Philippe Besson

 4.2 Sterne bei 61 Bewertungen
Autor von Nachsaison, Zeit der Abwesenheit und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Philippe Besson

Phillippe Besson wurde 1967 in Barbezieux, einem Dorf in der Charente, geboren. Er besuchte das Gymnasium in Bordeaux. Nach der Oberstufe in Rouen ging er 1989 nach Paris wo er zunächst als Jurist und dann als Dozent für Sozialrecht arbeitete 1999 begann er an seinem ersten Roman ›Zeit der Abwesenheit‹ zu schreiben, der Anfang 2001 in Frankreich erschien. Seitdem veröffentlicht er fast jährlich einen Roman. Die Bücher des Autors sind in Frankrich sichere Bestseller und werden vielfach ausgezeichnet. Bisher wurden die Bücher in circa 14 Sprachen übersetzt. Sein Roman ›Sein Bruder‹ wurde von Patrice Chéreau verfilmt.

Neue Bücher

Hör auf zu lügen

 (8)
Neu erschienen am 08.10.2018 als Hardcover bei C. Bertelsmann.

Alle Bücher von Philippe Besson

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Zeit der Abwesenheit

Zeit der Abwesenheit

 (9)
Erschienen am 01.01.2008
Nachsaison

Nachsaison

 (10)
Erschienen am 01.10.2007
Hör auf zu lügen

Hör auf zu lügen

 (8)
Erschienen am 08.10.2018
Ein Abschied

Ein Abschied

 (7)
Erschienen am 01.03.2010
Einen Augenblick allein

Einen Augenblick allein

 (7)
Erschienen am 01.08.2008
Sein Bruder

Sein Bruder

 (6)
Erschienen am 01.08.2005
Der Verrat des Thomas Spencer

Der Verrat des Thomas Spencer

 (5)
Erschienen am 01.04.2013
Venice Beach

Venice Beach

 (4)
Erschienen am 01.04.2012

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Neue Rezensionen zu Philippe Besson

Neu
haensbaenss avatar

Rezension zu "Hör auf zu lügen" von Philippe Besson

160 aufwühlende Seiten voller Selbstreflexion
haensbaensvor 24 Tagen

Vollständige Rezension: queerbuch.wordpress.com

Besson hat es mehrmals geschafft, meine Erwartungen zu widerlegen und mir zu zeigen, dass das Leben anders läuft. Kaum hatte ich mich mit der einen Wendung angefreundet und gedacht, ich hätte nun verstanden, worauf seine Geschichte hinausläuft, legt er in einem neuen Zeitabschnitt wieder völlig neue Wege frei, die das Leben geht.

Der Autor hat einen einzigartigen Schreibstil, der schwankt zwischen stilfrei, Gedankenausguss, penibler Wortwahl und System. Der Prolog zieht sich über zwei Seiten und besteht aus nur einem einzigen Satz. Man könnte vermuten, Thomas‘ Tod hätte in Besson einen Wortausbruch zu Tage gefördert, den er einfach nur niederschreiben musste. Dennoch gehe ich davon aus, dass er genau wusste, mit welchem Wort er welche Emotion beim Leser auslöst. Genau deshalb reichen 160 Seiten auch vollkommen aus, um die Tragweite der Ereignisse zu begreifen und den Leser in die Ohnmacht des Autors hinabzuziehen, die er durch Thomas‘ Tod erfahren haben muss.

Bessons Geschichte zeigt, dass wir Spuren hinterlassen bei Menschen, denen wir mal nah standen. So oft wir uns manchmal an vergangene Momente und Beziehungen zurück entsinnen und uns fragen, ob wir wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, ob diese Begegnung auch für das Gegenüber noch Auswirkungen hat, so werden wir das in den meisten Fällen niemals erfahren. Doch Besson zeigt uns durch seine Geschichte einen genau dieser Fälle, in denen diese Auswirkungen durchsickern, wenn auch erst Jahrzehnte später. Denn so unbedeutend wir uns manchmal selbst nehmen, so viel setzen wir durch unsere Begegnung manchmal bei unserem Gegenüber in Gang.

Der Titel Hör auf zu lügen ist Gesetz, denn durch diese Veröffentlichung als autobiografischer Roman gesteht er sich zum ersten Mal ein, schon immer über sein Leben geschrieben zu haben. »Lügen«, so nannte seine Mutter es, wenn er sich Lebensgeschichten zu Personen ausdachte, die ihm in seinem Alltag begegneten. »Lügen« nennt er dadurch selbst seine Romane, denn offiziell waren diese Geschichten frei erfunden und beruhten nicht auf seinem Leben. Gelogen hat Thomas sein ganzes Leben lang, bis zu einem kleinen Schritt am Ende, der als Rebellion gedeutet werden kann, sodass er seine Geheimnisse nicht mit ins Grab nahm. Und Besson selbst hört durch diesen autobiografischen Roman auf zu lügen, er teilt eine seiner tiefsten Erfahrungen mit uns, über die er vor Fertigstellung dieses Werks mit niemandem gesprochen hat.

Fazit

Philippe Besson lässt uns mit Hör auf zu lügen tief in seine Lebensgeschichte und hinter seine Fassade blicken, die er bis zur Veröffentlichung aufrechterhalten hat. Er lässt uns seine Geschichte erleben, wie nur das Leben sie schreiben kann. Das für mich Aufwühlendste war die Tatsache, dass die Ereignisse wirklich so eingetreten sind. Das Buch lenkt uns in eine Richtung, die Besson selbst gegangen ist, denn wir müssen aufhören zu lügen und uns selbst annehmen. Wir müssen zu uns selbst stehen, um ein erfülltest Leben führen zu können und vielleicht eine erfüllte Liebe finden.

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buchstabentraeumerins avatar

Rezension zu "Hör auf zu lügen" von Philippe Besson

Persönliche und gefühlvolle Erinnerungen an eine Jugendliebe
buchstabentraeumerinvor einem Monat

Ich stehe zu dem, was ich bin. Gewiss nur still. Doch in entschlossener Stille. Stolz. (Seite 22)

Philippe Besson erzählt in „Hör auf zu Lügen“ eine ganz besondere Geschichte, nämlich seine eigene. Er erzählt von seiner großen Jugendliebe Thomas, einem Jungen, der in dem Glauben aufwächst, Homosexualität sei etwas, das nicht richtig ist. Ein widernatürlicher Drang. So verleugnet Thomas sich selbst, seine Bedürfnisse und Wünsche, und kämpft für den Großteil seines Lebens dagegen an. Besson erzählt von ihrem Kennenlernen und wie er sich unmittelbar in Thomas verliebte, in seine stille Art, seine Wortkargheit. Er, der seine Homosexualität nicht an die große Glocke hängt, sie aber auch nicht bewusst verheimlicht, der dazu steht und nichts unnatürliches daran findet, begegnet einem jungen Menschen, der ganz anders damit umgeht. Wie kann sich unter diesen Umständen eine Liebesgeschichte entfalten? Dieser wundervolle Roman erzählt davon.

Das Gefühl der Liebe erfüllt mich, beglückt mich. Doch es verbrennt mich auch, tut so weh wie jede unmögliche Liebe mit all ihren Schmerzen. (Seite 25)

Man spürt, welchen Wert diese Erinnerungen für den Autor haben, er hütet sie wie einen Schatz. Jeder Blick, jeder Gedanke, jedes Gefühl, das er beschreibt – alles ist wie aufgeladen von der Energie dieser heimlichen Liebe. Über Umwege und sehr vorsichtig finden sie zueinander, doch letztendlich fasst Thomas Vertrauen und beginnt, sich zu öffnen. Mit einem Anflug angenehmer Nostalgie liest sich die zögernde, aber unvermeidbare Annäherung, „Hör auf zu lügen“ ruft gleichzeitig Freude und Traurigkeit hervor. Denn, wer den Lebensweg von Philippe Besson kennt ahnt, dass diese Liebe keine Zukunft hat.

Abseits dieser Liebesgeschichte geht es um viel mehr. In seiner Rückschau befasst sich Philippe Besson reflektierend und analysierend mit Fragen, die ihn möglicherweise bis heute umtreiben. Das tut dem Roman gut, denn dadurch wird er mehr als „nur“ eine Liebesgeschichte. Es geht um die Frage, wie Familie uns prägt, wie sie uns mitunter zu diktieren vermag, was richtig ist und was falsch ist. Es geht um die Frage, ob man aus diesem Käfig ausbrechen kann und wenn ja, zu welchem Preis. Es geht aber auch darum, wie sehr ein Mensch leiden kann, wenn er sich selbst verleugnet und sein Leben auf Lügen aufbaut. Was macht das mit den Menschen um einen herum, mit der eigenen Familie, mit Freunden? Und schlussendlich geht es darum, wie man es schaffen kann, mit seiner ersten großen Liebe abzuschließen. Ist ein jähes Ende ohne Aussprache überhaupt ein Ende?

Ich bilde mir ein, dass er mir ein Zeichen gibt, es anders völlig unmöglich ist, dass die Erinnerung an die verschmolzenen Körper seinen Widerstand brechen wird. (Seite 45)

Philippe Besson hängt diesen Erinnerungen nach, er spürt der Intensität der Emotionen nach, der Sorglosigkeit angesichts einer ungewissen Zukunft, den Zweifeln. Er bannt alles auf die Seiten, damit sie ihm niemals verloren gehen. Oder versucht er, auf diese Weise einen Abschluss zu finden? Gut möglich. Auf jeden Fall geriet ich in den Bann dieser Geschichte, die so liebevoll, hingebungsvoll und vermissend geschrieben ist, und werden sie so schnell nicht wieder vergessen.

Fazit

Philippe Besson erinnert sich in „Hör auf zu lügen“ an seine erste große Liebe, seine Jugendliebe Thomas. Es ist eine heimliche Liebe, denn Thomas verleugnet seine Homosexualität vor dem Rest der Welt. Der Roman ist äußerst gefühlvoll, der Autor schwelgt in seinen Erinnerungen und den Gefühlen von damals. Gleichzeitig wirkt der Roman wie ein Abschied, ein Schlussstrich unter einer Beziehung, die sein Leben prägte, wenngleich sie gar nicht richtig beginnen konnte. Wundervoll geschrieben.

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Daniel_Allertseders avatar

Rezension zu "Hör auf zu lügen" von Philippe Besson

Ich persönlich hätte mehr erwartet
Daniel_Allertsedervor einem Monat

Meine Meinung

 

»Hör auf zu lügen« ist ein autobiographischer Roman vom französischen Autor Philippe Besson. Grundkonzept dieses Romans ist seine erlebte Beziehung zu einem Jungen seiner Schule – eine sentimentale Hommage an das konservative Leben zu damaligen Zeiten und dem damit verbundenen Verzicht auf öffentliche Bekenntnisse und Outings. 
   Philippe Besson beschreibt freilich auf emotionaler und authentischer Ebene eine wohl sehr liebenswürdige Beziehung aus dem Jahre 1984, als der Autor noch ein junger Erwachsener war und seine heimliche Neigung nicht mehr verstecken konnte. Relativ schnell stoßen wir auf die Zusammenführung beider Partner, wir lesen von leidenschaftlichem Verkehr und ruhigen Momenten miteinander, von den zahlreichen Gedanken des Erzählers und den inneren Trieben von Thomas – allesamt im Setting eines, wie es auf dem Klappentext heißt, recht konservativ geprägten Dorf. Wir als Leser erwarten daher Konflikte, wie man sie in ebenjenem Dorf erwartet: Nachbarn, die sich sprichwörtlich das Maul zerreißen; Eltern, die die beiden mit nun anderen Blicken mustern; Eine Schule, die verspottet. Gott sei Dank passiert dies alles natürlich nicht, obwohl die Aussage auf dem Klappentext auf ebendies schließen lässt. Im Deutsch – bzw. Französischunterricht wäre dieser Aufsatz eine Themaverfehlung, denn ich zum Beispiel habe soeben Erwähntes erwartet – wie sind die beiden Jungs mit diesen Konfrontationen umgegangen? Wie meisterten sie ihre Liebe, und wie konnten sie sich befreien von diesen beengenden Augen der Dorfbewohner? Dagegen haben wir 100 Seiten leidenschaftliche Liebe, mit keinem Wort dieses vermeintlich konservative Dorf, und der Rest des Buches beschäftigt sich mit dem nun älteren Erzähler, der sich am Sohn von Thomas ergötzt. 
   Natürlich emotional, und mit einer wichtigen Botschaft versehen – keine Frage – ich kritisiere hier lediglich die sehr verfehlte Inhaltszusammenfassung, die ich erwartet habe. Der Autor Philippe Besson beschreibt auf inniger Eben eine Beziehung zu einem Jungen, die einem Tränen in die Augen schießen – mein Gott, wenn man sich liebt, dann liebt man sich, vollkommen egal welches Geschlecht oder welches Gender. Jedoch aber wird dieses Konzept wirklich nur zu Beginn des Buches angewandt, was ein wenig enttäuscht. Wir haben wirklich nur einen 100-seitigen Spielraum zur Verfügung, danach fällt das Konzept in den Keller, und wir lesen nur noch von Erinnerungen – leider. 

Fazit

Zusammenfassend habe ich den Roman als mittelmäßig empfunden. Anfangs eine leidenschaftliche Geschichte, doch die Autobiographie, die nur einen kurzen Teil von Bessons Leben porträtiert, verlor stetig an Emotionalität, und flachte dann in flache Erinnerungen ab. Sehr schade für diese eigentlich wichtige Botschaft im Buch. 

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