Philip K. Dick Solar Lottery

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Inhaltsangabe zu „Solar Lottery“ von Philip K. Dick

By the author of BLADE RUNNER and MINORITY REPORT (Quelle:'Flexibler Einband/14.08.2003')

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  • A society of games and quizzes and assassination

    Solar Lottery
    sabisteb

    sabisteb

    Frankreich, Mai 2203 Ted Benteley, ein Biochemiker, ist heilfroh, dass Oiseau-Lyre, der Hill-Komplex, für den er arbeitete, abgebrannt ist, und er endlich frei ist. Benteley kotzt die aktuelle Gesellschaft einfach nur an. Er will was verändern, die Welt zu einem besseren Ort machen und endlich, ist er frei von Oiseau-Lyre und kann sich dem Quizmaster anschließen. Reese Verrick ist nicht mehr Quizmaster, das ist nun Leon Carrwright, diese Tatsache jedoch verschweigt er Ted, als dieser ihm den Vasalleneid schwört. Reese Verrick verschweigt Ted aber noch viel mehr, er hat für ihn eine ganz besondere Aufgabe im Spiel um die Macht.   Solar Lottery erschien 1955, zur Zeit des Kalten Krieges, zu einer Zeit als in den Laboren der Geheimdienste eine ganz neue, geheime Theorie ausgebrütet wurde, von der selbst Mathematiker nur unter der Hand tuschelten: John Nashs Spieletheorie. Philip K. Dick wurde zu seiner Zeit von den Geheimdiensten überwacht, weil er Visionen und Ideen hatte und in seinen Geschichten verarbeitete, die die Nationale Sicherheit gefährdeten. Schlimmer noch, Philip K. Dick weigerte sich, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, obwohl sie es ihm anbot. Seine Kollegen Bradbury und Asimov arbeiteten dagegen gerne mit der NASA und anderen staatlichen Organisationen zusammen. Warum nun, war Dick seinerzeit kein wirklich erfolgreicher Autor und warum ist gerade Solar Lottery eher unbekannt? Das liegt daran, dass Philip K. Dick einer der wenigen wirklich Visionären Autoren (neben Bradbury, Verne und Asimov) war, aber leider derartig visionär, dass sein Warnungen und Geschichten teils sogar heute noch für viele zu visionär und zu schwer verständlich sind. Um was geht es also in diesem Buch? Der Autor beschreibt eine Welt, in der die Spieletheorie (hier M-Theorie bzw. Minmax genannt, nur ein einziges Mal taucht tatsächlich der Begriff game-theory auf) die vorherrschende Philosophie der Bevölkerung der neun Planeten geworden ist. “Minimax, the method of surviving the great game of life, was invented by two twentieth century mathematicians, von Neumann and Morgenstern. It had been used in the Second World War, in the Korean War, and in the Final War. Military strategists and then financiers had played with the theory. In the middle of the century, von Neumann was appointed to the U.S. Atomic Energy Commission: recognition of the burgeoning significance of his theory. And in two centuries and a half, it became the basis of Government.[…] Minimax was a brilliant hypothesis. It gave us a rational scientific method to crack any strategy and transform the strategy game into a chance game, where the regular statistical methods of the exact sciences function." Exakt das ist heute bereits Geschichte. John von Neumann (bewies das minimax Theorem) und Oskar Morgenstern (Theory of Games and Economic Behavior) sind neben dem bekannteren Jon Nash die Begründer der Spieletheorie, die heute als programmierte unkooperative Agenten die Börsen und Banken der Welt beherrschen und über die Ökonomie in das Denken der Menschen gesickert ist. Das beschreibt Schirrmacher auch sehr schön in seinem Buch Ego. Auch die Folgen, die sich heute in Büchern wie „Bestellung beim Universum“ oder „Secret“ bereits manifestieren sieht Philip K. Dick voraus, eine Welt, in der man wieder an Omen und Magie glaubt, in der die Menschen Glücksbringer tragen und mehr auf statistische Verteilungen vertrauen, als selber Entscheidungen zu treffen. "So we're all a bunch of superstitious fools," Verrick complained. "Everybody's trying to read signs and harbingers. Everybody's trying to explain two-headed calves and flocks of white crows. We're all dependent on random chance; we're losing control because we can't plan. […]The disintegration of the social and economic system had been slow, gradual, and profound. It went so deep that people lost faith in natural law itself. Nothing seemed stable or fixed; the universe was a sliding flux. Nobody knew what came next. Nobody could count on anything. Statistical prediction became popular . . . the very concept of cause and effect died out. People lost faith in the belief that they could control their environment; all that remained was probable sequence: good odds in a universe of random chance.”   Wie kam es dazu? Wie konnte in Dicks Welt die Spieletheorie die vorherrschende Philosophie der Menschen werden? Es kam zu einer Rezession. Haufenweise Waren, aber keiner, der sie mehr kaufen konnte, weil die Bevölkerung keine Jobs und kein Geld hatte. „In each town there was a burning-place, fenced off, a kind of rubbish and ash heap, where the fine things that could not be purchased were systematically destroyed. […] The Quizzes had helped, a trifle. If people couldn't afford to buy the expensive manufactured goods, they could still hope to win them. The economy was propped up for decades by elaborate give-away devices that dispensed tons of glittering merchandise. But for every man who won a car and a refrigerator and a tv set there were millions who didn't. Gradually, over the years, prizes in the Quizzes grew from material commodities to more realistic items: power and prestige. And at the top, the final exalted post: dispenser of power—Quizmaster, and that meant running the Quiz itself.”   Auch das kommt bekannt vor. Auch heute heißt es, jeder kann zu den Gewinnern gehören, jeder ist seines Glückes Schmied, aber die Realität sieht anders aus, die Menschen spielen das neoliberale Spiel, hoffen darauf, dass sie der eine Tellerwäscher unter Millionen sein werden, der es doch schafft.  Cartwright jedoch steigt aus: "I played the game for years," Cartwright said. "Most people go on playing the game all their lives. Then I began to realize the rules were set up so I couldn't win. Who wants to play that kind of game? We're betting against the house, and the house always wins." Auch andere steigen in Dicks Welt aus dem Spiel aus, die sogenannten unks, die “unclassified”, die ihre Gewinnchance (die eine Art Ausweis ist) lieber auf dem Schwarzmarkt verkaufen, als auf eine astronomisch kleine Chance zu hoffen.   Warum ist diese Geschichte, obwohl sie gerade heute unglaublich aktuell ist, so unbekannt? Sie hat das gleiche Problem, wie alle Geschichten dieses Autors: Visionäre (vielleicht zu visionäre) Idee und nicht massentaugliche Umsetzung. Dick macht in dieser Geschichte das gleiche wie Joyce in seinem Ulysses. Nichts wird erklärt. Man bekommt zwar Ort und Jahr, aber diese Welt lernt man durch die Augen der Protagonisten kennen. Dinge, die für sie klar sind, werden auch dem Leser nicht erklärt. Was es mit den verschiedenen Klassifikationen auf sich hat, wurde mir bis zum Schluss nicht klar. Diese Welt jedoch ist das, was und wohl bevorsteht, wenn wir nicht umdenken. In Solar Lottery herrschen der Quizmaster mit seinem telepathic Corps über die neun Planeten, da er der Verwalter der bottle structure, ist, die durch einen randomisierten Mechanismus die Lotterieziehungen durchführt. Ihm gegenüber stehen die 5 Hügel, die Industrie, die das soziale und politische Grundgerüst bilden. Naja, streng genommen beherrscht Quizzmaster Verrick auch mehrere der Hügel, hier haben wir also die angebliche politische Gewaltenteilung zwischen Industrie und Politik, die auch heute eher Hand in Hand gehen und ganz unten die Unks, die keine Rolle spielen, weil sie nicht konsumieren und nicht zu den Hügeln gehören. Aber auch, wer zu einem der 5 großen Industriekomplete gehört, ist nicht besser dran, denn mit Eintritt in einen dieser Komplexe, gibt man seine Berechtigung für die Auslosungen des bottle mechanismus auf und in die Hand des Hügels, man selber muss aber einen Vasalleneid schwören. Schutz gegen gehorsam, Sklaverei gegen ein komfortables Leben oder unk sein und frei, aber außerhalb des Systems leben. In diesem Buch geht es letztendlich auch ansatzweise um die gamification der Gesellschaft, etwas, was im Ansatz auch heute teilweise schon zu beobachten ist. Alles wird irgendwie zu einem (Glücks-)Spiel. Der Machtkampf zwischen Verrick und Carrwright wird zu einem Medienspektakel mit öffentlich erwähltem Assassinen, und festgelegten Spielregeln.   Letztendlich gerät Benteley in eine Situation, in der sein Vasalleneid gegen sein Gewissen geht. Er ist in einer ähnlichen Situation wie Snowden:   Verrick gave me orders and I followed them. But what are you supposed to do in a society that's corrupt? Are you supposed to obey corrupt laws? Is it a crime to break a law that's a rotten law, or an oath that's rotten?" "It's a crime," Cartwright admitted slowly. "But it may be the right thing to do." "In a society of criminals," Shaeffer offered, "the innocent man goes to jail." "Who decides when the society is made up of criminals?" Benteley demanded. "How do you know when your society has gone wrong? How do you know when it's right to stop obeying the laws?" "You just know," Rita O'Neill said fiercely. "You've got a built-in mechanism?" Benteley asked the woman. "That's great; I wish I had. I wish everybody had . . . It must be a hell of a handy thing. There's six billion of us living in this system, and most of us think the system works just fine. Am I supposed to go against everybody around me? They're all obeying the laws." He was thinking of Al and Laura Davis. "They're happy, contented, satisfied; they-have good jobs; they eat well; they have a nice place to live. Eleanor Stevens said I had a sick mind. How do I know I'm not a sick misfit? A quasi-psychotic?" "You have to have faith in yourself," Rita O'Neill said. "Everybody has that. That's a dime a dozen. I stood the rottenness as long as I could and then I rebelled. Maybe they're right; maybe I am a felon. I think Verrick broke his oath to me . . . I think I was released. But maybe I'm wrong." "If you're wrong," Shaeffer pointed out, "you can be shot on sight."   Fazit: DAS wurde 1955 geschrieben?! Selbst für heutige Verhältnisse visionär und wohl den meisten modernen Lesern, die sich nicht mit Spieletheorie und Schirrmachers Buch Ego auseinandergesetzt haben schwer verständlich. Die Geschichte macht, wie meist bei Philip K. Dick, nicht viel her. Letztendlich passiert auch in Sachen tatsächlicher Handlung nur sehr wenig, bis fast nichts, und das ist teils auch ein wenig esoterisch. Um was es in diesem Buch wirklich geht, sind die gesellschaftlichen Konzepte, die dieser Welt unterliegen, und die sind erschreckend aktuell.

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