Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

von Philippe Claudel 
4,5 Sterne bei66 Bewertungen
Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung
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harakiris avatar

Monsieur Linh muss man einfach lieb haben - und das Buch auch.

Binea_Literatwos avatar

Ein Auge lacht, ein Auge weint und ich schreie laut: Guten Tag, guten Tag. Puh...ein Buch was mitten ins Herz trifft, in mein Herz getroffe...

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Inhaltsangabe zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung"

Freundschaft unter Fremden

In seiner Heimat hat Monsieur Linh nach einem Bombenangriff alles verloren. Er flieht mit seiner kleinen Enkeltochter in ein fremdes Land, in eine kalte, verregnete Stadt. Mit anderen Flüchtlingen wohnt er in einem Heim, wo er sich einsam und verloren fühlt. Da lernt er auf einem Spaziergang den dicklichen Monsieur Bark kennen. Monsieur Bark redet und redet, obwohl Monsieur Linh ihn gar nicht verstehen kann. Ohne Worte erzählen sich die beiden Männer von Glück, Sehnsucht und Hoffnung – und teilen ein trauriges Geheimnis.

„Eine herzergreifende Fabel über Exil, Einsamkeit und Freundschaft“ (Freundin)

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499332586
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Buch
Umfang:170 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:02.05.2008
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.08.2006 bei Parlando erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Maerchenbuchs avatar
    Maerchenbuchvor 3 Jahren
    Ein kleiner Schatz im Bücherregal

    Im Zuge des fürchterlichen Vietnamkrieges in Südostasien, flüchtet der alte Monsieur Linh mit seiner kleinen Enkeltochter Sang-diu nach Europa. Bei einem verheerenden Napalm Angriff, hat er nicht nur sein Dorf verloren, sondern auch seine komplette Familie. Das Mädchen ist alles, was dem alten Mann geblieben ist und so begibt er sich mit dem kleinen Bündel, auf eines der zahllosen Flüchtingsboote. Mit im Gepäck, hat er bloß ein verblasstes Foto seiner Familie und ein wenig Erde seiner Heimat.

    Nach Wochen der Überfahrt, kommen die beiden schließlich im kalten Frankreich an und werden vorläufig in einem Auffanglager untergebracht, welches Monsieur Linh tagelang nicht verlässt. Zu groß ist die Sorge um seine Enkelin und die Angst vor dem Unbekannten.

    Im Laufe der Zeit, wagt sich Linh dann schließlich doch nach draußen, erkundet mit Sang-diu die nähere Umgebung und macht schließlich Bekanntschaft mit Monsieur Bark, einem alten, redseligen Franzosen.

    Auf einer Parkbank beginnt Bark, Monsieur Linh seine Lebensgeschichte zu erzählen und die beiden Männer erfreuen sich an der Gesellschaft des anderen. Obwohl Linh kein Wort verstehen kann, lauscht er jeden Tag den Erzählungen seines neuen Freundes und begreift schnell, dass dieser ebenfalls einen schweren Verlust erleiden musste. Die Männer entwickeln Vertrauen zueinander und es entsteht eine wunderbare kleine Freundschaft.

    Eines Tages führt Monsieur Bark den alten Vietnamesen ans Meer und als sich dieser an seine entfernte Heimat erinnert, blickt auch der Franzose in die Vergangenheit und erzählt eine tragische Geschichte.

    Als Monsieur Linh mit Sang-diu plötzlich in ein Altenheim übersiedeln soll, nehmen die Treffen der beiden Männer ein jähes Ende. Ohne sich von seinem Freund verabschieden zu können, muss Linh seine neue Unterkunft beziehen und es wird ihm schnell klar gemacht, dass er das Heim nicht mehr verlassen darf. Doch Linh vermisst Monsieur Bark und macht sich auf die schicksalshafte Suche nach seinem Freund.

    Der Autor Philippe Claudel schafft es, auf wenigen Seiten eine liebenswürdige und warmherzige Geschichte zu erzählen, die den Leser fesselt, bewegt und nachdenklich zurücklässt. Gleichzeitig gelingt es ihm aber auch, charmante und amüsante Momente in seine Erzählung einfließen zu lassen.

    Beispielsweise, als sich Monsieur Bark mit seinem Namen vorstellt und Monsieur Linh antwortet, indem er ihm einen guten Tag wünscht: “Tao-lai”.Bark hält „Tao-lai“ für Monsieur Linhs Namen und spricht ihn fortan damit an. Monsieur Linh ist wiederum begeistert von der Herzlichkeit des Franzosen, da ihm dieser anscheinend andauernd einen guten Tag wünscht. Eine reizende Szene, die mich mehrmals schmunzeln lies.

    Obwohl der Roman keinen rasanten Handlungsablauf aufweisen kann, besticht er durch Kleinigkeiten und eine ruhige, ergreifende Stimmung. Die zentralen Themen Verlust, Einsamkeit, Sehnsucht und Freundschaft werden unglaublich tiefgründig behandelt und ich staune, wieviel Inhalt und Gefühl man in so wenigen Seiten unterbringen kann.

    Auch das Ende war sehr passend gewählt und keinesfalls kitschig. Es konnte mich sowohl überraschend, als auch erschütternd. Für mich, ein kleines Büchlein, aber ein großes Kunstwerk!

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    ralluss avatar
    rallusvor 4 Jahren
    Monsieur Linh

    Innehalten, Zuhören, Zuwenden sind Eigenschaften die wir in unserer hektischen Zeit kaum noch benutzen oder besitzen.


    Monsieur Linh kommt mit einem großen Flüchtlingsschiff aus einem Kriegsland (vermutlich Asien), wo seine Kinder starben, in eine große westliche Stadt (vermutlich New York).
    Dabei hat er nur seine Enkeltochter, die er aus dem Land gerettet hat.
    In dem fremden Land versteht er die Sprache der Menschen nicht und auch nicht deren Verhalten, immer auf der Flucht - wohin?


    Auf einer Bank sitzend trifft er einen Mann der seine Frau verlor und es beginnt eine Freundschaft die die Sprache und Kultur überwindet.


    Ein sanftes, wehmütiges Buch welches subtil die leisen Zwischentöne der beiden Figuren begreift und beschreibt.

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    Sabine17s avatar
    Sabine17vor 5 Jahren
    So viele Gefühle

    Dieses mit seinen 127 Seiten sehr dünne Büchlein hat mich gestern beim Lesen emotional fast umgehauen.

    Am Ende saß ich da und mir flossen die Tränen.

    Monsieur Linh ist alt und in seiner Heimat herrscht Krieg. Als eine Bombe seinen Sohn und dessen Frau tötet, flieht er mit seiner wenigen Wochen alten Enkeltochter.

    In dem neuen Land ist es kalt und Monsieur Linh versteht die Sprache nicht. Er klammert sich zum Trost an seine Enkelin.

    Als er sich eines Tages doch vor die Tür des Flüchtlingsheim wagt, setzt sich Herr Bark zu ihm auf eine Bank.

    Fortan treffen sich die beiden jeden Tag. Obwohl sie sich mit Worten nicht verständigen können, kommunizieren sie jeden Tag miteinander. Herr Bark trauert um seine verstorbene Frau und Monsieur Linh um Sohn, Schwiegertochter und die Heimat.

    Beide spüren die Verbundenheit des anderen.

    Und dann wird das Flüchtlingsheim geschlossen und Monsieur Linh woanders untergebracht. Und da gibt es für ihn nur einen Gedanken: er muss zu "ihrer" Bank und seinen Freund wiedersehen, denn er weiß, Herr Bark wird auf ihn warten.

    Diese kleine Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft ist mit ganz leisen Tönen erzählt und strahlt so viel Gefühl aus. Vieles wird nur angedeutet, aber der Leser fühlt alles. Es werden keine Länder- oder Ortsnamen genannt, aber das ist auch nicht nötig, denn diese Geschichte könnte an vielen Orten der Welt geschehen sein und jeder hat seine eigenen Bilder im Kopf.

     

    Beim Lesen habe ich mit Monsieur Linh gelacht, gelitten und habe gehofft. Und am Ende flossen bei mir viele Tränen...

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    dicketillas avatar
    dicketillavor 5 Jahren
    Monsieur Linhs Enkeltochter

    Er fühlt sich, als wäre er ein ganzes Jahrhundert gealtert. Monsieur Linh, der alles verloren hatte,
    Mit seiner Enkeltochter auf dem Arm, einige Habseligkeiten im verschnürten Koffer, aber immer noch mehr, als die, die nur hatten was sie am Körper trugen. Die Eltern seiner Enkelin waren tot, sein Sohn und seine Frau, die ihm dieses hübsche Kind schenkte, was wie ein Wunder überlebte.
    Mit dem Schiff kommt er in dieses kalte land, ohne Gerüche, die an die Heimat, das kleine Dorf erinnern. Untergebracht in einem Schlafsaal erleidet er die Missachtung der eigenen Landsleute, nur die Sorge um seine Enkelin treibt ihn an. Das Kind bewegt sich nicht, ist immer ruhig, wärmt seinen Körper. Eines Tages setzt sich ein Mann neben ihn auf eine Bank, und beginnt ein Gespräch. Der Geruch des Tabaks erinnert ihn an die rauchenden Männer im Dorf. Anfangs ist er noch misstrauisch, aber bald freunden sich die beiden Männer an, das neue Land bekommt dadurch ein anderes Gesicht für ihn. Nicht nur die Worte “Guten Tag” der fremden Sprache verbindet beide, die er sich hat von der Dolmetscherin beibringen lassen. So erfährt der Leser, dass Monsieur Bark vor zwei Monaten seine Frau verloren hat, die gegenüber im Park gearbeitet hatte. So finden die zwei Einsamen zueinander, und es entwickelt sich eine Freundschaft. Dann wird Monsieur Linh in ein Altenheim verbracht, in ihm der Wunsch wächst, seinen Freund wieder zu sehen.

    Geschrieben in einer Schlichtheit, die aber dennoch ein Hauch von Poesie ausstrahlt. Poesie in Worte gefasst, verständlich, die Grauen des Krieges, der Heimatlosen nicht besser beschreiben könnte.
    Einer Parabel gleich, wird aufgezeigt, dass selbst wenn man die Sprache des anderen nicht versteht, die Herzen doch einander verstehen, selbst wenn einer davon in seiner Jugend Schuld auf sich geladen, in einen verordneten Krieg geschickt wurde, doch nichts hoffnungslos erscheint.
    Einsam nur der ist, der auch im Herzen einsam bleibt.

    “Plötzlich , er hat gar nicht darüber nachgedacht und ist selbst erstaunt über diese Geste , legt Monsieur Linh seine linke Hand auf Monsieur Bares Schulter, so wie der es am Vortag getan hat, sieht ihn dabei an und lächelt. Monsieur Bark lächelt zurück.” (S.37)

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    19angelika63s avatar
    19angelika63vor 5 Jahren
    Wir alle brauchen einen Freund ...

    Klappentext
    Monsieur Linh ist der Einzige, der weiß, dass er so heißt: Alle anderen, die seinen Namen kannten, sind tot. Nur er und seine kleine Enkelin, gerade ein paar Wochen alt, haben den Bombenangriff auf ihr Heimatdorf überlebt. Monsieur Linh flieht und gelangt nach langer Reise in eine kalte, verregnete Stadt, deren Namen er nicht aussprechen kann. In einem Flüchtlingswohnheim fühlt er sich einsam und verloren. Kraft geben ihm nur sein kleines Mädchen und der dicke Monsieur Bark, den er auf einem seiner Spaziergänge durch die fremde Stadt kennen gelernt hat. Der eine versteht die Sprache des anderen nicht, doch sie erzählen sich ohne Worte von Glück, Trauer, Sehnsucht und Hoffnung – und teilen ein trauriges Geheimnis.

     


    Ehrlich gesagt finde ich dieses Buch sehr traurig. Monsieur Linh muss aus seiner Heimat fliehen. Alle sind tot. Einzig seine Enkelin lebt. Mit ihr flieht er in ein fremdes fernes Land. Er kann die Sprache nicht, kennt sich nicht aus und fühlt  sich vollkommen alleine und einsam. Mit niemandem kann er sich unterhalten. Nicht einmal mit seiner Enkelin, da sie noch zu klein ist. Wie trostlos ist das alles? Ich versetze mich in diesen Mann und fühle eine endlose Leere in mir.


    Dann lernt Monsieur Linh einen Mann kennen. Der eine kann die Sprache des anderen nicht. Dennoch fühlen sie sich einander nahe. Hier fiel mir sofort ein Satz von Antoine de Saint-Exupéry aus dem kleinen Prinzen ein: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ So scheint es mir bei den beiden.
    Eines Tages wird Monsieur Linh in ein Altenheim gebracht. Weit weg von dem Treffpunkt der Freunde. Monsieur Linh ist endlos traurig und völlig verzweifelt, weil er wieder ohne Freund ist. Nur seine Enkeltochter ist bei ihm. Und hier stutze ich … wieso ist die Enkeltochter mit im Altenheim? Wäre sie nicht besser in einem Kinderheim untergebracht?


    Irgendwann hält es Monsieur Linh in diesem Heim nicht mehr aus und flieht. Er sucht seinen Freund. Doch er kennt sich in diesem Land nicht aus und er verzweifelt auf seiner Suche nach ihm. Doch dann sieht er ihn und rennt los … und dann passiert es …


    Ihr seht, alles in allem eine traurige Geschichte. Es macht mich traurig zu lesen was mit Menschen passiert, die aus ihrer Heimat fliehen müssen. Ich denke da an all die Länder in denen aktuell Krieg herrscht und die Flüchtlinge in alle Teile der Welt flüchten, oftmals dabei ihr Leben lassen. Denkt an die Flüchtlingsboote vor Lampedusa! Aber dieses Buch macht auch ein  wenig Hoffnung. Hoffnung deshalb weil es doch Menschen gibt, wie Monsieur Linhs Freund, der obwohl er die Sprache des Mannes nicht versteht sein Freundwird und für ihn da ist.


    Vielleicht sollten auch wir, wenn wir das nächste Mal jemanden treffen dessen Sprache wir nicht verstehen, einfach für ihn da sein und ihm helfen sich bei uns zurecht zu finden.

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    WinfriedStanzickvor 6 Jahren
    Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Philippe Claudel ist, nachdem ihm 2005 mit dem Roman "Die grauen Seelen" der literarische Durchbruch gelungen ist, mit seinem Roman "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" nicht weniger geglückt als ein kleines Kunstwerk. In der Art und im Umfang erinnert es zeitweise an die Romane von Eric-Emmanuel Schmitt, jedenfalls transportiert es ähnlich viel Lebenskraft und Hoffnungsstärke.

    Das Buch beginnt mit der Schilderung einer Szene auf einem Schiff. Es ist eines der zahllosen Flüchtlingsschiffe aus Vietnam und Indochina, die in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach Jahrzehnten fürchterlicher Kriege und unbeschreiblicher Verwüstungen und Zerstörungen Tausende und Abertausende von sogenannten boat-people" in den asiatischen Meeren aufgriffen und ihnen in den Ländern Westeuropas und in den USA eine neuen Heimat zu geben suchten.

    Monsieur Linh ist einer von ihnen. Er ist ein alter Mann, der bei einem fürchterlichen Napalm-Angriff nicht nur sein Dorf und seine Heimat, sondern seine ganze Familie verloren hat. Nur seine kleine Enkeltochter Sang-diu ist ihm geblieben. Sie hat er gerettet und hält sie nun an der Reling des Schiffes stehend im Arm, das sie nach Frankreich bringen wird.

    Dort lebt er zusammen mit anderen Flüchtlingsfamilien zunächst in einem kleinen Heim, wird mehr schlecht als recht versorgt, und wagt sich nach einiger Zeit nach draußen, wo er auf einer Parkbank einen Franzosen kennen lernt.

    Monsieur Bark, ein ebenfalls schon in die Jahre gekommener, traurig aussehender Mann setzt sich neben ihn, beginnt ein Gespräch über das Wetter und stellt sich mit seinem Namen vor. Linh, der fremden Sprache nicht mächtig, antwortet den Traditionen seines Landes entsprechend, indem er dem anderen einen guten Tag wünscht. "Tao-lai." Monsieur Bark hält das für dessen Namen und redet ihn fortan damit an, was Linh zu dem Gedanken veranlaßt, daß das aber ein höfliches Land sei, in dem man sich andauernd einen guten Tag wünscht.

    Sie kommen sich näher. Monsieur Bark fragt auch nach seiner Enkeltochter: "Ein hübsches kleines Püppchen haben Sie da. Wie heißt sie denn ?"
    Monsieur Linh fühlt sich zum ersten Mal in dem neuen Land wahrgenommen und taut sichtlich auf. Er zeigt dem anderen ein verwaschenes Bild mit seiner Frau, aufgenommen lange bevor der Krieg seine Familie auslöschte. Und Monsieur Bark, beginnt einfühlsam zu verstehen. Er erzählt Linh von seiner verstorbenen Frau, die ein Karussell betrieb und zieht ebenfalls ein altes Bild aus seiner Tasche. Aus seinem Tonfall und seiner Mimik kann Linh irgendwann den richtigen Schluß ziehen, daß Monsieur Bark ebenso seine Frau verloren hat wie er.

    Die Schilderung dieser Gespräche ist Claudel auf das Einfühlsamste gelungen. Es scheint etwas auf, ein kleiner Hoffnungsschimmer, wie es gehen könnte mit den Menschen und ihrem Fremdsein, wie es anfangen könnte, das gegenseitige Verständnis und die Anerkennung, dessen was anders ist.

    Monsieur Bark spürt das, und etwas, was lange in ihm vergraben war, bricht auf, eine alte Schuld muß ausgesprochen werden. Als er an einem schönen Tag Monsieur Linh ans Meer führt und dieser sich an seine Heimat erinnert, spürt das auch Bark und beginnt zu reden. Und Erschütterndes kommt heraus.

    Monsieur Linh weiß nicht, wovon der andere redet, aber er spürt, daß es ihm unendlich wichtig ist. Vielleicht trauert er genauso um seine Frau wie ich, denkt er. Sie besuchen auf Barks Einladung ein Restaurant. Sie sind einfach glücklich zusammen, und nehmen sich so wie sie sind.

    Doch das Unglück lauert schon. Monsieur Linh wird von der provisorischen Unterkunft in eine andere gebracht, ein Schloß mit hohen Mauern, in dem viele alte Menschen leben, die nur so vor sich hinstarren. Linh versucht sich auch hier zu arrangieren, doch er vermisst seinen Freund. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch, das Schloß zu verlassen, gelingt es ihm beim zweiten Mal. Und ein auch dem Leser lange verborgenes Geheimnis wird gelüftet ...

    Philippe Claudels Buch ist eine bewegende Lektüre, die nachdenklich macht und noch lange im Inneren arbeitet. Es ist schon große Kunst, in einer solchen Kürze und Dichte schreiben zu können.

    .

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    Stundenblumes avatar
    Stundenblumevor 6 Jahren
    Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Ein alter Mann, Monsieur Linh, kommt als Flüchtling mit seiner Enkeltochter in ein Fremdes Land. Ein Land ohne Gerüche und Farben. Er ist sehr einsam. Die Flüchtlingsfamilie mit welcher er sich eine Wohnung teilt, ist nicht sehr freundlich zu ihm. Sie machen ihm essen, weil die Höflichkeit es so will, aber sie reden nicht mit ihm, beachten ihn nicht.
    Nach einer Weile schafft es der Alte raus zu gehen, seiner Enkeltochter zuliebe. So begegnet er Herrn Bark, welcher mit ihm redet, ihm alles erzählt, auch wenn Monsieur Linh es nicht versteht. Es entsteht eine Freundschaft. Doch Plötzlich wird der Alte Neu untergebracht, ohne dass er seinem Freund bescheid sagen konnte.

    Eine liebevolle, erschreckende Geschichte, welche zeigt, was im Krieg mit den Menschen der jeweiligen Parteien passieren kann. Eine rührende Geschichte über einen Neuanfang in einem fremden Land.

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    Binea_Literatwos avatar
    Binea_Literatwovor 8 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Auge lacht, ein Auge weint und ich schreie laut: Guten Tag, guten Tag. Puh...ein Buch was mitten ins Herz trifft, in mein Herz getroffe...
    Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Ein Auge lacht vor Freude Freudentränen, das andere Auge weint vor Traurigkeit Trauertränen. Lachenweinen – ein magisches Wort für mich. Ein Wort, was ich mit einem Menschen verbindet, eine Gemeinsamkeit, es passiert uns an ganz bestimmten Orten, zu ganz bestimmten Zeiten immer wieder.

    Dieses Lachenweinen folgt auf ein Gefühl was tief in mir drin ist, ein Kreisel aus Freude, Glück, Trauer und Schmerz, eine ganz spezielle Mischung, die von zwei Menschen.

    Philippe Claudel hat mir in diesem ruhigen, leisen Buch gezeigt, wie er mich zum Lachenweinen bringt und hat dies in einer Tour geschafft. Ich weiß es funktioniert bei mir nur mit diesem einen Menschen, es muss ein magischer Moment sein und das Buch hat bei mir diesen magischen Moment abgepasst.

    „Guten Tag, guten Tag“ rufe ich laut, immer und immer wieder, genau wie Monsieur Linh. Für ihn sind diese Worte genauso heilig wie für mich das Lachenweinen und das macht ihn so stark.

    Er ist einsam und alleine, keiner kennt seinen Namen. Er ist fast alleine, seine Enkelin Sang diu, gerade zehn Tage alt, ist bei ihm. Alle anderen sind tot, seine Heimat ist weit weg. Beide in einer fremden Stadt, in einem Flüchtlingsheim. Alleine, von anderen nur skeptisch beguckt. Sang diu ist für Monsieur Linh alles,wofür es sich zu leben lohnt. Der Verlust der Familie, der Verlust seines bisherigen Lebens, nur Sang diu kann diesen Verlust, diesen Schmerz kompensieren. Er behütet sie wie sein eigenes Herz, würde alles für sie geben. Die Tage ziehen ins Land und Monsieur Linh ist nach langer Zeit bereit den Schlafsaal zu verlassen. Auf der Straße, auf der Bank gegenüber des Parks trifft er Monsieur Bark. Er hat seine Frau verloren und klammert sich seitdem an Zigaretten, sie werden für ihn zu einem bestimmten Ritual, wenn er auf Monsieur Linh und seine Enkelin trifft. Auch das tägliche Treffen wird zu einer wohltuenden Gewohnheit, spezielle Treffen zwischen zwei Menschen, die äußerlich nicht die gleiche Sprache sprechen, aber innerlich genau dieselben Worte fühlen. Blindes Vertrauen und gehörloses Verstehen könnte man dies bezeichnen. Und dann passiert das, womit beide nie gerechnet hätten, eine Veränderung, die das gerade wieder lebenswerte Leben umstößt.

    „Manchmal geschieht ein Wunder, manchmal, wenn man glaubt, alles um einen herum sei nur noch wüst und stumm, gibt es doch Glück, Lachen und neue Hoffnung!“

    Eine Hymne an die Freundschaft, die keine Worte bedarf. Für mich mehr als nur nachvollziehbar, für mich lebbar, in allen Facetten. Eine freundschaftliche Liebe zweier Männer, die viel verloren und doch viel gefunden haben.

    „Jeder Tag hat einen Morgen,
    Immer kehrt das Licht zurück,
    immer folgt ein neuer Tag…“

    Ein wahrer Schatz, ein Herz voller Hoffnung, ein Buch was viele Sprachen spricht und einen festen Weg geht.
    In einem Auge lacht die Sonne, in dem anderen weinen die Wolken nach diesem Buch, magisch ist es und weiterhin halte ich mit meinem Herz an der Hoffnung fest.

    Genau wie Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung.

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    Melli2505s avatar
    Melli2505vor 9 Jahren
    Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Was für eine traurig-schöne Geschichte! In einer leisen, aber eindringlichen Sprache erzählt der Autor eine Geschichte über Verlust und Freundschaft, die keine Worte benötigt. Zum Ende hin fuhr es mir durch Mark und Bein, wobei das eigentliche Ende mich mit einem Lächeln zurückgelassen hat. Flüssig zu lesen, die kurzen Kapitel empfand ich als sehr angenehm!

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    roseFs avatar
    roseFvor 10 Jahren
    Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Ein sehr schönes kleines Buch über einen alten Mann, der mit seiner Enkeltochter aus seinem zerstörten Heimatland in ein anderes fremdes Land fliehen muss und sich dort nun neu zurechtfinden muss. Dies alles geschieht jedoch ohne Sprachkenntnisse und bürgt daher auch einige Schwierigkeiten. Nichtsdestotrotz lernt er aber einen dicken Mann kennen, zu dem er nach einer kurzen Zeit schon so etwas wie freundschaftliche Gefühle hegt.

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