Philippe Claudel Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

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Inhaltsangabe zu „Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung“ von Philippe Claudel

Freundschaft unter Fremden In seiner Heimat hat Monsieur Linh nach einem Bombenangriff alles verloren. Er flieht mit seiner kleinen Enkeltochter in ein fremdes Land, in eine kalte, verregnete Stadt. Mit anderen Flüchtlingen wohnt er in einem Heim, wo er sich einsam und verloren fühlt. Da lernt er auf einem Spaziergang den dicklichen Monsieur Bark kennen. Monsieur Bark redet und redet, obwohl Monsieur Linh ihn gar nicht verstehen kann. Ohne Worte erzählen sich die beiden Männer von Glück, Sehnsucht und Hoffnung – und teilen ein trauriges Geheimnis. „Eine herzergreifende Fabel über Exil, Einsamkeit und Freundschaft“ (Freundin)

Monsieur Linh muss man einfach lieb haben - und das Buch auch.

— harakiri

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  • Ein kleiner Schatz im Bücherregal

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    Maerchenbuch

    26. February 2016 um 17:05

    Im Zuge des fürchterlichen Vietnamkrieges in Südostasien, flüchtet der alte Monsieur Linh mit seiner kleinen Enkeltochter Sang-diu nach Europa. Bei einem verheerenden Napalm Angriff, hat er nicht nur sein Dorf verloren, sondern auch seine komplette Familie. Das Mädchen ist alles, was dem alten Mann geblieben ist und so begibt er sich mit dem kleinen Bündel, auf eines der zahllosen Flüchtingsboote. Mit im Gepäck, hat er bloß ein verblasstes Foto seiner Familie und ein wenig Erde seiner Heimat. Nach Wochen der Überfahrt, kommen die beiden schließlich im kalten Frankreich an und werden vorläufig in einem Auffanglager untergebracht, welches Monsieur Linh tagelang nicht verlässt. Zu groß ist die Sorge um seine Enkelin und die Angst vor dem Unbekannten. Im Laufe der Zeit, wagt sich Linh dann schließlich doch nach draußen, erkundet mit Sang-diu die nähere Umgebung und macht schließlich Bekanntschaft mit Monsieur Bark, einem alten, redseligen Franzosen. Auf einer Parkbank beginnt Bark, Monsieur Linh seine Lebensgeschichte zu erzählen und die beiden Männer erfreuen sich an der Gesellschaft des anderen. Obwohl Linh kein Wort verstehen kann, lauscht er jeden Tag den Erzählungen seines neuen Freundes und begreift schnell, dass dieser ebenfalls einen schweren Verlust erleiden musste. Die Männer entwickeln Vertrauen zueinander und es entsteht eine wunderbare kleine Freundschaft. Eines Tages führt Monsieur Bark den alten Vietnamesen ans Meer und als sich dieser an seine entfernte Heimat erinnert, blickt auch der Franzose in die Vergangenheit und erzählt eine tragische Geschichte. Als Monsieur Linh mit Sang-diu plötzlich in ein Altenheim übersiedeln soll, nehmen die Treffen der beiden Männer ein jähes Ende. Ohne sich von seinem Freund verabschieden zu können, muss Linh seine neue Unterkunft beziehen und es wird ihm schnell klar gemacht, dass er das Heim nicht mehr verlassen darf. Doch Linh vermisst Monsieur Bark und macht sich auf die schicksalshafte Suche nach seinem Freund. Der Autor Philippe Claudel schafft es, auf wenigen Seiten eine liebenswürdige und warmherzige Geschichte zu erzählen, die den Leser fesselt, bewegt und nachdenklich zurücklässt. Gleichzeitig gelingt es ihm aber auch, charmante und amüsante Momente in seine Erzählung einfließen zu lassen. Beispielsweise, als sich Monsieur Bark mit seinem Namen vorstellt und Monsieur Linh antwortet, indem er ihm einen guten Tag wünscht: “Tao-lai”.Bark hält „Tao-lai“ für Monsieur Linhs Namen und spricht ihn fortan damit an. Monsieur Linh ist wiederum begeistert von der Herzlichkeit des Franzosen, da ihm dieser anscheinend andauernd einen guten Tag wünscht. Eine reizende Szene, die mich mehrmals schmunzeln lies. Obwohl der Roman keinen rasanten Handlungsablauf aufweisen kann, besticht er durch Kleinigkeiten und eine ruhige, ergreifende Stimmung. Die zentralen Themen Verlust, Einsamkeit, Sehnsucht und Freundschaft werden unglaublich tiefgründig behandelt und ich staune, wieviel Inhalt und Gefühl man in so wenigen Seiten unterbringen kann. Auch das Ende war sehr passend gewählt und keinesfalls kitschig. Es konnte mich sowohl überraschend, als auch erschütternd. Für mich, ein kleines Büchlein, aber ein großes Kunstwerk!

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  • Monsieur Linh

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    rallus

    14. May 2014 um 17:42

    Innehalten, Zuhören, Zuwenden sind Eigenschaften die wir in unserer hektischen Zeit kaum noch benutzen oder besitzen. Monsieur Linh kommt mit einem großen Flüchtlingsschiff aus einem Kriegsland (vermutlich Asien), wo seine Kinder starben, in eine große westliche Stadt (vermutlich New York). Dabei hat er nur seine Enkeltochter, die er aus dem Land gerettet hat. In dem fremden Land versteht er die Sprache der Menschen nicht und auch nicht deren Verhalten, immer auf der Flucht - wohin? Auf einer Bank sitzend trifft er einen Mann der seine Frau verlor und es beginnt eine Freundschaft die die Sprache und Kultur überwindet. Ein sanftes, wehmütiges Buch welches subtil die leisen Zwischentöne der beiden Figuren begreift und beschreibt.

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  • So viele Gefühle

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    Sabine17

    28. February 2014 um 22:52

    Dieses mit seinen 127 Seiten sehr dünne Büchlein hat mich gestern beim Lesen emotional fast umgehauen. Am Ende saß ich da und mir flossen die Tränen. Monsieur Linh ist alt und in seiner Heimat herrscht Krieg. Als eine Bombe seinen Sohn und dessen Frau tötet, flieht er mit seiner wenigen Wochen alten Enkeltochter. In dem neuen Land ist es kalt und Monsieur Linh versteht die Sprache nicht. Er klammert sich zum Trost an seine Enkelin. Als er sich eines Tages doch vor die Tür des Flüchtlingsheim wagt, setzt sich Herr Bark zu ihm auf eine Bank. Fortan treffen sich die beiden jeden Tag. Obwohl sie sich mit Worten nicht verständigen können, kommunizieren sie jeden Tag miteinander. Herr Bark trauert um seine verstorbene Frau und Monsieur Linh um Sohn, Schwiegertochter und die Heimat. Beide spüren die Verbundenheit des anderen. Und dann wird das Flüchtlingsheim geschlossen und Monsieur Linh woanders untergebracht. Und da gibt es für ihn nur einen Gedanken: er muss zu "ihrer" Bank und seinen Freund wiedersehen, denn er weiß, Herr Bark wird auf ihn warten. Diese kleine Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft ist mit ganz leisen Tönen erzählt und strahlt so viel Gefühl aus. Vieles wird nur angedeutet, aber der Leser fühlt alles. Es werden keine Länder- oder Ortsnamen genannt, aber das ist auch nicht nötig, denn diese Geschichte könnte an vielen Orten der Welt geschehen sein und jeder hat seine eigenen Bilder im Kopf.  Beim Lesen habe ich mit Monsieur Linh gelacht, gelitten und habe gehofft. Und am Ende flossen bei mir viele Tränen...

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  • Monsieur Linhs Enkeltochter

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    dicketilla

    19. February 2014 um 15:43

    Er fühlt sich, als wäre er ein ganzes Jahrhundert gealtert. Monsieur Linh, der alles verloren hatte, Mit seiner Enkeltochter auf dem Arm, einige Habseligkeiten im verschnürten Koffer, aber immer noch mehr, als die, die nur hatten was sie am Körper trugen. Die Eltern seiner Enkelin waren tot, sein Sohn und seine Frau, die ihm dieses hübsche Kind schenkte, was wie ein Wunder überlebte. Mit dem Schiff kommt er in dieses kalte land, ohne Gerüche, die an die Heimat, das kleine Dorf erinnern. Untergebracht in einem Schlafsaal erleidet er die Missachtung der eigenen Landsleute, nur die Sorge um seine Enkelin treibt ihn an. Das Kind bewegt sich nicht, ist immer ruhig, wärmt seinen Körper. Eines Tages setzt sich ein Mann neben ihn auf eine Bank, und beginnt ein Gespräch. Der Geruch des Tabaks erinnert ihn an die rauchenden Männer im Dorf. Anfangs ist er noch misstrauisch, aber bald freunden sich die beiden Männer an, das neue Land bekommt dadurch ein anderes Gesicht für ihn. Nicht nur die Worte “Guten Tag” der fremden Sprache verbindet beide, die er sich hat von der Dolmetscherin beibringen lassen. So erfährt der Leser, dass Monsieur Bark vor zwei Monaten seine Frau verloren hat, die gegenüber im Park gearbeitet hatte. So finden die zwei Einsamen zueinander, und es entwickelt sich eine Freundschaft. Dann wird Monsieur Linh in ein Altenheim verbracht, in ihm der Wunsch wächst, seinen Freund wieder zu sehen. Geschrieben in einer Schlichtheit, die aber dennoch ein Hauch von Poesie ausstrahlt. Poesie in Worte gefasst, verständlich, die Grauen des Krieges, der Heimatlosen nicht besser beschreiben könnte. Einer Parabel gleich, wird aufgezeigt, dass selbst wenn man die Sprache des anderen nicht versteht, die Herzen doch einander verstehen, selbst wenn einer davon in seiner Jugend Schuld auf sich geladen, in einen verordneten Krieg geschickt wurde, doch nichts hoffnungslos erscheint. Einsam nur der ist, der auch im Herzen einsam bleibt. “Plötzlich , er hat gar nicht darüber nachgedacht und ist selbst erstaunt über diese Geste , legt Monsieur Linh seine linke Hand auf Monsieur Bares Schulter, so wie der es am Vortag getan hat, sieht ihn dabei an und lächelt. Monsieur Bark lächelt zurück.” (S.37)

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  • Wir alle brauchen einen Freund ...

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    19angelika63

    06. November 2013 um 16:29

    Klappentext Monsieur Linh ist der Einzige, der weiß, dass er so heißt: Alle anderen, die seinen Namen kannten, sind tot. Nur er und seine kleine Enkelin, gerade ein paar Wochen alt, haben den Bombenangriff auf ihr Heimatdorf überlebt. Monsieur Linh flieht und gelangt nach langer Reise in eine kalte, verregnete Stadt, deren Namen er nicht aussprechen kann. In einem Flüchtlingswohnheim fühlt er sich einsam und verloren. Kraft geben ihm nur sein kleines Mädchen und der dicke Monsieur Bark, den er auf einem seiner Spaziergänge durch die fremde Stadt kennen gelernt hat. Der eine versteht die Sprache des anderen nicht, doch sie erzählen sich ohne Worte von Glück, Trauer, Sehnsucht und Hoffnung – und teilen ein trauriges Geheimnis.   Ehrlich gesagt finde ich dieses Buch sehr traurig. Monsieur Linh muss aus seiner Heimat fliehen. Alle sind tot. Einzig seine Enkelin lebt. Mit ihr flieht er in ein fremdes fernes Land. Er kann die Sprache nicht, kennt sich nicht aus und fühlt  sich vollkommen alleine und einsam. Mit niemandem kann er sich unterhalten. Nicht einmal mit seiner Enkelin, da sie noch zu klein ist. Wie trostlos ist das alles? Ich versetze mich in diesen Mann und fühle eine endlose Leere in mir. Dann lernt Monsieur Linh einen Mann kennen. Der eine kann die Sprache des anderen nicht. Dennoch fühlen sie sich einander nahe. Hier fiel mir sofort ein Satz von Antoine de Saint-Exupéry aus dem kleinen Prinzen ein: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ So scheint es mir bei den beiden. Eines Tages wird Monsieur Linh in ein Altenheim gebracht. Weit weg von dem Treffpunkt der Freunde. Monsieur Linh ist endlos traurig und völlig verzweifelt, weil er wieder ohne Freund ist. Nur seine Enkeltochter ist bei ihm. Und hier stutze ich … wieso ist die Enkeltochter mit im Altenheim? Wäre sie nicht besser in einem Kinderheim untergebracht? Irgendwann hält es Monsieur Linh in diesem Heim nicht mehr aus und flieht. Er sucht seinen Freund. Doch er kennt sich in diesem Land nicht aus und er verzweifelt auf seiner Suche nach ihm. Doch dann sieht er ihn und rennt los … und dann passiert es … Ihr seht, alles in allem eine traurige Geschichte. Es macht mich traurig zu lesen was mit Menschen passiert, die aus ihrer Heimat fliehen müssen. Ich denke da an all die Länder in denen aktuell Krieg herrscht und die Flüchtlinge in alle Teile der Welt flüchten, oftmals dabei ihr Leben lassen. Denkt an die Flüchtlingsboote vor Lampedusa! Aber dieses Buch macht auch ein  wenig Hoffnung. Hoffnung deshalb weil es doch Menschen gibt, wie Monsieur Linhs Freund, der obwohl er die Sprache des Mannes nicht versteht sein Freundwird und für ihn da ist. Vielleicht sollten auch wir, wenn wir das nächste Mal jemanden treffen dessen Sprache wir nicht verstehen, einfach für ihn da sein und ihm helfen sich bei uns zurecht zu finden.

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  • Kolumne: Belletristik ist tot, es lebe die Belletristik

    muchobooklove

    Roman-Kolumne August 2013 von Mareike: Genreliteratur, das sind die Hamburger unter den Büchern Liebe Leser, Was ist eigentlich Belletristik Le belle et le triste – das Schöne und das Traurige – hierin liegt der französische Ursprung des Wortes Belletristik, das heute nicht viel mehr als ein Mysterium zu sein scheint. Dabei umfasst es so viele Aspekte, ohne die Literatur gar nicht zu denken wäre. Werte, Emotionen und die Ästhetik der Sprache sind für mich die wichtigsten Parameter dessen. Natürlich kann man auch etwas unprätentiöser an die Sache herangehen und einfach von „Romanen“ im Allgemeinen sprechen, wie auch der Titel der Kategorie hier auf Lovelybooks lautet. Doch dann geraten wir gleich ein bisschen in die Bredouille, denn Krimis sind ja auch Romane sowie Fantasy-Bücher und Chick-Lit ebenfalls. Von Kriminalromanen, Thrillern, Fantasy, Young Adult Fiction, Chick-Lit und Romantasy Naja, das sind ja eigentlich alles eher Genres, werdet ihr jetzt im Stillen und ganz zu Recht denken. Aber was sind denn überhaupt Genres? Der Versuch, Bücher in Kategorien zu pressen einerseits, eine Strategie des Buchmarktes andererseits, so scheint es mir. Denn was ist das Schreiben für ein bestimmtes Genre eigentlich anderes als der Versuch, seine Zielgruppe besonders im Blick zu haben. Mit bösen Zungen gesprochen ist das die Garantie dafür, beim Veröffentlichungsprozess bereits einschätzen zu können, wer das Buch am Ende kaufen wird. Darum wird auch immer schnell ein neues Genre entworfen, wenn gerade eine innovative Art des Schreibens mit Erfolg belohnt wurde. Eine kleine Geschichte: Ich sitze mit zwei Freunden von mir, nennen wir sie Justus und Gabi, an einem sonnigen Tag wie diesem in einer Eisdiele. Justus ist gerade dabei, sich eine Karriere im Verlagswesen aufzubauen, Gabi hat Journalismus studiert und steht kurz vor dem Mutterschutz. Justus erzählt uns von einem neuen Projekt, von dem er gehört hat und das sich im Bereich „Romantasy“ bewegt. Darauf Gabi: „Romantasy, nie gehört“ Justus: „Das ist ein neues Genre, das sich irgendwo zwischen Romantic Fiction und Fantasy bewegt, so Vampire und so“ wir nicken einstimmig, denn nun ist uns allen klar, dass hier die Nachfolgen von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga spürbar werden. Wieder einmal wird ein Markt bedient. Man möchte so schnell wie möglich dabei sein, bevor er übersättigt ist und ein neues Genre gefunden werden muss. Ich seh' den Wald vor lauter Bäumen nicht Damit wird nicht nur die gesamte Belletristik oder alle Romane in logische Kategorien unterteilt, sondern diese werden wieder unterteilt, bis die gesamte Kriminalliteratur in Detektivromane à la Sherlock Holmes, Polizeiromane wie Mankels Wallander, Thriller der Dan Browns dieser Erde und Splatter im Stile von Karin Slaughter zerfällt, und die Fantasy-Literatur in High Fantasy à la Tolkien, Romantasy wie "Twilight", Dark Fantasy der Stephen Kings und Konsorten, Dark Romance im Stile von Edgar Allen Poe und historisch anmutende Fantasy, z.B. von George R.R. Martin. Und bei all diesen spezifischen Genres frag' ich mich wieder, wo denn nun die Belletristik abgeblieben ist? Denn wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich gar nicht immer Genreliteratur lesen. Manchmal erscheint sie mir zu sehr auf ihr Publikum zugeschrieben. Manchmal sehe ich die Zutatenliste, die Autoren und Verlagen im Kopf herumgeschwirrt haben mag, zu deutlich vor mir. Aha, denke ich, hier ist ein bisschen Detektivroman mit den Zutaten verschrobener Ermittler aus zerrütteten Familienverhältnissen, hochintelligenter Täter, der eigentlich nur mit dem Ermittler spielen will, Frau oder wahlweise Kinder oder beides des Detektivs, die plötzlich in den Fall hineingezogen werden, gemischt worden, das Ganze wurde mit einem Hauch arktischer Kälte und einem leichten Hang zur Alkoholabhängigkeit garniert und schon war der skandinavische Kriminalroman in Anlehnung an Henning Mankell, Jo Nesbø oder Arnaldur Indridason fertig. Ich weiß ja, dass die meisten Schriftsteller mit viel Herzblut an ihr Werk herangehen, aber ich frage mich dennoch, woher dieser Hang zum an Fast-Food erinnerndem Literatur-Rezept kommen mag. Möchte denn niemand heute mehr eigene Gourmet-Kreationen entwerfen? Ist die Angst vor dem Scheitern so groß? Mehr Belletristik braucht das Land Ich sag es ganz offen – Ich mag Fastfood. Ein schöner Burger ab und zu ist ein herrliches Vergnügen, ebenso wie ein Krimi mit den oben von mir erwähnten Zutaten wunderbar sein kann. Aber irgendwie wünsche ich mir trotzdem öfter, mit Gourmet-Kreationen verwöhnt zu werden. Ich möchte Schriftsteller haben, die schreiben, weil sie damit das Schöne und das Traurige ausdrücken wollen, weil sie das Gute und das Böse im Menschen zeigen wollen und zwar ohne sich vorher zu überlegen, ob es dafür ein Publikum geben mag. Autoren, die der Wahrheit auf den Grund gehen mögen und mich damit überraschen, wie zum Beispiel Column McCann dies vor einigen Jahren mit „Der Tänzer“ getan hat oder Romane, die einen mit ernsten Themen zum Lachen bringen können wie Matt Ruff mit „Ich und die anderen“, Bücher, die unvergessen bleiben, weil sie anders sind, so wie auch Aravind Adigas „weißer Tiger“ oder Hermann Kochs „angerichtet“, um mal zwei jüngere Beispiele der Literatur zu nennen. Und wenn ihr es euch doch lieber überlegen und kein Risiko eingehen wollt, so rufe ich euch hiermit zu, liebe Autoren, liebe Verleger: Es gibt uns noch, uns Leser, die gerne einmal bis zum Äußersten getrieben werden möchten, die lachen und weinen wollen, die beim Lesen nicht mit Genrestrategien überrascht werden wollen, sondern mit richtig guten Geschichten, mit richtigen 5 Sterne Menüs, wie sie eben nur die immer weniger zu findende Belletristik für uns bereithält! Ja, das rufe ich laut und hinter vorgehaltener Hand wende ich mich fast gleichzeitig zu euch Lesern da draußen und frage euch leiser: Es gibt uns doch noch, die Belletristik-Leser, oder?

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  • Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    WinfriedStanzick

    06. December 2012 um 08:47

    Philippe Claudel ist, nachdem ihm 2005 mit dem Roman "Die grauen Seelen" der literarische Durchbruch gelungen ist, mit seinem Roman "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" nicht weniger geglückt als ein kleines Kunstwerk. In der Art und im Umfang erinnert es zeitweise an die Romane von Eric-Emmanuel Schmitt, jedenfalls transportiert es ähnlich viel Lebenskraft und Hoffnungsstärke. Das Buch beginnt mit der Schilderung einer Szene auf einem Schiff. Es ist eines der zahllosen Flüchtlingsschiffe aus Vietnam und Indochina, die in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach Jahrzehnten fürchterlicher Kriege und unbeschreiblicher Verwüstungen und Zerstörungen Tausende und Abertausende von sogenannten boat-people" in den asiatischen Meeren aufgriffen und ihnen in den Ländern Westeuropas und in den USA eine neuen Heimat zu geben suchten. Monsieur Linh ist einer von ihnen. Er ist ein alter Mann, der bei einem fürchterlichen Napalm-Angriff nicht nur sein Dorf und seine Heimat, sondern seine ganze Familie verloren hat. Nur seine kleine Enkeltochter Sang-diu ist ihm geblieben. Sie hat er gerettet und hält sie nun an der Reling des Schiffes stehend im Arm, das sie nach Frankreich bringen wird. Dort lebt er zusammen mit anderen Flüchtlingsfamilien zunächst in einem kleinen Heim, wird mehr schlecht als recht versorgt, und wagt sich nach einiger Zeit nach draußen, wo er auf einer Parkbank einen Franzosen kennen lernt. Monsieur Bark, ein ebenfalls schon in die Jahre gekommener, traurig aussehender Mann setzt sich neben ihn, beginnt ein Gespräch über das Wetter und stellt sich mit seinem Namen vor. Linh, der fremden Sprache nicht mächtig, antwortet den Traditionen seines Landes entsprechend, indem er dem anderen einen guten Tag wünscht. "Tao-lai." Monsieur Bark hält das für dessen Namen und redet ihn fortan damit an, was Linh zu dem Gedanken veranlaßt, daß das aber ein höfliches Land sei, in dem man sich andauernd einen guten Tag wünscht. Sie kommen sich näher. Monsieur Bark fragt auch nach seiner Enkeltochter: "Ein hübsches kleines Püppchen haben Sie da. Wie heißt sie denn ?" Monsieur Linh fühlt sich zum ersten Mal in dem neuen Land wahrgenommen und taut sichtlich auf. Er zeigt dem anderen ein verwaschenes Bild mit seiner Frau, aufgenommen lange bevor der Krieg seine Familie auslöschte. Und Monsieur Bark, beginnt einfühlsam zu verstehen. Er erzählt Linh von seiner verstorbenen Frau, die ein Karussell betrieb und zieht ebenfalls ein altes Bild aus seiner Tasche. Aus seinem Tonfall und seiner Mimik kann Linh irgendwann den richtigen Schluß ziehen, daß Monsieur Bark ebenso seine Frau verloren hat wie er. Die Schilderung dieser Gespräche ist Claudel auf das Einfühlsamste gelungen. Es scheint etwas auf, ein kleiner Hoffnungsschimmer, wie es gehen könnte mit den Menschen und ihrem Fremdsein, wie es anfangen könnte, das gegenseitige Verständnis und die Anerkennung, dessen was anders ist. Monsieur Bark spürt das, und etwas, was lange in ihm vergraben war, bricht auf, eine alte Schuld muß ausgesprochen werden. Als er an einem schönen Tag Monsieur Linh ans Meer führt und dieser sich an seine Heimat erinnert, spürt das auch Bark und beginnt zu reden. Und Erschütterndes kommt heraus. Monsieur Linh weiß nicht, wovon der andere redet, aber er spürt, daß es ihm unendlich wichtig ist. Vielleicht trauert er genauso um seine Frau wie ich, denkt er. Sie besuchen auf Barks Einladung ein Restaurant. Sie sind einfach glücklich zusammen, und nehmen sich so wie sie sind. Doch das Unglück lauert schon. Monsieur Linh wird von der provisorischen Unterkunft in eine andere gebracht, ein Schloß mit hohen Mauern, in dem viele alte Menschen leben, die nur so vor sich hinstarren. Linh versucht sich auch hier zu arrangieren, doch er vermisst seinen Freund. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch, das Schloß zu verlassen, gelingt es ihm beim zweiten Mal. Und ein auch dem Leser lange verborgenes Geheimnis wird gelüftet ... Philippe Claudels Buch ist eine bewegende Lektüre, die nachdenklich macht und noch lange im Inneren arbeitet. Es ist schon große Kunst, in einer solchen Kürze und Dichte schreiben zu können. .

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  • Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    Stundenblume

    06. August 2012 um 10:38

    Ein alter Mann, Monsieur Linh, kommt als Flüchtling mit seiner Enkeltochter in ein Fremdes Land. Ein Land ohne Gerüche und Farben. Er ist sehr einsam. Die Flüchtlingsfamilie mit welcher er sich eine Wohnung teilt, ist nicht sehr freundlich zu ihm. Sie machen ihm essen, weil die Höflichkeit es so will, aber sie reden nicht mit ihm, beachten ihn nicht. Nach einer Weile schafft es der Alte raus zu gehen, seiner Enkeltochter zuliebe. So begegnet er Herrn Bark, welcher mit ihm redet, ihm alles erzählt, auch wenn Monsieur Linh es nicht versteht. Es entsteht eine Freundschaft. Doch Plötzlich wird der Alte Neu untergebracht, ohne dass er seinem Freund bescheid sagen konnte. Eine liebevolle, erschreckende Geschichte, welche zeigt, was im Krieg mit den Menschen der jeweiligen Parteien passieren kann. Eine rührende Geschichte über einen Neuanfang in einem fremden Land.

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  • Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    Daniliesing

    "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel ist ein sehr feinfühliges, leises Buch und doch musste ich auch oft schmunzeln. Es ist wirklich liebevoll geschrieben und man schließt die Personen gleich ins Herz. Außerdem bleibt es bis zum Ende überraschend. Zur Handlung muss man gar nicht so viel sagen, denn die Sprache und die Gefühle, die in diesem Buch vermittelt werden, sind für mich das besondere daran. Also nur kurz zum Inhalt: Monsieur Linh und seine Enkelin sind die einzigen Überlebenden aus ihrem Dorf nach einem Bombenanschlag. Sie müssen ihre Heimat verlassen und Monsieur Linh klammert sich an das einzige, was er noch hat: seine Enkelin Sang Diu! Monsieur Linh fühl sich fern von seiner Heimat unwohl und würde am liebsten gar nicht mehr rausgehen, tut es aber für seine Enkelin. Dann trifft er einer Tages Monsieur Bark - sie verstehen beide die Sprache des anderen nicht und doch werden diese Treffen ein tägliches Ritual. Über Gesten können sie sich aber verständigen und fühlen, was der andere denkt oder fühlt. Leider gibt es dann eine unerwartete Wende... Wirklich ein beeindruckendes Buch, das zu Tränen rührt! Ich kann es nur weiterempfehlen!

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  • Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    Binea_Literatwo

    21. August 2010 um 11:32

    Ein Auge lacht vor Freude Freudentränen, das andere Auge weint vor Traurigkeit Trauertränen. Lachenweinen – ein magisches Wort für mich. Ein Wort, was ich mit einem Menschen verbindet, eine Gemeinsamkeit, es passiert uns an ganz bestimmten Orten, zu ganz bestimmten Zeiten immer wieder. Dieses Lachenweinen folgt auf ein Gefühl was tief in mir drin ist, ein Kreisel aus Freude, Glück, Trauer und Schmerz, eine ganz spezielle Mischung, die von zwei Menschen. Philippe Claudel hat mir in diesem ruhigen, leisen Buch gezeigt, wie er mich zum Lachenweinen bringt und hat dies in einer Tour geschafft. Ich weiß es funktioniert bei mir nur mit diesem einen Menschen, es muss ein magischer Moment sein und das Buch hat bei mir diesen magischen Moment abgepasst. „Guten Tag, guten Tag“ rufe ich laut, immer und immer wieder, genau wie Monsieur Linh. Für ihn sind diese Worte genauso heilig wie für mich das Lachenweinen und das macht ihn so stark. Er ist einsam und alleine, keiner kennt seinen Namen. Er ist fast alleine, seine Enkelin Sang diu, gerade zehn Tage alt, ist bei ihm. Alle anderen sind tot, seine Heimat ist weit weg. Beide in einer fremden Stadt, in einem Flüchtlingsheim. Alleine, von anderen nur skeptisch beguckt. Sang diu ist für Monsieur Linh alles,wofür es sich zu leben lohnt. Der Verlust der Familie, der Verlust seines bisherigen Lebens, nur Sang diu kann diesen Verlust, diesen Schmerz kompensieren. Er behütet sie wie sein eigenes Herz, würde alles für sie geben. Die Tage ziehen ins Land und Monsieur Linh ist nach langer Zeit bereit den Schlafsaal zu verlassen. Auf der Straße, auf der Bank gegenüber des Parks trifft er Monsieur Bark. Er hat seine Frau verloren und klammert sich seitdem an Zigaretten, sie werden für ihn zu einem bestimmten Ritual, wenn er auf Monsieur Linh und seine Enkelin trifft. Auch das tägliche Treffen wird zu einer wohltuenden Gewohnheit, spezielle Treffen zwischen zwei Menschen, die äußerlich nicht die gleiche Sprache sprechen, aber innerlich genau dieselben Worte fühlen. Blindes Vertrauen und gehörloses Verstehen könnte man dies bezeichnen. Und dann passiert das, womit beide nie gerechnet hätten, eine Veränderung, die das gerade wieder lebenswerte Leben umstößt. „Manchmal geschieht ein Wunder, manchmal, wenn man glaubt, alles um einen herum sei nur noch wüst und stumm, gibt es doch Glück, Lachen und neue Hoffnung!“ Eine Hymne an die Freundschaft, die keine Worte bedarf. Für mich mehr als nur nachvollziehbar, für mich lebbar, in allen Facetten. Eine freundschaftliche Liebe zweier Männer, die viel verloren und doch viel gefunden haben. „Jeder Tag hat einen Morgen, Immer kehrt das Licht zurück, immer folgt ein neuer Tag…“ Ein wahrer Schatz, ein Herz voller Hoffnung, ein Buch was viele Sprachen spricht und einen festen Weg geht. In einem Auge lacht die Sonne, in dem anderen weinen die Wolken nach diesem Buch, magisch ist es und weiterhin halte ich mit meinem Herz an der Hoffnung fest. Genau wie Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung.

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  • Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    Melli2505

    20. November 2009 um 01:55

    Was für eine traurig-schöne Geschichte! In einer leisen, aber eindringlichen Sprache erzählt der Autor eine Geschichte über Verlust und Freundschaft, die keine Worte benötigt. Zum Ende hin fuhr es mir durch Mark und Bein, wobei das eigentliche Ende mich mit einem Lächeln zurückgelassen hat. Flüssig zu lesen, die kurzen Kapitel empfand ich als sehr angenehm!

  • Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    roseF

    17. February 2009 um 11:11

    Ein sehr schönes kleines Buch über einen alten Mann, der mit seiner Enkeltochter aus seinem zerstörten Heimatland in ein anderes fremdes Land fliehen muss und sich dort nun neu zurechtfinden muss. Dies alles geschieht jedoch ohne Sprachkenntnisse und bürgt daher auch einige Schwierigkeiten. Nichtsdestotrotz lernt er aber einen dicken Mann kennen, zu dem er nach einer kurzen Zeit schon so etwas wie freundschaftliche Gefühle hegt.

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  • Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    02. October 2008 um 13:37

    Es ist ein ruhiger Roman, der - zum größten Teil aus der Sicht des alten Mannes Linh erzählt - wiedergibt, was Monsieur Linh denkt, was ihn beschäftigt. Er kann nicht wirklich verstehen, wo er gelandet ist, nachdem er aus seiner Heimat fliehen musste, weil dort Krieg herrscht, sein Sohn samt Frau tot sind. Er findet sich auf einem Schiff, dann in einer großen Stadt, die keinen Geruch hat wieder. Bei einem Spaziergang lernt er Mister Bark kennen. Beide haben sich viel zu erzählen, auch wenn keiner des anderen Sprache versteht. Mich hat die Sprache, die so einfach, dennoch nicht unelegant ist und das Gemüt des Monsieur Linh wiederspiegeln so doch sehr beeindruckt. Es ist ein Buch, welches - in der Überwindung der Sprachbarrieren - auch nachdenklich macht. Der Verlag bezeichnet Claudel als den Meister der Auslassung, es stimmt, diese Geschichte ist fest angesiedelt und doch vermag sie nichts genaues zu sagen. Bisher bin ich mir noch nicht allzu sicher, ob ich das gut oder eher mau finde.

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  • Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    Beagle

    13. June 2008 um 09:29

    Wahrlich ein Meisterwerk: einfühlsam, traurig und mit sehr viel liebe geschrieben. Claudel erzählt diese Fabel als hätte er sie selbst erlebt, beschreibt die Szenen, als wäre er selbst aus einem fernen Land geflüchtet und könne sich nicht mehr zu Recht finden. Auch, wie Monsieur Linh sich um seine kleine Enkeltochter Sang Diu kümmert ist herzzerreißend, seine Freundschaft zu dem dicken Monsieur Bark, der immerzu raucht und redet, dessen Sprache der alte Mann aber nicht versteht und sich doch in ihn hineinversetzen kann. Eine Geschichte mit einem überraschenden Ende, das doch nicht so unerwartet kam.

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  • Rezension zu "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" von Philippe Claudel

    Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung

    Nightfall

    11. April 2008 um 23:29

    Vielleicht stand ich zu sehr unter dem Eindruck von "Reise im Mondlicht", was ein unübertroffen geistreiches Stück Literatur ist, als ich dieses Werk anfing. Vielleicht habe ich auch zuviel erwartet: einen besseren Stil, liebevollere Charaktere und eine Pointe, die zwar sehr gut geschrieben, aber nicht halb so innovativ ist. Was es auch immer war... dieses Buch konnte mich nicht begeistern. Monsieur Linh wird mit einem Schiff aus seiner Heimat weggebracht, in der er alles verloren hat - Familie, Freunde, Haus und Hof. Mit ihm geht seine Enkeltochter Sang-dui, die Gütige, die niemals Schreiende. Schnell wird deutlich, dass Monsieur Linh einige Probleme hat sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Er versteht die Sprache nicht und wird ständig mit den negativen Erinnerungen an seine Heimat konfrontiert. Dann lernt er seinen einzigen Kontakt zur Außenwelt kennen, Monsieur Bark, der "dicke Mann". Beide sprechen die Sprache des anderen nicht, beide teilen nur eine Gemeinsamkeit: Ihnen ist vieles widerfahren, viel Schreckliches. Beide haben ihre Familien verloren und deswegen besteht zwischen ihnen ein dünnes Band der Freundschaft. Dieses wird am Ende beinahe zerrissen, als Herr Linh in eine Einrichtung eingewiesen wird, in der "alte, kalte, blocklose Alte in blauen Morgenmantel auf Krücken oder mit Gehgestellen sich bewegen". Er flüchtet und findet den dicken Mann und dann kommt eine Pointe, wie sie nur in einer Parabel stecken kann. Ich bin ehrlich, die Pointe hat mich überrascht und sie ist auch ein positiver Aspekt an dieser Geschichte. Nur mitreißend fand ich die Erzählung nicht. Sie ist "zu rund", wie ein Rezensent der FAZ geschrieben hat - Der Stil ist "zu perfekt", und deswegen für meinen Geschmack langweilig, nicht überzeugend. Die Geschichte und die Pointe sind gut, die Umsetzung der Handlung allerdings gefällt mir nicht. Für mich keine großartige Empfehlung, die ich hier aussprechen kann.

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