Als nach der Wiederwahl Mahmud Ahmadineschads im Jahr 2009 Unruhen ausbrechen, Studenten auf die Straße gehen, um für mehr Demokratie und Freiheit zu protestieren, scheint sich einmal mehr eine Geschichte zu wiederholen, die sich seit 1979 in regelmäßigen Abständen abspielte. Mit der Absetzung des Schahs und der Machtübernahme Chomeinis wird der Iran erstmals unabhängig und begründet die Islamische Republik, die bis heute besteht. Eine Entwicklung, die logisch erscheint, hält man sich die massive Einmischung der USA und Europas in die innerstaatlichen Angelegenheiten vor Augen. Doch dann beginnt eine Entwicklung, die trotz internationaler Unabhängigkeit, einem Perpetuum mobile gleicht, denn mit jeder Wahl keimen die Hoffnung auf Veränderungen auf, die sich in ihrer Gänze nie erfüllen.
Peyman Jafari nimmt die LeserInnen mit in die Geschichte des Irans. Beginnend in der vorislamischen Zeit zeigt er, dass das Großreich Persien sich mitunter sehr fortschrittlich entwickelte. Über das 19. Jahrhundert hinaus zeigt er uns die Geschichte eines Landes, das von Religion, Machtgier und Korruption geprägt zu sein scheint und offenbart die tiefgreifende Spaltung einer Gesellschaft, die hin- und hergerissen ist, zwischen Tradition und Moderne. Gleichzeitig bettet Jafari seine Analyse in die imperialistischen Bestrebungen der USA ein, die den Iran lange Zeit als Marionette in seinen strategischen Planungen, die Ölvorkommen im Nahen Osten zu kontrollieren, einbindet und dabei sogar in politische Prozesse eingreift.
Gleichzeitig zeigt Jafari aber auch kleinere Erfolgsgeschichten auf, die für die gesellschaftlichen Prozesse relevant waren: die Erhöhung der Alphabetisierung, der Ausbau des Bildungssystems oder die Arbeitserlaubnis für Frauen. Diesen Teil hätte ich mir auch etwas ausführlicher gewünscht, denn Jafaris Fokus ist schon sehr auf die politische Ebene gerichtet. Ebenso hätte ich mir zu manchen Protagonisten ein paar mehr Hintergrundinformationen gewünscht - die er für Ahmadineschad liefert, aber eben für seine Vorgänger nur bedingt. Dafür beinhaltet das Buch ein Glossar mit den wichtigsten Begrifflichkeiten und eine Zeittafel, die beide sehr hilfreich waren.
Kurzum: Ein interessanter Einblick, in ein Land, dass mir vorher wenig bekannt war und das bei all den politischen Turbulenzen, auch eine Gesellschaft zeigt, die für ihr Ideale kämpft und sich selbst in Zeiten tiefster Repressionen nicht unterkriegen hat lassen. Lesenswert.


