Pierre Bayard Wie man über Orte spricht, an denen man nicht gewesen ist

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Inhaltsangabe zu „Wie man über Orte spricht, an denen man nicht gewesen ist“ von Pierre Bayard

Wer auf Partys mit Geschichten von Reisen in exotische Länder auftrumpfen kann, hat schon gewonnen. Aber muss man dafür unbedingt dort gewesen sein? Keineswegs, meint Pierre Bayard, der uns schon mit seinem Bestseller "Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat" vergnüglich das Leben erleichterte. Wie fürs Plaudern über Ungelesenes gibt es auch für das entspannte Sprechen über nicht besuchte Orte berühmte Vorbilder: Karl May hat Winnetous Wilden Westen nie gesehen; Marco Polo, der angeblich jahrelang in China lebte, füllte sein Buch mit Fabelwesen. Selbst Jules Vernes Romanfigur Phileas Fogg trägt ein enzyklopädisches Wissen über die Welt zur Schau, die er in 80 Tagen wie im Blindflug umkreist hat. Auch Journalisten, Philosophen und Wissenschaftler schwadronierten munter über Erlebnisse aus zweiter Hand: Kant hob die Welt aus den Angeln, ohne Königsberg zu verlassen; Margaret Mead stellte mit weitgehend fiktiven Berichten über das Sexualleben auf Samoa die Anthropologie auf den Kopf. Bayards höchst unterhaltsame Typologie des Nichtreisens singt das Lob des sesshaften Reisenden: praktische Lebenshilfe für alle, die lieber zu Hause bleiben und trotzdem mitreden wollen.

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  • Rezension zu "Wie man über Orte spricht, an denen man nie gewesen ist" von Pierre Bayard

    Wie man über Orte spricht, an denen man nicht gewesen ist
    JuliaB

    JuliaB

    17. March 2013 um 13:36

    Marco Polo ist nie weiter gereist als Konstantinopel, trotzdem wurden seine Geschichten über seine Abenteuer in China als authentische Reiseberichte gefeiert. Dass darin Einhörner und Menschen mit Hundeköpfen vorkamen, störte offenbar niemanden, weil Marco Polos Bericht den Vorstellungen seiner Zeitgenossen vom exotischen fernen Osten gerecht wurde. Ebensowenig zweifelten tausende begeisterte Leser von Karl Mays Abenteuerromanen daran, dass dieser all diese Geschichten selbst erlebt hatte oder zumindest nur seine eigenen Erfahrungen etwas ausschmückte. Nach dem Erfolg der Bücher organisierte Reisen lieferten dann auch „authentische“ Fotos, um die Neugierde der Fans zufrieden zu stellen. Vielen Schriftstellern gelang es offenbar vorzüglich, über ferne Länder zu schreiben, ohne sich vom heimischen Schreibtisch wegzubewegen. Daraus entwickelt Bayard in seinem Essay seine Theorien über den „sesshaften Reisenden“ und warum dessen Schilderungen aus der Distanz oftmals authentischer sind, als wenn dieser die beschwerliche Reise tatsächlich auf sich genommen hätte. Nach den Büchern, die man nicht gelesen haben muss, widmet sich Bayard also nun den Reisen, die man nicht gemacht haben muss, um trotzdem darüber reden (oder eben schreiben) zu können. Hinter diesem provokanten Titel verbirgt sich nicht wirklich ein Ratgeber, sondern ein facettenreicher Überblick über die Kunst des literarischen Reisens. Auch diesmal verdeutlicht Bayard seine Thesen dadurch, dass er sie am Leser selbst testet und diesen gekonnt in die Irre führt. Aber auch wenn dieses Buch einen großartigen Überblick über die verschiedensten Schriftstellern und ihre geographische Ausflüge bietet, so kann es mit dem Reiz, den "Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat" entwickelt hat, doch nicht ganz mithalten. Letztlich finde ich Bayards These, dass nicht die tatsächliche Anwesenheit an einem Ort entscheidend sei, sondern die „literarische Wahrheit“, die dem Leser einen authentischen Eindruck davon vermitteln kann, relativ banal. Bei seinen Lesern durch eine glaubwürdige, nachvollziehbare Schilderung ein plastisches Bild eines bestimmten Ortes entstehen zu lassen, ist eine Kunst, die einen guten Autor auszeichnet, unabhängig davon, ob sich dieser Ort nun real existiert oder ein reines Phantasieprodukt ist. Das nimmt Bayards Essay zwar nichts von der Faszination seines literarischen Feuerwerks, lässt den argumentativen Aufbau aber etwas arg aufgebauscht wirken.

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