Realität der Griechen mit scharfer und spitzer Feder, aber nie ohne eine stille Solidarität mit ihnen und ihrer Lebensweise. Ein brillanter Roman aus einer der besten Krimireihen auf dem Markt, von der man gerne noch weitere Bände lesen wird.

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  • Rezension zu "Faule Kredite: Ein Fall für Kostas Charitos" von Petros Markaris

    Faule Kredite
    Duffy

    Duffy

    28. July 2012 um 16:41

    Kommissar Charitos steht vor der undankbaren Aufgabe, in diesen unruhigen Zeiten der Krise gleich vier Morde aus der Finanzwelt aufklären zu müssen. außerdem wurden überall in Athen Plakate und Aufkleber angebracht, die dazu aufrufen, den Banken die Kreditrückzahlungen zu verweigern. Zu allem Übel wird das Renteneintrittsalter und einiges an Zulagen gekürzt. Ein hektischer Fall, den der Athener Polizist mit der gewohnten Umsicht behandelt. Als Markaris dieses Buch geschrieben hat, war die Krise zwar schon da, das ganze Ausmaß aber noch nicht absehbar. Dadurch ist es ein hochaktueller Stoff geworden und dem Leser werden quasi über die Unterhaltung noch einige Informationen gegeben. Das geschieht nicht, ohne eine klare Meinungstendenz von Markaris erkennen zu können. Der routinierte Schriftsteller versteht es auch hier wieder, bis zur letzten Seite Spannung zu erzeugen und als Ausgleich zu allem Unbill des täglichen Lebens sein Familienleben einzustreuen, seine Frau Adriani und die Tochter Katharina, die jetzt endlich ihren Fanis geheiratet hat. Eine lohnenswerte Lektüre, nicht nur durch die Aktualität. Für Fans sowieso ein Muss.

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  • Rezension zu "Faule Kredite" von Petros Markaris

    Faule Kredite
    Kolibri1966

    Kolibri1966

    03. November 2011 um 16:31

    Der neueste Kriminalroman von Petros Markaris ist aktueller und explosiver denn je. Aufgrund der wirtschatlichen und finanziellen Lage wurde diese Buch sogar vorgezogen. Wer die Situation in Griechenland verstehen will und wissen will wie es dazu gekommen ist, sollte dieses Buch unbedingt lesen!! Mehrere hochrangige Banker und ein Inkassomanager wurden kaltblütig umgebracht. Kommissar Kostas Charitos steht vor einem sehr schweren Fall. Nicht nur das hier grausame Morde begangen werden, sondern es könnten auch internationale Konflikte entstehen. Obwohl Charitos Tochter heiratet und somit auch familiäre Aufgaben bevorstehen, muss sich der Kommissar voll auf diesen Fall konzentrieren. Die Frage bleibt, sind es terroristische Anschläge oder ist hier jemand auf einem Rachefeldzug? Bis zur Lösung vergeht noch viel Zeit, aber seien sie gewarnt....sie könnten Sympathie für den oder die Täter empfinden:-)

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  • Rezension zu "Faule Kredite" von Petros Markaris

    Faule Kredite
    goldfisch

    goldfisch

    04. September 2011 um 18:41

    Kaum hat Kommissar Charitos die Hochzeit seiner Tochter gut überstanden, da läuten bereits andere Glocken-Alarmglocken. Ganz Griechenland scheint im Angesicht der Wirtschaftskrise kopflos geworden zu sein und auch die Leichen von Männern aus der Finanzwirtschaft sind völlig ohne Kopf. Nicht so einfach sich einen Weg zum Denken der Täter zu bahnen.Auch die Wege in Athen sind von andauernden Demonstarionen blockiert.In der Polizeiführung vermutet man Terroristen am Werk , doch Kommissar Charitos mag nicht daran glauben und ermittelt in alle anderen Richtungen weiter.Dazu kommen noch seltsame Plakate und Aufkleber die ganze Stadteile überziehen.Dort wird die Bevölkerung dazu aufgerufen, die Banken zu boykottieren und Kredite nicht mehr zu tilgen.Der Staatsbankrott droht und viele Firmeninhaber stehen bereits vor dem Ruin. Wer hat da schon Mitleid mit ermordeten Bankern? Ein spannender Krimi, der die Situation der Griechen anschaulich schildert und doch den Humor nicht vermissen lässt.Lesenswert !

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  • Rezension zu "Faule Kredite" von Petros Markaris

    Faule Kredite
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    02. August 2011 um 11:50

    In seinen bisherigen Kriminalromanen um den Athener Kommissar Kostas Charitos hat sich dessen Schöpfer, Petros Markaris, einer der bedeutendsten Autoren des gegenwärtigen Griechenlands, schon des Öfteren mit aktuellen und auch historischen politischen Fragen befasst. Diese Bücher haben Petros Markaris nicht nur einen Kultstatus unter einer gewissen Schicht der Krimileser verschafft, sondern auch das Bild Griechenlands bei ihnen geprägt. Ähnlich wie manche italienischen Autoren wie Camilleri ("Petros Markaris gefällt mit außerordentlich") und auch zuletzt immer stärker Gianrico Carofiglio, kritisiert Markaris mit viel Witz und hintergründigem Humor die Verhältnisse. Seine Analyse ist zuweilen scharf und beißend, und dennoch scheint er die griechischen Verhältnisse auch zu lieben und wirbt zwischendurch immer wieder um Verständnis beim Leser. Schon lange vor dem Erscheinen seines neuen Romans haben zusammen mit dem Rezensenten auch viele andere Liebhaber seiner Bücher mit Spannung darauf gewartet, wie er nach seinen zahlreichen Interviews in deutschen Medien über die sozialen Spannungen in Griechenland nach dem „Ausbruch“ der Finanzkrise dieses Thema in einem Kriminalroman bearbeiten würde. Denn dass er einbauen würde, war klar. Und, um es vorweg zu sagen: es ist ihm hervorragend gelungen. Zu Beginn des wie immer spannenden neuen Buches heiratet Kostas’ Tochter Katerina, promovierte Juristin ohne Job ihren Arzt Fanis, mit dem sie schon einige Jahre zusammen lebt. Und noch eine Neuerung hat es gegeben seit dem letzten Fall: Kostas Charitos hat seinen alten Fiat Mirafori verschrotten lassen und sich einen neuen Wagen gekauft, natürlich auf Kredit. Trotz der nicht geringen Kosten für Auto und Hochzeit kommen Kostas und seine Frau Adriani mit seinem Gehalt ganz gut hin, und obwohl sie selbst nicht wissen, wie lange sie ihre Raten noch zahlen können, kommentiert er immer wieder bissig und sarkastisch die sich durch das ganze Buch hinziehenden Kommentare seiner Kollegen, die sich darüber aufregen, dass sie im Zuge der in ihren Augen von Deutschland und anderen Ländern der EU durchgedrückten Sparmaßnahmen nun keine 14-15 Monatsgehälter mehr bekommen und nicht schon weit vor ihrem 60. Lebensjahr in Rente gehen können. Man kann den ganzen Roman lesen als ein aktuelles Soziogramm der griechischen Gesellschaft und ihrem Umgang mit dem Ende ihres jahrzehntelangen Lebens auf Pump. Kaum sind die Hochzeitsfeierlichkeiten abgeschlossen, werden innerhalb von wenigen Tagen zwei Banker auf grausame Art umgebracht. Der Mörder hat sie aus nächster Nähe mit einem Schwert geköpft und auf ihre Kleidung einen Zettel geheftet, auf dem ein großes D prangt. Insbesondere die Medien, aber auch Teile des Polizeiapparats schließen einen Terroranschlag nicht aus. Man vermutet natürlich Zusammenhänge mit der aktuellen Krise und dem sich in der Bevölkerung immer weiter zuspitzenden Hass auf die Banken, denen man die Schuld an der ganzen Misere gibt, so als hätten die Bürger nicht jeden einzelnen ihrer „faulen Kredite“ selbst und bei vollem Bewusstsein unterzeichnet. Dann ist über Nacht die Stadt mit Plakaten voll geklebt, auf denen die Bürger aufgefordert werden, keine einzige Rate mehr zu bedienen. Und dann geschehen noch weitere Morde, wieder Enthauptungen. Die Stimmung im Polizeiapparat ist hypernervös, andauernd muss Kostas zusammen mit seinem Chef zum Minister, den sie auch irgendwann davon überzeugen können, dass alle Indizien gegen ein terroristisches Motiv sprechen und der Täter woanders zu suchen ist. Die Zusammenhänge, die Petros Markaris in diesem Buch herstellt und die letzten Endes zur Aufklärung der Mordfälle führen, sind genial konstruiert und lange für den Leser überhaupt nicht offensichtlich, was das Buch zu einem echten pageturner macht. Ein Buch, ein Roman, dem es mit einer fiktiven Handlung wieder einmal gelingt, die aktuellen griechischen Gesellschaftskonflikte transparent zu machen und sich hervorragend in die Mentalität der Griechen einfühlt. Bei allem Spott, den Markaris zeitweilig übrig hat, bei aller Ironie, die er sprachlich brillant einstreut, ist er aber nie larmoyant oder gar besserwisserisch. Er beschreibt die harte Realität der Griechen mit scharfer und spitzer Feder, aber nie ohne eine stille Solidarität mit ihnen und ihrer Lebensweise. Ein brillanter Roman aus einer der besten Krimireihen auf dem Markt, von der man gerne noch weitere Bände lesen wird.

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