Philipp Tingler Schöne Seelen

(52)

Lovelybooks Bewertung

  • 47 Bibliotheken
  • 3 Follower
  • 0 Leser
  • 46 Rezensionen
(6)
(8)
(14)
(17)
(7)

Inhaltsangabe zu „Schöne Seelen“ von Philipp Tingler

»Ich bin aufgewachsen in einer Sphäre, wo man nicht mal sagt, was man denkt, wenn das Haus in Flammen steht«, erklärt Lauren ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Oskar Canow. Denn Oskar will eine Therapie machen. Allerdings nicht für sich selbst, sondern anstelle seines Freundes Viktor, der wiederum von seiner Ehefrau Mildred dazu genötigt wird. Philipp Tinglers neuester Roman begleitet nicht nur Oskar Canow in das Behandlungszimmer von Doktor Leonid Hockstädder, Psychohilfe der besseren Kreise, sondern seziert die gute Gesellschaft, ein Milieu, in dem die Gesichter mit Hyaluronsäure gefüllt sind, Party- geschwätz das Leben ersetzt und der Psychotherapeut kleine Aufwallungen des Gemüts zu glätten hat wie der Schönheitschirurg die Haut. Die Herzen aber sind leer. Oder doch nicht?

Ein tragikomischer Einblick in eine Welt,in der Reichtum,Botox,Hyaloronsäure und Face-Lifting wichtiger sind,als alles Andere

— Equida
Equida

Seelenleben

— leniks
leniks

Tolle Idee aber die Umsetzung hat mich nicht überzeugt.

— Heuerli
Heuerli

Ein literarisches Remake von "Rossini" - mit mehr Philosophie.

— KatrinSchoen
KatrinSchoen

spritzige, zynische Dialoge... aber kein roter Faden & mir zu undifferenziert.

— Gwenliest
Gwenliest

In keinen anderen Buch habe ich so viel Sarkasmus, Snobismus und Zynismus erlebt...

— kassandra1010
kassandra1010

Interessante Ansätze, aber insgesamt zu viel reine Theorie für einen Roman

— Lilith79
Lilith79

Dieses Buch war leider gar nicht meine Welt und es viel mir schwer, es bis zu Ende zu lesen.

— TanyBee
TanyBee

Intelligent, witzig und absolut leseswert

— mareikealbracht
mareikealbracht

Mir war der Stil für 333 Seiten schlichtweg zu gleichförmig und zu anstrengend.

— Barbara62
Barbara62

Stöbern in Romane

Und jetzt auch noch Liebe

Turbulente Liebeskomödie mit sehr skurrilen Charakteren, um eine junge Frau, die durch eine ungewollte Schwangerschaft erwachsen wird.

schnaeppchenjaegerin

Und es schmilzt

Erschreckende, schonungslose Erzählweise einer mehr als tragischen Kindheit!

Caro2929

Palast der Finsternis

Spannende Ausgangsgeschichte, die mit Sicherheit noch mehr zu bieten hätte.

Kaaaths

Die Phantasie der Schildkröte

Ein Buch mit einer sehr schönen Botschaft, aber auch mit einem Ende, was ein wenig vorhersehbar war. Bleibt im Herzen ♥

schokokaramell

Vintage

Rasanter Rockroman, mit vielen Fakten rund um den Mythos Gitarre. Eine unterhaltsame Lektüre!

liesdochmaleinbuch

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Die Welt der Reichen und Schönen

    Schöne Seelen
    Equida

    Equida

    09. November 2016 um 16:42

              Inhalt:Der Schriftsteller Oscar Canow wird zum Sterbebett der schwerreichen Millvina van Runckle zitiert.Besagte Millvina stirbt nicht Aufgrund ihres hochbetagten Alters.Weit gefehlt.Nach der Letzten von unzähligen Schönheitsoperationen,es sollte nun auch ihre allerletzte werden,erleidet sie eine Thrombose. Jedoch nicht etwa durch eine Komplikation während der OP. Nein ,eine Dame der High Society muß selbst post operativ top gestylt sein,weshalb das Tragen von Anti-Thrombosestrümpfen natürlich ein absolutes No Go darstellt.Was soll man dazu sagen. Nur sterben ist schöner.Bevor sie endgültig die Erdenbühne mit der tröstenden Gewissheit sehr reich zu sterben verlässt vertraut Millvina Oscar ihr dunkelstes Geheimnis an.Ihre Tochter Mildred,die mit Oscars engstem Freund Viktor verheiratet ist,ist nicht ihre leibliche Tochter,sondern die Tochter einer Domestikin,denn eine Schwangerschaft kam für Millvina wegen eventueller Striäe natürlich nicht in Frage.Schönheit und körperliche Makellosigkeit gehen natürlich vor Mutterfreuden.Bei Millvinas Bestattung,die eher einem Event der High Society ähnelt und von ihr schon prä mortem bis ins allerkleinste Detail geplant wurde,treffen Oscar und Viktor aufeinander.Bei etlichen Prince-Of Wales-Coktails in der Kronenhalle gesteht Viktor seinem Freund,daß er  Eheprobleme hat.Seine Angetraute Mildred verlangt von ihm ,eine Psychotherapie bei dem zur Zeit mega angesagten Doktor Hockstädder zu machen.Viktor hat dazu natürlich keine Lust . Er möchte sich lieber als Laiendarsteller profilieren.Man muß halt Prioritäten setzen. Aus diesem kühlen Grunde bittet er Oscar an seiner statt die Therapie zu machen.Nach anfänglichen Bedenken  und gegen den Rat seiner Ehefrau Lauren begibt sich Viktor in die psychoanalytischen Hände Hockstädders,der es mit der ärztlichen Schweigepflicht leider nicht so genau nimmt.Und damit nimmt das Drama,oder die Posse ,ihren Lauf....Meine Meinung: Mit viel hintergründigem Humor ,gewürzt mit tragikomischen Akzenten beleuchtet Philipp Tingler die Welt der Reichen und Schönen und derer,die es zu sein glauben.Die Protagonisten wirken auf mich  weltfremd und exotisch,als wären es Lebewesen von einem anderen Stern.Sie scheinen unfähig, emotionale Bindungen einzugehen.Alles wirkt arrangiert.Beim lesen fühlte ich mich oft wie jemand der heimlich durch ein Schlüsselloch eine fremde Welt beobachtet und belauscht.Lediglich der sympathische Oscar und Lauren scheinen wirklich Gefühle füeinander zu haben,was vielleicht daran liegt,daß Oskar ja nicht wirklich dazugehört.Ist diese Welt,zu der Normalsterbliche wie ich keinen Zugang haben wirklich so absurd,oder stellt Tingler alles überspitzt dar? Gibt es diese "Bubble" , in der man sich ein Leben jenseits von Face Lifting, Botox und Hyaloronsäure gar nicht vorstellen kann wirklich? Ich habe mich beim Lesen ertappt,wie meine Gedanken plötzlich in diese Welt abschweiften. Ich stellte mir vor,wie ich als Tierheilpraktikerin anstatt wie üblich in Jeanshose und Turnschuhen, mit Prada und Versace bekleidet und auf Stilettos balancierend, Millvinas Hund behandele und als Schutz gegen Parasiten ein Halsband mit Bernstein und Diamanten von Glöööö... empfehle. Oder bei Mildreds 10000 € Euro Stute( sie besitzt bestimmt eine) einen Beschlag mit Swarovsky-Kristallen gegen Lahmheit anrate.Fazit:Diese Buch hat mich zum Lachen,aber auch zum Nachdenken über unsere Gesellschaft gebrachtEs gibt uns einen nicht ganz ernst zu nehmenden Einblick in die Welt der Upper Class und zeigt uns,daß Reichtum und erkaufte Schönheit kein Garant für Glück,Lebensfreude und Liebe sind und wie schnell man nicht mehr dazu gehört.Sicherlich ist der Schreibstil des Autors nicht Jedermans Sache ,denn dieses Buch ist nicht leicht zu lesen. Ich musste mich in seinen Stil regelrecht hineinarbeiten.Aber die Mühe hat sich für mich definitiv gelohnt.Dieses Buch ist meiner Meinung nach ein brilliantes,virtuoses must have.       

    Mehr
  • Kein schönes Buch

    Schöne Seelen
    anushka

    anushka

    Oskar Canow wird von einem Freund gebeten, an seiner Stelle die Therapie zu besuchen, die dessen Frau ihm zur Eherettung verordnet hat. Oskar ist Schriftsteller und Teil der oberen "Zehntausend" Zürichs. Einen Großteil seiner Zeit verbringt er scheinbar mit der zynischen Analyse seines schwerreichen Milieus. Als ich dieses Buch beendet hatte, habe ich erleichtert durchgeatmet. Es war ein hartes Stück Lesearbeit. Gespickt ist das Buch sicherlich mit vielen literarischen Perlen, Gedanken und Erkenntnissen, aber in der hier dargebotenen geballten Ladung sowie dem wirklich sehr zynischen und affektierten Schreibstil war es über mehr als 300 Seiten doch immer wieder anstrengend. Dann gab es immer wieder aber auch Lichtblicke und kleine amüsante Momente, leider gibt es aber kaum eine übergeordnete stringente Handlung, die sich weiterentwickelt, fortbewegt und Spannung aufbaut. Im einzigen, potentiell spannenden Moment wird genau diese Spannung wieder durch langatmige Betrachtungen zunichte gemacht. Ich weiß nicht, ob es Selbstironie sein sollte oder einfach nur bezeichnend für den Roman ist, aber nicht einmal die Figuren verstanden sich gegenseitig. Dieses Buch ist definitiv nicht für die breite Masse ausgelegt, sondern sucht seine Leser wohl eher in verschiedenen Nischen, was ich nicht abwertend meine, sondern was für mich erklärt, warum das Buch so viele negative Bewertungen erhält (leider auch von mir), wenn man es mittels Leseexemplaren unter die breite Lesermasse streut. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es Leser_innen gibt, die dieses Buch und seinen Stil genießen können. Für mich bleibt aber festzuhalten, dass ich vielleicht nicht der Typ für derartige schöngeistige Literatur bin, wobei ich bei dem "geistig" noch zustimmen würde, bei "schön" allerdings eher weniger. Ich fragte mich die meiste Zeit: Ist das wirklich die Realität oder ist der Zynismus maßlos übertrieben? Blicken "die oberen Zehntausend" wirklich so auf die Welt oder soll das lediglich ein Stilmittel sein? Jedenfalls wirken viele zwischenmenschliche Betrachtungen maßlos herablassend, wenn nicht teilweise sogar menschenverachtend. Ich habe noch nie ein derart zynisches und snobistisches Buch gelesen und konnte ihm auch nur selten einen gewissen Unterhaltungswert oder eine Botschaft abgewinnen.

    Mehr
    • 3
  • Gut oder Schlecht liegt immer im Auge des Betrachters

    Schöne Seelen
    Jeanne_Darc

    Jeanne_Darc

    24. January 2016 um 17:43

    Ein Buch, dass die Schattenseiten der glamourösen Züricher-High-Society schildert. In Mitten alle dem der Schweizer Schriftsteller Oskar. Eckdaten zum Buch: Erscheinungsdatum:01.09.2015 Verlag : Kein & Aber ISBN: 9783036957234 Fester Einband 352 Seiten Art: Einteiler Genre: Roman Autor: Philipp Tingler wurde 1970 in West-Berlin geboren und ist ein bekannter deutsch-schweizerischer Autor, Philosoph, Wirtschaftswissenschaftler und Essayist. In St. Gallen, London und Zürich hat er Ökonomie und Philosophie studiert und letztlich über das literarische Werk Thomas Manns promoviert. Im Jahr 2000 publizierte er mit "Hübsche Versuche" seinen ersten Roman und las ein Jahr später um den Ingeborg-Bachmann Preis. Im selben Jahr erhielt er die Ehrengabe des Kanton Zürich für Literatur. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller ist er als Journalist und Kolumnist verschiedener Zeitschriften tätig, arbeitet als Literaturkritiker für den schweizer "Literaturclub" und verfasst Beiträge für Hörfunk und Fernsehen. Mit seinem Partner lebt Tingler derzeit in Zürich. Klappentext: »Ich bin aufgewachsen in einer Sphäre, wo man nicht mal sagt, was man denkt, wenn das Haus in Flammen steht«, erklärt Lauren ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Oskar Canow. Denn Oskar will eine Therapie machen. Allerdings nicht für sich selbst, sondern anstelle seines Freundes Viktor, der wiederum von seiner Ehefrau Mildred dazu genötigt wird. Philipp Tinglers neuester Roman begleitet nicht nur Oskar Canow in das Behandlungszimmer von Doktor Leonid Hockstädder, Psychohilfe der besseren Kreise, sondern seziert die gute Gesellschaft, ein Milieu, in dem die Gesichter mit Hyaluronsäure gefüllt sind, Party- geschwätz das Leben ersetzt und der Psychotherapeut kleine Aufwallungen des Gemüts zu glätten hat wie der Schönheitschirurg die Haut. Die Herzen aber sind leer. Oder doch nicht? Cover: Das Cover ist sehr einfach gehalten und somit als eher schlicht und unauffällig zu bewerten. Hätte es keinen türkisen Buchrücken wäre hier gar keine Farben im Spiel abseits von Schwarz und Weiß, wobei diese streng genommen keine Farben sind. Leider etwas der graue Mäusschen-Look, obwohl dieses Buch sich eigentlich nicht verstecken zu braucht. Schreibstil: Die Thematik hat mich neugierig gemacht, aber der Schreibstil hat mich leider erst einmal abgeschreckt, ich habe mich unheimlich schwer getan mit diesem Schreibstil. Phillip Tinglers Schreibstil ist zwar sprachlich auf einem sehr hohen Niveau, jedoch machen seine sehr gekünstelten Phrasen oftmals Probleme – man merkt wie sich der Autor mehr auf das Stilistische als wie auf das Inhaltliche. Ebenso hat Herr Tingler eine sehr eigene Interpretation von seinem Verständnis von Humor mit dem ich leider nicht auf einer Wellenlänge war. Meinung: Sehr schön fand ich die Protagonisten, diese wurden sehr fein ausgearbeitet und man konnte ihre „Probleme“ gut verstehen noch dazu finde ich die Thematik sehr interessant beziehungsweise witzig die oberen Zehntausend machen sich doch gerne Probleme wo eigentlich für einen normal Sterbliche keine sind, diese Schlagzeilen kennt doch jeder von uns nur zu gut aus den Klatschblättern. Mit dieser Message spielt Philipp Tingler grundsätzlich geschickt, auch wenn ich von der Umsetzung absolut kein Fan bin. Der Mittelteil des Buches hat mir am besten gefallen, hier wurde auch am besten auf die Protagonisten eingegangen, der Einstieg und das Ende hatte leider sehr viele Passagen, die das Buch unnötig in die Länge ziehen. In der Kürze liegt die Würze und wäre wohl auch hier etwas besser gewesen. Fazit: Ein satirisches Werk mit brisantem Inhalt, das mich leider aufgrund der Umsetzung und eines sehr eigenen Humor nicht wirklich fangen könnte auch wenn ich die Grundidee wirklich sehr interessant fand. Dieses Werk ist abseits des Mainstreamen. Cover: 0,6 von 1 Stern Schreibstil: 0,4 von 1 Stern Protagonisten: 0,8 von 1 Stern Thematik/Umsetzung: 1,2 Stern von 2 Sternen Gesamteindruck: 3 von 5 möglichen Sternen

    Mehr
  • Reich und Schön

    Schöne Seelen
    leniks

    leniks

    17. January 2016 um 21:04

    In der Leseprobe hat mich die Art wie das Sterben der Alwina van Runkle beschrieben wurde. Leider hat mich das Buch dann doch nicht ganz so in seinen Bann ziehen können. „Schöne Seelen“ ist ein Buch über die Reichen und Schönen dieser Welt, die genug Geld haben und teilweise nicht wissen, wie sie ihren Alltag verbringen sollen und spielt überwiegend in Zürich in der Schweiz. Das Buch geht über 333 Seiten, untergliedert in neun Kapitel und ist im Kein & Aber Verlag erschienen. Da ich das weitere Lesen des Buches als schwierig empfand, habe ich mir immer zu den Kapiteln meine Gedanken gemacht. Im 1. Kapitel stirbt Alwina van Runkel in einer Schönheitsklinik nach einer OP zu viel. Sie war dazu auch alt. Hier lernen wir neben ihrer Bekannten Gwendolina Rosenstock, auch Oskar  Canow, Schriftsteller kennen. Ihm erzählt Alwina das ihre Tochter Mildred adoptiert ist. Was nicht unwesentlich für die Geschichte ist. Im 2. Kapitel ist die Beerdigung von Alwina, an der sämtliche Freunde und Bekannte teilnehmen. Hier lernen wir Viktor, den Ehemann von Mildred kennen. Jetzt hatte ich verstanden, was im Klappentext vom Buch stand. Oskar soll nämlich für Viktor zur Therapie gehen. Dieses Kapitel hat sich für mich sehr in die Länge gezogen. Im 3. Kapitel reden Oskar und Viktor über ihr Vorhaben, das Oskar statt seiner in Therapie gehen soll. Oskar ist sich nicht sicher und muss erst mal überlege, dann macht er es und schlägt in die Vereinbarung rein. Im 4. Kapitel nimmt Oskar den ersten Termin bei Dr. Hochstädder war und hört sich danach noch ein Stück eines Vortrags von Herrn Halbpfennig an. Nebenbei beobachtet er die Menschen um sich herum. Dieses Kapitel hat mir wiederum sehr gefallen und war zügig zu lesen. Das 5. Kapitel: Oskar trifft sich nach jeder Sitzung mit dem Psychiater mit Viktor im Kronensaal, was eine Kneipe zu sein scheint. Bei diesen Geprächen tauschen  das aus was der Arzt mit Oskar besprochen hat. Oskar bespricht die Sitzungen auch mit seiner Frau Lauren. Das 6. Kapitel: Oskar geht weiterhin zum Psychiater und kommt einmal mit einer Aufgabe zurück, welche er zusammen mit seinem Freund Viktor macht oder auch nicht. Dieses Kapitel fand ich wiederum interessant. Das 7. Kapitel: Ja, in diesem Kapitel geht es hoch her zwischen den Eheleuten Oskar & Lauren sowie Viktor & Mildred. Am Ende war es sehr spannend. Das 8. Kapitel: Es heißt „Der rote Faden“, allerdings habe ich hier keinen gesehen. Alle Beteiligten resümieren ihr Leben und Oskar stellt fest, dass er eine Auszeit benötigt. Er nimmt einen Geschäftstermin in Los Angeles war. Aber auch da kommt er nicht von allem los.  Die letzten beiden Kapitel fand ich eigentlich spannend, aber im 8.  Empfand ich dies nicht. Das 9. Kapitel: Hier reden die wichtigen Personen nochmal miteinander, und Oskar fliegt wieder zurück nach Zürich. Das Ende fehlt mir hier aber. Das Buch ist zwar schön geschrieben, aber ich musste mich beim Lesen sehr konzentrieren, der Kopf musste dafür frei sein. Toll fand ich das hellblaue Lesebändchen, obwohl ich auch eigene Lesezeichen benutze. Auf dem Cover des Schutzumschlages  sind in Schwarzweiss gehalten, Frauen zu sehen, welche scheinbar eine Party feiern. Dieses gefällt mir sehr. Insgesamt bewerte ich das Buch mit zwei bis drei Sternen.    

    Mehr
  • Grandios erzählt

    Schöne Seelen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    07. January 2016 um 14:35

    Grandios erzählt In vielen (tiefen oder eher leichten) Ratgebern der Welt, von den alten Büchern der Religionen bis zu den neuen Erkenntnissen mancher Therapeuten kann man fast darauf wetten, dass sich das Bewegen im äußeren Übermaß und Überschwang, wie auch in der fast absoluten äußeren Oberflächlichkeit kaum vereinbaren lässt mit einer tieferen, inneren, persönlichen Entfaltung und Reifung. Das aber ist das eigentliche Thema dieses grandios geschriebenen, auf den Punkt beobachtenden und ohne Scheu auch auf den Punkt bringenden Romans über das Ergehen des Oskar in seiner „oberen bis höchsten“ Gesellschaft. Deren Manierismen, deren unglaubliche Oberflächlichkeit und deren absolute Fixierung auf einerseits Klatsch als Klebstoff der Welt und andererseits auf das eigene rein äußere Erscheinungsbild (mager, chirurgisch optimiert und „am Optimieren, genau auf die „Demarkationslinie“ achten, wer dazugehört und wer nicht) Tingler so atemberaubend und (fast) ohne Häme beschreibt, dass es dem Leser Seite für Seite ein heftiges Nicken ebenso, wie ein fremdschämendes, ungläubiges Erstaunen, entlockt. Menschen mit dem „Feingefühl einer Hyäne“, wie Tingler nicht nur beschreibt, sondern auch handeln lässt. „Wenn ich irgendetwas gelernt habe im Leben, dann ein vages Gefühl für Timing. Ich weiß, wann man eine Party verlässt“. Und dies, zugleich damit natürlich, überhaupt eingeladen zu sein, ist so ziemlich einfach alles, worum der gesamte Stab der oberen 100-200 in Zürich und Zug zu kreisen scheint. Vom „alten Geld“ mit „dicken Klunkern“ über jene „Zwischenreich Menschen“, die als Frisör, Inneneinrichter oder Eventmanager „der Saison“ an der Höhenluft mal schnuppern dürfen und alles bereit sind, diesem Altar zu opfern. Wo man stirbt mit einem „Ausdruck profunder Ermattung“, weil man „zu Tode gelangweilt“ aus dem Leben scheidet. Wo eine Trauerfeier ein Akt der Hochleistungsorganisation ist und selbst der Trauerredner natürlich nur „vom Feinsten“ sein darf. Inhalte sind nicht gefragt, die Form ist alles, der Schein das Leben. „Diese Gesellschaft behandelte alles, und sei es der Tod, als Geschmacksfrage“. Nur jener Oskar, der seinem Freund Viktor bereit ist, unter die Arme zu greifen und statt seiner jene Therapie über sich ergehen zu lassen, die Viktors Frau von jenem fordert (aus „Ermattung“?), bewahrt sich einen klaren Blick und einen trockenen Humor sondergleichen, der ihn zugleich umschwärmter Teil von allem sein lässt und zum anderen ihm eine innere Distanz verschafft, die er im Lauf des Romans mehr und mehr zu nutzen versteht. Können da ganz einfache, pragmatische Erkenntnisse der Liebe, des „Klebstoffs“ zwischen Mann und Frau in der Ehe, bestand haben, überhaupt Wirkung entfalten? Das ist die Kunst dieses Romans, dass Oskar seine innere Odysee nicht vollzieht in zunehmender Distanz zu all dem oder gar im „sich abwenden“ (müssen), sondern in reflektierter Weise in all diesem Schein eine ganz eigene Persönlichkeit entfaltet und seinen Weg innerhalb all dessen mit klarem Profil geht. Mit profanen Erkenntnissen (ob nicht eine Nasenkorrektur ebenso ein Problem lösen kann, wie eine mehrjährige Therapie ob der Minderwertigkeitsgefühle durch die eigene, verformte Nase hervorgerufen) und tiefen Weisheiten. Was die Liebe, die Ehe, die innere Stabilität in jedwedem äußeren Rahmen angeht. Und in dieser Haltung sowohl sein Leben im Umfeld wie selbst die Therapie als Symbol dieses Lebens im Kleinen einerseits unbeschadet übersteht und andererseits dennoch Gewinn selbst aus Plattitüden zu ziehen vermag. „Ansonsten hat man einfach einzusehen, dass im Großen und Ganzen alles einen Sinn ergibt“. Welchen? Dafür lohnt es sich, das Buch bis zur letzten Seite in Ruhe zu lesen, sich zu erfreuen am treffenden, offenbarenden Stil Tinglers, präzise nun zu wissen, was einen (falls es einen) stört an „Reichen-Formaten“ im TV und warum dennoch das Geld und der schöne nicht der entscheidende Faktor des Lebens ist. Und daher auch nicht stört! Eine sehr empfehlenswerte, wunderbar leicht wirkende und tief reichende Lektüre über das (wahre) Leben und „reale) Liebe. Mit einer interessanten Erläuterung des Begriffs „Fügung“, der auch nachdenklich zurücklässt.

    Mehr
  • Schöne Seelen

    Schöne Seelen
    Islaender

    Islaender

    31. December 2015 um 20:23

    Eine alte Dame lliegt im Sterben aufgrund Komplikationen nach einem Facelifting, zu dem ihr die Ärzte dringend abgeraten haben. Außerdem wollte sie keine Thrombosestrümpfe, wie dringend angeraten nach einer OP, tragen. So muss sie sich nun der Tatsache des Todes ins Auge blicken. Zu ihr ans Sterbebett kommt auch Oskar zu Besuch und er erfährt von ihr das lang gehütete Geheimnis, dass ihre Tochter von ihr adoptiert wurde, was diese jedoch nicht weiß. Das Geheimnis gilt es zu bewahren, leider ist jedoch Oskars bester Freund mit eben dieser Tochter verheiratet. Mildred ist mit ihrer Ehe nicht zufrieden und erwartet von Oskars Freund, dass dieser eine Therapie deswegen macht. Viktor hat jedoch keine Lust und Zeit für eine Therapie und überredet Oskar stattdessen an seiner Stelle diese Therapie zu machen. Oskar geht in der Therapie auf und alles entwickelt sich ganz anders als erwartet.... Der Schriftsteller nimmt in seinem Roman die Gesellschaft der Reichen und Schönen bitterböse aufs Korn, wie schon der Klappentext aussagt. Mir hat das Buch gut gefallen, jedoch es ist keine einfache Leküre - als kein Roman für zwischendurch, aber wer keine menschliche Abgründe beleuchtet, dem wird es gefallen.

    Mehr
  • Leserunde zu "Schöne Seelen" von Philipp Tingler

    Schöne Seelen
    KEIN & ABER Verlag

    KEIN & ABER Verlag

    Schöne Seelen Oskar Canow, Schriftsteller und Lebemann, macht eine Therapie. Völlig normal in Oskars elitären Kreisen. Doch dieses Mal konsultiert er den Psychiater nicht für sich, sondern stellvertretend für seinen Freund Viktor, als „Ersatz-Patient“. Viktor wird von seiner Frau dazu gedrängt, um die Beziehung zu retten, doch statt sich auf die Couch zu legen möchte er sich lieber in seiner Schauspieltruppe austoben. Oskar, zunächst noch skeptisch, lässt sich auf dieses Experiment bei Dr. Hockstädder ein. Hockstädder, angesagte Psychohilfe, bewegt sich in denselben Kreisen wie seine Patienten: Partygeschwätz ersetzt das Leben, Diamanten haben die Größe von Taubeneiern, der Psychotherapeut glättet kleine Gemütsaufwallungen wie der Schönheitschirurg die Stirn und die Gesichter sind mit Hyaluronsäure perfekt ausgestopft. Die Herzen aber sind leer. Oder doch nicht? Mit jeder Sitzung findet Oskar mehr Gefallen an der wöchentlichen Seelenreinigung, zumal er skandalösen Stoff für ein neues Buch wittert. Doch nach und nach tauchen Probleme auf – denn unangenehme Geheimnisse kommen ans Licht. Hier geht's zur Leseprobe. Philipp Tingler, geboren in Berlin (West), ist mehrfach ausgezeichneter Schriftsteller und hat bei Kein & Aber u. a. die Romane Fischtal und Doktor Phil veröffentlicht. Er ist außerdem Kritiker im Literaturclub des Schweizer Fernsehens SRF und viel gelesener Kolumnist. Philipp Tingler lebt in Zürich. Seid ihr neugierig geworden? Dann bewerbt euch doch gleich für unsere Leserunde! Der Kein & Aber Verlag verschenkt 30 Exemplare von Schöne Seelen für die lovelybooks-Leserunde. Beantwortet uns einfach folgende Frage:  Wie weit geht Freundschaft – würdet ihr für einen Freund oder eine Freundin eine Therapie machen und warum bzw. warum nicht? Die Gewinner werden am 27. August bekannt gegeben. Wir sind gespannt auf eure Antworten und freuen uns auf die Leserunde! Euer Kein & Aber Verlag

    Mehr
    • 371
  • "... denn wir sind nie, was wir scheinen."

    Schöne Seelen
    Barbara62

    Barbara62

    Ich muss zugeben, dass mir noch nie eine Rezension so schwergefallen ist wie bei diesem Buch, da ich mich dem Text oft nicht gewachsen fühlte. Ob das an meinem Intellekt oder am einfach völlig überzogenen Schreibstil des Autors liegt, mögen andere beurteilen. Doch während mich der Roman insgesamt einfach nicht fesseln konnte, war ich gleichzeitig versucht, unzählige wirklich großartige, oft sehr humorvolle Sätze und Passagen anzustreichen oder laut vorzulesen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Philipp Tingler ein hervorragender Kolumnist ist und ich seine Kolumnen mit Freude lesen würde, aber für einen ganzen Roman war es mir einfach zu viel. Am besten hat mir das Anfangskapitel mit den letzten Stunden der Millvina Van Runkle gefallen, die in einer Schweizer Schönheitsklinik in Anwesenheit des Schriftstellers Oskar Canow und einer unerträglichen „Freundin“ wortreich ihr Leben aushaucht. Die bösartige Beschreibung einer Gesellschaftsschicht, in der alle dieselben Anwälte, Friseure, Psychotherapeuten und Dekorateure haben, alle das gleiche „alterslose, leicht amorphe Einheitsgesicht“, das vom Schönheitschirurgen „kunstvoll gelähmt“ wurde, und niemand ist, was er scheint, ist einfach herrlich zu lesen. Auch die folgende Beerdigung, kunstvoll und bis ins Detail von der Verstorbenen beim angesagtesten Dekorateur in Auftrag gegeben, bei der man eine Unzahl von Angehörigen dieser Gesellschaftssphäre näher kennenlernt, hat mich noch amüsiert. Die bösartige Vorstellung dieser wie auf einer Theaterbühne nacheinander aufmarschierenden Figuren ist äußerst unterhaltsam. Danach wurde es für mich jedoch immer zäher, obwohl die Idee der Psychotherapie i. V., die der etwas inspirationslose Schriftsteller Oskar Canow stellvertretend für seinen zu beschäftigten Freund und Schwiegersohn Millvinas, Viktor Hasenclever, antritt, eigentlich gut ist. Trotzdem habe ich mich durch das zweite Drittel des Buches nur gequält. Erst der letzte Teil, in dem der Schwindel auffliegt und der Psychotherapeut doch noch seine Qualitäten zeigen kann, war für mich wieder ansprechender. In einem auf dem hinteren Umschlag abgedruckten Zitat lobt der WDR Philipp Tinglers „Ohr für Phrasen und hohles Geschwätz“ und seine umwerfend rasanten und komischen Dialoge. Ich möchte da nicht widersprechen, aber für mich sind 333 Seiten davon entschieden zu viel... Ein Lob geht aber wie immer an den Kein & Aber Verlag für die hochwertige Ausstattung und Gestaltung dieses sehr gut in der Hand liegenden Buches. Es ist schön, dass es mutige Verlage gibt, die Romane abseits des Mainstreams in ihr Programm nehmen. Ich bin sicher, dass es auch für dieses Buch ein Publikum gibt, nur gehöre ich eben nicht dazu.

    Mehr
    • 6
  • Schöne Seelen

    Schöne Seelen
    Heuerli

    Heuerli

    20. October 2015 um 11:57

    Es geht um die High Society der Schweiz. Hauptsächlich um den Schriftsteller Oskar Canow. Kurz bevor eine Bekannte von ihm stirbt verrät sie ihm ein Geheimnis. Er wird von seinem Freund Viktor gebeten für ihn in seine Therapie zu gehen. Von da an nehmen die Dinge seinen Lauf. Ich fand die Idee zwar speziell aber gut. Mal was anderes. Aber ich finde sie wurde falsch umgesetzt. Das Buch zog sich manchmal in die Länge und ich kam einfach nicht vorwärts mit lesen oder ich hatte keine Ahnung was die Person überhaupt gerade erzählte.Das war vor allem zu Beginn so. Gegen den Schluss hat sich das dann ein bisschen verbessert was dann auch dazu geführt hat dass ich dem Buch 2 Sterne gegeben habe. Manchmal war die Handlung für einige Seiten amüsant und gut aber dann zog es sich wieder. Und manchmal dachte ich mir einfach ernsthaft jetzt? weil es so komisch war. Das Ende war nicht unbedingt schlecht aber auch nicht wahnsinnig überzeugend. Kurz:Ich würde das buch jetzt nicht weiterempfehlen weil es mich einfach nicht überzeugt hat. es war mir zu stark in die Länge gezogen.Weil es aber zu Ende besser wurde 2 Sterne.

    Mehr
  • Seelenlose Nichtigkeiten

    Schöne Seelen
    Deengla

    Deengla

    Kurzmeinung Vielversprechendes Grundkonzept, doch die Umsetzung konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen. Inhalt Die höhere Gesellschaft in der Schweiz. Im Mittelpunkt steht Schriftsteller Oskar, dem von jemanden ein Geheimnis anvertraut wird, und der von seinem Freund Viktor gebeten wird, doch anstelle von ihm eine Therapie zur Rettung der Ehe jenes Freundes anzutreten. Meine ausführlichere Meinung Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich nicht diesem Buch doch noch zwei Sterne geben soll, aber nach meinem eigenen Bewertungssystem innerhalb dieser 5-Sterne-Logik hat es einfach nicht dazu gereicht, da ich große Passagen dann doch überblättert habe und gelangweilt bis genervt von der Lektüre war. Eine nette Grundidee (eine Therapie anstelle eines anderen an seiner Statt machen) sowie vereinzelte (sehr vereinzelte) scharfsinnige Beobachtungen reichen dann eben doch nicht für zwei Sterne. Für mich war dieses Buch gespickt mit leeren Worthülsen, geschwollenen Monologen/Dialogen und völlig überzeichneten Figuren. Auch wohlwollend als Satire lesend erfüllt es meiner Meinung nach nicht seinen Zweck. Oder wie Albert Einstein so schön sagte: "Wenn man etwas nicht einfach erklären kann, hat man es nicht verstanden:" Die Handlung an und für sich ist leider auch sehr langweilig, Oskars Ehefrau Lauren nervt mit Denglisch und einen speziellen Schweizer Flair vermisse ich hier auch. Kurzum, es gab eigentlich nichts, was mich mit der Lektüre versöhnt hat. Was sehr schade ist. Wahrscheinlich bin ich einfach zu dumm und ungebildet, hat der Schriftsteller doch schon mehrere Preise abgeräumt. Einzig und allein die Tatsache, dass ich mit meiner Meinung in der Leserunde zu diesem Buch nicht alleine war bzw. bislang alle einhellig die Lektüre ähnlich bewerten, gibt mir Hoffnung. Fazit "Ein sprachlich fulminantes Meisterwerk des ironischen Moralismus, reich an Geist und Tempo, eine philosophische Screwball-Comedy als Roman" wie auf dem Klappentext versprochen war "Schöne Seelen" für mich in keinster Weise. Weder Schreibstil noch Charaktere noch Handlung noch Umsetzung haben mich überzeugen können, aber es soll sich bitte jeder selbst eine Meinung bilden. Ich persönlich werde auf jeden Fall nicht so schnell wieder etwas von diesem Autor lesen.

    Mehr
    • 2
  • DIE SCHÖNEN REICHEN

    Schöne Seelen
    Gral

    Gral

    16. October 2015 um 15:58

    Philipp Tingler schreibt in einer witzigen und zotigen Weise, welches dem Buch seinen schwarzen Humor verleiht. Es sind die Schönen und Reichen, die hier ihr Eigenleben führen. Sektempfänge und unsinnige Unterhaltungen, die eigentlich keinen Sinn ergeben. Doch die Lacher kommen voll und ganz auf ihre Kosten. Schon der Tod der reichen Frau, den Gwendolyn durch ihren Medikamentencocktail beschleunigt haben könnte, lässt in dunkle Abgründe blicken. Kurz vor ihrem Tod weiht sie den Schriftsteller Oskar in ein Geheimnis ein. Mildred ist überhaupt nicht ihre leibliche Tochter. Doch ausge- rechnet mit Mildred und Viktor verbindet Oskar und seine Frau Lauren eine enge Freundschaft. Eine fatale Idee nimmt ihren Lauf. Auf Anraten von Mildred soll Viktor eine Psycho - Therapie absolvieren. Und er schickt anstatt seiner Person seinen Freund Oskar zur Therapie. Das perfekte Chaos nimmt unweigerlich seinen Lauf.

    Mehr
  • Ein literarisches Remake von "Rossini" - mit mehr Philosophie.

    Schöne Seelen
    KatrinSchoen

    KatrinSchoen

    13. October 2015 um 18:38

    Die reiche, betagte Millvina Van Runkle segnet in Anwesenheit des Schriftstellers Oskar Canow mit den Worten "wenigstens sterbe ich reich!" das Zeitliche. Bei ihrer Beerdigung trifft sich die gebotoxte High Society - weniger in Trauer als den neuesten Züricher Gesellschafts-Klatsch zu erfahren. Oskar Canow entfernt sich mit seinem Freund Viktor in eine Bar. Dieser bittet ihn dort, an seiner Stelle eine Therapie bei Dr. Hockstädter zu besuchen, um seine (Viktors) Eheprobleme mit Mildred - Adoptivtochter der verstorbenen Millvina - zu lösen. Viktor nutzt die Zeit, um für eine Theateraufführung im Seniorenheim zu proben. Oskar lässt sich breitschlagen, weil er sich davon künstlerische Inspiration verspricht. Natürlich verwickelt sich auch sein eigenes Seelenheil in die Therapie bei dem "In-Therapeuten", der es aber mit der Schweigepflicht nicht so genau nimmt. Es kommt, wie es kommen muss: Bei einem Abendessen zwischen Martini und Hummer fliegt die Scharade auf, weil Dr. Hockstädters Sprechstundenhilfe und nordisches Vollweib Astrid in der Tür steht, die Viktor direkt als Ulla in seinem Theaterstück besetzen will. Hier erreicht die Groteske ihren Höhepunkt - "Rossini" lässt grüßen. Oskar flieht vor der gesellschaftlichen Schmach in die USA, gefolgt von Viktor und Mildred, die in Las Vegas ihre Ehe retten wollen. Dort treffen sie auf Dr Hockstädter, der Mildred verrät, dass sie adoptiert ist. Das löst irgendwie das Problem und Oskar fliegt - über den Sinn des Lebens philosophieren - in der Ersten Klasse nach Hause. Was mir an Handlung zu wenig ist, ist mir an Philosophischem und Intellektuellem zu viel. Oder besser "Too much" - wie Lauren, Oskars englische Frau, sagen würde. Ohne Frage steckt in diesem Buch viel Geist und Arbeit - sowas schreibt sich nicht einfach mal runter. Aber leider hat der Autor einfach zu viel gewollt und überfordert den "normalen" Leser - ich habe mich durch das Buch stellenweise durchkämpfen müssen. Von Freud über Jung werden die psychologischen Theorien bemüht, verpackt in einem Fremdwörterhagel, der einen leider immer wieder geistig Abschalten lässt. Garniert wird das Ganze mit der Erwähnung aller Luxusmarken dieser Welt - von Gucci bis Jimmi Choo - und einer ganzen Batterie von Pillen für und gegen alles. Sehr schade, denn gut gefallen haben mir die Dialoge, die etwas leichter und spritziger daher kommen und den Witz und die Ironie halten, den die Leseprobe versprochen hat. Nichts desto trotz: Ich habe großen Respekt vor der schriftstellerischen Leistung - auch, wenn es meinen Geschmack nicht ganz getroffen hat. Ich fühle mich nach der Lektüre zwar nicht durch schöne Seelen beseelt, aber selten war ich so froh, nicht die "Probleme" der Busse-Bussi-Gesellschaft teilen zu müssen.

    Mehr
  • "Milieuschäden. Verwahrlost auf hohem Niveau"... (Zitat aus Schöne Seelen)

    Schöne Seelen
    Gwenliest

    Gwenliest

    "Ein Milieu, wo man nicht mal dann sagt, was man denkt, wenn das Haus in Flammen steht.“ (Zitat aus Schöne Seelen) Wir befinden uns in der Züricher High Society… Mehr oder weniger Teil davon ist Oskar Canow. Oskar ist Schriftsteller, der sich obwohl er grundsätzlich gut beschäftigt ist, in einer kleinen Schaffenskrise steckt. Aber langweilig wird ihm sicher nicht, da sich neben seiner Frau Lauren auch noch ein Personal Trainer, ein Yoga Instructor , ein Physiotherapeut, eine Assistentin, ein Friseur und sein bester Freund Viktor um ihn „kümmern“. Nach der Beerdigung der Schwiegermutter (Milvana, der Grand Dame von Zürich) von Viktor sitzen die zwei Männer in dem Züricher“ sehen und gesehen werden Lokal“. Viktor erzählt von seiner Ehe, um die es gerade nicht so gut bestellt ist und dem Ultimatum, das seine Frau ihm gestellt hat, Therapie oder Scheidung. So kommt es, dass er Oskar mehr oder weniger überredet die Therapie stellvertretend für ihn zu machen. Das Drama ist vorprogrammiert… in diversen Sitzungen, Lunches, Dinners und sonstigen Gesprächen erfährt man vieles und nichts von den Protagonisten, die in einer Gesellschaft leben, in der es von Reichen und Schönen nur so wimmelt. Eine Gesellschaft, in der Menschen so etwas sagen wie „Fünf Phasen des Kummers, Verleugnung, Wut, Reality TV, Essen und noch irgendwas. In dieser Phase bin ich jetzt gerade.“ und Therapiestunden seitens des Patienten abgebrochen werden mit „Es liegt nicht an Ihnen, es liegt an mir. Mein Charakter langweilt mich.“ (Zitate aus Schöne Seelen) Der Autor Philipp Tingler entführt uns in seine Welt der Reichen und Schönen, die Probleme und eigentlich auch alles sonst von anderen regeln lassen, Schönheit und Liebe käuflich sind, Schein und Sein wichtig ist und eigentlich jeder an jedem vorbeiredet. Mit der Anfangsszene die spritzig, bissig, humorvoll, aber mit gewissem Ernst ist, legt der Autor stark vor. Was folgt sind weitere zynische und wirklich lesenswerte Dialoge, über die ich teilweise laut lachen musste. Aber leider auch viele ermüdende Monologe und nichtssagende Passagen, die keinem roten Faden folgen. Da kommen wir schon zum Thema… der Stoff ist gut, aber zu undifferenziert, einseitig, sinnfrei und teilweise auch sehr platt verarbeitet. Ich verstehe, dass es Satire sein soll, aber gerade dann fehlen mir unter anderem ein Gegenpol innerhalb der Gesellschaftsschicht und ein tieferer Blick auf die anderen Gesellschaftsschichten. Dahingehend umgearbeitet, könnte ich mir die Story wirklich gut als Theaterstück vorstellen. Aber als 333 Seiten Roman hat es mich leider schnell gelangweilt. Schade, denn ich persönlich fand den Schreibstil durchaus ansprechend, verschachtelt und viele gute Dialoge, auch das Denglish hat mich zum Lachen gebracht und eine gewisse Lebendigkeit reingebracht. Auch psychologisch interessante Ansätze waren vorhanden. Aber in der Kombination, in der das Ganze hier präsentiert wird, hat es für mich leider nicht ganz funktioniert.

    Mehr
    • 2
  • „Denn das Wiedererkennen ist erquicklicher als jede Theorie.“

    Schöne Seelen
    Insider2199

    Insider2199

    "Denn das Wiedererkennen ist erquicklicher als jede Theorie." Der deutsch-schweizerischer Autor, der in St. Gallen, London und Zürich Ökonomie und Philosophie studierte und über das literarische Werk Thomas Manns promovierte, arbeitet nebenbei als Kolumnist für Zeitschriften und Literaturkritiker für den Schweizer „Literaturclub". Zum Inhalt: Der Schriftsteller Oskar Canow lebt in der Züricher Gesellschaft der Reichen und Schönen, in der „die Gesichter mit Hyaluronsäure frisch gehalten werden und Klatsch das Grundnahrungsmittel darstellt.“ Da liegt es auf der Hand, dass man neben seinem Äußeren auch sein Inneres perfektionieren will. So entschließt Oskar sich zu einer Therapie, aber nicht für sich, sondern für seinen Freund Viktor, den Konflikte mit seiner Ehefrau Mildred plagen, der aber aus einer Leidenschaft zur Schauspielerei am Theater keine Zeit hat, sich dieser Probleme in ausreichendem Maße anzunehmen. Doch kann diese Scharade gutgehen? Meine Meinung: Die Ansichten zu diesem Roman werden – was man unschwer an den bisherigen Bewertungen erkennen kann – sehr kontrovers ausfallen, um es mit den Worten von Lauren (Oskars Ehefrau) zu sagen „either you’ll like it or you won’t, Chickie!“ LOL Nun für mich ist es eine Mischung aus Beidem, d.h. die eine Hälfte des Buches (besonders der Anfang und das Ende) fand ich sehr interessant zu lesen. Ich habe mir auch sehr viele Stellen im Buch angestrichen: „Je mehr wir bedauern, wie wir nicht gelebt haben – also je höher der Anteil ungelebten Lebens an unserem Dasein ausfällt –, desto mehr fürchten wir den Tod.“ oder auch: „Ironie ist die weltlichste Form der Transzendenz überhaupt, doch zugleich hinausweisend über die Welt, darinnen liegt ihre Spiritualität.“ Die andere Hälfte bzw. der Mittelteil war leider ermüdend und anstrengend. Hier führte u.a. ein Vortrag über „Kreativität in der Psychologie“ in seiner theoretischen Analyse zu weit weg von der Kernhandlung, und es erschloss sich mir absolut nicht, was der Autor dem Leser überhaupt damit vermitteln wollte. Es wirkte auf mich fast so, als solle der Leser einfach über Psychologie belehrt werden oder als wolle der Autor sein Wissen darüber loswerden. Was lustig und als Satire begann, wurde also im Mittelteil zu einer Art Vortrag, d.h. egal, ob Schilderung oder Dialog, alles klang gleich (alle Figuren sprachen wie der Erzähler und man spürte somit den Autor dahinter), wobei es jede Menge Infodump gab. Der Leser wurde einfach mit zu vielen „theoretischen Worthülsen“ erschlagen, deren Bedeutung sich ihm selbst bei höchster Konzentration nicht erschloss, und teilweise wurde er mit psychologischem Spezialwissen überfordert. Verwirrend fand ich auch die Tatsache, dass die Gedanken von Oskar ebenfalls in Anführungsstrichen standen, v.a. wenn dies zwischen Dialog der Fall war. Nach einem ermüdenden und tw. langweiligen Mittelteil tröstete der Schlussteil über diese Anstrengung etwas hinweg und der Kreis zum Anfang schloss sich sehr schön. Auch der letzte Satz brachte alles knackig auf einen Punkt: „Denn das Wiedererkennen ist erquicklicher als jede Theorie.“ Dies greift auf etwas zurück, das bereits zuvor erwähnt wurde, und liefert nun die Erklärung, frei nach dem Motto: „So meine lieben Leser, ich habe euch nun über 300 Seiten lang mit Theorie gequält, aber das zählt alles gar nicht, sondern es geht allein darum, sich im anderen wiederzuerkennen, d.h. es geht schlicht und einfach um die Liebe, um lieben und geliebt zu werden. :-) Fazit: Ein kontroverser Roman, dem ich gemischte Gefühle entgegenbringe: einerseits gefiel mir die Sprache, und ich hatte an vielen Stellen (besonders Anfang und Schluss) sehr viel Spaß am Lesen, doch der Mittelteil überfrachtete und tw. überforderte mich mit leeren, theoretischen Worthülsen und machte das Lesen zur anstrengenden/ermüdenden Tortur. Was nutzt Sprache auf hohem Niveau und eine gute Romanidee, wenn der Leser nicht versteht, wovon der Autor spricht, selbst, wenn es angeblich auf diese Theorie gar nicht ankommt? Ein Roman mit Höhen und Tiefen, daher nur 3 Sterne.

    Mehr
    • 2
  • Völlig am Leser vorbei formuliert !

    Schöne Seelen
    wandablue

    wandablue

    Am Leser vorbei formuliert. Abgesehen von der Grundidee hatte „Schöne Seelen“ für mich nichts zu bieten. Die Idee, jemand gibt sich auf Wunsch des Freundes bei einem Ehetherapeuten für diesen Freund aus und trägt dessen Probleme vor, weil derjenige keine Lust und keine Zeit für die Sitzungen hat, verspricht ein lustiges Verwirrspiel. Was man jedoch bekommt ist zynisches Phrasendreschen zwischen den oberen Zehntausend, die sich Probleme machen, weil sie keine haben. Man könnte einwenden, diese hohlen, jedoch geschliffen wirkenden Phrasen per se wären die Satire. Kann sein, aber sie tragen nicht als Interessengeber durch eine ganze Geschichte. War das erste Kapitel mit einer makabren Sterbeszene gerade wegen des Makabren noch einigermaßen Aufmerksamkeit haltend, haben mir die nachfolgenden Szenen keinen weiteren Aufschluss über die handelnden Personen gegeben; ausserdem gibt es keine Differenzierung, die Reichen sind auch nicht alle dumm, hohl und leer. So habe ich leider bald das Interesse an allem verloren, obwohl da und dort sich auch mal einige kluge Sätzchen zwischen alle die hochgestochenen sinnentleerten Phrasen schmuggeln. Die wenigen Perlen in der Wüste Gobi reißen es aber leider nicht heraus. Dennoch möchte ich dem Verlag Kein & Aber ein Kompliment machen, der sich, wie auch diesmal, immer wieder auf literarische Experimente einläßt und aus dessen Haus ich mit Vergnügen schon manche ungewöhnliche Geschichte gelesen habe. Diesmal hats meinen Geschmack nicht treffen können und Tinglers Stil ging an mir, wie an vielen Lesern, vorbei. Leider nicht ganz spurlos. Fazit: Nie wieder Tingler für mich. Aber immer wieder Kein & Aber. Kategorie: Moderne Literatur Verlag: Kein & Aber, 2015

    Mehr
    • 8
  • weitere