Philipp Blom Die Welt aus den Angeln

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Inhaltsangabe zu „Die Welt aus den Angeln“ von Philipp Blom

Lange kalte Winter und kurze kühle Sommer: Im 17. Jahrhundert veränderte sich das Klima in Europa dramatisch. Das Getreide wurde knapp, Wirtschaft und Gesellschaft torkelten in eine tiefe Krise. Die Kleine Eiszeit vermittelt uns eine Vorstellung von den schweren Verwerfungen, die ein Klimawandel auslöst. Die Menschen versuchten sich mit Hilfe von Aufklärung, Wissenschaft und Technik aus der Abhängigkeit von der Natur zu befreien. Aber heute stößt diese moderne Welt an ihre Grenzen, weil sie eine erneute Klimakatastrophe heraufbeschwört. Philipp Blom entfaltet ein großartiges historisches Panorama, in dem wir die Herausforderungen der Gegenwart erkennen.

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  • Wenn das Klima Kapriolen schlägt

    Die Welt aus den Angeln

    michael_lehmann-pape

    24. February 2017 um 14:28

    Wenn das Klima Kapriolen schlägt Das sich was verändert am Klima, das sind Fakten unserer Zeit. Veränderungen, die gefährlich werden können, die ein Anpassung dringend benötigen. In der Welt der Dinge durch Schutz der Küsten und der Lebensmittelerstellung, im übertragenen Sinne durch die Entwicklung einer anderen, tragfähigen Haltung für die Sicht der Welt und die Lebensweise der Gesellschaften. So dramatisch das ist, neu im eigentlichen Sinne ist beides in keiner Form. 130 Jahre lang, so führt Blom in seinem Werk aus, lag in den Jahren von 1570 bis 1700 eine „kleine Eiszeit“ unter empfindlichem Absinken der Durchschnittstemperaturen samt deutlicher Erhöhung von Niederschlägen vor. Und sein Buch gibt Einblick darin, wie sich in jener Zeit die Menschen diesem „Umschwung“ gegenüber adaptierten. Mit immensen und grundsätzlichen kulturellen Folgen gerade in Europa, die die Gegenwart mehr als alles andere auch im theoretischen Denken bestimmen. Eine damalige Adaption an die Gefährdungen durch das veränderte Klima, indem Wissenschaft und Technik und ein „freies Denken“ sich, gegen den Widerstand althergebrachter Autoritäten gerade in Fragen des Glaubens, etablierten und so den drängenden Problemen von Nahrungsknappheit und klimatischen Herausforderungen mit kreativen Lösungen entgegentreten konnten. Klimageschichte wird damit bei Blom in sehr flüssiger und poetisch bildkräftiger Sprache zur Kulturgeschichte, die „Aufklärung“ zur unmittelbaren Folge des damaligen Klimawandels, die Kämpfe der „liberalen Haltung“ gegenüber der „autoritären Haltung“ zu einem seitdem andauernden Konkurrenzsystem. Anschaulich schildert Blom diese Entwicklungen und stellt die innere kulturelle Haltung der „zwei Pole („Träume“)“ angesichts der äußeren Veränderungen umfassend dar. Flexibel liberal, aufgeschlossen, sich wandelnd auf der einen Seite. „Dynamische Gesellschaften bringen sozialen und technologischen Wandel, Migration, neue Moralvorstellungen und einen Abschied von ewigen Wahrheiten“. Und antiaufklärerisch, auf den „Schwachpunkt“ der Aufklärung, die „“Entwurzelung des Menschen“ hingerichtet andererseits. Ein „Traum“, eine kulturelle Haltung, die individuelle Rechte und Freiheiten nachrangig hinter den „Bestand der Gruppe“ und die „Folgsamkeit gegenüber den Anführen“ stellt. Diese „Konkurrenz“ kultureller Haltungen, die nicht in einem Kompromiss zusammengebracht werden können, entstand angesichts der Herausforderungen der veränderten Umweltbedingungen damals (mit einem vordergründig nur im Westen), „Sieg der Aufklärung“ und der Entstehung liberaler Demokratien) bereits in hefiger Form. Und dies ist die innere Verbindung zur Gegenwart, die Blom zieht. Indem er die „neuen“ klimatischen Herausforderungen und die ebenfalls auftretenden wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen der modernen Welt exakt mit jenen beiden Polen, kulturellen „Träumen“ zusammenbringt. Denn damals wie heute stehen liberale Freiheit, individuelle Lebensweisen und „freier Fortschritt“ dem Ruf nach „straffer Führung“ und ethnischer „Bewahrung“ im „kollektiven Traum“ gegenüber. Eine Reibung zwischen dynamischen und freiheitlichem Wandel angesichts der landwirtschaftlichen Nöte durch die „kleine Eiszeit“ mit immenser Kraft im 17. Jahrhundert versehen und der „kulturelle Essenzialismus“, welcher der „autoritären Haltung“ zugrunde liegt und seine Wurzeln im Denken der Romantik findet, an dem sich die weitere Geschichte der Gattung Mensch im Anblick ebenso starker, neuer klimatischer Herausforderungen und wirtschaftlicher Konkurrenzen nun aktuell wiederum intensiv befindet. Bloms Haltung in Richtung einer liberalen gesellschaftlichen Lebenshaltung wird dabei durchaus deutlich, ohne dass damit seine kritische Betrachtung dieser Haltung und die ebenso sachgerechte Beschreibung der „anderen Haltung“ beeinträchtigt wird. Insgesamt erhält der Leser eine umfassende Erläuterung der „Geschichte der Wurzeln der Moderne“ und einen ebenso umfassenden Überblick über die Argumente von Pro und Contra beider „Träume“, mit den, in den Augen Bloms, jeweils daraus folgenden Entwicklungen. Eine hochinteressante und glänzend verfasste Lektüre, die (etwas entgegen dem Titel), kein „klimatisches Fachbuch“ des 17. Jahrhundert beinhaltet, sondern dies vor allem zum Anstoß nimmt, „Klima“ als „gesellschaftliches Klima“ im übertragenen Sinne des Wortes zu verstehen und für damals und heute ausführlich in den Haltungen und Folgen zu beleuchten. Mit einem übrigens durchaus düsteren Ausblick am Ende. Der wiederum mit den Metaphern spielt und „Bienen“ im eigentlichen Sinne damit ebenso meint, wie „Bienen“ als Metapher für den Menschen. Beide Arten drohen, unterzugehen. Und „einfache“ Gegenmittel werden sich nicht finden lassen, trotz aller populistischen Reden und markigen Worte.

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