Die grauen Seelen

von Philippe Claudel 
4,0 Sterne bei78 Bewertungen
Die grauen Seelen
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Rabiatas avatar

Düster, trostlos und zeitweise verwirrend.

K

Ganz wunderbar.

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Inhaltsangabe zu "Die grauen Seelen"

"Wie Philippe Claudel die Seelen entblößt, hat mir den Atem genommen." (Petra Hammesfahr)

Ein Dorf im Osten Frankreichs, Winter 1917. Die Front ist nah, doch alles geht seinen gewohnten Gang. Bis eines Tages die zehnjährige Tochter des Gastwirtes ermordet wird. Der Gendarm versucht, Licht in das Dunkel zu bringen. Doch erst viele Jahre später gelingt es ihm, die Geschichte zu erzählen, zusammen mit allen anderen Geschichten, die untrennbar mit ihr verbunden sind.

"Dunkel, geheimnisvoll, atemberaubend, spannend, dabei von bestechender sprachlicher Eleganz." (Elke Heidenreich in "Lesen")

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499237799
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:254 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.03.2006
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.07.2006 bei Parlando ein Imprint von Argon erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Rabiatas avatar
    Rabiatavor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Düster, trostlos und zeitweise verwirrend.
    Leben in Hörweite der Front im 1. Weltkrieg

    Während des Lesens dachte ich mehrfach, warum ich das Buch eigentlich weiter lese. Anfangs springt der Ich-Erzähler, der niemals wirklich greifbar ist und zu dem man keine wirkliche emotionale Nähe aufbaut, völlig planlos in seiner Erzählung zwischen den verschiedenen Zeiten hin und her. Mal erzählt er etwas aus dem Leben eines Dorfbewohners, das im späten 19. Jahrhundert geschehen ist. Dann weiß man wieder nicht genau, ist er jetzt gerade im Jahr 1915 oder in den 1920er Jahren. Dies hat meinen Lesefluss gestört und ich war mehrmals kurz davor, einfach die Lektüre abzubrechen. Doch bin ich dran geblieben, da ich wissen wollte, wer der Mörder war.

    Der Ich-Erzähler berichtet eigentlich von den Umständen, die zu verschiedenen Todesfällen während des 1. Weltkrieges in seinem Dorf führten. Ein Mädchen wird erwürgt, ein Protagonist begeht Selbstmord, es wird gefoltert und gemordet. Im Grunde verspürt man während des Lesens eine beständige Trostlosigkeit.

    Doch schlussendlich lösen sich diese ganzen Verkettungen auf und in der Rückschau auf das Buch versteht man dann, was es mit der Psyche der Menschen machen kann, die jahrelang in Hörweite einer Kriegsfront leben, permanent den Schlachtgeräuschen ausgesetzt sind und tagtäglich junge Soldaten zur Front ziehen sehen und parallel schwer verletzte junge Männer im Lazarett ankommen sehen. Die Sinnlosigkeit des Krieges wird hier dem Leser fast nebenbei vermittelt.

    In dem Buch erfährt man einiges über die damaligen Hierarchien und Standesunterschiede, an denen sich die Menschen festhalten, um den zusammen brechenden Strukturen und der fortschreitenden Demoralisierung der Bevölkerung entgegen zu wirken. Gleichwohl gibt es dann Menschen, die ihre Machtpositionen gnadenlos ausnutzen und sogar auskosten. Eine tiefe Hoffnungslosigkeit ist bei allen Protagonisten erkennbar.

    Man stellt sich mehrere Fragen: Verblasst Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen nicht irgendwann? Und welche Taten rechtfertigt Trauer?

    Am Ende ist man entsetzt über die Gefühllosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber der Gewalt, die sich irgendwann bei den Protagonisten einzustellen scheint.

    So findet die Lumpensammlerin Joséphine die passenden Worte als sie die grauen Seelen beschreibt: "Ich kenne keine Schweine und keine Heiligen. Nichts ist ganz schwarz oder ganz weiß; das Grau setzt sich durch. So ist es auch bei den Menschen und ihren Seelen. Du bist eine graue Seele, hübsch grau, wie wir alle."

    Ein erschütterndes Werk.

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    S
    sakuvor 2 Jahren
    Ein Buch zum Nachdenken

    In Lothringen ist ein kleines Dorf, in dem ein kleines Mädchen, Belle de Jour, ermordet wurde. Über die Ereignisse davor und danach und die Untersuchung wird in diesem Buch berichtet.

    Der Ich-Erzähler ist ein Polizist, der von 1917 und von der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erzählt. Die Untersuchung an sich interessiert den Erzähler nicht so sehr. Das Buch ist eigentlich ein Tagebuch (eine Art Beichte für seine schon seit langem verstorbenen Frau), das das Leben in dem kleinen Dorf V., nicht sehr weit von der Frontlinie, erzählt: von den Männern, die bleiben dürfen, von den Männern, die weg müssen, von den Männern, die zurückkehren, von den Frauen, die lieben, warten und hoffen, von den Kindern. Es erzählt über eine zweistufige Gesellschaft, die Mächtigen und das Fußvolk. Es bringt zum Nachdenken über den Krieg und seine Folgen, über die Todesstrafe und deren Sinn. Es erzählt über das Leben und die Liebe und ihre Folgen. Es gibt einige glückliche Augenblicke, einige verzweifelte, einige grausame... sehr viele Grautöne...Es ist ein kleines, aber sehr tiefes Buch, über das man noch lange denkt, wenn man es zugemacht hat.

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    cvcoconuts avatar
    cvcoconutvor 6 Jahren
    Erschütternd

    Es ist eine erschütternde Geschichte inmitten des ersten Weltkrieges. Ein Mord geschiet an einem kleinen Mädchen und es wird erzählt wie die Leute in der Zeit damit umgehen. Jeder hat sein Leben und sein kleines Schicksal und jeder geht anders damit um. Ich finde es schlimm, mit welcher Skrupellosigkeit und Brutalität teilweise umgegangen wird. In einer Welt voller zerstörung, wie soll man da Hoffnung haben? Das einzige, was mir nicht gefallen hat war die Erzählweise. Es war teils so sprunghaft und wurde von allem mal ein bisschen berichtet, so dass man nicht so recht wußte, welche Zeit gerade war.

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    W
    WinfriedStanzickvor 6 Jahren
    Rezension zu "Die grauen Seelen" von Philippe Claudel

    Dieser Roman hält absolut, was sein Klappentext und seine Auszeichnungen in Frankreich versprechen. In einer wunderbaren selbstreflexiven Sprache schildert der 1962 geborene Philippe Claudel in seinem ersten in Deutschland veröffentlichten Roman die Geschichte eines Mordes, der nie aufgeklärt wird.

    Der Ich 'Erzähler, von Beruf Polizist in einem kleinen Ort hinter der Frontlinie des Ersten Weltkrieges in Frankreich, schreibt viele Jahre nach den Ereignissen ( 'Die Affäre' nennt er es) eine Geschichte auf, in die er selbst mehr verwickelt ist, als man es auf den ersten Seiten vermuten kann.

    1917. Der Krieg tobt. Der Ort ist voll von Krüppeln und Verletzten und immer wieder neue Ladungen menschlichen Kanonenfutters werden an die nahe Front gekarrt. Da wird die 10- jährige Tochter des Wirts, 'Belle de Jours' genannt, erwürgt aufgefunden. Der in einem Schloß einsam lebende pensionierte Staatsanwalt Destinat wurde kurz vorher an genau der Stelle mit dem Kind gesehen.

    Aber der Richter und ein extra entsandter Beauftragter der Regierung verhindern weitere Ermittlungen und lassen einen Unschuldigen hinrichten.

    Der Fall lässt den Polizisten nicht los, eben weil er selbst sich darin mit großer Schuld beladen hat: er war nicht da, als seine Frau ihn brauchte.
    Viele Jahre später führt er Gespräche mit noch lebenden Beteiligten und schreibt seine Geschichte auf. Als er sie beendet hat, ist er endlich reif für eine Entscheidung, die er seit Jahren vor sich herschiebt ...

    Claudels Roman ist ein Stück großer Literatur. Es ist zu wünschen, daß das deutsche Publikum auch seine anderen Werke bald würdigen kann.

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    hannemass avatar
    hannemasvor 6 Jahren
    Rezension zu "Die grauen Seelen" von Philippe Claudel

    claudel lässt den polizisten in einem dorf im osten frankreichs - nahe der weltkriegsfront - bestimmte ereignisse im winter 1917 erzählen. bildhaft sind figuren und handlungen, sprache und ihr ton zugegeben schön. der plot aber um die titel-gebenden "grauen seelen" ist dermaßen banal, daß einen der verdacht beschleicht, das buch sei nicht mit der vollen konzentration des - bestimmt zu bessserem fähigen - autors geschrieben.

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    Beagles avatar
    Beaglevor 8 Jahren
    Rezension zu "Die grauen Seelen" von Philippe Claudel

    Es ist weder ein Kriminalroman, noch reine Belletristik, was Philippe Claudel in seinem Buch „Die grauen Seelen“ beschreibt. Es ist eine Mischung aus beidem, gekonnt zusammengefügt, zu einer wunderbaren Erzählung.

    Protagonist ist ein nicht benannter Polizist, der in der Zeit des ersten Weltkrieges seinen Dient in der zu Deutschland grenznahen Stadt V. tut. Der Hauptteil der Geschichte spielt im Winter 1917, kurz vor Kriegsende. Aber der Krieg ist doch ferner in dieser Stadt. Durch den Umstand, dass es eine bedeutende Fabrik gibt, müssen viele der Männer nicht in den Kriegsdienst. Auch die Front ist einige Kilometer entfernt, doch immer hört man das Donnern der Kanonen. Dies und der Umstand, dass das Krankenhaus der kleinen Stadt zum Bersten mit Kriegsverwundeten voll ist, sind die einzigen Zeugen des Krieges.

    In diesem Winter wird die Leiche eines zehnjährigen Mädchens am Ufer des für die Fabrik gegrabenen Kanals gefunden. Sie wurde erwürgt. Jeder kannte sie, handelt es sich doch um die Tochter eines bekannten und beliebten Wirts der Stadt, sie wurde Belle de Jour genannt, da die Leute sagten, sie sei schön, wie eine Blume gewesen. Sofort begeben sich die Polizei und der Richter zum Tatort. Es ist eisig kalt und niemand findet nähere Hinweise, die auf den Tathergang schließen könnten.

    Dies ist die Hauptgeschichte, die Philippe Claudel in seinem Roman beschreibt. Umrankt wird sie allerdings noch von vielen anderen, die die Personen des Städtchens verinnerlichen, ihre grauen Seelen beschreibt. Angefangen von dem alten Staatsanwalt, der in einem Schloss neben dem Tatort lebt, über den Richter, der sich des Wortes als Waffe bemächtigt und über das tote Mädchen als eine x-beliebige spricht, sich somit bei der Bürgerschaft unbeliebt macht. Erzählt, wird auch die Geschichte einer jungen Lehrerin, die kurz nach Kriegsbeginn in V. ihren Dienst antrat und somit einen geisteskranken Kollegen ersetzte. Auf den ersten Blick scheinen die Personen nicht recht miteinander zu harmonieren, doch zum Schluss fügt sich alles zu einem fantasievollen Ganzen.

    Das Buch ist ein brillanter Einblick in das Leben eines kleinen Städtchens, er gibt Aufschlüsse über deren Bewohner. Der Krieg ist nur ein „Randdarsteller“, wie schon erwähnt drangen die Kriegswirren nicht recht nach V. durch und die Geschichte hätte auch zu jeder anderen Zeit passieren können. Nichts desto trotz liefert Claudel hier einen wunderbar spannenden Roman ab, dessen einfühlsamen philosophischen Charaktere sich durchaus mit denen von hochtrabenden Schriftstellern, wie zum Beispiel Milan Kundera, messen können. Claudel hat viele gute Bücher hervorgebracht, doch dies ist eindeutig sein bestes!

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    Thomas_Kasturas avatar
    Thomas_Kasturavor 8 Jahren
    Rezension zu "Die grauen Seelen" von Philippe Claudel

    Es gibt Bücher, bei denen man auf jeder Seite sagt: Wie kommt man nur auf solch elegante Formulierungen? Und alle fünf Seiten bleibt einem aufgrund einer messerscharfen Beobachtung die Spucke weg. Und alle zehn Seiten schmilzt man einfach tief bewegt dahin. "Die grauen Seelen" von Philippe Claudel ist eines dieser Bücher.

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    ribannas avatar
    ribannavor 9 Jahren
    Rezension zu "Die grauen Seelen" von Philippe Claudel

    Frankreich 1917. Ein Ort, nur wenige Kilometer hinter der Front. Fast geht das Leben seinen normalen Gang, wären da nicht der ständige Kanonendonner und die Soldaten, die auf dem Weg zur Front voll Tatendrang durch den Ort marschieren und verwundet, verkrüppelt oder tot zurückkommen. An einem kalten Dezembertag wird die Leiche der jüngsten Tochter des Gastwirts, von allen nur Belle de Jour genannt, in einem Bach gefunden. Wie eine Skizze nur, mit wenigen Worten erschafft Philippe Claudel eine Welt, so real und bedrückend. Mit vollkommenen Unmenschen und unschuldigen Wesen wie Belle de Jour. Und den anderen Beteiligten, die alle auf die eine oder andere Art Schuld auf sich geladen haben, den grauen Seelen.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 10 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wunderbares Buch, sehr unterhaltend, kein bloßer Krimi, viel mehr als das! Empfehlenswert.
    Rezension zu "Die grauen Seelen" von Philippe Claudel

    Dieses Buch ist vielschichtig.
    Es beginnt 1917 in einer kleinen Stadt in Frankreich. Belle de jour, die wunderschöne Tochter des Gastwirtes der nahe liegenden Stadt V. wird tot aufgefunden.

    Doch dann ist dieses Buch sehr viel mehr. Der Erzähler, wohl der Einzige, der sich um die wahren Umstände des Mordes, Tathergangs und Täters kümmert, erzählt seinen eigenen Schmerz, schreibt sich seine Geschichte von der Seele, so sagt er, und malt dabei ein Bild der Zeit 1914 bis 1918 auf französischer Seite, schreibt vom Leben und Lieben ohne Telefon und schnelle Transportmöglichkeiten, mit tiefen, wahren, traurigen, aber reellen Schicksalen.

    Es ist eine ergreifende Geschichte, die auch nach dem Lesen der letzten Seite noch viele Fragen offen lässt.

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    Speckelfes avatar
    Speckelfevor 11 Jahren
    Rezension zu "Die grauen Seelen" von Philippe Claudel

    Im Winter 1917 wird in einem frontnahen Dorf ein kleines Mädchen umgebracht und der Dorf-Gendarm berichtet quasi darüber und über die Ermittlungen und Geschehnisse im Dorf in diesem Buch.
    Im Vergelich zu den letzten Büchern, die ich gelsen habe, ist dieses schon "literarischer", anspruchsvoller, auch aus sprachlicher Sicht. Trotzdem, oder gerade deshalb?, ist es fesselnd und spannend bis zu letzten Seite. Es gelingt dem Autor sehr gut, die damalige Stimmung in dem Dorf zu beschreiben und auch die einzelnen Personen kann man sich gut vorstellen. Nur mit den Namen hatte ich manchmal so meine Probleme ... aber das hab ich eh leicht! ;o)
    Gelungenes Buch!!!

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    Dunkel, geheimnisvoll, atemberaubend, spannend, dabei von bestechender sprachlicher Eleganz.

    Wie Philippe Claudel die 'grauen Seelen' der Menschen im Schatten des Kriegsmassakers ausleuchtet, wie er Menschen und Landschaften hintuscht und am Ende eine Pointe setzt, mit der auch erfahrene Krimileser nicht rechnen können - das macht dieses leise Buch zu einem, das noch lange nachklingt.

    Dieser Roman fesselt von der ersten Seite an.

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