Philip Teir Winterkrieg

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Inhaltsangabe zu „Winterkrieg“ von Philip Teir

Der große Gesellschaftsroman aus Finnland: ein zeitloses Bild derer, die alles haben und gerade deshalb nicht glücklich sein können. Max Paul ist Soziologe an der Universität von Helsinki und zugleich erfolgreicher Buchautor. Sein akademisches Steckenpferd sind Sexualität und Ehe – seine eigene Ehe jedoch funktioniert schon lange nicht mehr. Während Max und seine Ehefrau Katriina in eine immer tiefere Krise geraten, hadern auch ihre erwachsenen Töchter mit ihrem jeweiligen Lebensmodell: die Lehrerin und zweifache Mutter Helen genauso wie die Kunststudentin Eva, die mit knapp dreißig ihren Platz im Leben noch nicht gefunden hat. Als Eva eine Affäre mit ihrem Dozenten anfängt und Max eine mit einer jungen Journalistin, spitzt sich in einem kalten Winter in Helsinki die Situation der Familie Paul zu. Ein brillant erzählter, psychologisch raffinierter Gesellschaftsroman über eine globale Mittelschicht auf der Suche nach dem Lebenssinn, hin- und hergerissen zwischen dem Streben nach Unabhängigkeit und der Sehnsucht nach Sicherheit.

Ein Gesellschaftsroman unserer Zeit der nicht mit Spannung für Interesse sorgt sondern mit seinen erschreckend reallen Beschreibungen

— Jonas1704
Jonas1704

Ein enttäuschender Roman, der langsam vor sich hinplätschtert und durch die nüchterne Figurenzeichnung bei mir aber keine Emotionen weckte.

— Tammy1982
Tammy1982

Es war ein Einblick in das "moderne" Leben von heute in Finnland, ein normale Familie mit normalen Problemen und keinem guten Ende.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Ein großer Familienroman mit großen und kleinen Krisen, die trotz allem nicht vergessen lassen, was mal war.

— Edelstella
Edelstella

Ich musste zwei Anläufe machen, aber anschließend habe ich es nicht bereut :)

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Habe ich mir gleich gekauft, als es in der Buchhandlung stand,toll.

— Archimedes
Archimedes

Ein Roman über die Gesellschaft, und vom Glück im Unglück...

— RubyKairo
RubyKairo

Eine düstere Sicht auf Lebensentwürfe, das Verhältnis der Charaktere untereinander und auch zum Leser bleibt distanziert und unterkühlt...

— parden
parden

Ich habe mir mehr von diesem Roman erhofft. Der Roman beginnt locker, flockig und lädt ein zum Lesen. Mir war die ausgiebige Beschäftigung mit dem Beruf des Protagonisten zu viel. Evas Leben hingegen las sich sehr flüssig. Das Ende und damit meine ich die Ankündigung der Scheidung kam meines Erachtens zu plötzlich.

— le_papillon_curieux
le_papillon_curieux

Guter Ansatz, schlecht und langweilig umgesetzt.

— Wildcat
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  • lebendige Dialoge, langweilig erzählte Geschichte

    Winterkrieg
    Petra54

    Petra54

    04. August 2017 um 09:57

    Der Titel ist irreführend – ich hätte „Finnlandschwedische Gespräche“ gewählt. Denn mir gefielen besonders die lebendigen Dialoge. Die Geschichte selbst ist eher schleppend, fast langweilig erzählt. Doch die detailliert beschriebenen Situationen haben mich die fast 400 Buchseiten hindurch festgehalten. Herausragend gut beschrieben sind die Reaktionen der Kinder, wie sie das Kommando über ihre Eltern und Großeltern führen. Wie zum Beispiel die neunjährige Amanda bewusst ihren Opa öffentlich zur Verzweiflung bringt und er sich nicht wehren kann, sondern noch zusätzlich von Augenzeugen und später seiner Tochter und seiner Frau böse angegangen wird. Ich empfehle das Buch jenen Lesern, die wie ich die nordische Art mögen.

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  • Winterkrieg in einer schrecklich netten Familie

    Winterkrieg
    Greedyreader

    Greedyreader

    11. January 2017 um 18:13

    In seinem Debütroman “Winterkrieg“ schreibt der Finnlandschwede Philip Teir nicht etwa über den finnisch-russischen Krieg von 1939/40, sondern über einen sehr privaten Kriegsschauplatz: das Zerbrechen einer nach außen intakten ganz normalen Mittelschichtfamilie, die alles hat, um glücklich zu sein, es aber nicht ist. Soziologe Max Paul hat eine Stelle an der Universität Helsinki und schreibt seit vielen Jahren an seinem Opus Magnum, das nie fertig und vermutlich auch nicht veröffentlich wird. Er ist seit über dreißig Jahren mit Katriina verheiratet. Obwohl Sexualität und Ehe Max Pauls Spezialität ist, haben seine Studien offenbar wenig praktischen Nutzwert, denn in seiner Ehe kriselt es seit langem. Das Ehepaar hat zwei erwachsene Töchter, Helen und Eva. Helen ist Lehrerin, verheiratet mit dem überaus tüchtigen Christian und hat zwei Kinder. Auch Helen ist nicht glücklich. Sie findet ihr Leben langweilig und ereignislos, ohne jede Perspektive. Die knapp 30jährige Eva zieht zum Kunststudium nach London, weil sie Klarheit über ihren weiteren Lebensweg gewinnen will. Sie lässt sich genauso wie ihr Vater auf eine Affaire ein, die nur schlecht enden kann. In den vom Autor beschriebenen fünf Monaten geht in dieser Familie alles den Bach runter, ohne dass man so recht weiß wieso eigentlich und ohne dass Auswege aus der Krise aufgezeigt werden.Der Roman ist nicht schlecht, aber der ganz große literarische Wurf ist es auch nicht. Er ist weder spannend noch besonders interessant oder ungewöhnlich. Die vielen theorielastigen Exkurse in die Soziologie und Kunstwelt lesen sich sogar ausgesprochen zäh. Warum der Autor einer der wichtigsten finnischen Autoren der Gegenwart sein soll, erschließt sich mir nach der Lektüre von “Winterkrieg“ nicht so ganz. Insgesamt bin ich von dem Roman etwas enttäuscht.      

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  • Winterkrieg

    Winterkrieg
    Jonas1704

    Jonas1704

    06. July 2016 um 21:45

    Soziologe Max Paul steckt mit seinen schon 60. Jahren mitten in einer Midlife-Crisis. Obwohl er in der Vergangenheit ein berühmter Professor in seinem Fach gegolten hat und sogar mit einem Buch berühmt wurde, sind diese Zeiten vorbei. Geblieben ist jedoch der hohe Lebensstandard den er sich mit seiner Familie leisten kann. Max und seine Frau Katriina haben zwei erwachsene Töchter, beide um die 30. Tochter Helen hat früh geheiratet, zwei Kinder bekommen und ist voll berufstätig, findet dennoch daß sie irgendwo was verpasst hat. Die jüngere Tochter Eva beginnt mit 29 gerade ein Zweitstudium der bildenden Kunst und ist immer noch auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Katriina selber wirkt trautig und erschöpft von dem Ganzen heuchlerischen Tun und diesen Zwang zum Glücklichsein, denn am Ende scheint keiner in dieser Familie zufrieden zu sein. Ihre Ehe an sich ist und bleibt eine ausichtslose Situation, denn die einst große Liebe ist längst verflogen und zurück blieb bloß eine gähnende Leere. Ein Gesellschaftsroman unserer Zeit der nicht mit Spannung für Interesse sorgt sondern mit seinen erschreckend reallen Beschreibungen, die einen am Ende daran errinern das Geld und Reichtum nicht der Eintritt in die Glückswelt sein müssen. Man beneidet letztendlich keinen dieser Personen. Gut geschrieben wofür ich vier Sterne gebe.

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  • Das gesellschaftliche Wesen

    Winterkrieg
    Sonntag16

    Sonntag16

    07. June 2016 um 10:13

    Nach dem Leseeindruck des Buches wollte ich dieses unbedingt ganz lesen. Nach den ersten 30 Seiten hatte ich den Eindruck, dass es dem Autor nicht darum geht, eine Geschichte mit interessanten Personen zu erzählen, sondern viel mehr darum, was man an gesellschaftlichem Verhalten an jenen beobachten kann. So dachte ich zunächst, dass Max der Protagonist in dieser Geschichte sei. Dem ist aber nicht so, denn es werden auch Kapitel aus der Sicht seiner Frau Katriina und seinen Töchtern Eva und Helen verfasst. Ich dachte auch, dass Max als Soziologe und so wir er zu Beginn des Leseeindrucks gewirkt hat, ein guter Beobachter sei, nur nicht alles direkt gut deuten könne. Im Verlauf der Geschichte musste ich jedoch feststellen, dass Max kein besonders guter Beobachter ist. Wie auch jede andere Figur, die in diesem Buch auftaucht, sieht jeder durch seine Brille, die durch die gesellschaftlichen Verhältnisse der jeweiligen Zeit geprägt ist. Was alle aber gemeinsam haben, ist, dass jeder sich selbst im Mittelpunkt des Interesses sieht. Keiner merkt so genau, was eigentlich mit den Menschen um ihn herum los ist oder was diese bewegt, denn jede Figur ist von ihren eigenen Problemen eingenommen. Zumal betont werden muss, dass die durchgängige Unzufriedenheit und die Suche nach Glück sich wie ein roter Faden durch das Leben der Figuren zieht. Um einmal zu verdeutlichen, dass jede Figur mit sich selbst beschäftigt ist, zu reflektieren versucht, aber es nicht ausreichend schafft und auch ihre jeweilige Zeit in der sie lebt, widerspiegelt, möchte ich einmal näher auf Eva eingehen. Sie studiert in London Kunst. In einem Kapitel vergleicht sie sich mit den daheim gebliebenen und denkt, dass sie im Leben weiter gekommen ist, als all diejenigen in ihrem Alter, die in Stockholm geblieben sind. Ich finde, dieses Thema, des Vergleiches mit Daheimgebliebenen ist auch hier in Deutschland aktuell, in der Generation derjenigen, die ebenfalls zum Studieren von Zuhause weggehen und sich dadurch reflektierter fühlen, es aber oftmals aber nicht sind. Auch wird deutlich, dass Eva Angst hat, wie auch mehrere andere Figuren wie Malik, sich fest an etwas zu binden, sei es der Ort, ein Beruf, ein Kind, ein fester Freund. Sie hat Angst ein vorausgeplantes Leben zu führen, Verantwortung zu übernehmen, für jemand anderen auf Lange Zeit da zu sein, sich zu kümmern, sich quasi für einen anderen Menschen hinzugeben. Auch dieses Thema der Ungebundenheit ist ein Aktuellen unter jungen Erwachsenen. Dadurch, dass jede Figur Ich-zentriert ist und einen Partner zum gemeinsamen Leben sucht, wird auch die Suche nach Anerkennung deutlich, bzw. auch die Problematik fehlender Anerkennung. Durch das eben gesagte, wirken die Figuren so, als würden sie ihr Leben ohne Leidenschaft für bestimmte Dinge bestreiten, als würden sie in ihrem Leben dahindümpeln. Folgendes Zitat möchte ich dafür bringen, dass jeder im Grunde nur seine oder ihre Rolle spielt: "Es war wie ein Schauspiel, das sie ihr ganzes Leben lang unbewusst, immer wieder geprobt hatte." (S. 82). Einen weiteren Punkt, den ich hier aufnehmen möchte, ist der Ausbruch aus der bestehenden Gesellschaft bzw. der Versuch eine ganze Gesellschaft zu verändern. Diesen unternimmt nämlich Russ, ein Freund von Eva in London. Diesen Protest, ja, er nennt es sogar Revolution, versucht er durch das Zelten vor dem Dom deutlich zu machen. Leider versandet diese Bewegung und schafft es nicht einmal mehrere Menschen zum reflektierten Denken und Überdenken der gesellschaftlichen Verhältnisse zu bewegen. Man könnte es aber auch so deuten, dass wir einerseits durch die gesellschaftliche Ordnung leben und sie uns andererseits einengt, und dies eben ein ständiger stiller Kampf ist, der die Gesellschaft an sich aus macht. Zu gesellschaftlichen Umbrüchen kommt es nur, wenn die Verhältnisse so schlecht sind, dass die Menschen nichts mehr zu verlieren haben oder die gesellschaftliche Ordnung von Oben ohne Konsens der Gesamtgesellschaft gegeben wird. Hier noch ein paar Zitate, die das Buch gut beschreiben: - "Eine Ursache für das Unglücklichsein, meint Paul, ist die Tatsache, dass wir ständig mit eine unendlichen Anzahl von Wahlmöglichkeiten konfrontiert werden." (S. 151) - "Denn worum ging es denn sonst, als um einen Protest gegen die bösartige Welt? Als um den Traum von einer besseren Gesellschaftsordnung, einen sicheren Ort?" (S. 344) - "Katriina betrachtet die Ehe als eine Form gegenseitiger Tyrannei, wie ein Leben in einem höhst effektiven, totalitären Staat. Man hatte selten eine Wahl, aber solange man sich um seine Sachen kümmerte und nichts infrage stellte, funktionierte es." (S. 29) - "Nach Max Verständnis verwandelte sich die ganze Welt in eine einzige Galerie." (S. 36) - "Heute konnte man nicht mehr erkennen, wo das Schaufenster aufhörte und der persönliche Wohnbereich begann." (S. 37) Zum Schluss dieser Rezension möchte ich noch auf den Buchtitel hinweisen. Winterkrieg bezeichnet in der historischen Geschichte einen Krieg zwischen Finnland und der Sowjetunion. Der Krieg wurde dann durch einen Friedensvertrag beendet. Dabei konnte Finnland seine Unabhängigkeit zwar behalten, jedoch musste es Teile seines Gebietes abgeben. So ist also vielleicht auch dieses Buch zu verstehen. Im Kleinen beispielsweise, hat Katriina sich von Max scheiden lassen, beide haben dadurch Verluste einstecken müssen, aber sind an sich frei und unabhängig gewesen. Für Katriina war das gut und Max hätte diese Scheidung nicht gewollt. Im Großen betrachtet, muss jeder Zurückstecken und Bürden auf sich nehmen und ist trotzdem ein Subjekt. Es findet folglich eine Aushandlung zwischen gesellschaftlichen Normen und subjektiven Bedürfnissen statt. Dies endet im Grunde friedlich, wie der Winterkrieg, befriedigend ist es aber nicht. Vielen Dank an den Autor für ein Buch, bei dem man zum Denken angeregt wird!

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  • Enttäuschender Roman, der von Anfang bis Ende emotionslos bleibt

    Winterkrieg
    Tammy1982

    Tammy1982

    14. September 2015 um 17:50

    Um die Ehe von Max und Katriina steht es nicht zum Besten. Obwohl er früher ein gefeierter Soziologe gerade zum Thema Sexualität und Ehe war, sieht es in seiner Ehe nicht rosig aus. Während Max sich einfach weiter in seine theoretischen Abhandlungen verkriecht, gestaltet sich Katriina ihr eigenes Leben und auch im Leben von ihren Töchtern Eva und Helen läuft nicht alles so rund, wie es nach außen den Anschein hat. Während Eva in London Kunst studiert und sich auf eine Affäre mit ihrem Professor einlässt, scheint Helen eine Bilderbuchehe mit Mann und 2 Kindern zu haben, doch auch hinter dieser Fassade bröckelt es. Die Geschichte wird sehr unaufgeregt erzählt und zu Beginn des Buches fand ich das noch sehr unterhaltsam. Meine Hoffnung bestand darin, dass sich die Spannung schon nach und nach aufbauen wird. Jedoch bleibt das Buch die gesamte Zeit über "unaufgeregt" und konnte mich zu keiner Zeit wirklich packen. Darüber hinaus wurde alles in einem für mich gefühlt sehr nüchternen Tonfall erzählt, wodurch auch die tragischen bzw. dramatischen Inhalte bei mir nicht als wirklich schlimm ankamen. Ich habe über die Gefühle gelesen, aber ich konnte sie nicht selber fühlen. Die Charaktere blieben mir auch zum größten Teil unverständlich und bis jetzt weiß ich immer noch nicht, warum sie so seltsam zum Teil agierten und was genau so schief gegangen ist, dass auch die Ehe von Max und Katriina irgendwie nur noch zum Schein bestanden hat. Während der Lektüre habe ich mir oft die Frage gestellt, was denn da passiert ist, aber die Antwort darauf habe ich nicht bekommen. Außer so pauschale Aussagen von den Töchtern, dass die Ehe von den beiden schon immer so schrecklich war. Eva's Geschichte konnte mich dann noch mit am meisten fesseln, jedoch konnten auch hier viele Momente für mich emotional nicht miterlebt werden, da die nüchterne Sprache dies ständig verhindert hat. Obwohl gerade bei Eva einiges an Drama zusammen kommt, jedoch mich fast gar nicht berührt hat. Die Situation von Helen ist dann nur noch gefühlskalt und wird auch so beschrieben und ich habe mich bei ihr vor allem gelangweilt. Das Buch endet entsprechend unaufgeregt, wie es auch begonnen hat und nach Ende der Lektüre habe ich mich tatsächlich gefragt, was mir dieses Buch jetzt gebracht hat und konnte nichts finden. Alles in allem leider ein enttäuschender Roman, der langsam vor sich hinplätschtert, durch die nüchterne Figurenzeichnung bei mir aber keine Emotionen wecken konnte. Dafür vergebe ich noch gerade so einen Stern.

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  • Winterkrieg

    Winterkrieg
    Bokmal

    Bokmal

    02. June 2015 um 16:30

    Max und Katriina sind ein finnisches End-Fünfziger Ehepaar. Max ist ein bekannter Soziologe, der vorallem für eine Sex-Studie von vor einigen Jahren bekannt ist. Gemeinsam haben sie zwei erwachsene Töchter: Helen, die mit ihrem Mann Christian und zwei Kindern eine eigene Familie hat und als Lehrerin arbeitet und Eva, die in London Kunst studiert und offensichtlich noch nicht so richtig weiß, wo sie mit ihrem Leben hin will. Der Roman erzählt die Geschichte der einzelnen Personen. Max, der an einem Buch schreibt und mit einer jungen Journalistin eine Affäre anfängt, Katriina, die auf den Philippinen Krankenschwestern für Finnland anheuern soll, Eva, die in London von ihrem Dozenten schwanger wird, das Kind aber abtreibt und ziemlich sicher ist, dass sie nicht mit ihm zusammensein will. Immer wieder treffen diese Charaktere aufeinander, sei es zu Max' 60. Geburtstag, Weihnachten oder zur bevorstehende Beerdigung der Großmutter. In der Beschreibung stand etwas von einer Geschichte "derer, die alles haben und gerade deshalb nicht glücklich sein können." Die Umsetzung des Gedankens an sich ist wohl ganz gut gelungen. Keine der Personen hat wirkliche, existenzbedrohenden Probleme (außer vielleicht Eva, die sich aber wissentlich selbst hineinmanövriert hat). Und so werden im Prinzip Probleme geschaffen, man streitet sich beinahe grundlos und kommt nicht so richtig zum Glücklichsein. Leider fehlt es dem Roman meiner Meinung ein wenig an Spannung, der Leser verliert zwischendurch das Interesse an den Personen. Vielleicht macht es aber auch gerade das aus, dieses Leben, das so vor sich hinplätschert, ohne viel Aktion und nennenswerte Vorkommnisse. Trotzdem für mich als Leser nur drei Sterne, die ich vergeben kann.

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  • Trotz allem

    Winterkrieg
    Edelstella

    Edelstella

    12. March 2015 um 17:28

    Dieses Buch ist erfrischend ehrlich geschrieben. Der Alltag der Familie mit kleinen Unfällen, nervtötenden, täglich wiederkehrenden Gewohnheiten, die dem ein oder anderen bestimmt bekannt vorkommen werden, wird lebendig und realistisch dargestellt. Es geht hier um das Empty-Nest-Syndrom genauso wie Wechseljahre und Mitlife-Crisis. Dem Protagonisten Max, der als Soziologe mit solchen Dingen klarkommen müßte, stellt die Situation in Ehealltag und Freundeskreis vor Fragen nach dem Sinn der Ehe, des Lebens allgemein. Der Schreibstil spricht mich sehr an und das Buch tut einfach gut. Die Protagonisten gehen trotz gedanklicher Distanzierung immer wieder liebevoll und fürsorglich miteinander um.Man hat jedes Mal das Gefühl, da ist noch was. Das Buch läßt mich kritisch hingucken, aber auch wohlfühlen. Ein gekonnter, detailgetreuer Erzählstil macht das möglich. Ein Generationenbuch erster Klasse!

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  • Drama eine Ehe im Winter

    Winterkrieg
    Arietta

    Arietta

    Dieser Roman hat mich sehr tief berührt , aufgewühlt , gefangen genommen und nachdenklich gemacht . Dieses Buch ist mehr als Fantastisch , es ist brillant und einfach verblüffend. Einmal ein ganz anderer Roman , anders als die blichen die ich gelesen habe , modern und ein neuartiger Gesellschaftsroman. Passt hervorragend in unser Jahrhundert. Der Inhalt dieses Buches zeigt uns , wie zerbrechlich alles ist . Das die Stabilität eine Ehe und Familie nicht unbedingt von Dauer ist , das es keine Garantie gibt und sich Wahrheiten sich sehr Leicht verflüchtigen können, wie Blätter im Wind. Das nicht alles selbstverständlich ist , wenn man nicht alles für eine Beziehung tut und für den Erhalt der Familie und Partnerschaft kämpft. Dem Autor Philip Teir , gelingt es in seinem Werk " Winterkrieg " , seine Leser und Leserinnen in den Bann der Geschichte zu ziehen. Sein Schreibstil , ist flüssig , spannend und fesselnd , wie ein Sog. Die Worte die er verwendet sind Klar , Kraftvoll und voller Sehnsucht. Die Charaktere der einzelnen Protagonisten sind sehr real und Authentisch geschildert , das man sich gut in jede Person hinein versetzen kann. Auch das ganze Geschehen ist gut und Bildhaft gezeichnet. Er erzählt mit einem sehr feinfühligen und psychologischen Fingerspitzengefühl , von der Ehekrise des Ehepaares , Max Paul und Katarina und ihrer Beziehung in der Ehe . Wie sich beide Partner in ihrer Ehe aus einander gelebt haben. Ihre Liebe im laufe der Jahre im Alltäglichen Alltagstrott verloren haben , wie alles sich mit der Zeit abgenutzt hat... Auch die Töchter Helen und Eva , sind herangewachsen und sind selbständig geworden, gehen ihren Berufen und dem Leben nach . Aber auch in deren Leben lauft alles nicht in ruhigen Bahnen , auch hier gibt es Krisen , beide sind auf der Suche nach dem richtigen Platz und Selbstfindung in ihrem Leben... Die Ehe von Max Paul dem Soziologen an der Universität in Helsinki und auch noch ein erfolgreicher Autor und seine Frau Katrina , schlittert unaufhaltsam und immer tiefer in die Krise. Als auch noch beide ein Verhältnis anfangen , Max Paul mit einer blutjungen Journalistin und Katrina mit einem Dozenten , spitzt sich die Lage ihrer Krise mehr als Dramatisch zu ......... Gibt es ein entrinnen aus dieser aussichtslosen Ehekrise und wie soll es weitergehen....... Dabei suchen doch alle nur nach mehr Geborgenheit , Anerkennung , Liebe und Wärme , aber auch Sicherheit und Verständnis..... "Ein fantastischer Roman auf der Suche nach dem Sinn des Lebens " Der Cover des Buches , erinnert mich mit seinem Rot und der Lichterkette an Weihnachten. Der Titel des Buches passt hervorragen zum Inhalt " Winterkrieg " , es ist ein Krieg wie im kalten Winter nur das er in einer Ehe staatfindet. Der Roman hat Fünf Sterne verdient , sein Inhalt ist Brillant und Großartig ! Dem Cover gebe ich vier Sterne Buchtitel:  Winterkrieg

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    • 2
    pallas

    pallas

    09. January 2015 um 11:18
  • Winterkrieg

    Winterkrieg
    BuecherDanny

    BuecherDanny

    Ein finnischer Gesellschaftsroman : Die Eheleute Max Paul und Katriina haben eigentlich alles, was sie zu einem glücklichen Leben brauchen. Einen interessanten Job, eine schöne Wohnung, zwei erwachsene Töchter und Enkelkinder. Doch nach mehr als 30 Jahren Beziehung läuft die Ehe von Max und Katriina alles andere als gut! Die Töchter sind erwachsen und gehen ihre eigenen Wege. Für den Soziologen Max, dem "Sexprofessor" ist es  alles andere als einfach, dass ausgerechnet er und seine Frau getrennte Schlafzimmer haben. Katriina stellt fest, dass ihr Job sie nicht mehr so ausfüllt wie früher. Und da ist da noch die alte, kaputte Küche, die Katriina gerne herausreissen möchte, aber Max ist hartnäckig dagegen. Die Eheleute geraten in eine immer tiefere Krise. Auch ihre beiden Töchter sind nicht zufrieden, wie es in ihrem Leben läuft...    Das Buch beginnt sehr vielversprechend. Der Schreibstil ist locker, manchmal sogar recht lustig! Doch die Situation der Eheleute ist das Gegenteil! Schnell sind einem die Protagonisten vertraut und man durchlebt mit ihnen ihr problematisches Leben. Manchmal schien das Buch etwas langweilig und klischeebehaftet. Doch im Nachhinein, muss ich sagen, dass diese Langeweile perfekt zu dem Gefühlsleben der Protagonisten passt. Zum Beispiel gab es eine Beschreibung von Helen, wie sie die Schweden-Fährfahrt empfunden hat. Sie war recht langatmig und langweilig. Aber genauso hat sie sie ja auch empfunden! Das Buch beschreibt schonungslos das Leben aller Familienmitglieder. Trotz einiger Längen war es flüssig und interessant zu lesen. Das Buch regt zum Nachdenken an, weil es so ehrlich und realistisch ist. Es gibt wohl einige Situationen die auch dem Leser nicht unbekannt sind...

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    • 2
  • Philip Teir - Winterkrieg

    Winterkrieg
    Angelika007

    Angelika007

    10. November 2014 um 10:57

    Winterkrieg beinhaltet alles, was einen großen Roman ausmacht. Durch die wunderbare bildliche Sprache, die packenden, realistischen Dialoge, plötzliche Wendungen, fühlt man sich die ganze Zeit mitten unter den Personen. Das Buch hat so manche unerwartete Wendung parat die einen bis zum Schluß immer noch mehr bannt. Obwohl der Roman in meinen Augen etwas zu langsam und zu langgezogen anfängt, lässt er einen dann auch nicht mehr los. Philip Teir verzichtet auf Anklagen, auf sozialkritische und moralische Zeigefinger, sondern lässt die Figuren ihre Geschichte erzählen auf eine Weise, dass sie direkt ins Herz des Lesers trifft. Unvergessliche Charaktere, die einem so nahe kommen, als würde man sie persönlich seit langem kennen, eine faszinierende und wunderbar gefühlvoll umgesetzte Geschichte, die trotzdem von einer Spannung getragen wird, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte... Diese Buch ist von einem exzellenter Schreibstil geprägt, eine 'bebilderte Sprache' sozusagen,man fiebert von Anfang bis Ende mit dem Schicksal dieser Familie mit... Es gibt diese Momente, in denen alles auf der Kippe steht. Eben scheinen die Dinge des Lebens wohlsortiert und geregelt, und plötzlich, scheinbar ohne äußere Ursache, hinterfragt man alles - was man tut, wer man ist, wen man liebt. Aber gut für alle, die wissen, der Mensch ist so sehr unvollkommen. Für LeserInnen, die schon etwas erlebt haben, die mit Lügen und Schicksalsschlägen leben - sie werden einiges wiederentdecken, es tröstet durchaus, dass es auch anderen so geht, hinter der Fassade. In "Winterkrieg" erleben wir die Geschichte von Menschen, die alle auf ihre Art Opfer ihrer Zeit geworden sind. Fazit: Ein feinfühliger Roman mit viel Tiefe, Sensibilität, der ohne Kitsch und Schnörkel die Komplexität menschlicher Beziehungen beschreibt. Berührend, zum Nachdenken animierend, einnehmend. Sehr empfehlenswert. Das Buch macht nachdenklich, wehmütig, ein wenig traurig auch. Das traurigste daran ist aber, dass es irgendwann zu Ende ist und man sich wünschte, man könnte noch lange weiter lesen.

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  • Der große Gesellschaftsroman aus Finnland

    Winterkrieg
    RubyKairo

    RubyKairo

    06. November 2014 um 21:08

    Ein Roman über die Gesellschaft und vom Glück im Unglück der Familie Paul. Max, ein Soziologe an der Universität Helsinki und erfolgreicher Buchautor, wird das soziale Leben immer unwichtiger, er vergräbt sich hinter seinem Computer und bewegt sich in Internetforen, wenn er sich nicht auf den Tennisplatz flüchtet. Seine Frau Katrina liebt Feste und Gesellschaft, und so leben sie mehr oder weniger nebeneinander her, es fehlt ihnen an Gemeinsamkeiten. Auch die beiden Töchter Helen und Eva hadern mit ihren Lebensmodellen als Lehrerin und zweifache Mutter und Kunststudentin. Eines Tages verliebt sich Max in eine junge Journalistin, eine frühere Studentin von ihm, die ihn anlässlich seines bevorstehenden 60. Geburtstages interviewen möchte. Im kalten Winter von Helsinki spitzt sich die Situation der Familie Paul zu, so sehr, dass im folgenden Frühjahr nichts mehr so ist, wie es einmal war. Ich dachte Gesellschaftsroman aus dem eisigen Norden, nichts für mich… … weil ich aber Covergestaltung und Titel so ansprechend und originell fand, las ich doch mal kurz rein…und schon war ich sofort überzeugt: Gesellschaftsromane sind doch was für mich – jedenfalls wenn sie so wunderbar geschrieben sind wie dieser. Philip Teir ist mit diesem großen Roman ein außergewöhnliches Gesellschaftsporträt gelungen. Ein zeitloses Bild derer, die alles haben und doch nicht glücklich sind. Fantastische Sprache, abgründige Anekdoten über das schräge Ding, das wir Leben nennen. Mein aktueller Tipp für ein literarisches Weihnachtsgeschenk - natürlich nur für die Menschen, denen man mit einem Buch wirklich etwas Gutes tun will. Ein beachtliches Erstlingswerk. Ich bin gespannt, was der Autor noch schreiben wird. Ich bin begeistert!

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  • Von der Unmöglichkeit des Glücks...

    Winterkrieg
    parden

    parden

    VON DER UNMÖGLICHKEIT DES GLÜCKS... Der Debütroman des finnischen Nachwuchsautoren Philip Teir beschäftigt sich exemplarisch am Beispiel einer Mittelschichtsfamilie mit der Fragestellung, weshalb es so schwierig ist, in der heutigen modernen Gesellschaft zu seinem Glück zu finden. Vater Max Paul, gerade 60, Soziologieprofessor und Buchautor, verkriecht sich meist in seinem Arbeitszimmer, fühlt sich allmählich aufs Abstellgleis geschoben und zweifelt am Erfolg seines neuen Buches. Mutter Katriina sucht ihr Heil in der Flucht in die Arbeit, fühlt sich zu Hause weitestgehend überflüssig, vor allem seit beide Kinder ausgezogen sind und sie oft nur noch telefonsichen Kontakt haben. Helen, die älteste Tochter, die früh geheiratet und zwei Kinder bekommen hat, ist davon überzeugt, nur noch in Rollen gefangen zu sein - als Lehrerin sowie als Mutter im Hamsterrad zu stecken und dabei keine Chance zu haben, 'wirklich' zu leben. Und Eva, die jüngste Tochter, hat ihr Studium hingeschmissen und ist spontan nach London gezogen, um dort Kunst zu studieren, beginnt ein Verhältnis mit dem Dozenten und sucht nach ihrem Platz im Leben... "Rousseau meinte, dass es unmöglich sei, bewusst glücklich zu sein. Man wird sich seines Glückes nur in der Rückschau bewusst, nachdem man es schon verloren hat. Wenn man es erlebt, kann man es nicht erkennen, wenn man sich seiner bewusst ist, kann man es nicht empfinden. Auch Hannah Arendt hat etwas Ähnliches gesagt: Um nach oben zu kommen, muss man vorher ganz unten gewesen sein. Das Leben ist im Grunde ein ewiger Kreislauf von Glück und Unglück, das eine setzt das andere voraus." (S. 151) Jede der Personen, obgleich auch Familienmitglied, lebt absolut in ihrer eigenen Welt. Einsame Planeten, die einander umkreisen, sich oft nichts Wirkliches mehr zu sagen haben, alles mit sich alleine ausmachen. Keiner von ihnen glücklich. Jeder lebt nur in seinen 'Rollen', will das eigentlich nicht mehr, ist trotz der gutsituierten Lage, in der er sich befindet, im Grunde unzufrieden. Das Streben nach Glück, nach Sorglosigkeit, danach frei von Erwartungen und Verpflichtungen zu sein, scheint über allem zu stehen. Und keiner weiß, wie er es anstellen soll. Dabei bleibt nicht nur das Verhälntnis der Charaktere untereinander distanziert und oft unterkühlt, sondern auch das zum Leser. Eingebettet ist das ganze in eine meist düstere Betrachtungsweise der Lebensentwürfe, verknüpft mit einer resignierten Lethargie - vielleicht einem finnischen Roman angemessen, mich als Leser hat es jedoch eher deprimiert. Das war beileibe keine einfache Lektüre, und für mich konnte das Buch insgesamt leider nicht halten, was ich mir davon versprach. Das lag jetzt nicht unbedingt an den ständigen Perspektivwechseln zwischen den verschiedenen Familienmitgliedern. Die irritierten anfangs zwar, weil einem die Personen gleich wieder aus den Fingern flutschten, wenn man sie gerade ein wenig zu fassen glaubte. Aber nach etwa einem Drittel hatte ich mich daran gewöhnt und erlebte sie nicht länger als störend. Aber, und das finde ich sehr bedauerlich, diese Wechsel waren mir inzwischen auch fast egal. Alles plätschert so vor sich hin, ich las es, nahm es zur Kenntnis, ach, jetzt kommt was anderes, auch gut, mach mal eine Pause. So gut wie dieses Buch habe ich schon lange keines mehr 'mal eben' zur Seite legen können. Schade, echt. Der flüssige Schreibstil konnte da auch nicht über die neutrale Erzählweise und das einförmige Dahinfließen der Erzählung hinwegtrösten. Dennoch fand ich das Buch nicht durchgehend schlecht, auch wenn jetzt hier vielleicht der Eindruck gewonnen werden kann. Die Suche nach dem Glück und wie schwierig diese sich gestaltet angesichts der Gegebenheiten unserer modernen Gesellschaft ist schon ein interessantes Sujet, und ich habe jetzt auch nicht ungern Familie Paul ein Stück bei ihrer Suche begleitet. Aber diese Fragestellung ist nicht neu und spektakuläre Erkenntnisse oder Wendungen konnte Philip Teir hier für mich nicht bieten. Trotz allem bietet das Buch dem Leser dann aber auch einen Gedankenanstoß, wo er selbst im Leben steht und ob dies dem eigenen Lebensentwurf wirklich nahe kommt... © Parden

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    • 11
  • Winterkrieg

    Winterkrieg
    HeikeM

    HeikeM

    06. October 2014 um 11:42

    Gern ließ ich mich von Autor Philip Teir gedanklich nach Finnland mitnehmen. Mit seinem Roman erzählte er nicht nur eine Familiengeschichte, er vermittelte mir gleichzeitig ein interessantes Gesellschaftsbild vom Finnland unserer Zeit. Seine Protagonisten stammen allesamt aus der bürgerlichen Mittelschicht und wurden so charakterisiert und beschrieben, dass man sich gut in sie hineinversetzen konnte und nach kurzer Lesezeit glaubte, Max und Katriina, Eva und Helen sind Menschen, wie man selbst welche kennt. Sie haben sich mit ihrer Sinnsuche und dem inneren Konflikt zwischen Unabhängigkeit und Sicherheit nicht zu weit von meiner Gedankenwelt entfernt. Doch gerade diese Sinnsuche erschien mir dann ein wenig oberflächlich. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Tiefe in den Dialogen und Gedanken der Figuren gewünscht. Ein wenig vermisste ich auch, dass der Autor meine eigenen Gefühle für seine Helden anspricht. So blieben zu ihnen trotz allem Verständnis für ihr Tun und Lassen stets eine kühle Distanz. Der Autor zeichnete ein sehr gutes Gesellschaftsbild, von dem die Protagonisten aber gelegentlich in den Hintergrund gedrängt wurden. „Winterkrieg“ lässt sich gut und recht flüssig lesen und erzählt von alltäglichen Problemen, die weder neu noch noch fremd sind. Sei es der zweite Frühling oder das sich selbst Finden in jungen Jahren, alles wurde unterhaltsam, manchmal etwas skurril, manchmal mit unterschwelligem Witz an den Leser gebracht. Der Roman wies nur wenige Längen auf und bescherte mir abwechslungsreiche Lesestunden.

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  • Enttäuschender Gesellschaftsroman

    Winterkrieg
    uli123

    uli123

    05. October 2014 um 17:35

    Selten habe ich mich bei der Auswahl eines Buches aufgrund seines Klappentextes so vergriffen wie bei dem vorliegenden. Dabei hat der Buchinhalt durchaus seinen Reiz: Während des Zeitraumes von November bis März nehmen wir teil am Familienleben der Pauls in Helsinki. Vater Max ist Soziologe an der Universität mit dem Schwerpunkt Sexualität und Ehe. Er zehrt von einem früheren Erfolg als Buchautor. Sein 60. Geburtstag lässt ihn in eine Midlife-Crisis geraten, er beginnt ein Verhältnis mit einer ehemaligen Studentin. Seine Frau Katriina ist unzufrieden mit ihrem Job, sie frönt dem Alkohol. Von den beiden erwachsenen Töchtern führt die eine ein nicht recht glückliches Leben als Lehrerin und zweifache Mutter und flieht die andere ohne konkretes Lebensziel mit knapp 30 ins Ausland, um ein Kunststudium aufzunehmen. Dort beginnt sie eine Affäre mit einem Dozenten. Allerdings ist die Umsetzung nicht recht gelungen. Viele Episoden werden zusammenhanglos aneinandergereiht, jeweils erzählt aus der Perspektive eines Familienmitglieds. Die Anhäufung von sozialkritischen und philosophierenden Betrachtungen hinterlässt einen schwadronierenden Eindruck und verbreitet eine negative, düstere Stimmung. Mir stellt sich die Frage, ob die Finnen generell derart unzufrieden sind. Das Lesen wird erschwert durch viele finnische Namen und Begriffe, die der deutsche Leser nicht verstehen und einordnen kann. Der Buchtitel spielt auf den gleichnamigen Krieg zwischen Finnland und der Sowjetunion im Jahr 1939/40 an. Was er allerdings mit der Familie Paul zu tun hat, erschließt sich mir nicht.   Hoffentlich hat das diesjährige Gastland Finnland auf der Frankfurter Buchmesse interessantere Autoren zu bieten.

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  • Winterkrieg

    Winterkrieg
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    Als Winterkrieg wird der von November 1939 bis März 1940 um territoriale Ansprüche geführte Krieg zwischen der Sowjetunion und Finnland bezeichnet. Jahreszeitlich ähnlich verortet, nämlich von November bis März, geht es in dem Debütroman von Philip Teir aber um ganz andere Kriegsschauplätze, nämlich denen einer finnischen Familie und im speziellen einer langjährigen Ehe.  Max Paul, anerkannter Soziologe arbeitet an einer Biografie über Edvard Westermarck, den bedeutenden Philosophen und Soziologen der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Es will nicht so recht vorangehen und sein 60. Geburtstag naht. Wie bei vielen Altersgenossen auch ein Datum, das Fragen aufkommen lässt über das vergangene Leben, die noch verbleibende Zeit, die eigene Attraktivität auch auf das andere Geschlecht.  Max Bilanz sieht gar nicht so trostlos aus, eigentlich ist er ganz zufrieden, wäre da nicht die hübsche, junge Journalistin Laura...  Kein neues Thema, aber immer wieder aktuell.  Auch nicht neu, dass seine Frau Katriina die ganze Sache etwas anders sieht. Unzufriedenheit und Überdruss fühlt sie schon geraume Zeit in der Ehe. Beruflich erfolgreich, sucht sie einen Ausweg.  Die beiden Töchter leben unterschiedliche Lebensmodelle: Die ältere Helen ist Lehrerin, verheiratet und Mutter zweier Kinder. Dass das vermeintliche Familienglück auch Risse aufweist, zeigt sich, als Ehemann Christian zunehmend Zeit mit einem neuen Freund verbringt.  Eva, die jüngere Tochter, ist die typische Vertreterin einer Generation, die nicht erwachsen werden will. Sie nimmt mit fast 30 ein Kunststudium in London auf, lässt sich mehr oder weniger treiben, u.a. ins Bett ihres Dozenten, wird schwanger, will die Verantwortung für dieses Kind aber nicht übernehmen, treibt ab. Erst allmählich verändert sie sich, als sie den Occupy-Aktivisten Russ kennenlernt. Die Konstellationen sind so neu nicht. Die Familie Paul, ihre Freunde und Bekannte sind Vertreter einer typischen Gesellschaftsschicht, wie sie überall auf der Welt lebt. Deshalb ist auch der finnische Aspekt an diesem Roman relativ klein. Ein wenig erfährt man über die finnische Lebensweise, hin und wieder wird die finnische Landschaft geschildert. Aber die Menschen sind global vernetzt, man lebt ein paar Jahre in den USA oder in London, arbeitet auf den Philippinen. Das Ungenügen am eigenen Leben, der Überdruss, die Suche nach einem Sinn und einem Neuanfang, der Widerstreit zwischen der Sehnsucht nach Freiheit und der nach Geborgenheit sind ihnen mit vielen ihrer Standesgenossen quer über den Erdball gemein.  Auch wenn man genau das schon viele Male gelesen hat, überzeugt Philip Teir durch psychologisch glaubhafte Menschenschilderungen und einen ansprechenden, unterhaltsamen Stil.

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