Philip Teir

 3.6 Sterne bei 62 Bewertungen
Autor von Winterkrieg, So also endet die Welt und weiteren Büchern.
Autorenbild von Philip Teir (©Outi Törmälä)

Lebenslauf von Philip Teir

Er wirft den Blick hinter scheinbar heile Fassaden: Philip Teir wurde 1980 in Jakobstad geboren. Der freie Journalist und Schriftsteller gilt als einer der wichtigsten Nachwuchsautoren Finnlands. Philip Teir studierte Philosophie und Skandinavische Literatur und ist seit 2009 als Kulturchef bei der schwedischsprachigen Tageszeitung Hufvudstadsbladet tätig. Sein Autorendebüt gab er 2014 mit „Winterkrieg“. Der Gesellschaftsroman erzählt die Geschichte eines Soziologen und dessen Familie. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens zerbricht die Familienidylle immer mehr. Die Ehe wird zum Schlachtfeld und das in einer Welt, in der die Protagonisten alles haben, aber gerade aus diesem Grund nicht glücklich sein können. In seinem zweiten Gesellschaftsroman „So also endet die Welt“ (2018) geht es erneut um die Konflikte zwischen zwei Ehepartnern. Während eines Urlaubs spitzt sich die Situation der Familie immer weiter zu. Atemberaubend und verstörend berichtet er über das Bröckeln der vermeintlich heilen Familienfassade. Neben seinen Romanen veröffentlichte Philip Teir bereits Gedichte und einen Band mit Kurzgeschichten. Zudem ist er Herausgeber von Anthologien. Philip Teir lebt mit seiner Familie in Helsinki.

Alle Bücher von Philip Teir

Cover des Buches Winterkrieg (ISBN: 9783453419117)

Winterkrieg

 (49)
Erschienen am 12.10.2015
Cover des Buches So also endet die Welt (ISBN: 9783896676061)

So also endet die Welt

 (10)
Erschienen am 21.05.2018
Cover des Buches Winterkrieg (ISBN: 9783837128192)

Winterkrieg

 (3)
Erschienen am 15.09.2014
Cover des Buches Winter War (ISBN: 9781846689932)

Winter War

 (0)
Erschienen am 15.01.2015

In die Markthalle mit...

Philip Teir zählt zu den vielversprechendsten finnischen Nachwuchsautoren. Der Finnland-Schwede, der zunächst als Journalist tätig war, feierte große Erfolge als Autor von Gedichten und Kurzgeschichten, ehe er 2014 mit "Winterkrieg" seinen Debütroman veröffentlichte. 2018 folgt das im Norden gefeierte Werk "So also endet die Welt". Der Autor alltagsnaher Figuren und Geschichten hat vor der Veröffentlichung mit uns über sein neues Buch, seine Inspiration sowie unveröffentlichte Lieder gesprochen und verraten, warum ein Treffen mit Jesus praktisch wäre...

Hej Philip, was war das schönste Feedback, das du von einem Leser bekommen hast?

Mich hat einmal ein Mann in den Sechzigern gefragt, woher ich so gut wissen kann, wie es sich anfühlt, sechzig zu sein. Er fragte das im Hinblick auf mein Vorheriges Buch, das von einem sechzigjährigen Soziologieprofessor handelt. Offenbar hat er sich sehr deutlich in meinem Portrait wiederfinden können.

Wann kommen dir die besten Ideen?

In Gesprächen mit Freunden oder meiner Lebensgefährtin. Da kommen mir manchmal Ideen, die ich sofort in der Notiz-App auf meinem Telefon aufschreibe. Ich schreibe Bücher, die eine Nähe zum Alltagsleben aufweisen und dadurch sind es oft ganz alltäglich Geschehnisse, die mir neue Ideen geben. Erst heute hat meine Lebensgefährtin gesagt: "Du kannst mich von mir aus umbringen, solange du niemals meinen Seidenrock auf 40 Grad wäschst." Das habe ich gleich aufgeschrieben.

Hast du ein Lieblingswort?

Nicht wirklich. Aber ich neige dazu, den Ausdruck "något slags" (dt. Eine Art von...) ziemlich oft in meinen Büchern zu verwenden. Oft streichen wir ihn dann vor dem Druck heraus. Das vermittelt wahrscheinlich "eine Art von" Unsicherheit. Dass ich die Wörter dadurch abmildere.

Welchen anderen Job würdest du gerne für einen Tag ausüben?

Ich würde gerne in einer Markthalle oder hinter der Theke eines Lebensmittelgeschäftes arbeiten. Ich habe schon immer gedacht, dass das lustig sein könnte.

Wie prokrastinierst du am liebsten?

Ich putze, ordne Dinge zuhause oder repariere etwas, surfe im Internet herum und suche dort nach Dingen, von denen ich denke, dass ich sie brauche. Manchmal spiele ich Gitarre. Oft gehe ich herunter in die Stadt und stehe bei Clas Ohlson (eine Art Baumarkt und Haushaltswarengeschäft) herum, ohne zu wissen, wonach ich eigentlich suche.

Kannst du uns eine gute Fernsehserie empfehlen?

Aktuell bin ich ganz schön müde von all den ernsten Fernsehserien. Alles ist viel zu gut und perfekt. Ich schaue also in der Regel nur einzelne Realityserien mit meiner Tochter, zum Beispiel "Fab five" auf Netflix.

Welches Buch verschenkst du gerne?

John Williams "Stoner".

Wohin sollen wir unbedingt einmal reisen und welches Buch soll uns begleiten?

Nach Italien mit Elena Ferrantes "Tage des Verlassenwerdens".

Wenn du ein Tier wärst, wärst du ein...

Hund.

Gibt es etwas, was du gerne lernen würdest?

Italienisch, Spanisch oder Französisch. Ich wünschte, ich könnte eine dieser Sprachen fließend sprechen. Es würde sicherlich mehr Spaß machen zu reisen.

Hast du eine heimliche Leidenschaft?

Ich schreibe gerne Lieder, aber fast niemand hat sie bislang gehört.

Ein Satz über dein neues Buch "So also endet die Welt":

Eine wehmütige Sommerschilderung.

Ein Satz aus deinem neuen Buch:

Ich glaube, ein Satz geht ungefähr so: "In Finnland ist man gut in Krisensituationen. Man ist nie richtig glücklich, wenn nicht alles total danebengeht."

Zu guter Letzt: Welchen literarische Figur würdest du gerne einmal treffen und was würdet ihr zusammen unternehmen?

Hmmm. Ich würde gerne Jesus im Neuen Testament treffen. Wir würden zusammen Wein trinken, glaube ich. Das wäre billig.

Neue Rezensionen zu Philip Teir

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Rezension zu "So also endet die Welt" von Philip Teir

Sehr unterhaltsamer finnischer Gesellschaftsroman
Lilith79vor 7 Monaten

"So also endet die Welt" von Philip Teir ist ein finnischer Familien- und Gesellschaftsroman. Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine ganz normale finnische Familie, die eigentlich nur ihren verlängerten Sommerurlaub am Meer verbringen möchte. Julia ist Schriftstellerin, die mit ihrem ersten Roman einen Achtungserfolg in Finnland erreichte, aber im Moment an einer Schreibblockade leidet. Außerdem hat sie manchmal das vage Gefühl, das ihr Leben ohne ihren Ehemann schöner sein könnte, ohne wirklich einen Grund dafür nennen zu können. Erik, ihr Ehemann, arbeitet als IT-Angestellter in einem großen Warenhaus, dass unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten leidet. Kurz nach Urlaubsbeginn erfährt Erik, dass er seinen Job verloren hat, verbirgt die Situation aber vor seiner Familie. Die 13-jährige Alice schlägt sich in der Zwischenzeit mit eher normalen Teenagerproblemen und -freuden rum und Anton, der sensible 10-jährige Sohn ist überwiegend damit beschäftigt sich Sorgen um alles möglich zu machen.

Trotzdem beginnt der Urlaub recht entspannt. Julia freut sich darauf Zeit im ehemaligen Haus ihrer Eltern zu verbringen, wo sie viele unbeschwerte Sommer am Meer verbrachte. Erik versucht sich von seinem Jobverlust nicht die Laune verderben zu lassen. Anton wagt sich zumindest mit seiner Schwester Alice alleine in die Natur...nach einigen Tagen trifft Julia auch noch ihre alte Kindheitsfreundin Marika. Die lebt inzwischen mit ihrem neuen Freund Chris und dem 14-jährigen Sohn in einer Art Aussteigerkommune. Chris hat eine Bewegung gegründet, die primär aus fatalistischen ehemaligen Umweltschützern besteht und überzeugt ist, dass der Klimawandel sowieso nicht mehr aufzuhalten ist und es mehr Sinn macht sich einfach darauf vorzubereiten, was die Bewegung zu einer Bewegung macht deren Hauptbeschäftigung aus dem Schreiben von Blogs, Reden schwingen, Sex und Drogenkonsum besteht. Julia und Erik finden die neuen Nachbarn aber zunächst ganz unterhaltsam und charmant. Doch mit der Zeit zeigen sich sowohl im familiären Zusammenleben Risse, so dass nicht nur die ganze Welt den Bach hinunter zu gehen scheint, sondern die Beziehungen zwischen jeder einzelnen Person. Und sogar das idyllische Ferienhaus scheint so langsam vor sich zu vermodern...

Das Buch schildert die Ereignisse dabei aus Sicht vieler verschiedener Familienmitglieder, die alle irgendwie mit sich selbst und den Beziehungen zu ihren Mitmenschen beschäftigt sind. Der Ton ist dabei eher sachlich und nüchtern, aber auch mit einer feinen Ironie, die dem Buch zusätzlichen Charme verleiht. Mir hat das Buch, das zu beschreiben versucht wie die Welt im ganz großen und ganz kleinen gleichermaßen zu enden scheint, aber trotzdem nie düster ist, wirklich gut gefallen. Definitiv eines meiner Lesehighlights im Jahr 2020 bisher.

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Rezension zu "So also endet die Welt" von Philip Teir

Ein dahinplätschernder Urlaub mit Konfliktstellung
herrzettvor 2 Jahren


Mit einem recht typisches Urlaubs-Szenario beginnt Philip Teir s Roman "So also endet die Welt" . Julia und Erik wollen gemeinsam mit ihren Kindern Anton und Alice Urlaub im familiären Sommerhaus an der finnischen Westküste machen. Sie ist eine bekannte Autorin, möchte ihrer Schreibblockade entfliehen und hier versuchen einen zweiten Roman zu schreiben. Erik wurde kurz vor ihrem Urlaub entlassen und  versucht dies vor seiner Frau geheim  zu halten und die Zeit zu nutzen eine neue Lösung zu finden. Die beiden Kinder scheinen von der kleinen Idylle mitten in der Natur ohne (viel) Netz und Freunden nicht ganz so begeistert zu sein. Doch mit der Zeit ändert sich alles. Julia zieht sich immer weiter zurück und Erik verfällt dem Alkohol. Als dann noch Julias Jugendfreundin Marika mit einer Gruppe von Umweltaktivisten oder besser gesagt neumodischen Hippiegruppe auftaucht, scheint die Familie noch einmal vor ganz neuen Herausforderungen zu stehen - Eine neue Liebe, neue Erkenntnisse, ein Besuch der Eltern, neue Lebensformen und der Beseitigung ihrer inneren Konflikte.

"Zehn Wochen, dachte Julia jetzt.[...] Erst vor einer Stunde hatte sie darüber fantasiert, allein mit den Kindern zu leben, über ein anderes Leben, und als se sich jetzt an diese Vorstellung zurückerinnerte, kam sie ihr absurd vor."

Ach, was soll ich sagen? Wie der Klappentext schon verrät, passiert in diesem Roman zwischenmenschlich sehr viel. Philip Teir gibt seinen Charakteren sehr viel Raum und so entwickelt sich jeder unabhängig von den anderen und wirklich jeder bringt seine Probleme mit sich. Auch das aktuell recht wichtige Umweltthema scheint anfangs eine wichtige Rolle zu spielen, doch egal wie ich die Geschichte drehe und wende, am Ende bin ich von diesem Roman sehr enttäuscht. Philip Teir startet noch ganz gut und das erste Drittel würde ich sogar noch mit Maja Lundes "Die Geschichte des Wassers" vergleichen, doch dann driftet der gut geschriebene und unterhaltsame Roman in eine Geschichte ohne Tiefgang und wirkliche Aussagekraft ab. Alles plätschert dahin und alle Familienmitglieder kämpfen mit ihren inneren Konflikten. Als es dann schließlich um die Klimaerwärmung und die 'Hippie'Gruppe von nebenan geht, hatte ich zunächst die Hoffnung, dass sich hier nun das Ende der Welt nach und nach auftut. Doch das Ende sieht dann ganz anders aus... einzelne Probleme lösen sich und alles endet in einer neuen Aufbruchsstimmung.
Zwischendurch habe ich mich dann immer wieder gefragt, ob es vielleicht ein typisches Merkmal eines  männlichen Autors bei solchen Geschichten wäre, dass hin und wieder gänzlich aus dem Nichts Informationen wie die Periode der Tochter Alice oder auch Sex ins Spiel kommen. Vielleicht ist es aber auch nur Zufall und unterstützt hier zahlreich den Handlungsplot... (Ironie) Jedenfalls die Grundidee des Romans finde ich gut, doch die Geschichte selbst ist stark ausbaufähig und somit kann ich hier weder eine Empfehlung aussprechen, noch mehr als 2 Sterne vergeben.

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Rezension zu "So also endet die Welt" von Philip Teir

Über die Brüchigkeit der Existenz
Haversvor 2 Jahren

Sommer in Finnland. Urlaubszeit, für viele Familien die schönste Zeit des Jahres. Für andere eine Zeit, in der sie sich durch die Loslösung vom Alltag und die erzwungene Nähe intensiver miteinander beschäftigen können/müssen. Oft aber auch für den einzelnen eine Zeit der Reflexion, wie sie der finnische Autor Philip Teir in seinem neuen Roman „So also endet die Welt“ beschreibt.

Die Mittdreißiger Julia und Erik machen mit ihren Kindern Alice und Anton Urlaub in dem Ferienhaus, das sie schon seit ihrer Kindheit kennt (später reisen noch Julias Eltern sowie Eriks Bruder an). Auf den ersten Blick eine ganz normale Familie, der zweite Blick offenbart die brüchigen Strukturen innerhalb dieser kleinen Gruppe. Erik, der Informatiker, hat Angst davor, seine Arbeitsstelle zu verlieren. Wer soll denn dann dafür sorgen, dass Geld hereinkommt? Er wird den Job verlieren, es aber aus Scham gegenüber seiner Familie verschweigen und Trost im Alkohol suchen. Julia konnte zwar einen erfolgreichen Roman verkaufen, hat seither aber wegen einer Schreibblockade kein Wort mehr zu Papier gebracht. Sie fühlt sich allein. Als sie den unbeschwert lockeren Alltag der Kommune/WG im Nachbarhaus beobachtet, in der ihre Jugendfreundin mit Mann, Kind und diversen Aussteigern lebt, sehnt sie sich nach den Zeiten zurück, in denen sie ihr Leben ungebunden und ohne Verpflichtungen leben konnte. Alice erlebt ihre erste Liebe mit dem Nachbarsjungen. Alex merkt tief drinnen, dass die unbeschwerten Tage der Kindheit sich dem Ende zuneigen und sucht seinen Platz. Aber auch im Nachbarhaus ist nicht alles so harmonisch, wie es auf den ersten Blick scheint.

Teir schaut genau hin, legt die Brüchigkeiten der Existenzen frei. Zeigt uns die Sprachlosigkeit, die Mauern zwischen den Menschen. Gefangene ihrer Lebensentwürfe. Nicht nur ihre Unfähigkeit, sondern auch ihren Unwillen, etwas am Status Quo zu ändern. Symbol dafür ist der nasse Untergrund des Ferienhauses, in dessen Keller der Wasserpegel allmählich ansteigt und sich schließlich den Weg nach draußen bahnt. Für die Bewohner auf Zeit bleibt so nur das Verlassen der sicheren Unterkunft.

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Zusätzliche Informationen

Philip Teir wurde am 05. August 1980 in Jakobstad (Finnland) geboren.

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