Philipp Ruch

 3.8 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Philipp Ruch

Philipp Ruch, geboren 1981, ist der Gründer und künstlerische Leiter des Zentrums für Politische Schönheit, mit dem er sich in spektakulären und radikalen Aktionen für Menschenrechte einsetzt. Seine Arbeiten verwischen dabei bewusst die Grenzen von Fiktion und Realität. Philipp Ruch studierte politische Philosophie und Ideengeschichte mit abschließender Promotion, und lebt in Berlin. Bei Ludwig erschien von ihm "Wenn nicht wir, wer dann?".

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Philipp Ruch

Cover des Buches Schluss mit der Geduld (ISBN: 9783453281196)

Schluss mit der Geduld

 (1)
Erschienen am 26.08.2019

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Rezension zu "Schluss mit der Geduld" von Philipp Ruch

Nicht, was der Titel verspricht, aber dennoch wichtig und lesenswert
FabAustenvor einem Jahr

Wer hätte es noch vor einigen Jahren für möglich gehalten, dass eine rechtsradikale Partei Wahlergebnisse von über zwanzig Prozent erreichen könnte? In der (rechte) Verschwörungstheorien auf fruchtbaren Boden treffen? Menschenverachtende Äußerungen zu angeblich legitimen Meinungen mutieren? Ein Attentäter versucht, eine Synagoge zu überfallen, um ein Blutbad anzurichten und zwei Menschen ermordet? Die Liste ließe sich endlos fortsetzen und macht viele Menschen wütend. Da wäre doch ein Buch, das eine Anleitung bietet, wie jeder Einzelne gegen Rassismus, Demokratiefeindlichkeit, Fanatismus und für Mitmenschlichkeit und Humanismus eintreten kann, genau das Richtige!

Philipp Ruch ist Gründer und künstlerischer Leiter des Zentrums für politische Schönheit, das sich mit aufsehenerregenden Kunstaktionen für Menschenrechte und Menschlichkeit einsetzt. In der  vielleicht bekanntesten Aktion wurden die Stehlen des Berliner Holocaust-Mahnmal vor dem Haus des AfD-Abgeordneten Höcke nachgebaut. Mit „Schluss mit der Geduld“ legt er sein zweites Buch vor.

Die 191 Seiten des Buches lassen sich in vier große Themenkomplexe einteilen, die ineinander greifen oder aufeinander aufbauen.

Im ersten Abschnitt wird der Beitrag der Medien am Erstarken rechter Kräfte und einem zunehmenden Zynismus in der Gesellschaft erörtert. So wird u.a. kritisiert, dass politische Talkshows wie z.B. Maischberger rechte Parolen als reißerische Sendungstitel übernehmen und bestimmte Themen überproportional häufig thematisieren. Diese Sendungsformate übten sich nicht mehr wie früher darin, Politik einzuordnen, zu kritisieren und neue Blickwinkel zu eröffnen, sondern würden Politikern ein Forum bieten, das eigene Vorgehen zu propagieren. Ruch fordert daher, WissenschaftlerInnen, SchriftstellerInnen und PhilosophInnen auf die Gästeliste zu setzen.
Nach der Medienkritik legt der Autor die Strategien des Faschismus dar. Dessen Ziel ist der Bürgerkrieg und die Leser erfahren, mit welchem Methoden dieser erreicht werden soll. Leider wirken die Szenarien mehr als realistisch.
Daran schließt sich eine Kritik der Appeasement-Politik an und eine Erklärung, warum diese nicht funktionieren kann. Er fordert die Ächtung antidemokratischer (z.B. rassistischer, xenophober, antisemitischer, homophober) Haltungen, statt sie zu diskutieren und sie damit wie einen legitimen Pol des Meinungsspektrums zu behandeln.
Schließlich prangert der Autor das mediale, politische und unser aller Versagen im Syrienkrieg und der Seenotrettung im Mittelmeer an. Appelliert an Menschlichkeit und Humanismus und daran einen radikalen Geist gegenüber inhumanen Tendenzen zu entwickeln und zu leben.
Eine Möglichkeit, diese drei Aspekte zu stärken, sieht Ruch in der Macht von Kunst und Fiktion. Hier erfahren die LeserInnen mehr über das Zentrum für Politische Schönheit, seine Ziele und Aktionen.

Historische Fakten werden einbezogen, die entweder als Parallelen oder mögliche Zukunftsszenarien für unsere Zeit dienen. Stellenweise werden kulturelle Referenzen genannt und darauf vertraut, dass die Leser schon wissen, worum es dabei geht. Das ist allerdings nicht immer der Fall. Man kann sich ungefähr denken, was gemeint ist, aber Fußnoten (z.B. zu den drei griechischen Bildhauern) wären in jedem Fall hilfreich, um die Argumente zu unterstützen. Irritierend ist außerdem, dass stets von "Fascismus" die Rede ist. Solch ein Rechtschreibfehler müsste doch eigentlich während des Produktionsprozesses auffallen.

Manchmal ufern die Beweisführungen sehr aus, wenn der Autor einen Punkt bereits klar dargestellt hat und dann weitere Beispiele anführt oder in einem anderen Kapitel erneut darlegt. An anderen Stellen kommt er „von Höckchen auf Stöckchen“, wodurch der Text etwas holprig und verwirrend wird. Ein zweites Lesen klärt dann die Dinge. An wenigen Stellen neigt Ruch zu Übertreibungen, z.B. wenn „wir“, d.h. die westliche Welt allein für das Schicksal einer Frau aus Tripolis verantwortlich sein sollen. Hier werden die eigentlichen Kriegsparteien vor Ort völlig aus der Verantwortung entlassen. Auffällig ist, dass Ruch sich um eine gender-bewusste Sprache bemüht. Das ist zwar positiv zu sehen,  ist allerdings noch etwas gewöhnungsbedürftig. 

Insgesamt sind die Ausführungen und Argumente sehr interessant. Viele extrem spannende Denkanstöße und Diskussionsgrundlagen lassen sich finden.
Das Buch ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Bedeutung eines passenden Titels. Es handelt sich nämlich nicht wie angekündigt um eine Anleitung zum konkreten individuellen Handeln. Es sei denn man ist JournalistIn oder PolitikerIn. Die Lektüre macht wütend und motiviert, etwas gegen antidemokratische Haltungen zu tun. Leider bietet das Buch hierfür aber keine praktische Hilfestellung. Der Inhalt verliert dadurch natürlich nicht an Bedeutung, aber nach dem Lesen ist man doch etwas enttäuscht. Besonders, wenn die Kaufentscheidung auf Titel und Klappentext beruht.

Vielen Dank an den LUDWIG-Verlag und das Bloggerportal, die ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Rezension wurde dadurch natürlich in keiner Weise inhaltlich beeinflusst. 

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Rezension zu "Wenn nicht wir, wer dann? - Ein politisches Manifest" von Philipp Ruch

"Wir müssen uns entscheiden."
JulesBarroisvor 5 Jahren

Wenn nicht wir, wer dann?: Ein politisches Manifest – Philipp Ruch (Autor), 208 Seiten, Ludwig Buchverlag (23. November 2015), 12,99 €, ISBN-13: 978-3453280717

Politische Schönheit? Ein unmöglicher Zusammenhang? Philipp Ruch ist Regisseur und künstlerischer Leiter des Zentrums für Politische Schönheit. „Ruch schreckt mit hyperrealistischen Aktionen die Politik auf. [Es sind die Mittel des Theaters], mit denen Ruch das politische Berlin erst vorführt und dann zum Handeln zwingt. Für seine ,Handreichung‘ reicht ihm ein Theatersaal nicht aus: Ruchs Bühne ist ganz Berlin, und die Politik inszeniert er gleich dazu. Der gesellschaftliche Konflikt soll nicht nur detonieren, Ruch experimentiert auch mit dessen Lösung.“ (DIE WELT)

Philipp Ruchs Haupttheorie ist, dass eine Gesellschaft die individuell denkt, nicht sozial handeln kann. Konzentration in Medien auf negative Ereignisse und auf schlechte Eigenschaften, lassen ein Menschenbild entstehen, das vom Verlust der Empathie geprägt ist. So entsteht eine Gesellschaft, in der nur das Individuum existiert, keine Gemeinschaft mehr vorhanden ist. Blinde Wissenschaftsgläubigkeit kritisiert er ebenso wie er auch manche angeblich objektiven Ansprüche als von Ideologien gesteuert entlarvt. Und er fragt, ob und warum Psychoanalyse als Nabelschau stehen bleibt, statt in Handeln zu münden.

Sein Hauptanliegen dieses Buches ist es, eine grundlegende 'Schönheit' in der Gesellschaft zu verankern. Das heißt für Philipp Ruch unser Denken und Handeln auf positive Aspekte zu richten. Klingt ein bisschen nach einem esoterischen Konzept. Aber brauchen wir das nicht in unserer sogenannten modernen Welt, in der uns „längst nicht mehr nur Gleichgültigkeit und Vergesslichkeit […] umtreibt, sondern attestierbare, tatsächlich vorhandene Sinnlosigkeit. […] in der wir „ uns als wertlos empfinden, nicht weil wir wertlos sind, sondern weil unser Tun als Bewohner einer der mächtigsten Länder der Welt keinen Sinn ergibt. Es könnte anders sein.“ (Seite 112)

Ich sehe hinter seinem Konzept einen radikalen Humanismus, bei dem es nicht um Optimierung geht. Humanismus ist kein fades Überbleibsel aus der Vergangenheit, sondern die Überlegung, dass die kühle Analyse des Modernismus eine Welt bar jeden Zaubers schafft. Er stellt so das kühle Ich, das gesellschaftlich akzeptiert werden will dem warmen Ich gegenüber, das auch mal wieder in den Arm genommen werden möchte. Eine kompromisslose Weltansicht? Mag sein. Aber lohnt es sich nicht, den erniedrigten Menschen endlich wieder in das Zentrum der Welt zurückzubringen?

Kompromisslos ist das Buch auch, weil in sein Menschenbild auch und vor allem Selbstverantwortung mit beinhaltet. Und weil er sich gegen die Zweiteilung der Menschen in Macher und Opfer richtet.

Das Buch liefert keine alltagstauglichen Rezepte zum Widerstand und auch keine aktuelle Analyse deutscher Politik. Es ist eher ein Essay, als ein politisches Manifest. Trotzdem ist es lesenswert, weil es uns klar macht, dass jeder selbst entscheidet, welches Menschen- und Weltbild und damit auch welches Selbstbild er haben will.

"Wir müssen uns entscheiden. Jeder Einzelne muss sich bekennen." (Seite 197) Mich hat überzeugt, dass sich jeder der eigenen Rolle in unserer Gesellschaft bewusst werden muss. Menschen wie Sophie Scholl, Oskar Schindler oder Willi Brandt bei seinem Kniefall haben getan, was sie getan haben, weil sie wussten, dass es auf sie selbst ankommt. Wenn Sie daran zweifeln, dass es auf sie persönlich ankomme, dann lesen Sie dieses Buch. Jeder kann handeln und jeder kann die Welt verändern. Wir brauchen uns nur dafür zu entscheiden.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Ludwig Verlages

http://www.randomhouse.de/Paperback/Wenn-nicht-wir,-wer-dann/Philipp-Ruch/Ludwig/e481916.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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