Philipp Blom Bei Sturm am Meer

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Inhaltsangabe zu „Bei Sturm am Meer“ von Philipp Blom

Ein Hotelzimmer in Amsterdam: Ben wartet auf die Urne mit der Asche seiner Mutter Marlene. In einem Brief an seinen vierjährigen Sohn versucht er zu erklären, wie es dazu kam, dass sich sein Leben plötzlich verändert hat. Vor vierzig Jahren erfuhr Ben, dass sein eigener Vater entführt und ermordet wurde, im kolumbianischen Rebellengebiet, wo er im Auftrag eines deutschen Magazins unterwegs war. Danach änderte sich für Bens Mutter alles. Doch erst nach Marlenes Tod erkennt Ben, in welchem Ausmaß seine Mutter sich in Lebenslügen verstrickt hatte und dass die Geschichte seiner Familie eine große Illusion ist.

lebenslüge, Famliengeheimnisse.... das Leben einfach und die Suche nach sich selbst.

— iareyesp
iareyesp

Ein Buch dessen Geschichte gewaltig ist. Wie Wellen bei Sturm am Meer vor denen man Angst haben muss fortgetragen zu werden ...

— 19angelika63
19angelika63

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  • Eine gekonnt und mit frischer Sprache erzählte Geschichte

    Bei Sturm am Meer
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    10. January 2017 um 14:04

    Seinen nunmehr dritten Roman hat der in Wien lebende gebürtige Hamburger Philipp Blom hier vorgelegt. Es erzählt sprachlich anmutig und ambitioniert die Geschichte einer Familie über drei Generationen hinweg, eine Geschichte von zerplatzten Träumen und lebenslangen Lügen.Ben heißt die 44- jährige Hauptfigur dieser durchaus spannenden Familiengeschichte voller Täuschungen  und Selbsttäuschungen. Er befindet sich in Amsterdam. Dorthin ist er gegen den Widerstand seiner Frau gereist, um dort die Urne seiner verstorbenen Mutter Marlene zu bestatten. Aber weil die Urne irgendwo auf ihrem Postweg verschollen ist, muss er mehrere Tage warten. Er nutzt diese Zeit, um seinem vierjährigen Sohn Ben einen Brief zu schreiben, den dieser lesen soll, wenn er erwachsen geworden ist. Für Ben selbst wird dieser Brief zu einer erschütterten Reise zu sich selbst:"Ich will Dir alles erzählen und kann nur hoffen, dass du, wenn du in meinem Alter bist, selbst genug gelebt und gesehen hast, um jemanden zu verstehen, der gerade am Punkt des Scheiterns steht, der Protagonist einer absurden und improvisierten Familienkomödie."Immer wieder taucht eine Metapher auf, die für seine eigene Lebenswahrnehmung gilt, wie auch für die seiner Großmutter Elly und seiner Mutter Marlene, das Gefühl „bei Sturm am Meer“, übrigens auch der Titel eines Gemäldes, das bei seiner Mutter in der Wohnung hing.Ben hat all die Jahre seines Lebens seiner Mutter geglaubt, die ihm erzählte, sein Vater sei als Spiegelreporter in Kolumbien verschwunden. Ob entführt oder umgebracht, bleibt unklar, aber sie lässt ihn für tot erklären. Doch Ben findet in der Unterlagen seiner verstorbenen Mutter Hinwies die ihn zu einer Frau führen, die die wahre Geschichte kennt und sie ihm auch ausführlich erzählt, als er sie aufsucht. Die Lebenslügen, die hier zum Vorschein kommen, stellen Bens ganzes bisheriges Leben in Frage und es bleibt ihm keine andere Wahl, als sich ihnen zu stellen. Doch er selbst spürt mehr und mehr, dass er dazu neigt, sich beim Aufschreiben seiner Geschichte an seinen Sohn selbst etwas vorzumachen, die Lebenslügen seiner Eltern zu wiederholen.Ob ihm das gelungen wird, ob er sein Leben und seine Ehe und sein Familienleben noch einmal auf die Reihe bekommen wird, lässt Philipp Blom offen. Weil Blom die Vergangenheit häppchenweise und sukzessive für Ben und somit auch für den Leser offenlegt, ist der Roman spannend zu lesen. Und er fordert heraus. Wie sieht es in deinem eigenen Leben aus? Wie hast du dir es zurechtgelegt, welche Phasen und Geschehnisse lässt du liebe im Dunkeln?Eine gekonnt und mit frischer Sprache erzählte Geschichte.

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  • Lebenslügen und menschliche Fassaden

    Bei Sturm am Meer
    Devona

    Devona

    17. November 2016 um 07:46

    Philipp Blom legt dem Leser mit diesem schmalen, nur 224 Seiten umfassenden Band einen kleinen literarischen Schatz vor. In beeindruckend virtuoser und differenzierter Sprache demontiert er -wie im Klappentext bereits angedeutet- auf diesen wenigen Seiten die Lebenslügen der Familie von Ben, wie selbstverständlich lässt er Fassaden zusammenbrechen und stürzt seinen Protagonisten in das Chaos des zurückbleibenden Scherbenhaufens. Über weite Strecken in ich-Form geschrieben, gibt Philipp Blom Ben aber auch kleine Verschnaufpausen in Form von einigen, wenigen Kapiteln, die in personaler Erzählperspektive geschrieben sind. Der Anfang der Geschichte ist recht makaber: Die Post hat die Urne von Bens Mutter verschlampt. Marlene wollte dort beerdigt werden, wo sie aufgewachsen ist: in Holland. Die Urne kann aufgrund bestimmter (vermutlich schwer bürokratischer) EU-Vorschriften nur per Post dorthin gelangen und so sitzt nun Ben in einem Hotel in Amsterdam und muss warten, bis die Urne wieder auftaucht und er sie in Empfang nehmen kann. Ben ist 44 Jahre alt, er trauert um seine Mutter, zu der er eine ganz besondere Beziehung hatte, seitdem sein Vater im kolumbianischen Rebellengebiet verschwand und getötet wurde, als er gerade mal vier Jahre alt war. Der Vater, mit dem ihn  nur noch bruchstückhafte Erinnerungsfetzen verbinden, an die er sich aber klammert wie ein Ertrinkender, um sie nicht zu verlieren. Auch Ben hat einen vierjährigen Sohn – und seine Beziehung zur Mutter des Kindes bekommt gerade die ersten Risse. Xenia wirft ihm vor, sich seit dem Tod von Marlene verändert zu haben, kaum noch für sie und das Kind da zu sein. Bevor Ben nach Amsterdam aufbrach, hat er seinen Sohn gebadet und ins Bett gebracht. Und er hat geweint. Er weiß, dass ihn in Amsterdam nicht nur die Beerdigung seiner Mutter erwartet, sondern auch eine fremde Frau, die ihn auf der Trauerfeier angesprochen hat und die ihn um seinen Besuch gebeten hat: Clara. Clara, die seine Mutter offensichtlich sehr gut gekannt hat und von der Ben bis zu diesem Tage keinen blassen Schimmer hatte. Clara, die unbedingt mit ihm sprechen muss… Während er auf die Urne wartet, beginnt Ben zu schreiben. Für seinen Sohn, der den Brief bekommen soll, wenn er so alt ist wie Ben jetzt: mit 44. Ben beginnt mit den Erlebnissen um Marlenes Krebstod im Krankenhaus: sie will den Krebs als tödliche Krankheit nicht akzeptieren und anerkennen, selbst völlig ausgezehrt in den letzten Stunden weigert sie sich vehement, der Wahrheit ins Auge zu sehen und inszeniert ihren Abgang auf eine für Ben verstörende Weise. Dem Leser wird in dieser Phase des Buches Aufmerksamkeit abverlangt: Ben springt in seinen Erinnerungen zeitlich hin- und her. Auch Großmutter Elly wird thematisiert, wie es dazu kam, dass sie in Holland lebte, Marlene dort geboren wurde und aufwuchs, das sehr ambivalente Verhältnis zwischen beiden Frauen und Bens Wahrnehmungen und Erinnerungen an seine Großmutter, als er Kind war. Die Zeitsprünge in Bens Gedankenwelt geben der Geschichte Glaubwürdigkeit. In diesem ersten Teil des Buches  versucht er, zu sortieren und einzuordnen um nach Marlenes Tod irgendwie Halt zu finden, er schreibt seine Familiengeschichte, so wie er sie bisher kannte und wahrgenommen hat. Ihm kommen unbewusst die ersten Ahnungen, dass da vielleicht gar nichts ist, was man sortieren und einordnen könnte: Clara wartet und Ben hat in Marlenes Schreibtisch einen Brief seines Vaters gefunden. Einen Brief, der geschrieben wurde, als sein Vater bereits ein Jahr tot war, wie er im Vergleich mit der damaligen Pressemeldung über dessen Tod feststellen muss. Der zweite Teil des Buches zeigt dem Leser, dass das Enttarnen von Lebenslügen eigentlich kein großer Akt ist: zu wacklig sind die Grundlagen, auf denen sie -stets dem Weg des geringsten Widerstandes folgend- errichtet sind, zu groß ist der Dominoeffekt. Da reicht ein kleiner Anstoß. Zurück bleibt ein völlig entwurzelter Ben, auf den trotz allem die Klärung der im Raum schwebenden Frage wartet: auf welcher Grundlage baue ich nun MEIN Leben auf? Eine bröckelnde Beziehung kitten oder das Jobangebot aus Paris annehmen? Und was bedeutet das für MEINEN Sohn? Der Autor lässt den Leser an DIESER Entscheidung nicht mehr teilnehmen. Ben muss allein heraus finden, wie er die jüngsten Erfahrungen und das völlig verändertes Bild seiner Herkunftsfamilie für Entscheidungen, die seine Zukunft betreffen, nutzt. Ein sehr weises Ende. Fazit: sehr empfehlenswertes Buch, das in kongenialer Erzählung die inneren und äußere Lebensstürme beschreibt, die jeden von uns ereilen können, wenn wir nicht unserem Inneren folgen und im Außen Fassaden errichten, die nur den schönen Schein abbilden. Ein Buch, welches dem Leser einen Spiegel vorhält und zum Nachdenken über den eigenen Lebensentwurf anregt.  www.buchimpressionen.de

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  • Lebenslügen

    Bei Sturm am Meer
    19angelika63

    19angelika63

    19. September 2016 um 16:18

    KlappentextEin Hotelzimmer in Amsterdam: Ben wartet auf die Urne mit der Asche seiner Mutter Marlene. Er ist alleine. In einem Brief an seinen Sohn versucht er zu erklären, wie es dazu kam, dass sich sein Leben plötzlich verändert hat.Vor vierzig Jahren erfuhr Ben, dass sein eigener Vater entführt und ermordet wurde, im kolumbianischen Rebellengebiet, wo er im Auftrag eines deutschen Nachrichtenmagazins unterwegs war. Marlene und Henk - in Hamburg standen sie im Mittelpunkt, waren Teil der linken Szene. nach der Entführung änderte sich für Bens Mutter alles. Doch erst durch das Auftauchen einer unbekannten Frau erkennt Ben, in welchem Ausmaß sich Marlene in Lebenslügen verstrickt hatte."Eine Regenböe erfasste Ben, als er um die Ecke bog. Er lehnte seinen Körper in den Wind. Er liebte dieses Gefühl, die Nässe auf dem Gesicht, die ihn erfrischte, der Widerstand, gegen den er ankämpfte. Diese Stadt war für ihn immer die Freiheit gewesen." (Seite 34)Ben ist vierundvierzig und sitze in einem Hotelzimmer in Amsterdam fest. Dort wartet er auf die Urne seiner Mutter, die in der Post verloren gegangen ist. Es wird fünf Tage dauern, bis die Beisetzung stattfindet. In dieser Zeit pendelt Ben zwischen Hotel, Wohnung der Mutter und Orten seiner Kindheit hin und her. Er schreibt einen Brief an seinen vierjährigen Sohn, der diesen erst in Bens Alter lesen soll. Es ist ein Rückblick und zugleich auch Ausblick auf Bens Leben und das seiner Familie. Ben ist so alt wie sein Sohn jetzt (vier Jahre) als sein Vater von Rebellen entführt und umgebracht wird. Dadurch und durch die Geschichten die man ihm erzählt hat, wächst Ben mit einem Heldenvater auf. Doch nach und nach erfährt er in den fünf Tagen, in denen er auf die Urne seiner Mutter wartet, die Wahrheit. Dinge, die ihm sein Leben lang verschwiegen wurden und er fragt sich, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte er die Wahrheit gewusst. "Ich fühlte, wie die Schwere mich überkam. Ich fühlte: Dies ist der entscheidende Moment, so also fühlt es sich an, einen wichtigen Moment zu erleben, so fühle ich mich in dem Augenblick, bevor ich den Vorhang des Tempels zerreiße, bevor ich Schluss mache mit dieser Geschichte, mit ihrer Geschichte, die auch meine ist. Ich kann diese Lügen nicht mehr ertragen, sie wird in kurzer Zeit daran ertrinken, sie hat nicht mehr viel Zeit, (...)" (Seite 58/ 59)Dieses Buch von Philipp Blom muss man mit höchster Aufmerksamkeit lesen, da der Autor in seiner Geschichte sehr springt. Mal ist er der kleine Junge und ein Satz weiter ist er der Mann, der seinem Sohn einen Brief schriebt. Doch durch diese erhöhte Aufmerksamkeit, die man dieser Geschichte entgegenbringen muss, reist sie mich mit, wie Wellen beim Rückzug ins Meer den Sand vom Strand. Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie die über Generationen versucht den äußeren Schein zu wahren. Die sich immer mehr und mehr in Lebenslügen verstrickt, so dass auch ich am Ende nicht wirklich weiß, was ist die Wahrheit und was ist eine Lebenslüge. Mit dieser Geschichte hält Blom uns aber auch einen Spiegel vors Gesicht und man muss sich fragen wie viel Schein und/ oder Lebenslügen  gibt es in unserem Leben?"Geht es dir auch manchmal so, fragte er unvermittelt zurück, dass du dich in einem Leben wiederfindest, das zum Großteil eine Folge deiner Entscheidungen ist, das aber gleichzeitig mit den Konsequenzen, wie du sie dir ausgemalt hattest, nichts zu tun hat?" (Seite 189)Ein Buch dessen Geschichte gewaltig ist. Wie Wellen bei Sturm am Meer vor denen man Angst haben muss fortgetragen zu werden...Unbedingt lesen!!!

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  • Hervorragend erzählte Lebensdramen

    Bei Sturm am Meer
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    15. August 2016 um 11:52

    Hervorragend erzählte LebensdramenAuf der einen Seite ist dieser kleine Kanal hinter dem Haus nicht das große weite Meer und auch das Wetter ist in dieser Szene im Buch nicht stürmisch, dennoch aber lässt Blom auch dort einen äußeren und inneren Sturm stattfinden. Der äußere besteht aus geworfenem Hundekot, der innere daraus, dass die damals noch junge Marlene schockiert ist über den Hass hinter diesem wahrhaften „Shit-Storm“, der ihr als Holländerin mit deutscher Mutter rau entgegenbläst, der andere ist die Frage, wie sie ihrer Mutter, dieser von den Nachbarn geschnittener Frau mit dem harten, deutschen Akzent so verdreckt gegenübertreten kann.Eine Szene als Sinnbild für die rote Linie des ganzen Romans, denn hinter den äußeren Fassaden des Lebens von Marlene, ihrer Mutter Elly, die einfach auf Schicklichkeit in vielerlei Hinsicht und Ben, Sohn von Marlene und Enkel von Elly werden ebenfalls „stürmische Verhältnisse“ zu finden sein, die weder der Leser noch Ben so auch im Entferntesten erwartet hätten.Obwohl, wenn man ruhig liest, Hinweise gibt Blom in der ersten Hälfte seines Romans, der sehr differenzierte und intensiv zu lesen Hinführung zu den Personen und Umständen schon. Verdeckt.„Obwohl mir hier alles vertraut war, fühlte es sich doch falsch an, übertrieben und künstlich, wie das Set für einen Film über Einsamkeit“.Einsamkeit, die ihren Grund hat. Die ihren Ausdruck im Alkohol findet. Und ein Set, das tatsächlich nur die künstlich aufrecht erhaltene Seite eines Familienlebens darstellt, das dahinter mit dramatischen Geheimnissen gefüllt ist.Verhältnisse, Ereignisse, die Blom kongenial sprachlich zu schildern versteht. Mit seinem differenzierten Sprachschatz und im mühelos scheinenden Fluss der Worte nimmt der den Leser immer und immer wieder unmittelbar mit hinein in das Geschehen und das innere Erleben seiner Protagonisten. Es fällt nicht schwer, in all dem zu verstehen, warum das Meer und der stürmische Wind Marlenes Lieblingsort sind. Dieser Geschmack von Freiheit, dieses Durchlüften des eigenen Lebens, auch der Lebenslügen.Wie dabei Blom intensiv zu schildern versteht, ist wunderbar. Wenn er die Sterbezeit von Marlene schildert, die Ben den Anlass gibt, die Dinge seines eigenen familiären Lebens als Brief für seinen gerade vierjährigen Sohn aufzuschreiben, wie das Aufbäumen der Sterbenskranken, die Ignoranz den Diagnosen gegenüber dem Leser die Kehle eng werden lässt, wie dann das eigene Erleben Bens hinzutritt und dies im Krankenzimmer mehr und mehr sich verdichtet, das liest sich ganz hervorragend.„Ich kann nicht richtig in Worte fassen, wie es war, sie im Krankenhaus liegen zu sehen“.Ben mag das so denken, Blom aber findet genau die richtigen Worte, wie im gesamten Roman. Vor allem ab dem Zeitpunkt, an dem die Fassade des Lebenshauses zumindest für Ben einstürzt. Dessen Vater als junger Reporter in Kolumbien verschollen zu sein scheint, von dem nur Erinnerungsfetzen noch im Raum stehen zu Beginn des Romans, dessen Geschick und Ergehen aber mehr und mehr eine zentrale Rolle spielen wird in dem, was Elly und ihre Tochter Marlene als Lebenskonstrukt erbaut haben.Warum das so gewesen ist, wie es dazu kam und welchem Zweck das Ganze überhaupt dienen sollte, das ist Teil der zweiten Hälfte des Buches und von Blom in sich überaus folgerichtige angelegt.Ein Buch, das aufzeigt, wie sehr der äußere Schein trügen kann, wie wichtiger der äußere Schein zu sein scheint, wenn er weite Teile eines Lebens wie ein Schauspiel formt und welche Auswirkungen das dann auf „die Nachkommenden“ hat, bis zur letzten Seite hält Blom dem Leser mit all dem auch einen Spiegel vor Augen, die eigenen „Schauspiele“ näher zu betrachten.Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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