Dieser Roman hat mich überrascht, und zwar positiv. Er dreht sich um die Ehefrau des berühmten römischen Kaisers Augustus. Erzählt wird aus Livias eigener Perspektive, und das macht den entscheidenden Unterschied. Statt intrigierender Schattenfrau (wie im ähnlich angelegten Klassiker "Ich, Claudius, Kaiser und Gott") erleben wir hier eine junge, kluge Frau, die sich zwischen familiärer Loyalität, politischer Verantwortung und persönlichen Überzeugungen aufreibt.
Ich mochte besonders, wie subtil Phyllis Smith historische Fakten mit emotionaler Tiefe verbindet. Rom wird nicht als reißerischer Zirkus von Orgien und Machtgier inszeniert, sondern als ernstzunehmender Schauplatz für große Umbrüche. Mittendrin steht diese junge Frau, die mit 16 zwangsverheiratet wurde, den Bürgerkrieg erlebt und dann ihre eigene Rolle in einer Männerwelt sucht. Ihre Beziehung zu Octavian (dem späteren Augustus) ist kein romantisiertes Drama, sondern entwickelt sich leise, auf Augenhöhe was ich erfrischend fand.
Es ist kein dramatischer Pageturner mit Cliffhangern im Minutentakt, aber dafür ein leises, kluges Porträt einer Frau, die oft unterschätzt wird. Für mich definitiv eine Leseempfehlung weil es mich einfach innerlich berührt hat.

