Philipp Hedemann

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Rezension zu "Der Mann, der den Tod auslacht (DuMont Reiseabenteuer)" von Philipp Hedemann

'Verstanden habe ich Äthiopien immer noch nicht.'
sabatayn76vor 10 Monaten

‚Ich habe eine jahrtausendealte Kultur kennengelernt und spektakuläre Landschaften gesehen. Ich habe Freunde gefunden, ich habe gelacht, ich habe den Kopf geschüttelt, ich habe geflucht, ich habe manchmal die Hoffnung aufgegeben und sie meist schnell wieder gewonnen, ich habe Angst und Freude empfunden. Verstanden habe ich Äthiopien immer noch nicht. Aber ich habe mir Mühe gegeben.‘ (Seite 11)

Philipp Hedemann gibt seinen Redakteursjob in London auf und zieht nach Addis Abeba, wo seine Freundin einen Job in der Entwicklungshilfe angenommen hat. Er selbst reiste als freier Korrespondent durch Äthiopien und erzählt in ‚Der Mann, der den Tod auslacht‘ von Hyänenfütterung und Haile Selassie, Lachseminaren und Schwermut, Mittelalter und Moderne, Haile Mariam und Sozialismus, Armut und Träumen, Schuhputzern und Kinderarbeit, Injera und Qat, Christentum und Scharlatanen, Hochschulstudium und Arbeitslosigkeit, Bundeslade und trampenden Mönchen, Goldrausch und Straßenkindern, Danakil und Genitalverstümmelung, Hungersnot und Teff, Rastafari und Marihuana, Lippentellern und mingi-Kindern.

Ich habe mich bisher kaum mit Äthiopien beschäftigt und habe mich beim und nach dem Lesen oft gefragt, warum eigentlich nicht, denn Äthiopien ist so ein vielseitiges, spannendes Land, dass ich nun große Lust habe, in das ostafrikanische Land aufzubrechen.

Sicherlich liegt meine neue Faszination auch sehr am Schreib- und Erzählstil von Philipp Hedemann, der mich mit seinem Buch mit dem großartigen Titel ‚Der Mann, der den Tod auslacht‘ mit vor Ort genommen hat, so dass ich das Gefühl hatte, ich würde alles mit ihm zusammen erleben.

Hedemann ist ein wahrhaft begnadeter Erzähler, der fesselt, informiert, unterhält und mich aufgrund der Art und Weise, wie er Anekdoten wiedergibt, bisweilen richtig zum Lachen gebracht hat. Zudem ist er ein sehr genauer Beobachter und findet für seine Beobachtungen die passenden Worte und die ungewöhnlichsten Vergleiche, so dass man im Buch immer auf Passagen wie diese stößt:

‚Auf einer Wiese sitzen mehrere Hundert Dscheladas und wirken wahnsinnig beschäftigt. Zunächst sieht es so aus, als würden die Affen auf unsichtbaren Schreibmaschinen hastig Briefe tippen. Doch zwischendurch führen sie ihre schlanken Finger immer wieder zum Gesicht. Uns scheinen die fleißigen Tiere überhaupt nicht zu bemerken. Als wir uns bis auf ein paar Meter herangeschlichen haben, sehen wir, dass die Affen mit flinken Bewegungen das auf dreitausend Metern Höhe nur kurzgewachsene Gras pflücken und es sich ins Maul stopfen.‘ (Seite 87)

Hedemann hat mich sehr neugierig auf Äthiopien gemacht, und auch wenn ich so schnell nicht dorthin reisen werde, habe ich nun große Lust, mehr über das Land zu erfahren. Zum Glück steht bereits ‚König der Könige‘ des wunderbaren Ryszard Kapuściński in meinem Regal, auf das ich mich nun sehr freue.

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Fadenchaoss avatar

Rezension zu "Der Mann, der den Tod auslacht (DuMont Reiseabenteuer)" von Philipp Hedemann

Eine Reise nach Äthiopien
Fadenchaosvor 10 Monaten

Außer der geographischen Lage in Afrika und die hungernden Kinder, die in den 80-iger Jahren über die deutschen Fernsehbilder liefen, sagte mir Äthiopien nichts. Deshalb habe ich mich gerne mit dem Autor auf eine Reise durch dieses Land gemacht.

Durch den Job seiner Freundin hat Philipp Hedemann Anfang dieses Jahrzehntes drei Jahre in Äthiopien gewohnt und dort mit einem Geländewagen das ganze Land bereist. In kurzen Kapiteln erzählt er uns von spannenden, lustigen aber auch sehr traurigen und gefährlichen Abenteuer seiner Reise. Hierbei geht er sowohl auf die geographischen, wirtschaftlichen, historischen aber auch heutigen Lebensumstände der Menschen ein. Während in der Hauptstad Addis Abeba vieles im Aufbruch ist, um den Sprung in die Moderne zu wagen ist in den entlegenen Gebieten davon selten etwas zu spüren. Dort hat man häufig Angst, dass alte Riten untergehen können. Auch zum Teil Studierte glauben eher an die heilende Wirkung von Wasserwaschungen, die von Priestern vollzogen werden als an Schulmedizin. Auch wenn heute in Äthiopien keine gravierende Hungersnot mehr herrscht, lebt ein Großteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Der Autor klärt den Leser auf, warum in der nächsten Zeit keine Verbesserung zu erwarten ist unter anderem durch die Bevölkerungsexplosion. Von den Hochebenen und 4000-ender Bergen im Norden geht es in die Wüste und Salzseen die 150 m unter dem Meeresspiegel liegen, die im Osten des Landes zu finden sind. Weiter geht es zu den Bauern im Süden und wieder zurück in die Hauptstadt. Im gesamten Land spielt Religion eine große Rolle, die christlich-orthodox geprägt ist aber auch der Islam eine Rolle spielt. Über einen Lachweltmeister, Priester, Polizisten, Straßenkinder und armen Bauern trifft der Autor die verschiedensten Lebensformen und Kulturen an.

Wer Lust auf eine gelesene Reise in ein fremdes Land hat ist mit dem Buch bestens bedient. Es bietet sowohl sachliche Information als auch das Gefühl mit auf dieser Reise zu sein.

Ich habe das ebook gelesen. Leider war dort keine Reisekarte enthalten. In der Printversion soll eine enthalten sein.

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