Pierre Bost

 4.2 Sterne bei 11 Bewertungen

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Pierre BostEin Sonntag auf dem Lande
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Ein Sonntag auf dem Lande
Ein Sonntag auf dem Lande
 (10)
Erschienen am 20.06.2018
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 (1)
Erschienen am 01.03.2017

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Rezension zu "Ein Sonntag auf dem Lande" von Pierre Bost

Wenn die Routine gestört wird
aus-erlesenvor 4 Monaten

Das Leben hat es gut gemeint mit Monsieur Ladmiral. Mitte siebzig ist er mittlerweile. Ein erfülltes Leben liegt hinter ihm. In Saint-Ange-des-bois hat er ein gemütliches Häuschen gefunden. Kurz vor den Toren von Paris. Der Garten ist vorzeigbar und zum Bahnhof braucht man nur acht Minuten. Monsieur Ladmiral benötigt aber immer länger, das Alter halt. Doch mit stoischer Ruhe schiebt er die verlängerte Laufzeit zum Bahnhof auf die Unzuverlässigkeit der Bahn. Das amüsiert ihn insgeheim. Für Mercédès, seine Hausangestellte, ist es eine willkommene Gelegenheit ihrem Chef ein wenig Gegenwehr zu verabreichen. 
Die kleinen Beschwerden über das Älterwerden pflegt Monsieur Ladmiral. Genauso wie den sonntäglichen Besuch seines Sohnes Gonzague. Seit Jahr und Tag kommt er regelmäßig mit seiner Frau Thérèse, den Jungens Emile und Lucien sowie der kleine Mireille zu Besuch. Leidige Pflicht auf beiden Seiten. Wobei der Alte die Besuche genießt. Die kleine Mireille ist für ihn der Jungbrunnen, in den er gern steigt. Für Gonzague, der von seiner Frau bevorzugt Edouard genannt wird – sein richtiger Name, Gonzague behagt ihr keineswegs – ist es jedes Mal ein Graus. 
Denn Monsieur Ladmiral hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Wohl geraten ist er wohl, sein Sohn. Doch als eine Ausgeburt an Esprit würde ihn wohl kaum jemand bezeichnen. Das Geld reicht, und wenn nicht, bekommt er großzügig eine Lohnerhöhung. Für Thérèse eine nicht zu unterschätzende Stütze… Monsieur mag die nur allzu gewöhnliche Schwiegertochter keineswegs. Und so vergeht der Sonntag mit kleinen Fotzeleien, die Gonzague über sich ergehen lässt und der Alte ohne groß nachzudenken, großzügig verteilt. Bis … ja bis Irène eintrifft. Sie ist der Wirbelwind in der Familie. Und Gonzagues Schwester. Ein Plappermaul, das mit ihrem Elan davon abzulenken versucht, dass ihre Einnahmequellen eventuelle nicht den üblichen Standrads entsprechen könnten. Für Monsieur Ladmiral eine willkommene Abwechslung. Denn sie bekommt er nicht jeden Sonntag vor die Augen. Gonzague sieht in Irène eher eine Bedrohung.
Pierre Bost gehörte in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu den produktivsten und viel gelesenen Autoren Frankreichs. Dies ist sein letzter Roman, die letzten Jahrzehnte seines Lebens schuf er kein weiteres Werk und widmete sich Autorenaufträgen für Filme. Mit jeder Zeile dieses Miniromans dringt die ländliche Idylle tiefer und tiefer ins Herz des Lesers. Das Grün des üppigen Gartens, das Rascheln des Laubes, die Unbekümmertheit der Zeit ergreifen von einem Besitz. Die Neckereien der erwachsenen Geschwister ist greifbar, doch sind beide erwachsen genug nicht vor dem Vater ausfallend zu werden. Ihm gehört der gesamte Respekt. Gonzague verbindet die Vergänglichkeit mit Angst, Iréne ist tief im Hier und Jetzt verwurzelt. Und Monsieur Ladmiral weiß, dass er eh nichts mehr ändern kann. Den Lebensgenuss jedoch kann ihm keiner und nichts wegnehmen. 

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Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Ein Sonntag auf dem Lande" von Pierre Bost

Monsieur Ladmiral
Buecherschmausvor 5 Jahren

Dieses Buch ist ein kleines Juwel! Das beginnt bereits bei der äußeren Aufmachung der Ausgabe im Dörlemann Verlag: Dunkelgrünes Leinen, ein impressionistisches Titelbild, schönes Papier, auch im Vorsatz. Es macht schon Freude, dieses kleine Büchlein in der Hand zu halten.

Auch der Inhalt verzaubert. Er kommt einerseits dem nahe, was der deutsche Titel, angelehnt an den Filmtitel - das Buch wurde 1984 von Bertrand Tavernier erfolgreich verfilmt - verspricht: Sommer, Sonne, Landleben, Heiterkeit, Leichtigkeit. Man spürt förmlich die Hitze, hört die Insekten sirren und sieht die reich gedeckte Sonntagstafel. Sofort hat man die Bilder unzähliger französischer Filme vor Augen, die genau vor diesem Hintergrund spielen. Und auch hier versammelt sich die Familie im Landhaus des Malers Monsieur Ladmiral zum Sonntagsbraten. Es ist die Zeit kurz vor oder kurz nach dem ersten Weltkrieg, die Angaben in Klappentext und Nachwort widersprechen sich da leider. Autos sind als Boten der Neuzeit noch eher eine Seltenheit, das Leben geht einen beschaulichen Gang, die Erwachsenen gönnen sich eine kleine Siesta, die Kinder spielen im Garten.

Andrerseits ist da der Originaltitel, "Monsieur Ladmiral va bientot mourir", "Monsieur Ladmiral wird bald sterben". Er weist auf die andere Seite des Textes hin, die melancholische. Denn Monsieur Ladmiral spürt das Alter. Auch in der Familie gibt es Konflikte. So liebt und bewundert sein Sohn Gonzague ihn sehr, nimmt nahezu jeden Sonntag die beschwerliche Bahnfahrt mit Frau und drei Kindern auf sich, um den Vater zu besuchen. Dieser kann seinen Sohn aber nicht wahrhaft respektieren und lieben, zu durchschnittlich erscheint ihm der Sprössling. Seine Liebe gilt der Tochter, die eigensinnig, selbstbewusst und leicht exaltiert, selten, so aber an diesem Sonntag auftaucht. Die Beziehung der Geschwister ist gespannt. Monsieur Ladmiral merkt auch, dass seine künstlerische Schaffenskraft nachlässt. Er hängt noch der alten Salonmalerei an, während schon längst die Impressionisten mit ihrer Freilichtmalerei die Kunstwelt erobert haben. Wie ein impressionistisches Bild wirkt dieser Roman auch hingetupft. Zart, voller Poesie, aber auch mit Ironie und hintergründigem Humor. Leicht, aber tiefgründig, heiter, aber melancholisch. Ein langsames, leises Buch über den Abschied, vom Leben, von Zielen, die man vielleicht nie erreicht, Träumen, die sich nie erfüllt haben, sei es der Traum von der Karriere, sei es der vom Leben in der perfekten Familie. Ein kleines Meisterwerk, das bereits 1945 erschien, in dieser wunderschönen Neuauflage nun wiederzuentdecken ist.

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Claris avatar

Rezension zu "Ein Sonntag auf dem Lande" von Pierre Bost

Rezension zu "Ein Sonntag auf dem Lande" von Pierre Bost
Clarivor 6 Jahren

Liebenswertes Landleben.

Monsieur Ladmiral lebt ein ruhiges und beschauliches Leben auf dem Lande nicht weit von Paris entfernt.
Seine Haushälterin Mercédès hält alles so weit in Ordnung. Der Alte ist schon ein wenig schrullig, und man meint, ihn vor sich hinknurren zu hören. Zuerst hält man ihn für einen kleinen Angestellten, der seinen Lebensabend genießt. Doch weit gefehlt davon ist er ein passabler Maler, nicht besonders ambitioniert aber mit nicht geringen Auszeichnungen versehen. Er lebt ein glückliches Leben.

Jeden Sonntag kommt sein Sohn Gonzague, auch Edouard genannt, mit Frau und drei Kindern zu Besuch. Auch dieser hat sich an der Malerei versucht, ist jedoch daran gescheitert,--zum Glück für Monsieur Ladmiral, der die Kunst als sein Metier betrachtet. Dass Edouard Kaufmann wurde, passt aber auch nicht so recht in das Weltbild seines Vaters. "Ins Büro gehen war für Monsieur Ladmiral ein Zeichen von Knechtschaft und Armseligkeit". Gonzague lässt keine Anzeichen von Weltläufigkeit erkennen und ist mit sich und dem Dasein im Kolonialwarenhandel zufrieden.
Dieser Sohn, dessen drei Kinder und die Schwiegertochter sind eher ein Ärgernis als eine Freude für Monsieur Ladmiral. Gonzague ist zu geflissentlich, die Schwiegertochter nervig und die drei Kinder sind ganz nett werden aber ständig zur Ordnung gerufen.

Erst als Irène, die Tochter des Hauses, zur Tür hereinschneit,wird der alte Herr munter. Sie ist so ganz das Gegenteil von der spießigen und anbiedernden Sohnesfamilie. Ein frischer Wind scheint mit ihr aufzukommen, denn sie ist offen, zu Scherzen aufgelegt und einfach eine große Freude für ihren Vater. Er weiß nicht viel von ihr, kann sich nur vorstellen, dass sie ein sehr anderes Leben lebt, als er es gewohnt war. Ob sie ein wenig damit seine eigenen verdrängten Träume auslebt? Zwischen Bruder und Schwester steht es nicht gerade zum Besten.

Der 1945 zum ersten Mal veröffentlichte Roman von Pierre Bost ist ein poetisches und ruhiges kleines Meisterwerk, in dem der Provinzalltag seine Urständ feiert. Wie ein impressionistisches Bild mutet einen die Erzählung an. Pointillistisch dahin getupft erstrahlen die ländlichen Farben, an denen der alte Maler seine Freude hat. Landluft, Mittagsruhe und die ewig gleichen Gespräche zu jedem Sonntagsbesuch sind einerseits Ritual andererseits aber auch Anlass für Ärgernisse. Monsieur Ladmiral ist schon lange Witwer und liebt die freundliche und malerische Kulisse seines Landlebens. Da bieten die Sonntagbesucher zwar Abwechslung und sind doch zugleich auch ein wenig störend.

Pierre Bost hat diesen Roman zwischen den beiden Weltkriegen verfasst. Es weht noch der Zauber der untergegangenen guten alten Zeit durch seine Zeilen, ohne dass sich zukünftiges Ungemach schon am Horizont zeigt.

In der Übersetzung von Rainer Moritz und in der feinen in Leinen gebundenen Aufmachung liegt hiermit ein wunderschöner kleiner Roman aus dem Dörlemann Verlag vor, der Herz und Sinne erfreut.

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