Marlène

von Philippe Djian 
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Marlène
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Ein äußerst kunstfertig und taktisch kluger Roman, der seine Leser im Dunkeln tappen lässt und gerade daraus seine Reize zieht.

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Einmal mehr eine verstörende Frauenfigure von Philippe Dijan - keine leichte Kost, aber virtuose Figurenzeichnung.

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Inhaltsangabe zu "Marlène"

Marlène ist eine Frau, die Unheil anzieht. Etwas weltfremd und scheinbar unauffällig, aber immer im Auge des Orkans, den sie selbst verursacht. Seit sie da ist, ist das Leben von Dan und Richard noch komplizierter. Die beiden Freunde hatten ohnehin Mühe, sich nach ihrer Rückkehr aus dem Krieg im zivilen Alltag zurechtzufinden. Nun brechen alte Traumata auf, die Gefühle spielen verrückt. Denn mit Marlène tritt nicht nur die Liebe, sondern auch die Eifersucht in ihr Leben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257070293
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:29.08.2018

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    NeriFeevor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Ein äußerst kunstfertig und taktisch kluger Roman, der seine Leser im Dunkeln tappen lässt und gerade daraus seine Reize zieht.
    Geheimnisvoll bis zum Schluss.

    Marlène ist ein Roman vom französischen Schriftsteller Philippe Djian aus dem Jahr 2017. Der Diogenes-Verlag veröffentlichte die deutschsprachige Erstausgabe im Herbst 2018. Djian erzählt die Geschichte von Marlène.

    Darum gehts

    Marlène ist die Schwester von Nath, zu der sie nie ein enges Verhältnis hatte. Die Beziehung beider ist von großer Distanziertheit und Missgunst geprägt. Nachdem sie jahrelang keinen Kontakt zueinander hatten, kündigt sich Marlène bei der Familie ihrer Schwester an, weil sie schwanger vom Vater ihres ungeborenen Kindes vor die Tür gesetzt worden sei und nun Asyl suche. Nath ist alles andere als begeistert von dem Besuch ihrer Schwester, willigt jedoch ein.

    Nath ist mit Richard verheiratet, der in Kürze aus dem Gefängnis entlassen wird. Seit dem Armeedienst ist er traumarisiert und geht keiner Schlägerei aus dem Weg. Das hat zur Folge, dass er nun eine dreimonatige Haftstrafe absitzen muss. Die Ehe von Nath und Richard ist durch die Umstände nicht glücklich. Beide haben eine volljährige Tochter, Mona, die insbesondere zu ihrer Mutter kein gutes Verhältnis hat. Richard und Mona scheinen gar keine Vater-Tochter-Bindung zu haben. Aufgrund der Schwierigkeiten lebt Mona für kurze Zeit bei Dan, einem engen Freund der Familie und gleichsam bestem Kumpel ihres Vaters.


    Marlène zieht das Unheil an, so heißt es im Klappentext. Vor allem deshalb habe ich mir unter der Geschichte etwas völlig anderes vorgestellt. Einen rücksichtslosen, intriganten Menschen, der aus purem Eigennutz handelt. Diesbezüglich wurde ich überrascht. Marlène wirkt unsicher, verzweifelt und scheint auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Mit ihren vierzig Jahren scheint sie fast kindlich-naiv und weltfremd. Ohne Frage verkompliziert sie das Leben ihrer Mitmenschen. Weil es Djian aber auf sehr geschickte Weise gelingt, offen zu lassen, ob es sich bei dieser Beschreibung wirklich um Marlènes Persönlichkeit handelt oder sie viel mehr so von den anderen gesehen wird, löst ihre Figur eine große Faszination auf den Leser aus.

    Marlène scheint unreif, leichtgläubig und unbefangen zu sein; zweifelsohne polarisiert sie und möglicherweise zieht sie das Unheil an, ohne dies in vollem Bewusstsein zu tun. Marlène ist nicht die klassische Sympathieträgerin, fasziniert jedoch mit ihrer, auf den ersten Blick, zurückhaltenden Erscheinung, ihrem fordernden, kindlichen Verhalten und ihrer Tollpatschigkeit. Weil nie ganz klar wird, ob sie ist, wer sie scheint, bleibt immer Raum für Spekulation. Marlène selbst handelt kaum. Sie bewegt sich im Hintergrund und es wird viel mehr über sie gesprochen.

    Die Liebe zu seinen Figuren wird in Marlène deutlich. Djian zeichnet die Charaktere lebendig, gesellschaftsnah und authentisch. Der eher raue Schreibstil harmoniert mit der erzählten Geschichte und doch schlägt der Autor immer wieder auch ruhige Töne an, was seinen Protagonisten entgegen kommt. Keine der handelnden Personen schleicht sich einem ins Herz und doch sind alle unverzichtbar. Der Erzählstil scheint charakteristisch für Philippe Djian. Die bisherigen Literaturkritiken seiner Bücher lassen mich dies annehmen.

    In Marlène schafft Djian eine düstere Atmosphäre, gepaart mit unglücklichen Menschen, die alle miteinander verbunden sind, aufgrund ihrer eigenen Probleme aber keinen rechten Zugang zueinander finden. Durch Affären, Drogen und kriminelle Machenschaften verdeutlichen sie ihre ihre innere Zerrissenheit und begeben sich Halt suchend an den Abgrund. Das heftige Ende kommt unerwartet und doch ahnt man, dass etwas passieren wird. Einmal mehr stellt sich einem die Frage, ob Marlène als Sündenbock dient.

    Großen Dank an den Diogenes-Verlag!

    Kommentare: 1
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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Einmal mehr eine verstörende Frauenfigure von Philippe Dijan - keine leichte Kost, aber virtuose Figurenzeichnung.
    Philippe Dijan - Marlène

    Wer ist Marlène? Und hat sie wirklich so eine böse Aura, wie Richard vermutet? Schwanger flüchtet Marlène zu ihrer Schwester Nath, die sie aus Pflichtgefühl aufnimmt, auch wenn die Situation gerade schwierig ist. Mit ihrer 18-jähirgen Tochter Mona liegt sie im Clinch, so dass diese zu Dan zieht, dem besten Freund ihres Vaters Richard. Dieser saß drei Monate im Gefängnis und steht kurz vor der Entlassung. Dan versucht in das bürgerliche Leben zurückzukehren, was nach den Erfahrungen im Jemen und Afghanistan nicht einfach ist, doch im Gegensatz zu Richard scheint es ihm zu gelingen. Er ist bemüht seinem Job regelmäßig nachzugehen, die Nachbarn zu grüßen und seine Hilfe anzubieten, um wieder aufgenommen zu werden in die Gesellschaft. Doch dann kommt Marlène und macht ihm eindeutige Avancen. Er wehrt sich und ahnt noch nicht, dass er besser die Flucht ergreifen sollte, denn Marlène zieht eine Spur der Verwüstung hinter sich her.

    Philippe Dijan ist als Autor in der französischen Literaturszene seit Jahrzehnten eine feste Größe. Vor allem die komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen haben es ihm angetan, seinen Durchbruch hatte er 1985 mit „37°2 le matin“ (dt. „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“), in dem er die obsessive Liebe zwischen Betty und Zorg schildert. Sein Roman „Oh...“ aus dem Jahr 2012 wurde mit dem Prix Interallié ausgezeichnet und beschreibt die verstörende Anziehung zwischen einer Frau und ihrem Vergewaltiger.

    Die Protagonistin, die dem aktuellen Roman den Titel verleiht, bleibt über weite Teile der Handlung erstaunlich blass. Es wird mehr über sie gesprochen als dass man sie selbst erleben würde und man fragt sich, wie die anderen Figuren zu ihrer Einschätzung kommen und inwieweit sie mit dieser richtig liegen. Richard hasst Marlène und macht keinen Hehl daraus. Die Probleme, die Richard und Dan haben, wieder festen Boden unter den Füßen zu finden, nehmen viel mehr Raum ein und man fragt sich fast, wie Marlène zu ihrer Ehre kommt, kann sie Dan vielleicht doch von seinem Trauma befreien?

    „Er kannte nicht nur Angst, Blut und Schmerz, aber er konnte sich schrubben, so viel er wollte, es ging nicht ab, es kam immer wieder, und jedes Mal färbte es auf den Rest ab (...) Er hatte sich daran gewöhnt. In gewisser Weise war er schon tot, dachte er. Weder Marlène noch sonst jemand konnte etwas dafür. Wer einmal in der Hölle gewesen war, kam nicht wieder zurück.“


    Die zarte Verbindung scheint jedoch eine Zukunft zu haben, zumindest in Dans Augen. Er ist bereit sich dafür auch gegen seinen Freund zu stellen und Marlène zu verteidigen. Doch dann folgt unweigerlich der Moment des Schreckens und Grauens. Völlig unvorbereitet trifft es einem als Leser und Dijan legt sofort nach, kaum ein Herzschlag vergeht zwischen den Schlägen, die er uns zumutet.

    In kurzen Sequenzen erzählt Dijan seine Geschichte, wechselnd zwischen den Figuren erlaubt er Innen- und Außensicht, was ein komplexes Bild entstehen lässt und die Zwänge, denen sie ausgesetzt sind, anschaulich verdeutlicht. Dialoge und Beschreibungen gehen fließend ineinander über und entwickeln so die Figuren und die Handlung unentwegt fort. Kaum scheint man sie greifen zu können, entweichen sie wieder.

    Dijan ist keine leichte Kost, aber ein sprachlicher Virtuose, der ein Auge für die Vielschichtigkeit der menschlichen Seele hat. 

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