Philippe Brenot

 4.5 Sterne bei 36 Bewertungen
Autor von Sex Story.

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Sex Story

Sex Story

 (36)
Erschienen am 25.09.2017

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Rezension zu "Sex Story" von Philippe Brenot

Schluss mit dem Unfug!
Flaventusvor einem Jahr

Ein Comic über die Geschichte des Sex – kann das funktionieren? Ja, es kann. Und es wenig verwunderlich, dass dieser Comic aus Frankreich stammt, wo Comics bekanntlich als Kulturgut deutlich wertgeschätzter werden als hierzulande. Wie schon bei vielen Werken, die aus unserem Nachbarland ins Deutsche übersetzt werden, so bezeugt auch dieses Buch: zu Recht!


Kein Aufklärungsbuch

Viele Leser mögen glauben, dass da wo Sex draufsteht, sexuelle Aufklärung drinnen ist. Genau das Gegenteil ist der Fall. Der Untertitel „Kulturgeschichte“ darf nicht überlesen werden, und damit die zwingende Voraussetzung, nicht nur aufgeklärt, sondern auch mit diversen Begrifflichkeiten aus der Themenwelt der Sexualität vertraut zu sein.

In diesem Buch wird weder eine Aufklärung noch ein begriffliches Fachlexikon geboten. Somit ist dieser Comic eindeutig auch nichts für Kinderhände, sondern richtet sich an aufgeklärte (junge) Erwachsene.

 

Kritische Inhalte

Aufklärung bedarf es allerdings nicht nur in sexueller Hinsicht, sondern auch in kultureller. Wer weder die genannten Persönlichkeiten, noch die Geschichte der Institutionen wie die der Kirchen oder Gesellschaften wie das römische Reich kennt, wird viele Anspielungen nicht verstehen. Und damit auch den Witz verpassen, der sich dahinter verbirgt.

Die Anspielungen sind natürlich zuweilen sehr kritisch und überspitzt. Was wenig überraschend sein dürfte, da Sexualität in vielen Gesellschaften eben alles andere als das Normalste der Welt galt. Dafür dürften viele Inhalte und dargebotenen Fakten so manchen Leser überraschen. Das Buch ist durchweg gut recherchiert und viele Inhalte räumen mit diversen Vorurteilen und Unwissen auf.

 

Viel Bild, viel Text

Die Illustrationen sind bewusst „comic-haft“ gestaltet und bietet nicht die künstlerische Tiefe einer Graphic Novel. Im Gegenzug ist, dafür, dass es sich um einen Comic handelt, sehr viel Text enthalten. Die 200 Seiten sind nicht nur deshalb aufwändiger zu lesen, sondern auch wegen des teilweise gehobenen und verschachtelten Sprachstils.

Wer also ein einfach gestricktes Sex-Comic erwartet, wird mit dieser Lektüre bitter enttäuscht werden. Ebenso wie Porno-Freunde. Denn auch wenn viele Darstellungen explizit sind, so ist es an keiner Stelle pornografisch.

 

Fazit

Dieses Comic räumt mit vielen Vorurteilen und fehlerhaften Fakten auf, die sich in unserer Kultur fest verankert haben. Es hat sehr viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und sich durch die unterschiedlichen Epochen der Zeit leiten zu lassen, um zu erfahren, wie unterschiedlich die jeweiligen Gesellschaften dem Sex gegenüber standen.

Ich kann dieses Buch allen aufgeklärten und an der Kulturgeschichte des Sex interessierten Leser empfehlen. Wer Aufklärung oder pornografische Inhalte sucht, sollte sich jedoch anderen Werken widmen.


Diese und andere Rezensionen finden sich auf meinem Bücherblog.

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Sidnys avatar

Rezension zu "Sex Story" von Philippe Brenot

Sachbuch in Comic-Variation
Sidnyvor einem Jahr

"Eine Kulturgeschichte in Bildern" verspricht das Cover von Sex Story seinen potenziellen Lesern, und soll eine Übersicht über die Entwicklung der menschlichen Sexualität von den ersten Frühmenschen bis in die Gegenwart und sogar einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung sexueller Gepflogenheiten liefern.

Zusammengetan haben sich hier der Anthropologe und Psychiater Philippe Brenot und die Illustratorin Laetitia Coryn - Brenot liefert die Story, Coryn steuert die Zeichnungen bei.
Ich habe mir im Vorfeld mittels einer Leseprobe einen kleinen Eindruck über das Buch gemacht, und war sehr gespannt, wie dieser Spagat zwischen einem "trockenen Sachbuch" über ein eigentlich völlig "untrockenes" Thema und einem kurzweiligen, unterhaltsamen Comic wohl gelingen mag. Nachdem ich nun das ganze Buch kenne, muss ich sagen, dass ich extrem hin- und hergerissen bin und mich wirklich schwertue, eine angemessene Sternewertung zu finden.

Absolut überzeugt hat mich der Comic-Anteil: Die Zeichnungen sind wirklich gelungen, niedlich anzusehen, treffen inhaltlich auf den Punkt und bringen die richtige Dosis Humor ins Buch. Ebenfalls gut gefallen hat mir die Strukturierung, die zuerst chronologisch und dann auch regional unterteilt, wenn es für eine Epoche (zum Beispiel die Antike) auf verschiedene Kulturen (Ägypter, Griechen...) einzugehen gilt.

Auf der Sachbuchebene fand ich das Buch dagegen im Gesamten enttäuschend. Zum einen bleiben viele Dinge extrem an der Oberfläche, was natürlich an der gewählten Präsentationsform als Comic liegt und aus diesem Grund auch zu erwarten war - daher wäre eine Abwertung wegen dieses Punkts nicht gerechtfertigt. Aber es gab auch ein paar Details, die mir wirklich sauer aufgestoßen sind:
Zum Beispiel werden berühmte Syphilis-Erkrankte aufgezählt (Seite 132), unter denen sich auch Heinrich VIII. befindet, obwohl sich die These seiner Syphiliserkrankung noch nie nachweisen ließ und eigentlich auch schon vor einigen Jahren stichhaltig widerlegt wurde. Ob die Behauptung für die anderen Genannten (Franz I., Ludwig XIV und Napoleon) zutreffend ist oder nicht, weiß ich nicht - ich habe es auch nicht überprüft, denn eigentlich sollte mir ein Sachbuch keine überholten Thesen als Fakten verkaufen, sondern verlässliche Informationen liefern. Das tut es aber auch an anderer Stelle nicht, nämlich auf Seite 176, wo "Rudolph Valentino [angeblich] die Frauen der 1930er-Jahre um den Verstand" bringt, obwohl der Arme bedauerlicherweise bereits 1926 verstorben ist. Mir sind nur diese beiden Details aufgefallen, aber bei zwei doch recht groben Schnitzern ist es durchaus wahrscheinlich, dass noch weitere enthalten sind.
Ebenfalls ärgerlich fand ich, wie auf Seite 45 das Thema "Beschneidung" angegangen wurde. Dort finden sich auf kleinem Raum einige fragwürdige Informationen mit einem kleinen Schwenk auf die Gegenwart: "Während die Zirkumzision ohne großen Schaden für die Männer weiterhin praktiziert wird, ist die Exzision insofern völlig inakzeptabel, als sie einer sexuellen Verstümmelung der Frau gleichkommt, die enorme Konsequenzen für ihre Genitalien und ihr Sexualleben hat." Eine solch unreflektierte Aussage ist im 21. Jahrhundert einfach unangebracht - jeder Mensch (ja, auch wenn er männlich ist) hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit, ebenso wie auf religiöse Selbstbestimmung. Wer sich als Erwachsener die Vorhaut aus traditionellen, religiösen oder kosmetischen Gründen amputieren lassen möchte, kann das ja tun, aber die Tatsache, dass Eltern ihren kleinen Jungs eine überflüssige, mit zahlreichen Risiken belastete Operation zumuten dürfen, an deren Ende ebenfalls ein verstümmeltes Geschlechtsteil steht, sollte in einem Sachbuch nicht schöngeredet oder bagatellisiert werden. Hätte der Autor sein Buch vor einem halben Jahrhundert geschrieben, hätte er wohl auch noch im Brustton der Überzeugung behauptet, dass Selbstbefriedigung zu Erblindung führt, oder wie?
Bei dem Ausblick um die mutmaßliche zukünftige Entwicklung der menschlichen Sexualität handelt es sich eigentlich nur noch um Glaskugelei mit deutlichen Anleihen aus "Demolition Man" - das hätte sich der Autor besser ganz gespart.

Andere Leser würden hier vielleicht ein Auge zudrücken, aber für mich ist es ein No-Go, wenn ein Laie sogar ohne weitere Recherche über mehrere Stellen stolpert, die bei wohlwohlender Betrachtung vielleicht ein wenig unsauber, bei kritischer eher schlampig, schlecht recherchiert oder völlig unkritisch wirken. Der Autor ist natürlich kein Historiker, aber gerade aus diesem Grund wäre es umso wichtiger gewesen, mehrere und aktuellere Quellen zu Rate zu ziehen. So ist "Sex Story" als Sachbuch für mich wertlos, da ich nicht weiß, welche Fakten denn nun auch wirklich welche sind.
Müsste ich alleine die Qualität des Sachbuchs bewerten, hätte ich maximal zwei Sterne gegeben - würde ich nur die Qualtiät des Comics beurteilen, wären es auf jeden Fall fünf Sterne. Ich habe mich somit für die Mitte entschieden und gebe drei Sterne.
Wem es weniger um fundierte Informationen sondern eher um ein paar unterhaltsame Lesestunden geht, der kann bedenkenlos zugreifen - bei wem es umgekehrt ist, der sollte vielleicht lieber noch ein bisschen weiterstöbern.

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Ginger1986s avatar

Rezension zu "Sex Story" von Philippe Brenot

Witzig und Informativ
Ginger1986vor einem Jahr

Erstmal wow! Ich hatte mit einem dünnen Büchlein gerechnet. Ich hatte nicht mit einem so riesigen Buch gerechnet. Das Buch ist komplett in rot gehalten und macht direkt klar um was es sich hier dreht. Das Buch enthält 12 Kapitel und eine Zusammenfassung wo kurz und knapp die wichtigsten Punkte zusammengefasst sind. Direkt erstmal:  Das Buch ist nicht für Kinder geeignet. Auch wenn es sich um eine Erzählung in Form eines Comics handelt, ist das Buch ausschließlich für Erwachsene oder Jugendliche ab ca. 15 Jahren geeignet. Die Geschichte rund um die schönste Nebensache der Welt wird hier in humorvoller Sprache dargestellt. Von der Steinzeit, über die Antike und das Mittelalter geht es in die Gegenwart. Das Buch umschreibt, was in den einzelnen Epochen in Punkto Sex angesagt war und was absolut verpönt oder sogar verboten war. Wie war der Umgang der Menschen miteinander? Wie sind Eheleute miteinander umgegangen? Zwischen den Zeilen lernen wir in diesem Buch nicht nur etwas über die Geschichte des Beischlafs sondern auch über die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Welche Rituale gab es im Laufe der Zeit ? Welche Begriffe lassen sich von damals noch ableiten ? Fazit: Ein tolles informatives Werk was Themen wie Homosexualität, Keuschheit und Prostitution auf humorvolle Weise erklärt ohne dabei zu überzogen zu wirken.         

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