Die Welt aus den Angeln

von Philipp Blom 
3,8 Sterne bei4 Bewertungen
Die Welt aus den Angeln
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Hat mich diesmal nicht ganz überzeugt - Zuviel Philosophie, Zuwenig Klima

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Inhaltsangabe zu "Die Welt aus den Angeln"

Der Klimawandel am Beginn unserer modernen Welt

Im 16./17. Jahrhundert veränderte sich das Klima in Europa dramatisch, Missernten und Hungersnöte waren die Folge. Wirtschaft und Gesellschaft gerieten in eine tiefe Krise. Die Kleine Eiszeit vermittelt eine recht konkrete Vorstellung von den schweren Verwerfungen, die ein Klimawandel auslöst. Die Menschen versuchten, sich mithilfe neuer Erkenntnisse, Methoden und Technik aus der Abhängigkeit von der Natur zu befreien. Politische und soziale Umbrüche, Industrialisierung und schließlich Globalisierung folgten. Heute stößt diese moderne Welt an ihre Grenzen und steht angesichts einer auch selbst heraufbeschworenen Klimaproblematik vor erneuten Herausforderungen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423349406
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:30.11.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Hat mich diesmal nicht ganz überzeugt - Zuviel Philosophie, Zuwenig Klima
    Zuviel philosophiert

    In diesem Buch untersucht Philipp Blom die Auswirkungen der kleinen Eiszeit zwischen 1570 und 1700 auf die Vegetation bzw. auf Mensch und Vieh. Blom erzählt von zugefrorenen Flüssen, Missernten, Staatskrisen und Hexenverbrennungen und springt zeitlich und geografisch häufig hin- und her. Hauptaugenmerk liegt auf den Niederlanden, da dort die Maler das bunte treiben auf zugefrorenen Grachten dargestellt haben. Auch von London gibt es Gemälde von Eisläufern auf der Themse. Die Abbildungen hierzu lockern das Buch recht gut auf. Die anderen Abbildungen von diversen Philosophen, Herrschern und Geistlichen sind leider beim Drucken nicht so toll gelungen.

     

    Die Verquickungen Religion und Alltag brechen langsam durch die Naturwissenschaftler auf. Nicht jedes Naturereignis ist die Strafe Gottes, auch wenn das nach wie vor von hauptsächlich katholischen Geistlichen behauptet wird. Je mehr Bildung die Menschen erfahren, desto weniger geraten sie an Quacksalber, Heilsverkünder oder sonstige Scharlatane. Interessant herausgearbeitet ist, dass es das Bürgertum ist, dass langsam aber sicher durch den Handel und das Gewerbe zu Vermögen kommt und sich von der Masse der verarmten, ungebildeten Bauern und Tagelöhnern abhebt. Doch auch der Adel ist häufig bar jeder Bildung.

     

    Philipp Blom ist als detaillierter Sachbuchautor bekannt. Seine Recherchen sind penibel und haben Hand und Fuß. Doch diesmal ist er in der Mitte des vorliegenden Buches für meinen Geschmack zu sehr in das Philosophische abgedriftet. Nicht, dass die Ideen, Theorien und Ansichten nicht interessant sind, nur zum Thema passen sie nicht ganz.

    Der philosophischen Betrachtungen wird recht viel Platz eingeräumt. So werden mehr oder weniger bekannte Philosophen wie z. B. Voltaire, Descartes, Gassende, Giordano Bruno, oder Mersenne übermäßig zitiert, die Erfindung des Buchdrucks, ein Isaac Newton, Johannes Kepler, Galileo Galilei und ähnliche Zeitgenossen, finden nur kurze oder gar keine Erwähnung. Dabei haben die technischen Erfindungen einen hohen Anteil an der Weiterentwicklung von Stadt und Land.

    Die Einführung in den Merkantilismus ist zwar recht nett, hat aber auch nur bedingt mit der kleinen Eiszeit zu tun. Der Stehsatz, „mehr exportieren denn importieren um einen Handelsbilanzüberschuss zu erzeugen“ ist unabhängig von einer Klimaverschiebung.

     

    Die Episode rund um die Vernichtung der Spanischen Armada nicht nur durch die Englische Flotte hat mir gut gefallen. Solche Bespiele hätte ich mehr gelesen.

     

    Der Bezug zur Gegenwart ist für mich nicht so ganz gelungen. Die Bemerkungen "Alles wird anders. Die Migrationsbewegungen, Verteilungskämpfe, Kriege und Konfrontationen der kommenden Jahrzehnte werden unsere Gesellschaften erschüttern und transformieren" (S.261) klingen ein wenig nach aktuellem Zeitgeist und Plattitüden.

     

    Fazit:

     

    Entspricht leider nicht ganz meinen Erwartungen, daher nur 3 Sterne.

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    M
    michael_lehmann-papevor 2 Jahren
    Wenn das Klima Kapriolen schlägt

    Wenn das Klima Kapriolen schlägt

    Das sich was verändert am Klima, das sind Fakten unserer Zeit. Veränderungen, die gefährlich werden können, die ein Anpassung dringend benötigen. In der Welt der Dinge durch Schutz der Küsten und der Lebensmittelerstellung, im übertragenen Sinne durch die Entwicklung einer anderen, tragfähigen Haltung für die Sicht der Welt und die Lebensweise der Gesellschaften.

    So dramatisch das ist, neu im eigentlichen Sinne ist beides in keiner Form.

    130 Jahre lang, so führt Blom in seinem Werk aus, lag in den Jahren von 1570 bis 1700 eine „kleine Eiszeit“ unter empfindlichem Absinken der Durchschnittstemperaturen samt deutlicher Erhöhung von Niederschlägen vor. Und sein Buch gibt Einblick darin, wie sich in jener Zeit die Menschen diesem „Umschwung“ gegenüber adaptierten. Mit immensen und grundsätzlichen kulturellen Folgen gerade in Europa, die die Gegenwart mehr als alles andere auch im theoretischen Denken bestimmen.

    Eine damalige Adaption an die Gefährdungen durch das veränderte Klima, indem Wissenschaft und Technik und ein „freies Denken“ sich, gegen den Widerstand althergebrachter Autoritäten gerade in Fragen des Glaubens, etablierten und so den drängenden Problemen von Nahrungsknappheit und klimatischen Herausforderungen mit kreativen Lösungen entgegentreten konnten.

    Klimageschichte wird damit bei Blom in sehr flüssiger und poetisch bildkräftiger Sprache zur Kulturgeschichte, die „Aufklärung“ zur unmittelbaren Folge des damaligen Klimawandels, die Kämpfe der „liberalen Haltung“ gegenüber der „autoritären Haltung“ zu einem seitdem andauernden Konkurrenzsystem.

    Anschaulich schildert Blom diese Entwicklungen und stellt die innere kulturelle Haltung der „zwei Pole („Träume“)“ angesichts der äußeren Veränderungen umfassend dar.

    Flexibel liberal, aufgeschlossen, sich wandelnd auf der einen Seite.

    „Dynamische Gesellschaften bringen sozialen und technologischen Wandel, Migration, neue Moralvorstellungen und einen Abschied von ewigen Wahrheiten“.

    Und antiaufklärerisch, auf den „Schwachpunkt“ der Aufklärung, die „“Entwurzelung des Menschen“ hingerichtet andererseits.
    Ein „Traum“, eine kulturelle Haltung, die individuelle Rechte und Freiheiten nachrangig hinter den „Bestand der Gruppe“ und die „Folgsamkeit gegenüber den Anführen“ stellt.

    Diese „Konkurrenz“ kultureller Haltungen, die nicht in einem Kompromiss zusammengebracht werden können, entstand angesichts der Herausforderungen der veränderten Umweltbedingungen damals (mit einem vordergründig nur im Westen), „Sieg der Aufklärung“ und der Entstehung liberaler Demokratien) bereits in hefiger Form.

    Und dies ist die innere Verbindung zur Gegenwart, die Blom zieht.
    Indem er die „neuen“ klimatischen Herausforderungen und die ebenfalls auftretenden wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen der modernen Welt exakt mit jenen beiden Polen, kulturellen „Träumen“ zusammenbringt.

    Denn damals wie heute stehen liberale Freiheit, individuelle Lebensweisen und „freier Fortschritt“ dem Ruf nach „straffer Führung“ und ethnischer „Bewahrung“ im „kollektiven Traum“ gegenüber.

    Eine Reibung zwischen dynamischen und freiheitlichem Wandel angesichts der landwirtschaftlichen Nöte durch die „kleine Eiszeit“ mit immenser Kraft im 17. Jahrhundert versehen und der „kulturelle Essenzialismus“, welcher der „autoritären Haltung“ zugrunde liegt und seine Wurzeln im Denken der Romantik findet, an dem sich die weitere Geschichte der Gattung Mensch im Anblick ebenso starker, neuer klimatischer Herausforderungen und wirtschaftlicher Konkurrenzen nun aktuell wiederum intensiv befindet.

    Bloms Haltung in Richtung einer liberalen gesellschaftlichen Lebenshaltung wird dabei durchaus deutlich, ohne dass damit seine kritische Betrachtung dieser Haltung und die ebenso sachgerechte Beschreibung der „anderen Haltung“ beeinträchtigt wird.

    Insgesamt erhält der Leser eine umfassende Erläuterung der „Geschichte der Wurzeln der Moderne“ und einen ebenso umfassenden Überblick über die Argumente von Pro und Contra beider „Träume“, mit den, in den Augen Bloms, jeweils daraus folgenden Entwicklungen.

    Eine hochinteressante und glänzend verfasste Lektüre, die (etwas entgegen dem Titel), kein „klimatisches Fachbuch“ des 17. Jahrhundert beinhaltet, sondern dies vor allem zum Anstoß nimmt, „Klima“ als „gesellschaftliches Klima“ im übertragenen Sinne des Wortes zu verstehen und für damals und heute ausführlich in den Haltungen und Folgen zu beleuchten.

    Mit einem übrigens durchaus düsteren Ausblick am Ende. Der wiederum mit den Metaphern spielt und „Bienen“ im eigentlichen Sinne damit ebenso meint, wie „Bienen“ als Metapher für den Menschen. Beide Arten drohen, unterzugehen. Und „einfache“ Gegenmittel werden sich nicht finden lassen, trotz aller populistischen Reden und markigen Worte.

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    Pelippas avatar
    Pelippavor 8 Monaten
    Liserons avatar
    Liseronvor einem Jahr

    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    Buchgespensts avatar
    Buchgespenstvor 2 Monaten
    Die Bücher von Philipp Blom sind durchweg große Klasse! Interessant wie viele Werke derzeit zur Klimageschichte erscheinen. Auch diesem Buch werde ich wohl nicht widerstehen können.
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