Im Mittelpunkt der Geschichte steht der hochangesehene Professor Coleman Silk, dessen Karriere durch einen vermeintlich rassistischen Kommentar zerstört wird wobei niemand ahnt, dass Coleman selbst Afroamerikaner ist, der seit früher Jugend als weißer Jude lebt. Danach lernt er die fast halb so alte Faunia Farley kennen, die ebenfalls ihre Geheimnisse trägt. Die Handlung dreht sich vor allem um die Geschehnisse rund um diese beiden Personen, die teilweise zu sehr ins Detail abgleitet, wodurch das Lesen etwas zäh wird.
Bei den Protagonisten stehen vor allem Coleman und Faunia im Mittelpunkt der Geschichte. Relevante Nebenprotagonisten, wie Faunias gewalttätiger Ehemann, Colemans Familie und sein Freund Nathan Zuckermann bereichern die Handlung durch ihre Sicht auf die Ereignisse. Besonders hervorzuheben ist, dass es Wechsel zwischen den unterschiedlichen Erzählperspektiven (Er/Sie und Ich) gibt, die dem Roman eine originelle Note geben.
Wer vielschichtige Romane mit einer sehr hohen Detailtiefe mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist facettenreich und besticht durch seinen z.T. komplexen Satzbau, der ein wenig Eingewöhnung braucht.
Minuspunkte: Die z.T. sehr hohe Detailtiefe macht die Handlung an manchen Stellen sehr zäh, was durch den Schreibstil noch zusätzlich verstärkt wird. Daher würde ich 3,5 Sterne vergeben, aber da das nicht geht, runde ich auf 4 Sterne auf.
Philip Roth
Lebenslauf
Die Jüdische-Identität: Philip Roth wurde am 19. März 1933 als Sohn jüdischer Eltern in Newark, New Jersey, USA geboren. Er absolvierte sein Studium am Newark College der Rutgers University. 1954 schloss Roth den Bachelor of Arts an der Bucknell University, Pennsylvania ab. 1955 folgte der Master of Arts an der University of Chicago. 1956-1958 nahm Philip Roth eine Lehrtätigkeit an der University of Chicago an. Sein Fachbereich war Englische Literatur. 1959/1960 erhielt Roth das "Guggenheim Fellowship" 1960-1962 nahm er eine Lehrtätigkeit beim „Creative Writing“ am Writer’s Workshop der University of Iowa an. 1962-1964 war er Writer in Residence in Princeton, 1965 dann Writer in Residence in Philadelphia. Seit 1965 lebt Philip Roth vorwiegend in New York und ist seit 1970 Mitglied des „National Institute of Arts and Letters“. In seinen Romanen diskutierte er oft die Jüdische-Identität, so auch in seinem Skandalroman "pOrtynoys Beschwerden", der ihn berühmt machte. Am 22.5. 2018 starb der Autor in New York City
Alle Bücher von Philip Roth
Der menschliche Makel
Empörung
Jedermann
Das sterbende Tier
Amerikanisches Idyll
Verschwörung gegen Amerika
Nemesis
Die Demütigung
Neue Rezensionen zu Philip Roth
Im Jahr 1959 erschien das Debüt eines damals gerade 26 Jahre alten Amerikaners namens Philip Roth. Der Autor, ein 1933 in Newark geborener Jude, hatte die im Buch versammelten Erzählungen in den letzten 4 Jahren verfasst, neben zahlreichen anderen, die unveröffentlicht blieben; danach sollte er nie wieder eine Erzählung schreiben, sondern sich ganz dem beharrlichen Schreiben von kurzen oder umfassenden Romanen widmen, wobei er schnell als einer der größten Könner seines Fachs galt. Ist dieses erste Werk nur die Probe, die Übung vor der Meisterschaft, das Vorwort auf die Kunst, die folgt? Ja und Nein - es ist das Expose und gleichzeitig das Training.
Zwei Sachen haben diese frühsten Geschichten schon mit den späteren Romanen, bis zu Empörung gemein: Es geht um Juden und es geht (wie so oft in der Prosa) um Immanuel Kants 4. Frage, die Philip Roth auf verschiedenen Ebenen (Bevorzugt Sexualität und Alter, aber auch Schreiben, Ethik, Glauben, Arbeit und mehr) immer wieder mit dem ersten Punkt verbindet und diese Verbindung meisterhaft zu variieren weiß: Was ist der Mensch?
Jedoch - er wäre kein großer Schriftsteller, wenn er neben dieser großen Frage, die all seine Werke durchzieht, seine Figuren nicht auch andauernd gegen fragen ließe: Warum ist der Mensch?
"Diesmal blieb ich sehr lange unter Wasser, und als ich auftauchte, waren meine Lungen fast dem Platzen nahe. Ich schnappte nach Luft, warf dabei den Kopf zurück und sah den Himmel über mir, tief wie eine herabstoßende Hand, und ich begann zu schwimmen, als wollte ich mich diesem Zugriff entziehen."
"Juden waren in den 50er Jahren in Amerika gleichsam eine Tatsache und ein Phänomen" - so ein Zitat aus Arthur Millers Buch Zeitkurven . So stellt sich auch für Philip Roth die Lage der Juden dar: Sie sind gleichsam Teile des amerikanischen Wesens und doch eine Art Sonderfall innerhalb der amerikanischen Gesellschaft. Juden sind sozusagen Gemeinschaft und Individuum zugleich, und man kann schwer sagen, wann sie die eine Rolle und wann sie die andere annehmen (sollen). Der Zwiespalt dieser Erfahrung macht weite Teile dieser ersten Erzählungen aus.
Die längste und beste Erzählung "Goodbye Columbus", von Philip Roth als Kurzroman bezeichnet, dreht sich um die erste Liebe eines jüdischen Jungerwachsenen aus Newark zu der Tochter einer neureichen jüdischen Familie, die auch einst in Newark wohnte, jetzt aber in ein besseres Viertel umgezogen ist. Die Liebe der beiden scheint - wie es oft bei erster Liebe ist - plötzlich und unerwartet zu gelingen und eine Zeit lang fühlt der Junge wie sich sein Leben ungeheuer erweitert. Doch "denn was Verantwortung in Liebe ist/ das lernst du, wenn du weiter bist" - nach diesem Spruch von Jacobsen kommen dem Protagonisten mit der Freude an Liebe und Lustbarkeiten schnell auch Zweifel und Gewissensbisse...
Sprachlich gibt es an den anderen Erzählungen auch nichts auszusetzen, bei vieren ist auch der erzählerische Fluss, der einem in Roths Werken so großes Vergnügen bereitet, ebenfalls gewährleistet. Juwel der kürzeren Texte ist wohl die Geschichte "Verteidiger des Glaubens", eine Erzählung, mit der Roth im Nachkriegsamerika einige Proteste beschwor. Auch wenn ihm, selbst ein Jude, sicherlich nicht an Polemik gegen seine Glaubensrichtung gelegen war, so ist doch die mögliche Aussage der Geschichte recht heikel.
Es geht um einen, aus dem Krieg in Europa heimkehrenden, Veteran, der als Sergeant in eine Ausbildungskaserne versetzt wird. Als ein jüdischer Rekrut bemerkt, dass sein neuer Vorgesetzter ebenfalls jüdisch ist, versucht er ihm allerlei Gefallen abzupressen und seine Einsatzbereitschaft für die drei jüdischen Soldaten der Truppe zu fordern. Der Sergeant, Hin und Her gerissen zwischen Pflicht und Pflichtgefühl, Gerechtigkeit und Gemeinschaftssinn, versuchte in beide Richtungen seine Integrität zu wahren, doch es scheint als müsse ihm dieser Balanceakt misslingen...
"In allen Ländern und zu allen Zeiten ist der Schriftsteller sowohl den Harmlosen preisgegeben, die instinktiv missverstehen, als auch den Böswilligen, die bewusst missverstehen;", schrieb Roth im Vorwort zu dem Band und er wird wohl hauptsächlich auf diese Geschichte angespielt haben.
Die anderen 4 Erzählungen sind gleichsam kurzweilig und zeigen einen soliden Erzähler in seinen Anfängen: Eine einfache Ehebrechergeschichte, die Erinnerungserzählung eines Schülers, eine kleine Phantasie über Glauben und Macht und schließlich eine interpretativ sehr interessante Erzählung, über einen amerikanischen Juden, Eli, der sich auf sehr mystischer Ebene vom Schicksal seines Volkes angezogen fühlt.
(Anmerkung: Wer das Buch ganz unvoreingenommen lesen will, sollte sich über den Inhalt vorher nicht groß informieren; nicht umsonst wird hinten auf dem Buchumschlag auch nichts Präzises über den Inhalt verlautbart. Da das Buch eine Konstruktion/ein Puzzle ist, dass sich mit der Zeit vervollständigt und da schon der Anfang einen Trick beinhaltet, der eine zusätzliche Dimensionalität ' und möglicherweise auch Verwirrung - erzeugt, sollten diejenigen, die ehrgeizig sind und sich das Buch selbst erschließen wollen, hier nicht weiter lesen. Ihnen sei noch gesagt, dass sie ein nicht eben kurzes, aber wie immer klar erzähltes und aufreibendes und vielschichtig inszeniertes Spiel über Lust, Erwartung, Geschlechter- und Gesellschaftsrollen, Ambivalenz und viel Psychologie und Psychoanalyse geboten bekommen.)
Der Roman "Mein Leben als Mann" kommt als sehr zusammengeflicktes Werk daher. Der eigentlichen Geschichte stehen zwei Kurzgeschichten vor, die von dem Autor Peter Tarnopol, dem Protagonisten der eigentlichen Romanhandlung, geschrieben wurden. Die Romanhandlung selbst ist wiederum in 5 Teile aufgeteilt, die alle das Bild des Menschen und Schriftstellers Tarnopol und seiner Beziehungen zu zwei Frauen, mit denen er während der Zeit nach seinem großen Erstlingserfolg "Ein jüdischer Vater" zusammenlebte, komplettieren. Jedes Kapitel erzählt einen bestimmten Aspekt und Blickwinkel der Geschehnisse genauer, greift dabei jedoch vor und zurück und erzählt sowohl zentrale Ereignisse, auf die vorher bereits angespielt wurde, als auch zahllose Randgeschichten. Insgesamt ist das Buch sehr aus- und abschweifend und auch dadurch als Nebenbei-Lektüre sehr schlecht geeignet - es empfiehlt sich es innerhalb weniger Tage durchzulesen, wenn man nicht den Faden verlieren will. Und es empfiehlt sich, ein immenses Interesse an den Verzweigungen und Einzelheiten menschlicher Beziehungen zu haben, wenn man durchhalten will.
"Mein Leben als Mann" ist ein Werk, dass entgegen der unauffälligen Aufdringlichkeit dieses Themas, wenig mit Sex zu tun hat. Es ist die Geschichte eines Scheiterns an den Erfordernissen von Rollen und Erwartungen, es ist das Pictogramm eines Mannes, der ein Mann sein und trotzdem auch erst noch einer werden will. In seiner Breite erzählt das Buch von dem Versuch zu definieren, was man tun kann, um seiner Rolle und seinem Selbst gerecht zu werden und zu unterscheiden, wo das Ich anfängt und die Rolle aufhört und umgekehrt. Gerade für Männer ist das auch eine schwierige Frage, wo es ja bei Frauen heutzutage fast schon zu einem Klischee geworden ist. Zu einem explosiven Klischee, nach wie vor und zu einem inspirierenden.
Ich persönlich fand "Mein Leben als Mann" sowohl unterhaltsam und auch dann und wann fesselnd, was teilweise wie immer auch an Roth makelloser Prosa und seiner Souveränität beim Erzählen liegt. Nie hat man das Gefühl, dass seine Prosa irgendwo aneckt (nicht aufs Moralische, sondern aufs intuitive Wohlbefinden bezogen). Auch ist es beeindruckend wie authentisch Roth die Psychiatersitzungen, Streits, Dialoge und sonstigen Elemente seiner Handlung verfasst hat. Das Ganze ist dann wie eine dieser Geschichten, die, selbst wenn sie nicht passiert ist, sehr wohl so passiert sein könnte.
Gespräche aus der Community
Für diesen Monat übernehme ich die Leitung für die Mini-Challenge, da Justitia im September viel zu tun haben wird.
Und da es absolut schade wär, wenn man hier mit der Challenge aufhört, habe ich mich gemeldet den Admin-Posten zu übernehmen.
Zur Erinnerung nochmal die Regeln und Infos:
Da es in den letzten Monaten so viel Spaß gemacht hat, wollen wir auch im September wieder schauen, wie viele Bücher wir jeder innerhalb eines Monats lesen. Das allgemeine Ziel dieser Challenge wären 10 Bücher pro Leser. Für wen das zu viel oder zu wenig ist, der darf sich gern ein eigenes Ziel stecken und bei seiner Anmeldung sagen, wie viele Bücher er / sie schaffen möchte.
Übrigens, hier die letzten Monate, damit ihr euch einen Überblick machen könnt:
Mai
Juni
Juli
und August
Auch wenn ihr die letzten Male nicht dabei wart, seid ihr natürlich herzlich eingeladen. Los geht es am 1. September und dann wird bis zum 30. fleißig gelesen und gezählt. Bitte sagt hier immer Bescheid, wenn ihr ein Buch beendet habt und welches Buch das war. Dann kann ich es hier auflisten. Falls ihr selbst den Überblick habt, schreibt gern auch dazu euer wievieltes Buch es ist, so kann ich nicht durcheinander kommen (bei so vielen Teilnehmern kommt das schon mal vor ;))
Natürlich dürft ihr auch schon mal überlegen, was ihr eventuell im August lesen möchtet, müsst ihr aber selbstverständlich nicht. Hier sind alle ziemlich neugierig, deshalb schauen wir gern, was die anderen so lesen, wie es ihnen gefallen hat usw. Auch im Geben von Tipps sind hier alle super! Das durfte ich schon selbst oft erleben und es ist immer eine prima Entscheidungshilfe.
Als kleiner Beweis, dass das Buch auch wirklich gelesen wurde, muss nicht unbedingt eine Rezension geschrieben werden, auch eine Kurzmeinung auf der Buchseite reicht schon aus, sofern möglich.
So, das wären die Regeln und ich wünsche uns allen einen erfolgreichen September-Lesemonat :)!
Teilnehmer:
- Aefkaey (3/5)
- AnnaLange (5/18)
- Ayda (3/10)
- Blise (3/5)
- bluebell2004 (5/10)
- Buechergeplauder (4/5)
- CHRISSYTINA (8/10)
- christiane_brokate (6/22)
- Clairchendelune (5/15)
- czytelniczka73 (16/15)
- daneegold (6/10)
- Daniliesing (4/10)
- dieFlo (13/15)
- eskimo81 (4/8)
- Evan (6/7)
- evengel (6/7)
- Feinekleine (3/7)
- Harlequin (6/6)
- Herbstrose (8/10)
- Hikari (5/8)
- isipisi (4/10)
- Jacqui (2/5)
- janaka (0/10)
- Jasmin98 (8/20)
- jujumaus (2/5)
- justitia (2/8)
- Kapri_ziös (0/6)
- Kankra (5/7)
- katiikeen (1/6)
- LaDragonia (4/10)
- lady-chichi (0/5)
- LadySamira091062 (7/10)
- Leochiyous (5/10)
- LeseJulia (9/15)
- LibriHolly (5/12)
- mecedora (0/10)
- MelE (1/10)
- Michaelax (1/10)
- MiHa_LoRe (3/10)
- Mone80 (4/10)
- normal-ist-langweilig (4/10)
- our-red-carpet-books (4/10)
- RosaSarah (12/23)
- Samea (0/6)
- Sarlascht (0/5)
- Seelensplitter (6/7)
- Selfesteem (8/15)
- Shunya (1/5)
- Sonnenwind (5/6)
- steffi1611 (4/8)
- steffiFeffi (1/4)
- summi686 (6/12)
- Sursulapitschi (4/10)
- Tenorschramme (1/7)
- walli007 (8/14)
Zusätzliche Informationen
Philip Roth wurde am 19. März 1933 in Newark/New Jersey (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.
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