Petros Markaris Zahltag

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Inhaltsangabe zu „Zahltag“ von Petros Markaris

Reiche Griechen zahlen keine Steuern. Arme Griechen empören sich darüber, oder sie verzweifeln ob ihrer aussichtslosen Lage. Im zweiten Band der Krisentrilogie tut ein selbsternannter »nationaler Steuereintreiber« weder das eine noch das andere: Er handelt. Mit Drohbriefen, Schierlingsgift und Pfeilbogen – im Namen des Staates.

Eigentlich interessanter Krimi/Roman, der im gegenwärtigen Griechenland spielt und die dortigen Zustände aufzeigt. Hätte noch mehr Potenzial

— vanessabln

hervorragende Beschreibung der griechischen Zustände

— zbaubf

Das Buch zur Krise. Einmal mehr überzeugt Markaris auf ganzer Linie.

— miss_mesmerized

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    Zahltag

    vanessabln

    15. March 2017 um 22:43

    Auf "Zahltag" war ich aufgrund der ungewöhnlichen Inhaltsangabe sehr gespannt, zudem hatte ich noch nie einen griechischen Krimi gelesen. Eingefunden habe ich mich schnell und gut und es war interessant, sich mit dem Buch direkt in den griechischen Alltag mit all seinen Problemen zu begeben. Der Fall, den der etwas behäbige, aber sympathische Kommissar zu lösen hat, ist witzig bis satirisch. Denn der Täter bestraft in antikem Rahmen Steuersünder, da die Finanzbehörden ihre Pflichten nicht erfüllt haben, wie er persönlich darlegt. Dazu hat die Geschichte viele aktuelle Bezüge, sogar Frau Merkel kommt mehrmals darin vor. Deshalb hätte alles so schön sein können und ich wäre eigentlich begeistert gewesen. Aber der Hälfte fing es dann leider an, dass ich dachte, man hätte es auch kürzer machen können. Das Buch hat gute 400 Seiten, aber manche Sätze hätte man einfach weglassen können, weil sie nutzlos sind oder gleich- bzw. ähnlichlautend schon öfter vorgekommen sind. Dazu kommen die endlosen Straßennennungen, die irgendwann nur noch eintönig sind.Außerdem stellt sich (auch für die Bewertung) die Frage, ob das Buch nun ein Roman oder ein Krimi ist. Ich hatte einen Krimi erwartet, da es "Ein Fall für Kostas Charitos" heißt. Vorne steht aber "Roman" drauf und es liest sich auch so. Denn Spannung kommt trotz der eigensinnigen Morde nicht auf. Die Aufdeckung (und irgendwann auch alles andere) zieht sich einfach nur bis zum Ende dahin und nichts Nennenswertes passiert, noch nicht mal eine Überraschung gibt es zum Schluß. Vielleicht soll die Ereignislosigkeit für Griechenland stehen, nur langweilt es hier. Deshalb bin ich nun nach den letzten 100 Seiten endgültig sehr zwiegespalten und kann leider nur drei Sterne geben. Die Pluspunkte des Buches sind die Grundidee und die Aktualität, schade dass man nicht noch mehr daraus gemacht hat. Ob ich mich an die anderen Bücher der Reihe wage, muss ich noch überlegen. Sie hören sich ebenfalls interessant an und auch über Charitos Familie würde ich eigentlich gerne mehr erfahren.

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  • Petros Markaris - Zahltag

    Zahltag

    miss_mesmerized

    11. July 2015 um 07:03

    Der Roman zur Krise: wenn der Staat schon nicht in der Lage ist, die Steuergelder einzutreiben, muss das Wohl jemand anderes in die Hand nehmen. Der „nationale Steuereinzieher“ fordert Personen auf, die offenkundig nur einen winzigen Teil ihres Einkommens beim Finanzamt angeben, binnen Wochenfrist ihre Steuerschuld zu begleichen, sonst müssten sie mit dem leben zahlen. Wer dem nicht nachkommt, findet sich schon bald an symbolträchtigen Orten wieder. Ermordet. Mit dem Gift des Schierlings – wie einst der vermeintliche Verräter Sokrates. Kommissar Charitos muss ermitteln und schwankt zwischen politischem Druck und Verständnis des Mörders. Eine der bekanntesten Stimmen Griechenlands zur hochbrisanten Situation des Landes. Markaris ist bekannt für seine Kritik und diese setzt er hier gekonnt in Szene. Die Verbindung von Politik, Mord und dem kleinen Mann am Ende der Nahrungskette ist einmal mehr erschreckend realitätsnah, authentisch und dennoch bei all der Misere auch unterhaltsam. Insbesondere das Mordwerkzeug – der Schierling – eine erschreckende Parallele: erstickt das griechische Volk nicht gerade bei vollem Bewusstsein an den Schandtaten seiner Regierungen?

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  • Zweiter Teil der Krisentrilogie

    Zahltag

    Duffy

    25. February 2014 um 06:52

    Die griechische Krise hat mittlerweile alle Bereiche des täglichen Lebens erreicht. Gehaltskürzungen, Geschäftsaufgaben und Flucht aus dem Land gehören zum Szenario. Die Gründe dafür sind bekannt, das Land, das in der Korruptionshitliste auf Platz 80 steht, hat jedoch ein noch größeres Problem, das sich im Laufe der Zeit entwickelt hat, nämlich das der Steuerhinterziehung. Auch Kommissar Charitos hat nun damit zu tun, denn ein "nationaler Steuereintreiber" hat es sich zur Aufgabe gemacht, Steuersünder zur Kasse zu bitten. Ziemlich genau weiß er über seine Klienten Bescheid, denn er hat sich mit erstaunlicher Cleverness in den Hauptcomputer der Finanzbehörde eingeloggt und weiß, wer, wann und wieviel Steuern hinterzogen hat. Ein paar Auserwählte bekommen dann auch die Aufforderung, innerhalb von fünf Tagen ihre Steuern zu bezahlen, ansonsten würden sie liquidiert. Die Drohung wird umgesetzt und Charitos und sein Team müssen den zum Volkshelden avancierten selbsternannten Steuereintreiber zur Strecke bringen. Ein interessantes Szenario vor dem Hintergrund der griechischen Krise. Markaris beschreibt bittersüß die Verfehlungen und die Mentalität seiner Landsleute und gibt einen interessanten Eindruck von den Abläufen in diesem bankrotten Land. Das ist natürlich an Aktualität kaum zu übertreffen, Charitos ist ein etablierter Charakter und Markaris ein sehr guter und routinierter Schreiber. Doch leider ist der Ablauf des Romans nicht besonders spannend, denn auf 420 Seiten mordet der "Steuereintreiber", während die Obrigkeit versucht, ihre Verfehlungen zu vertuschen. So geht es stringend bis ans Ende und der Täter wird natürlich gefasst. Inhaltlich nicht so überzeugend wie seine bisherigen Bücher, dieses lebt vom aktuellen Bezug und dem daraus resultiernden Bonus. Der Fall an sich ist nicht besonders aufregend. Dritter Teil folgt.

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  • Der nationale Steuereintreiber

    Zahltag

    walli007

    01. June 2013 um 14:33

    Weil es gerade keine Morde gibt, muss Kostas Charitos in Selbstmorden ermitteln. Vier alte Frauen, die sich umbringen, weil sie keinem zur Last fallen wollen, das ist sehr tragisch und deprimierend. Da ist Charités fast schon froh als in einer antiken Grabungsstätte eine Leiche gefunden wird. Schnell findet sein Team heraus, dass der Tote mit dem Gift des Schierlings ermordet wurde. Und das Bekennerschreiben scheint von einem neuen Robin Hood zu künden. Dieser hat nämlich dem Toten eine Woche vorher seine Steuersünden aufgezählt und die entsprechende Steuerschuld berechnet. Bei Nichtzahlung - Tod. Und als sich herausstellt, dass der Unbekannte Ernst macht, gehen bei den Finanzbehörden Zahlungen ein. Das Volk feiert den Steuereintreiber, der fertig bringt, was der korrupte Staat nicht schafft. Gerade jetzt hat dieses Thema eine besondere Aktualität. Wir haben von Off-Shore-Leaks erfahren, dass eigentlich jeder, der irgendwie zu Geld gekommen ist Dreck am Stecken hat. Da werden die legalen Mittel aufs perfideste zum Schaden der Staaten ausgenutzt und die illegalen sowieso. Und hier kommt nun einer daher, der das Übel bei der Wurzel packt. Hätte er ein etwas weniger rabiates Mittel gefunden, die Leute zum Zahlen zu bewegen, hätte mich das Buch noch mehr amüsiert, aber auch so konnte ich das ein oder andere Grinsen nicht unterdrücken. Manchmal wollte mir das Lachen jedoch im Halse stecken bleiben, wenn der Kommissar erfährt, dass sich doch immer noch nichts wirklich geändert hat und dass die Korruption weiter blüht. Man kann ja nicht die ganze Menschheit austauschen, um zu einem ehrlicheren Verhalten zu kommen. Und Flucht ist auch keine Lösung. Dennoch wurde hier ein schwieriges Thema mit Markaris´typischer Ironie witzig umgesetzt.

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  • Rezension zu "Zahltag" von Petros Markaris

    Zahltag

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    17. February 2013 um 20:39

    Dass Kostas Charitos mit seiner Mordkommission nichts zu tun hat, ist selten. Tote gibt es wohl, aber viele von ihnen haben ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. In Athen herrscht tiefste Verzweiflung angesichts der wirtschaftlichen Lage und mit Lohnkürzungen, Jobkündigungen, Ratenzahlungen und anderen finanziellen Belastungen vor Augen sehen die Menschen keine Zukunft mehr für sich. In dieser Situation tritt der nationale Steuereintreiber auf den Plan. Mit einem öffentlich kommentierten Mord kündigt er an, zusätzlich zu dem Mordopfer weitere Steuersünder zur Zahlung ihrer Steuerschuld zwingen zu wollen: Wer nicht zahlt, der stirbt. Charitos muss eine harte Nuss knacken aus zweierlei Gründen. Der Mörder hinterlässt keine nützlichen Spuren und da er keinen Bezug zum Opfer hat, ist eine Suche im Umfeld sinnlos. Außerdem genießt der Steuereintreiber schon nach kurzer Zeit Heldenstatus beim Volk. Mehr als einmal hört Charitos, er solle den Mörder auf alle Fälle laufen lassen. Denn der hat geschafft, wozu der Staat unfähig ist: Innerhalb kürzester Zeit überweisen mehrere Steuersünder "spontan" mehrere Millionen Euro. Während Markaris im ersten Teil seiner Krisen-Trilogie vornehmlich die Banken aufs Korn genommen hat, steht in "Zahltag" der Staat am Pranger, der von Markaris ein verheerendes Fazit ins Poesiealbum geschrieben bekam: "Der griechische Staat ist weltweit die einzige Mafia, die es geschafft hat, bankrottzugehen." Die Bürokratie alleine ist noch das kleinere Übel; die schlimmsten Auswirkungen haben die Gesetze, die findigen Bürgern zahllose Steuertricks erlauben. Wie solche Finten aussehen, bekommt Kostas Charitos bei seinen Recherchen vorgeführt. Von der simplen Stundung, die sich lange ausreizen lässt bis zur Einbindung von Offshore-Firmen für die Gewiefteren ist alles dabei. Hinzu kommt ein umfassend ausgebildeter Filz, in dem hochrangige Funktionäre keine Scheu haben, für gute Bekannte eine Steuerprüfung zu verhindern. Und auch eine gute Geschäftsidee ist eher ein Problem: Es findet sich immer irgendwo der Neffe eines Entscheiders, dem die späteren Aufträge zugeschustert werden. Auch Charitos selbst betrifft die Staatskrise persönlich. Am ärgsten treffen ihn die Überlegungen seiner Tochter Katerina und dessen Mann Fanis. Die beiden erwägen den Umzug ins Ausland, um dort Geld zu verdienen. Da kommen Erinnerungen an die Gastarbeiterzeit hoch, da zeigt sich, dass der Staatsdienst trotz aller Widrigkeiten (man ist geneigt zu sagen, entgegen besseren Wissens) in den Köpfen immer noch als sicher verteidigt wird. Von seiner Atmosphäre her wirkt "Zahltag" intensiver als "Faule Kredite". Wie bereits im Vorgänger jagt Charitos einen cleveren und ausgebufften Mörder mit großem Symbolcharakter. Das klug komponierte Buch beweist am Ende wegen des Zusammenhangs zwischen dem Täter und der von ihm angezettelten Mordserie eine kleine Lücke, die dem Inhalt insgesamt jedoch keinen großen Kratzer verpasst. Die Krisentrilogie erweist sich als standhaftes Mahnmal.

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  • Rezension zu "Zahltag" von Petros Markaris

    Zahltag

    WinfriedStanzick

    06. September 2012 um 10:28

    Natürlich hat sich Petros Markaris, der insbesondere in Deutschland in den letzten beiden Jahren durch differenzierte Stellungnahmen zur finanziellen Situation seiner Heimatlandes Griechenland, deren Ursachen und möglichen Lösungen aufgefallen ist, auch in seinem neuen Fall für seinen Kommissar Kostas Charitos mit den Folgen der Finanzkrise in seinen Land beschäftigt. Auch wenn natürlich die Geschichte, die erzählt wird, erfunden ist, sind doch, so wie in allen früheren bisher erschienenen Bänden (Hellas Chanell, Nachtfalter, Live!, Der Großaktionär, Die Kinderfrau und Faule Kredite) auf fast jeder Seite soziale und politische Informationen und Analysen und am Beispiel von Kostas` Familie auch das private Schicksal von Menschen eingeflossen. Im neuen Buch geht es um die Taten und Absichten eines selbsternannten „nationalen Steuereintreibers“, der mit Drohbriefen und auch durchgeführten Morden erreichen will, dass die Steuermoral einer bestimmten Klasse sich verbessert. Lange tappen Charitos und seine bewährte Crew im Dunkeln und sind auch wie niemals zuvor unter einem erheblichen politischen Druck. Kostas`, dem sein dieses Mal sehr zur Kooperation motivierter Chef Gikas eine Beförderung in Aussicht gestellt hat, durch die er seine bisherigen Gehaltskürzungen zu egalisieren hofft, muss andauernd zu hochrangigen Besprechungen auf Ministerebene, denn die politische Klasse ist durch die Morde und die in Internet veröffentlichten Kommuniques des nationalen Steuereintreibers sehr verunsichert. Doch auch in seiner eigenen Familie spürt Kostas die dramatischen Folgen der Krise. Seine Tochter Katerina, promovierte Juristin, die fast ohne Lohn bei einem Anwaltsbüro Asylanten vertritt, und ihr Mann Fanis, der als Arzt im öffentlichen Dienst arbeitet, bringen sich zwar nicht um aus lauter Verzweiflung über ihre Lage, wie mindestens ein halbes Dutzend alte und junge Menschen, die Charitos und sein Team in diesem Buch auffinden, aber sie wollen beide auswandern, weil Katerina von der UNO eine gut dotierte Stelle in Schwarzafrika angeboten bekommen hat. Das stürzt natürlich die Eltern der beiden in tiefe Verzweiflung. Es gelingt Petros Markaris wieder einmal auf ganz besondere Weise, nicht nur einen spannenden und originellen Krimi in seiner durchweg empfehlenswerten Reihe vorzulegen, sondern er schafft es, dem deutschen Leser ein zwar fiktionales, deshalb aber nicht weniger realistisches Bild von der Situation und der Not der Menschen in Griechenland zu vermitteln. Sie wissen, dass sie selbst an der Ursache der Misere beteiligt waren, aber sie wissen nun in ihrer zum Teil dramatischen Not nicht mehr aus noch ein. Wer diesen Kriminalroman gelesen hat, der kann nicht mehr mit schlichten Parolen in den Chor derer einstimmen, die in Bezug auf Griechenland sagen, die seien doch an allem selbst Schuld und man sollte jede Unterstützung einstellen. Das Schicksal der einfachen Menschen dort, der Armen, Kranken und Rentner, die zurzeit ihre überlebenswichtigen Medikamente nicht mehr bezahlen können, weil die Krankenkassen Pleite sind, darf uns nicht kalt lassen. Markaris hat mit diesem Roman, der schon 2011 in Griechenland erschienen ist, einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung geleistet, mehr als die meisten Artikel und Zeitungen und erst recht als die Beträge im TV. Die Situation dort hat sich seit 2011 nicht verbessert.

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