Pierre Bayard

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Rezension zu "Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat" von Pierre Bayard

Einfach wunderbar!
JuliaBvor 5 Jahren

Bücher sind beliebte Gesprächsthemen, bestens geeignet für Smalltalk. Dabei birgt eine solche Unterhaltung einige Risiken. Da wird über den neusten Skandalroman diskutiert, obwohl auf Nachfrage eigentlich niemand zugeben will, ihn gelesen zu haben, oder die Wahl des Literaturnobelpreises debattiert, obwohl man bis vor Kurzem nicht mal den Namen des Preisträgers kannte. Und oft gibt man zu einem Buch ein Urteil ab, obwohl man sich nur mal darin geblättert hat. Dumm nur, wenn sich dann das Gegenüber als Fan des eben abqualifizierten Werk entpuppt und eine detaillierte Begründung will. Um genau solche Situationen mit Bravour zu meistern, hat Pierre Bayard dieses Buch geschrieben. Dabei nimmt er dem Leser als Erstes das schlechte Gewissen, denn er unterscheidet vier Arten des Nicht-Lesens: Bücher, die man nicht kennt; Bücher, die man quergelesen hat; Bücher, die man vom Hörensagen kennt; und Bücher, die man gelesen, aber wieder vergessen hat. Wenn man nämlich ehrlich ist, ist man mit vielen Büchern, die man mal gelesen hat, längst nicht mehr so vertraut, wie man glaubt. Anschließend schildert Bayard verschiedene Situationen, in denen wir über unbekannte Bücher sprechen (müssen), und empfiehlt Strategien, um damit umzugehen.

Wenn es nun scheint, als halte der Literaturprofessor Bayard das Lesen für überflüssig, so täuscht man sich, denn die ganze Sache hat einen Haken. Um wirklich fundiert über Bücher sprechen zu können, die man nicht gelesen hat, muss man sie zumindest einordnen können, in Genres, Epochen ect. Und dafür muss man eine Ahnung von Literatur, ihrer Funktionsweise und ihrer Geschichte haben – was schwerlich erreichbar ist, ohne Bücher zu lesen. Bayard plädiert also nicht fürs Nichtlesen, sondern nur dafür, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man ein bestimmtes Buch nicht gelesen hat und sich trotzdem eine Meinung dazu erlaubt. Das führt zum Paradox, dass je mehr Bücher man gelesen hat, desto besser wird man darin, über jene Bücher zu sprechen, die man nicht gelesen hat. Insofern ist das ganze Buch eigentlich eine Hommage an die Literatur und entsprechend mit Zitaten und Anspielungen von verschiedensten Autoren gespickt. Dabei führt Bayard den Leser auch manches Mal gekonnt in die Irre, um zu verdeutlichen, wie trügerisch die Erinnerung sein kann.

Fazit: Ein wunderbares Buch für alle, die sich gerne mit Literatur beschäftigen, und nebenbei ein praktischer Ratgeber, um sich beim nächsten Smalltalk vor Besserwissern keine Blöße mehr zu geben.

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Rezension zu "Wie man über Orte spricht, an denen man nicht gewesen ist" von Pierre Bayard

Rezension zu "Wie man über Orte spricht, an denen man nie gewesen ist" von Pierre Bayard
JuliaBvor 6 Jahren

Marco Polo ist nie weiter gereist als Konstantinopel, trotzdem wurden seine Geschichten über seine Abenteuer in China als authentische Reiseberichte gefeiert. Dass darin Einhörner und Menschen mit Hundeköpfen vorkamen, störte offenbar niemanden, weil Marco Polos Bericht den Vorstellungen seiner Zeitgenossen vom exotischen fernen Osten gerecht wurde. Ebensowenig zweifelten tausende begeisterte Leser von Karl Mays Abenteuerromanen daran, dass dieser all diese Geschichten selbst erlebt hatte oder zumindest nur seine eigenen Erfahrungen etwas ausschmückte. Nach dem Erfolg der Bücher organisierte Reisen lieferten dann auch „authentische“ Fotos, um die Neugierde der Fans zufrieden zu stellen. Vielen Schriftstellern gelang es offenbar vorzüglich, über ferne Länder zu schreiben, ohne sich vom heimischen Schreibtisch wegzubewegen. Daraus entwickelt Bayard in seinem Essay seine Theorien über den „sesshaften Reisenden“ und warum dessen Schilderungen aus der Distanz oftmals authentischer sind, als wenn dieser die beschwerliche Reise tatsächlich auf sich genommen hätte.

Nach den Büchern, die man nicht gelesen haben muss, widmet sich Bayard also nun den Reisen, die man nicht gemacht haben muss, um trotzdem darüber reden (oder eben schreiben) zu können. Hinter diesem provokanten Titel verbirgt sich nicht wirklich ein Ratgeber, sondern ein facettenreicher Überblick über die Kunst des literarischen Reisens. Auch diesmal verdeutlicht Bayard seine Thesen dadurch, dass er sie am Leser selbst testet und diesen gekonnt in die Irre führt. Aber auch wenn dieses Buch einen großartigen Überblick über die verschiedensten Schriftstellern und ihre geographische Ausflüge bietet, so kann es mit dem Reiz, den "Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat" entwickelt hat, doch nicht ganz mithalten. Letztlich finde ich Bayards These, dass nicht die tatsächliche Anwesenheit an einem Ort entscheidend sei, sondern die „literarische Wahrheit“, die dem Leser einen authentischen Eindruck davon vermitteln kann, relativ banal. Bei seinen Lesern durch eine glaubwürdige, nachvollziehbare Schilderung ein plastisches Bild eines bestimmten Ortes entstehen zu lassen, ist eine Kunst, die einen guten Autor auszeichnet, unabhängig davon, ob sich dieser Ort nun real existiert oder ein reines Phantasieprodukt ist. Das nimmt Bayards Essay zwar nichts von der Faszination seines literarischen Feuerwerks, lässt den argumentativen Aufbau aber etwas arg aufgebauscht wirken.

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Rezension zu "Freispruch für den Hund der Baskervilles" von Pierre Bayard

Rezension zu "Freispruch für den Hund der Baskervilles" von Pierre Bayard
ChiefCvor 7 Jahren

Geistreich, wie schon Bayards Bestseller "Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat". Tja, hat uns Sir Arthur Conan Doyle, bzw. sein Meisterdetektiv Sherlock Holmes, bei seinem wohl berühmtesten Fall "Der Hund von Baskerville" doch tatsächlich den falschen Mörder präsentiert. Das kann passieren, selbst ohne dass der Autor es merkt, behauptet Bayard kühn und liefert stringente Beweise dafür. Bücher entwickeln eben ihr Eigenleben. Dieses überaus amüsante Buch sprüht nur so vor Esprit, wie er so wohl nur im Mutterland dieses Wortes existiert, la douce France.

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