Philip Roth Nemesis

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Inhaltsangabe zu „Nemesis“ von Philip Roth

Eine schreckliche Epidemie bedroht im brütend heißen Sommer von 1944 die Einwohner von Newark: Polio. Der Sportlehrer Bucky Cantor kümmert sich hingebungsvoll um seine Schüler. Nach Ausbruch der Krankheit versucht er, in einer von Angst, Panik und Leid gezeichneten Situation die Ruhe zu bewahren, doch vergeblich. "Nemesis" ist die Geschichte eines jungen Mannes in Amerika mit besten Absichten, der einen aussichtslosen Kampf führt. In seinem neuen Meisterwerk zeichnet Roth mit bestechender Präzision und großer Einfühlungsgabe jeden Schritt von Cantors Weg in die persönliche Katastrophe.

Spannender Anfang - aber das war's leider. Kaum Handlung und endlose Wiederholungen immer derselben moralischen Überlegung - schade :/

— WordLover
WordLover

Ein eher schwacher Roman eines ansonsten großartigen Schriftstellers. Roth-Einsteiger sollten mit den älteren Werken beginnen.

— Haeddl
Haeddl

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  • Rezension zu "Nemesis" von Philip Roth

    Nemesis
    schokoloko29

    schokoloko29

    Inhalt: In diesem Buch geht es um das Thema wie Gott soviel Leid den Menschen zufügen kann. Warum Gott kleine Kinder sterben lässt, obwohl sie "unschuldig" sind. Und warum manche Menschen mehr Leid erleben als andere. Das Setting: Der Sportlehrer Bucky Cantor kümmert sich in den Sommerferien 1944 hingebungsvoll um Kinder und Jugendliche in Newark. Nach Ausbruch einer Polioepidemie (Kinderlähmung) versterben insgesamt ca. 30 seiner Schüler. Die Eltern der Kinder werden panisch und suchen verzweifelt nach einem Sündenbock. Bucky selbst versucht die Leute zu beruhigen. Besucht die Angehörigen der verstorbenen Kinder und sieht einfach keinen Sinn, dass soviele Kinder sterben. Eigene Meinung: Das Buch ist in einer sehr einfachen Sprache geschrieben und trotzdem war es für mich "große" Literatur. Es war so fesselnd beschrieben, dass ich es in kürzester Zeit durchgelesen hatte. Alles wurde so plastisch beschrieben, so dass ich auch die drückende Hitze in Newark spüren konnte. Fazit: Ein tolles Buch, welches man unbedingt gelesen haben muss.

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  • Rezension zu "Nemesis" von Philip Roth

    Nemesis
    Phil Decker

    Phil Decker

    19. January 2012 um 19:17

    Fand die Dialoge künstlich und die Geschichte bei all' den Vorschusslorbeeren für den Autor für phantasiearm. Las sich für mich fast wie eine Novelle.

  • Rezension zu "Nemesis" von Philip Roth

    Nemesis
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    22. October 2011 um 11:37

    „Nemesis“, der neue Roman des großen amerikanischen Schriftstellers Philip Roth, der schon lange den Literaturnobelpreis verdient hätte, ihn aber wohl nie erhalten wird, sticht unter seinen letzten Büchern heraus. Zunächst ist man nämlich, auch weil die Handlung 1944/45 spielt und es um ein Geschehen in Newark geht, versucht, das Buch für ein bisher unveröffentlichtes Frühwerk zu halten. Und dennoch ist es nach seinen eigenen Aussagen der letzte, abschließende Teil einer Reihe, die er selbst „Nemeses“ nennt, eine Reihe, die mit „Jedermann (2006) begann und dann im jährlichen Rhythmus von „Exit Ghost“ (2007), „Empörung“ (2008) und „Die Demütigung“ (2009) ergänzt wurde. Eine Reihe, in der der Autor die Themenkomplexe Sterben, Altern, Krankheit, Unglück und Schuld im Großen wie im Kleinen beleuchtete und auf seine unverwechselbare und in ihrer Ausweglosigkeit stellenweise schwer zu ertragenden Art beschrieb. In „Jedermann“ kämpfte sein namenloser Protagonist gegen die Hinfälligkeit, in „Exit Ghost“ verschwand Roths jahrzehntelanges Alter Ego Nathan Zuckerman für immer von der literarischen Bühne. Und auch in den beiden letzten Romanen „Empörung“ und „Die Demütigung“ leiden die Haupotpersonen unendlich an ihrer zu Ende gehenden Existenz und ihren Aporien. Der Protagonist von „Nemesis“, Bucky Cantor, hat diese Existenz zu Beginn des Buches durchaus hoffnungsvoll noch vor sich. Während seine Freunde in Übersee gegen Nazideutschland kämpfen, sieht sich der wegen eines Augenleidens vom Militärdienst befreite Pädagoge und Sportler mit einem ganz anderen Kampf und mit ganz anderen Aporien konfrontiert. Bucky Cantor muss mit ansehen, wie in seiner Heimatstadt Newark immer mehr ihm zum Feriensport anvertraute jüdische Jungen von dem Kinderlähmungsvirus befallen werden. Etliche von ihnen sterben. Die Stadt ist in Panik, Roths fiktive Schilderung (es gab 1944 keine solche Epidemie in Newark) hat zeitweise alttestamentarische Dimensionen. Bucky flieht aus seinem Job in ein sicher geglaubtes jüdisches Ferienlager, wo auch seine Freundin Marcia Steinberg arbeitet. Als auch dort nach einiger Zeit die Polio ausbricht, fällt der Verdacht auf Bucky. Eine sofort angeordnete Untersuchung bestätigt den grausamen Verdacht und Bucky kehrt schon im Krankenhaus allem den Rücken. Nach seiner Heilung widersteht der nun behinderte Cantor allen Versuchen der ihn liebenden Marcia, an der Beziehung festzuhalten. Wie eine Art moderner Hiob sucht er die Schuld nur bei sich und hadert mit einem Gott, an den er glaubt nach wie vor, dem er aber vorwirft, grausam zu sein. Schon ziemlich am Anfang des Buches ist deutlich, dass es da einen Ich-Erzähler gibt, der aber lange anonym bleibt. Es ist Arnie Mesnikoff, ein jüdischer Junge, der zu Cantors Feriensportgruppe in Newark gehörte und ebenfalls an Polio erkrankte. Doch auch er kann, als er lange Zeit später Bucky Cantor wieder trifft, dem zwar seine Geschichte entlocken, um sie der Nachwelt zu erzählen, aus seinem Teufelskreis von Schuld und Selbstanklage kann er ihn nicht erlösen. Das Buch ist spannend erzählt, sein Thema spricht an und bewegt. Ein Mann, der sich Nemesis, der Rachegöttin und ihrem Wirken ausgesetzt sieht, kommt anders als Hiob im Alten Testament aus dem Hadern mit Gott und aus der Hybris nicht heraus. Selbst die Liebe anderer Menschen kann ihn nicht retten, eine hoffnungslose Figur, der doch eine so hoffnungsvolle Zukunft offen stand. „Nemesis“, das sei abschließend bemerkt, ist einer der wenigen Romane aus dem Werk von Philip Roth, in der Sexualität, und insbesondere die schwierige Sexualität von in die Jahre gekommenen Männern, keine Rolle spielt. Auch das hat zu meinem Lesegenuss beigetragen.

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  • Rezension zu "Nemesis" von Philip Roth

    Nemesis
    leserattebremen

    leserattebremen

    27. August 2011 um 00:46

    Die Tyrannei der Umstände Bucky Cantor ist im Jahr 1944 erst 23 Jahre alt und kommt als Sportlehrer direkt vom College, als er die Aufsicht über den Sportplatz einer Highschool während der Sommerferien in Newark übernimmt. Als es in der Stadt zu einer Polioepidemie kommt, versucht er Ruhe zu verbreiten, auch noch als einer seiner Lieblingsschüler zu Tode kommt. Als weitere Schüler sterben und er von Eltern beschimpft wird, das Rennen in der Hitze hätte die Polioepidemie ausgelöst, verlässt er Newark und fährt zu seiner Verlobten Marcia, die als Lehrerin in einem Sommercamp in Indian Hill arbeitet. Als es auch dort zu einem Fall von Polio kommt, bricht Buckys heile Welt endgültig auseinander. Philip Roth benennt seinen Roman nach der griechischen Rachegöttin „Nemesis“ und so hadert auch die Hauptfigur Bucky Cantor in diesem bewegenden Roman immer wieder mit seinem Gott, der neben dem Zweiten Weltkrieg auch noch die Kinderlähmung in die Welt gebracht hat. Was Bucky als bösen Willen seines Gottes ansieht, bezeichnet der Erzähler aber als „Tyrannei der Umstände“ in die Bucky verwickelt wird und die sein Leben prägen. Der Roman ist bis in die kleinen Details wunderbar geschrieben und das Schicksal von Bucky, dessen Leben durch sein starkes Pflicht- und Verantwortungsgefühl vorgezeichnet scheint, lässt einen als Leser betroffen und traurig zurück. Eine bewegende Geschichte, die einen auch nach dem Lesen des Buches noch gefangen hält und zum Nachdenken bringt.

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  • Rezension zu "Nemesis" von Philip Roth

    Nemesis
    simone_richter

    simone_richter

    23. July 2011 um 19:36

    Mein erster Roman von Philip Roth, über den ich bisher nur Gutes gehört hatte. Also musste ich ihn lesen. Leider war mir die Geschichte um den 23 Jahre alten Sportlehrer Bucky Cantor, der den dortigen Sportplatz in Newark, in einem Ort namens Weequahik, betreut nicht gut erzählt. Im Jahre 1944 fällt dort die Poliokrankheit ein. Bucky wurde von der Armee ausgemustert und kämpft nicht, wie seine Freunde für Amerika und widmet sich von daher voller Inbrunst dem Sport und seinen Schülern in den heißen Ferien, denen er gewisse Werte vermitteln möchte. Die Freundin von Bucky, Marcia – seine Verlobte, kann ihn letztendlich doch in ein abgelegenes Sommercamp locken, um dort die Aufsicht einer Schwimmgruppe zu übernehmen. Nach einiger Zeit treten aber auch dort Poliofälle auf und Bucky fragt sich voller Scham und Schuldgefühlen, ob er nicht der Überträger der tödlichen Krankheit ist. Gerade zum Schluss zu nervt mich im Übermaße die Perspektivlosigkeit des Protagonisten – das Selbstmitleid und die falsche Moral. Ich hoffe, dass Philip Roth’s Werke sonst nicht so trist sind und sprachlich mehr faszinieren. Denn, wie schon eingangs geschrieben: Es war mein erster Roman von ihm und eigentlich möchte ich mich durch diese leider für mich nicht brillant erzählte Geschichte nicht von einem anderen Buch Roth’s abschrecken lassen.

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  • Rezension zu "Nemesis" von Philip Roth

    Nemesis
    Schiller-Buchhandlung

    Schiller-Buchhandlung

    24. June 2011 um 18:20

    1944 im Süden der USA: In der Stadt Newark lebt Bucky Cantor, ein sportlicher junger Mann, der wegen seiner Kurzsichtigkeit nicht eingezogen wurde. In den Sommerferien betreut er die Jungen des Viertels, in dem er lebt und spielt mit Ihnen Baseball. Aber ein Schatten liegt über diesem heißen Sommer: Es gibt Fälle von Polio, die sich im Laufe der Wochen immer stärker ausbreiten und zur Epedemie werden. Auch in Buckys Sportgruppe bricht die Krankheit ein und es gibt die ersten Toten zu beklagen. Als seine Verlobte Marcia, die in den Ferien als Betreuerin in einem Feriencamp in den Bergen arbeitet, ihn bittet, den Posten des Bademeisters zu übernehmen von einem jungen Mann, der eingezogen wurde, nimmt Bucky die Stelle an, obwohl er das Gefühl nicht loswird, seine Jungs im Stich zu lassen. Nach kurzer Zeit im Camp gibt es auch dort den ersten Poliofall...... Die Romane, die ich von Philip Roth nach "Der menschliche Makel" gelesen habe, haben mich alle enttäuscht. Dieser jedoch hat mich wieder sehr beeindruckt. Wie es Roth gelingt, die beklemmende Stimmung in Newark zu beschreiben, die Unsicherheit im Umgang mit der Epedemie - niemand weiß, wo die Ursache für die Krankheit liegt - das ist meisterhaft. Und auch das Schicksal von Bucky Cantor ist tragisch: Er fühlt sich verantwortlich für den Tod seiner Mutter, die bei seiner Geburt starb. Auch daß er aufgrund seiner Kurzsichtigkeit nicht zur Armee kann, bedrückt ihn. Um so hingebungsvoller kümmert er sich um die Jungen seines Vietrels und versucht, ihnen während der Epedemie Sicherheit und Zuversicht zu geben. Als er nach den ersten Todesfällen die Stadt verlässt, empfindet er das so, als ob er sie im Stichn ließe. Und als dann der erste Poliofall im Camp auftritt, hat er den Verdacht, daß er es war, der die Krankheit dorthin mitgebracht hat. Nachdem er selbst ebenfalls erkrankt, löst er die Verlobung mit Marcia, denn er meint, als Krüppel nicht gut genug zu sein - kurz, er fühlt sich für alles schreckliche, was in seinem Leben passiert, verantwortlich. Ich hätte ihn schütteln mögen! Auch stilistisch hat mich das Buch überzeugt: In der Mitte des Buches merken wir plötzlich, wer die Geschichte erzählt: Einer der Jungen, die Bucky betreut hat und der ebenfalls an Kinderlähmung erkrankt ist. Ihm erzählt Bucky viele Jahre später Teile seines Lebens nach seiner Erkrankung. Spannend, berührend, zum Nachdenken anregend - ein literarisches Meisterwerk, das mich so schnell nicht losgelassen hat! #MA

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  • Rezension zu "Nemesis" von Philip Roth

    Nemesis
    Thaila

    Thaila

    09. May 2011 um 14:03

    Newark 1944: Mitten im 2. Weltkrieg bricht in der Kleinstadt Newark eine Polioepidemie aus, die für die Bewohner sehr viel bedrohlicher scheint als der ferne Krieg. Vor allem Kinder und Jugendliche sind von der gefährlichen Krankheit - ein Impfstoff ist noch nicht gefunden - betroffen. Im Mittelpunkt des Romans steht der Highschoollehrer Bucky Cantor. Der besonnene und mutige Bucky wird kurzfristig zu einer Art Helden, als er jüdische Kinder vor einer Gruppe italienischstämmiger Rowdies beschützt, die in Verdacht stehen, die Polio vorsätzlich zu übertragen. Aber auch Buckys Einsatz verhindert nicht, dass immer Kinder sich anstecken, sterben oder unter lebenslangen Schäden leiden. Zunehmend verhärtet sich der Verdacht, dass Bucky selbst ein Überträger der Krankheit ist. Mit gewohnter stilistischer Genauigkeit zeichnet Roth ein wunderbares Bild einer Stadt in Panik. Immer hysterischer werden die Reaktionen der Einwohner, auf einen Feind über den sie fast nichts wissen und gegen den sie nichts tun können. Im Mittelpunkt des Romans steht jedoch nicht die Krankheit selber, sondern Buckys Umgang mit derselben. Bucky ist mit dem Ideal des self-made man aufgewachsen. Er ist fleißg, zuverlässig, verantwortunsgvoll und zutiefst optimistisch, dass ein gerechter Lebenswandel belohnt wird. Die Epidemie erschüttert sein Weltbild. Der Tod von unschuldigen Kindern lässt in an der Gerechtigekit Gottes zweifeln. Wie der bedeutungsschwangere Titel schon anzeigt, geht es in Roth' Roman wieder einmal um die großen Fragen: Gerechtigkeit, Verantwortung, Schuld und Sühne. Diese Themen werden jedoch nicht abgehandelt und auf unpräteniöse dargestellt. Ein typischer Roth, der sich jedoch erfrischenderweise dieses Mal nicht um die Ängste und Nöte alter Männer dreht.

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  • Rezension zu "Nemesis" von Philip Roth

    Nemesis
    Vivainvegas

    Vivainvegas

    20. March 2011 um 12:14

    Von Philip Roth habe ich nur immer in den Feuilletons gelesen oder sonst in irgend einer Buchsendung im TV was mitbekommen, richtig angesprochen hat es mich jedoch nie. Dieser Titel aber wollte ich unbedingt lesen, da das aufgegriffene Thema Polio sehr interessant zu scheinen war. Und es war genau so, die Erzählung war sehr flott zu lesen, auch sein Schreibstil hat mich begeistert, angenehm und man erhält Tempo ohne Anstrengung. Die Hauptperson war über das ganze Buch hinweg mit Selbstmitleid beschäftigt, irritierend auf die Dauer. Schlussendlich kurz und bündiges Buch.

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  • Rezension zu "Nemesis" von Philip Roth

    Nemesis
    HeikeG

    HeikeG

    20. February 2011 um 16:00

    Das Göttliche als Feind unserer Existenz . Nicht weniger als der griechischen Mythologie hat sich Philip Roth in seinem neuen Roman bedient und mit Nemesis deren Rachegöttin in sein jüngstes Werk implementiert. Der Legende nach agierte Nemesis als die starke Macht, die das Universum im Gleichgewicht hielt; ein gerechtes, aber unerbittlich Verzweiflung verbreitendes Wesen oder besser, ein moralischer Sinn, sollte man die Götter mit Hybris beleidigen. . Roths Protagonist Bucky Cantor fungiert dabei als Mittler dieser Gottheit. Vielleicht wird an ihm gar ein Exempel statuiert. Auf jeden Fall stellt er das Bindeglied zwischen der göttlichen Gerechtigkeit und der Menschheit dar, wenngleich er den Sinn, der im Sommer 1944 erteilten "Strafe" nicht zu deuten vermag. Auf dem europäischen Schlachtfeld sterben seine Klassenkameraden und auf dem heimische Sportplatz seiner Schule, den er als aufsichtsführender Lehrer betreut, die ihm anvertrauten Jungen. Eine Polio-Epidemie greift um sich und rafft sinnlos unschuldige Kinder dahin bzw. macht sie zu lebenslangen Krüppeln. Noch ist der rettende Impfstoff gegen diese tückische Viruserkrankung nicht erfunden. . "Warum treffen solche Tragödien immer Menschen, die es am wenigsten verdient haben?", fragt sich Cantor. Als Halbwaise wächst er bei seinen Großeltern im jüdischen Viertel von Newark auf. Die Mutter starb bei seiner Geburt, seinen Vater, einen Spieler und Dieb, hat er nie kennengelernt. Seine Ideale, mit denen er groß wurde, versucht er an seine Schüler weiterzugeben. Zähigkeit und Willenskraft, körperliche Stärke und Tapferkeit sowie Entschlossenheit, sich niemals herumstoßen oder als jüdischer Schwächling beschimpfen zu lassen, bringen ihm bei den Buben Bewunderung und Achtung entgegen. Nach einem souverän gemeisterten Vorfall mit italienischen Halbstarken wird er gar zum regelrechten Helden, zum verehrten und beschützenden großen Bruder. Doch die Epidemie greift gnadenlos um sich und auch die Flucht zu seiner Verlobten an die Küste, stoppt sie nicht. Im Gegenteil: es mehrt sich der Verdacht, das gerade er, Bucky, der Unheilsbringer sein könnte. . "Und wenn du den Preis bezahlen musst", bemerkte sein Großvater häufig, "dann bezahlst du ihn eben." Schien das Leben des jungen Mannes trotz aller Hindernisse durch seine Herkunft bisher in geordneten Bahnen zu verlaufen, so wendet Roth das Szenario kurz vor dem Ende abrupt. Seine relativ nüchterne, zum Teil auch bewegende Erzählung bricht ab und offenbart den wirklichen Lebensverlauf von Mister Castor, der - das wird nun klar - rückwirkend von einem ehemaligen, ebenfalls an Polio erkrankten Schüler Jahre später notiert wird und als Retrospektive dem Leser in "Nemesis" vorliegt. . Falsche Ideale, Vorurteile, Ressentiments, Schuldvorwürfe, Verantwortlichkeit, aber auch der Glücksbegriff des Einzelnen sind die behandelnden Themen in Philip Roths neuem Roman. Und immer wieder die Suche nach dem Warum und die Frage nach einer göttlichen Gerechtigkeit. Dabei lotet er vorzüglich menschliche Verhaltensweisen in Extremsituationen aus, schaut ihnen sozusagen von außen in die Seele. "Er staunte über die Vielfalt des Lebens und über die Machtlosigkeit des Einzelnen gegenüber den Umständen." Die eigene Hilflosigkeit bahnt sich dabei in Form von Hass, Verachtung und Schuldzuweisungen ihren Weg durch die Köpfe der Menschen. Und nicht zuletzt bleibt die bittere Erkenntnis zurück, dass Sorglosigkeit und Abenteuer ganz schnell zu einer Hybris anwachsen können, die unter Berufung auf einen gerechten göttlichen Zorn, die Nemesis, gerächt wird. Dann jedoch hilft auch kein Davonlaufen mehr...

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  • Rezension zu "Nemesis" von Philip Roth

    Nemesis
    Clari

    Clari

    09. February 2011 um 16:29

    Schicksal, Fügung oder Gottes Wille? Wieder einmal geht es bei Philip Roth in seinem neuen Roman um Glück und Unglück, um Schuld, Sühne, Moral und Verzweiflung. Der Autor fabuliert aber nicht wie in seinen zuletzt erschienenen Romanen über das Alter und seine Gebrechen; dieses Mal geht es um eine Polioepidemie im Jahr 1944, von der viele Kinder dahingerafft werden, und die in ihren Auswirkungen tiefe Spuren bei dem Helden der Geschichte hinterlässt. Bucky Cantor ist Sportlehrer im jüdischen Viertel von Newark/ New Yersey und einer der wenigen jungen Männer, die nicht im mörderischen Zweiten Weltkrieg kämpfen mussten. Er war nicht diensttauglich und sieht seine Aufgabe in seiner Rolle als Bezugsperson für seine Jungs, die er in der Schule, an Wochenenden und in den Ferien auf dem Sportplatz trainiert. Die Krankheit "Kinderlähmung" platzt wie eine Bombe in das friedliche Leben der Stadt. Niemand kennt den genauen Verlauf der Krankheit. Es gibt keine Heilungsverfahren, keine Impfung, und in vielen Fällen endet sie mit dem Tod und häufig mit schwerster Behinderung. Wie soll man sich verhalten, wie vorbeugen, um sich zu schützen? Heute kann sich kaum jemand mehr vorstellen, wie ernsthaft und bedrohlich diese Krankheit einmal war. Sie verkörperte die Apokalypse des vergangenen Jahrhunderts, bis man zu Beginn der sechziger Jahre einen Schutz gegen sie erfand. Bucky Cantor gerät in das Räderwerk der Folgen dieser Krankheit, erkrankt selber und lebt mit dem Gefühl der Verbitterung und der Schuld, seinen Schülern die Krankheit womöglich weitergegeben zu haben, sein restliches Leben lang. Der Kontrast zwischen dem jungen, sportlichen, gut erzogenen und in seine erste Liebe vernarrten Helden und dem, was aus ihm wird, kann nicht gravierender ausfallen. Philip Roth behandelt die tiefen moralischen Konflikte, in die sich der Held verstrickt. Subjektive Wahrnehmung von Schuld und Anklage gegen Gott behandeln die eine Seite der Geschichte; Selbstanklage und falsch verstandenes Ehrgefühl zeigen die andere Seite. Nach dreißig Jahren trifft Bucky eher zufällig einen seiner ehemaligen Schüler. Ein langer Dialog mit diesem, der sich als einer der Jungen vom Sportplatz zu erkennen gibt, und den das gleiche Schicksal wie Bucky ereilt hat, zeigt die unterschiedlichen Folgerungen, die jeder aus seinem persönlichen Geschick gezogen hat. Bucky verkörpert den Märtyrer und Selbstankläger; sein ehemaliger Schüler hat sein Schicksal angenommen und ist zufrieden und glücklich geworden. Letzterer spricht vom "Zufall" und vom "Glück", die man haben kann. Bucky aber schmäht einen Gott, der eigentlich diesen Zufall und das Glück verkörpert. Philip Roth ist der hervorragende Erzähler, den wir aus vielen seiner Werke kennen. Das Thema hat ihn gepackt wie immer. Die Reflexionen des Helden Cantor sind mit der üblichen Tiefenschärfe gezeichnet. Weise, ein wenig sarkastisch und gelegentlich bissig zeichnet Philip Roth den Helden als den Irrgläubigen, der am Leben scheitert,weil er zu verbissen an die eigene Allmacht glaubt. Philip Roth ist und bleibt der bemerkenswerte Erzähler, dessen neueste Bücher man immer wieder mit Freude liest.

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