Philippe Lançon

 4,1 Sterne bei 17 Bewertungen
Autor von Der Fetzen und Der Fetzen.

Lebenslauf von Philippe Lançon

Phillipe Lançon wurde 1963 in Vanves geboren, einer Vorstadt südwestlich von Paris. Er studierte zuerst Jura, absolvierte dann die Journalistenschule und begann als Auslandsreporter zu arbeiten. Nach eigener Aussage "aus Zufall" ist er Literaturkritiker geworden, zudem hat er drei Romane bis zum Jahr 2015 auch veröffentlicht.

Lançon war eines der Opfer beim Anschlag vom Januar 2015 auf die Zeitschrift "Charlie Hebdo. Er überlebte schwer verletzt.

Alle Bücher von Philippe Lançon

Cover des Buches Der Fetzen (ISBN: 9783608504231)

Der Fetzen

 (17)
Erschienen am 16.03.2019
Cover des Buches Der Fetzen (ISBN: 9783423147750)

Der Fetzen

 (0)
Erschienen am 18.09.2020

Neue Rezensionen zu Philippe Lançon

Cover des Buches Der Fetzen (ISBN: 9783608504231)Aspasias avatar

Rezension zu "Der Fetzen" von Philippe Lançon

Brilliant & berührend zugleich
Aspasiavor 2 Jahren

Ich habe lange nicht mehr einen so brillant konstruierten, berührenden Roman gelesen. Wie es Philippe Lançon gelingt ein biografisches Trauma, das Attentat auf die Redaktion des Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo im Januar 2015 , zu schildern, ohne dass es eine hasserfüllte Anklageschrift oder eine dieser moraltriefenden "Phönix aus der Asche"  Storys daraus wurde, hat mich tief beeindruckt, Der Kolumnist & Autor gehört zu den schwer verletzte Überlebende dieses islamistischen Terrorangriffs auf die französische Institution der Meinungs- und Pressefreiheit, der am Erscheinungstag des neuen Houellebecq Romans über den Einzug eines Muslim in den Elysée Palast begangen wurde. Als dieser neuerliche Coup des umstrittenen Autors in den Redaktionen & auf der Straße in aller Munde ist, wird zeitgleich eine Gruppe Cartoonisten und Autoren für immer mundtot gemacht und Lançons gesamter Unterkiefer zerstört. Und doch ergreift er, den Mund verbunden, gleich nach der ersten stundenlangen Operation, noch bevor er richtig verstanden hat, was ihm, seinen Freunden & Kollegen passiert ist, das Wort, schreibt er sich sein Leben zurück. Ein Leben, das weiß er fast sofort nach dem Aufwachen aus der Narkose, dass nicht mehr sein Leben vor dem Anschlag ist, es auch nicht mehr werden wird, aber wieder ihm gehören soll. An diesem Kampf zurück lässt er den Leser teilhaben, mischt es mit Rückblicken und Erinnerungspassagen und Einlassungen über die künstlerischen Ausdrucksmitteln des freien Denkens Musik, Literatur und Bildender Kunst, die ihm so viel bedeuten und andere zum Töten motivieren, So brutal nah kommt man dem ums Überleben Kämpfenden, dass man den Geruch des Blutes und die Desinfektionsmittel zu riechen meint, sich der Pulsschlag erhöht und der Atem stockt, dass seine Gefühle erfahrbar werden, Mich hat es tief berührt wie ehrlich er seine Verletzlichkeit und Wut, seine Verstörtheit und Traurigkeit, aber auch seine Empathie, seine innere Stärke und seinen unendlichen Mut zeigt, wie er diese tiefe Wunde, die dieses feige Attentat in sein Leben gerissen hat, vor uns offen legt. Die Täter und ihre möglichen Motive straft er mit Nichtachtung: die unbegreifliche Tat, bleibt so das, was sie ist: unbegreifbar.  

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Cover des Buches Der Fetzen (ISBN: 9783608504231)Linker_Mopss avatar

Rezension zu "Der Fetzen" von Philippe Lançon

Schweres Thema, für mich zu schwer umgesetzt
Linker_Mopsvor 2 Jahren

Dieser autobiographische Roman ist sicherlich für einige Menschen lesenswert. Ich habe leider keinen Zugang zu diesem Buch bekommen. Der Schreibstil hat mich einfach nicht gepackt. Ich fand ihn langatmig und ermüdend.

Das Thema selbst ist interessant, weil man selten Einblick in die Gedankenwelt von Menschen bekommt, die einen Terroranschlag überlebt haben. Aber der Autor hat es einfach nicht geschafft, dass ich mit Interesse wieder zum Buch gegriffen habe. Die Szenen waren mir zu ausufernd, zu ausführlich bis ins letzte Detail.

Aber hier sage ich dennoch: Über das Buch muss sich jede*r selbst eine Meinung bilden.

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Cover des Buches Der Fetzen (ISBN: 9783608504231)Buecherwurm1973s avatar

Rezension zu "Der Fetzen" von Philippe Lançon

Er wurde nicht getötet und trotzdem aus dem Leben gerissen.
Buecherwurm1973vor 2 Jahren

Für Philippe Lançon ist sein Leben in zwei Teilen geteilt – es gibt ein Leben davor und eines danach. Er sass am 7. Januar 2015 in der Redaktionssitzung als zwei maskierte Männer in die Redaktion eindrangen und ein Massaker anrichten. Schwer verletzt will er seine Mutter anrufen, im Display sieht er sein Gesicht oder was davon übrig blieb. Von der Stirn bis zur Oberlippe ist alles okay, aber darunter klafft ein riesiger Krater.

Im Schreiben dokumentiert er nicht nur die Wiedererstellung seines Gesichtes, sondern auch der Mensch Philippe Lançon muss sich neu formieren. Schonungslos ehrlich beschreibt er seine Schmerzen, Gefühle und Ängste. Er erspart dem Leser nichts und lässt ihn an seiner Rekonvaleszenz teilhaben. Diese ist lang, 17 Operationen in zwei Jahren muss er über sich ergehen lassen. Aus seinem Wadenbein wird sein Kiefer rekonstruiert. Schwieriger wird es mit der Hauttransplantation aus dem Oberschenkel. Immer wieder reisst sie und ist undicht. „Der Fetzen“ nennt er ihn.

Es ist kein einfaches Buch, man kann es nicht einfach weglesen. Es ist nicht nur schonungslos geschrieben, sondern auch intensiv. Wenn man auch nicht annähernd nachfühlen kann, was er in diesen zwei Jahre Rekonvaleszenz durchlitten hat, taucht man in sie seine Gefühlswelt ab. Man braucht zwischendurch Zeit um das Gelesene zu verarbeiten.

Es ist keine Abrechnung mit den Attentätern. Er jammert nicht und verurteilt niemanden. Philipp Lançon konzentriert sich auf seine Rekonstruktion und die Verarbeitung des Erlebten.

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Gespräche aus der Community

»Ich war einer von ihnen, aber ich war nicht tot.«

Philippe Lançon, Reporter und Kritiker, nahm am Morgen des 7. Januar 2015 an der Redaktionssitzung von Charlie Hebdo teil, als die Brüder Kouachi bewaffnet in die Redaktionsräume eindrangen und um sich schossen. Elf Tote und zahlreiche Verletze war die Bilanz, die global Schlagzeilen machte. Der Terroranschlag auf Charlie Hebdo hat das Leben von Philippe Lançon unumkehrbar in zwei Hälften gespalten. In eindringlicher Prosa arbeitete er das Erlebte auf, berichtet von Niederschlägen im Heilungsprozess und Widrigkeiten während seiner Krankenhausaufenthalte und sucht dabei seinen Weg zurück in ein Leben, das keine Normalität mehr kennt.

» … weil ich die Freiheit hochhalte und für sie eintreten möchte, in Form von Nachrichten oder Karikaturen, in guter Gesellschaft und in allen möglichen Formen, die, selbst, wenn sie missraten sind, kein Urteil verdienen

Sein Buch ist nicht nur eine Beschreibung des Erlebten und der darauf folgenden Leidenszeit, sondern eine ständige Reflexion über die Bedingungen der Existenz und die Freiheit der Stimme und der Presse.

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