Friedrich der Große Detektiv

von Philip Kerr 
4,0 Sterne bei2 Bewertungen
Friedrich der Große Detektiv
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Eine schöne Hommage an Erich Kästner und die aufrechten Deutschen. Allerdings wirkt der Plot zum Ende hin etwas zusammengeschustert.

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Eine sehr berührende Geschichte !!!

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Inhaltsangabe zu "Friedrich der Große Detektiv"

'Emil und die Detektive' wäre auch dann Friedrichs Lieblingsbuch, wenn der Autor Erich Kästner nicht zufällig sein Nachbar und Freund wäre. Seit er es gelesen hat, träumt er davon, selbst Detektiv zu werden. Mit seinen Freunden Albert und Viktoria – die so klug ist, dass sie nur 'Doktor' genannt wird – hilft er bereits der Berliner Polizei dabei, im Tiergarten verlorene Gegenstände aufzuspüren. Sein älterer Bruder Rolf dagegen schließt sich den Nazis an und beteiligt sich begeistert an der Bücherverbrennung 1933. Friedrich muss mit ansehen, wie dort auch Kästners Bücher verbrannt werden. Und bald darauf setzt die Polizei die Kinder sogar darauf an, den Schriftsteller auszuspionieren! Als dann auch noch ein Mord geschieht, wird Friedrich schlagartig klar, dass die Zeit der Detektivspiele für immer vorbei ist.
Ein spannendes Leseabenteuer von Bestsellerautor Philip Kerr – und eine Hommage an Erich Kästner.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499217913
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:22.09.2017

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    Gulans avatar
    Gulanvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Eine schöne Hommage an Erich Kästner und die aufrechten Deutschen. Allerdings wirkt der Plot zum Ende hin etwas zusammengeschustert.
    Hommage.

    „Gib es her“, sagte Rolf. „Gib mir das Buch.“
    „Es ist mir ganz egal, was du sagst: Du kriegst mein ‚Emil und die Detektive‘ nicht, du kannst machen, was du willst!“, schrie Friedrich. […]
    „Es ist nur zu deinem Besten, Friedrich, kapierst du das nicht? Es sind Leute wie Kästner und ihre verdrehten Bücher, die dieses Land kaputt machen. Wenn wir Deutschland je wieder stark machen wollen, dann müssen wir über solche wichtigen Dingen dasselbe denken.“
    Friedrich starrte seinen Bruder wütend an. „Hast du eigentlich jemals gern ein Buch gelesen, Rolf? Ich glaube nicht. Ich glaube, ich habe dich nie mit einem Buch in der Hand gesehen.“ […] „Vielleicht bist du deshalb so versessen darauf, dieses Buch zu verbrennen, weil du Bücher einfach nicht magst. Du verstehst gar nicht, warum jemand bloß aus Freude liest.“ (Auszug Seiten 85-87)

    Der 13-jährige Friedrich Kissel ist ein begeisterter Fan des Kinderbuchs „Emil und die Detektive“ und das Beste ist: Er wohnt in Berlin in der Nachbarschaft von Erich Kästner, der ein Freund von Friedrichs Vater ist. In seiner Freizeit spielt Friedrich selbst gerne mit seinen drei Freunden Detektiv und hilft der Polizei bei Kleinigkeiten. Doch im Berlin des Jahres 1933 wird aus dem Spaß böser Ernst. Kästners Bücher werden verbrannt und plötzlich wird Friedrichs Bande von einem Polizisten beauftragt, Kästner auszuspionieren.

    Die Geschichte wird aus Friedrichs Perspektive erzählt. Die Figuren sind durchaus glaubhaft arrangiert. Friedrichs Vater ist Kulturredakteur des liberalen Berliner Tageblatts und daher beruflich und nachbarschaftlich bekannt mit Erich Kästner. Über diesen lernt Friedrich weitere Künstler kennen, die das neue Regime ablehnen. Aber in Friedrichs Familie gibt bereits einen Konflikt: Sein Bruder Rolf ist überzeugter Anhänger der Nationalsozialisten und führt erbitterte Diskussionen mit seinem Vater. Auch Friedrich ist anfangs durchaus fasziniert von den Inszenierungen des neuen Regimes. Doch allmählich spürt er die Veränderungen im Alltag, die Ausgrenzung der Juden und Andersdenkenden. Sein Freund Leo, ein Jude, verlässt mit seinen Eltern die Stadt. Am allerdeutlichsten ist sein Unverständnis in Bezug auf die zunehmende Ablehnung, die sein Lieblingsautor Erich Kästner erfährt. So ist er völlig verwirrt, als er und seine Freunde den Auftrag erhalten, Kästner zu beschatten. Doch er macht im Glauben mit, seinen Freund vom Vorwurf der Spionage befreien zu können.

    Philip Kerr ist vielen Lesern bekannt als Autor der Bernie-Gunther-Reihe über einen Privatdetektiv, ehemaligen Kommissar und Nazi-Gegner, der sich durch die Nazizeit schlägt. Aber Kerr ist auch Autor von Kinder- und Jugend-Fantasy-Büchern. Kerr verstarb am 23.März diesen Jahres an einem Krebsleiden. Im letzten Jahr veröffentlichte er noch Friedrich der große Detektiv. Die Idee zu diesem Buch hatte Philip Kerr nach eigenen Angaben, nachdem er auf Youtube die Verfilmung von „Emil und die Detektive“ aus dem Jahre 1931 gesehen hatte. Er fragte sich, was wohl aus den jugendlichen Schauspielern geworden sei und recherchierte, dass diese alle als junge Soldaten im zweiten Weltkrieg gestorben waren.

    Das Buch wird auch als Hommage an Erich Kästner und seinen Roman „Emil und die Detektive“ bezeichnet. „Emil“ taucht an vielen Stellen im Buch auf, es beginnt sogar mit der Filmpremiere. Auch der große deutsche Autor und Pazifist Kästner spielt tatsächlich eine zentrale Rolle in diesem Roman als Mahner, Freund und Ratgeber für Friedrich. Allerdings habe ich zu dieser „Hommage“ auch eine kritische Stimme gefunden, denn im Blog Literaturgarage wird eine Szene, in dem Kästner vor Friedrich ein Loblied auf Friedrich den Großen singt, sehr kritisiert und auch mit Quellen belegt, dass Kästner den Preußenkönig nicht unbedingt als Vorbild sah.

    Aber nicht nur Kästner taucht als Person der Zeitgeschichte in diesem Buch auf. Ebenfalls Auftritte haben beispielsweise Walter Trier, Billy Wilder, Max Liebermann oder Christopher Isherwood. Kerr versucht sehr verdichtet, Fakten und Fiktion miteinander zu vermischen. Er lässt seine Hauptfigur die Ereignisse von 1933 hautnah miterleben. Friedrich ist beim Fackelzug am 30. Januar, seine Klassenlehrerin wird aus dem Dienst suspendiert, sein Bruder ist an der Bücherverbrennung beteiligt. Nach etwa 165 Seiten ist der erste Plotstrang vorbei, bis hierhin war ich ziemlich zufrieden. Doch dann wurde es aus meiner Sicht weniger stringent, Kerr baut hier noch Episoden ein, die wie nachträglich eingefügt wirken inklusive einer abschließenden Traumsequenz, die mich nicht so recht überzeugen konnte. Und schließlich gibt es ja noch den Ausgangspunkt Kerrs für diese Geschichte („Was ist aus diesen Jungen geworden?“), die dem Buch letztlich ein etwas abruptes und auch ein bitteres Ende verschafft, womit man bei Jugendbüchern über diese Epoche aber zwangsläufig rechnen sollte.

    Der Verlag empfiehlt das Buch ab 11 Jahren, was ich für durchaus früh halte, denn trotz mancher Erläuterungen (auch im Anhang) müssen manche Zusammenhänge erkannt werden. Trotz der oben genannten kritische Anmerkungen hat mich das Buch über weite Strecken gut unterhalten. Kerr gelingt eine durchaus lehrreiche, aber auch spannende Geschichte. Lediglich im letzten Drittel des Buches will der Autor aus meiner Sicht zu viel und kann das Niveau nicht ganz halten.

    Kommentare: 4
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    Literaturwerkstatt-kreativs avatar
    Literaturwerkstatt-kreativvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine sehr berührende Geschichte !!!
    Eine Hommage an Erich Kästner !!!

    „Literaturwerkstatt- kreativ“ rezensiert

    „Friedrich der große Detektiv“ von Philip Kerr


    Berlin 1931 -1945

    Friedrich Kissel lebt mit seinen Eltern und Bruder Rolf in Berlin. Friedrichs Vater ist Kulturredakteur beim Berliner Tageblatt und hat dadurch Erich Kästner näher kennengelernt. Dieser hatte hin und wieder auch Artikel für die Zeitung geschrieben. Zufälligerweise waren sie auch noch Nachbarn und wohnten Haus an Haus. Dadurch kannte Friedrich, Erich Kästner auch sehr gut und besuchte Ihn auch ab und an. Friedrichs Lieblingsbuch war “Emil und die Detektive“. Er hatte von Herrn Kästner sogar eine signierte Ausgabe geschenkt bekommen, die er wie einen Augapfel hütete. Friedrichs größerer Bruder Rolf sympathisiert mit den Nazis und beteiligt sich an der großen Bücherverbrennung von 1933. Zur Bücherverbrennung geht auch Friedrich und muss schweren Herzen mit ansehen, wie auch Werke von Erich Kästner verbrannt werden. Durch das Buch“ Emil und die Detektive“ inspiriert, möchte Friedrich später selber einmal ein großer Detektiv werden. Mit seinen Freunden den Zwillingen Albert und Viktoria (genannt Doktor) spielt er deshalb gerne selber Detektiv. Sie sammeln verlorene Gegenstände und bringen diese zur Polizeiwache. Eines Tages werden sie dann gefragt, ob Sie nicht richtige Polizeiarbeit machen wollen und erhalten den Auftrag jemanden zu beobachten.


    „Doch als Friedrich die Adresse des Spions las und einen Blick auf das Foto in Doktors Händen warf, runzelte er die Stirn. „Das muss eine Missverständnis sein“, sagte er. „ Ich kenne den Mann! Das ist kein Spion. Niemals. Nicht in einer Million Jahren. Das ist mein Freund, Erich Kästner!"


    Friedrich gerät in große Gewissenskonflikte, als dann auch noch ein Mord geschieht, nimmt seine Kindheit ein jähes Ende.


    Fazit:

    Nach dem mir „Winterpferde“ von Philip Kerr so ausgesprochen gut gefallen hat, war ich auf dieses Buch sehr gespannt. Und ich kann nur sagen, es hat auch diesmal wieder die gleiche Brillianz. Der Autor hat einen schönen und geraden Erzählstil, ohne viel Geschnörkel und ohne sich zu verlieren. Er kann gut Spannung aufbauen und bringt überraschende Wendungen mit hinein, wie etwa die Observation Erich Kästners. Kerr erzählt wieder eine sehr spannende, rührende Geschichte mit geschichtlichen Hintergründen. Aus diesem Grund ist dieses Buch aus meiner Sicht auch eher ein Jugend- und weniger ein Kinderbuch. Kerr hat mit Friedrich Kissel einen sehr liebenswerten Protagonisten geschaffen, der gesellschaftliche Dinge hinterfragt und einem schnell ans Herz wächst – im Gegensatz zu seinem Bruder, der mit den Nazis sympathisiert. Auch hier zeigt Kerr die Zerrissenheit, die sich in vielen Familien damals abspielte sehr deutlich auf. Dies Buch ist natürlich auch eine Hommage an den großen Schriftsteller Erich Kästner und seiner Werke. Ich finde, wie schon bei „Winterpferde“ kann auch dieses Buch wunderbar als Schullektüre eingesetzt werden. Gerade in der heutigen Zeit sind viele Themen aus diesem Buch aktueller denn je. Auch als Erwachsene und Bewunderer von Erich Kästner, hat mir dieses Buch sehr viel Freude bereitet.

    Eine absolute Leseempfehlung !!!


    Die Rezi auf meinem Blog:

    www.literaturwerkstattkreativblog.wordpress.com/2017/10/09/eine-hommage-an-erich-kaestner


    Besten Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar.




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    Spannend, ernst, traurig. Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes. Ein Kinder-Krimi, eindringlich verwoben mit der Zeit in der er spielt. 1933. (.) Philip Kerr ist eine komplexe und spannende Geschichte gelungen.

    Die Geschichte ist packend erzählt und geht unter die Haut.

    Eine kluge, packende Mischung aus Krimi und Zeitgeschichte.

    Philip Kerr siedelt sein spannendes, berührendes und erstaunlich aktuelles Buch wieder in Berlin an - in der Zeit, da die Nazis an die Macht kamen.

    Ein spannender Jugendroman mit Haltung, der auch Erwachsene unterhält.

    Das Buch ist ein empfehlenswertes Jugendbuch, aber auch Erwachsene können es mit Gewinn lesen.

    Ein aufrüttelndes Buch! Wie hätte ich mich verhalten? Diese Frage schwebt über dem Text und hallt ins Heute.

    Dieser Detektivroman des Bestsellerautors Philip Kerr ist sehr zu empfehlen: eine Verneigung vor dem großen Vorbild und ein fesselnder Einblick in die frühen Berliner Nazi-Jahre.

    Von Beginn an ist dieses Buch mehr als eine aufregende Detektivgeschichte. (.) Die Qualität dieses außergewöhnlichen Kinderbuches machen all die literarischen, kulturellen und politischen Bezüge aus.

    Dieser spannende Krimi für Kinder ist gleichzeitig eine Hommage an Erich Kästner. (.) Die historischen Ereignisse werden raffiniert in die spannende Detektivgeschichte eingebunden. (.) Dieses Buch ist eines der wenigen Kinderbücher, die sich der Zeit des Nationalsozialismus widmen. Absolut empfehlenswert!

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