Pierre Bost

 4.2 Sterne bei 12 Bewertungen

Lebenslauf von Pierre Bost

Pierre Bost, 1901 in Lasalle geboren, gehörte zu den bedeutendsten Literaten und Journalisten der Zwischenkriegszeit. Er schrieb mehr als ein Dutzend Romane, Erzählbände, Essays und Drehbücher. Seine Novelle »Ein Sonntag auf dem Lande« wurde von Bertrand Tavernier verfilmt. Pierre Bost starb 1975 in Paris.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Pierre Bost

Cover des Buches Ein Sonntag auf dem Lande (ISBN: 9783038200611)

Ein Sonntag auf dem Lande

 (11)
Erschienen am 20.06.2018
Cover des Buches Bankrott (ISBN: 9783492309912)

Bankrott

 (1)
Erschienen am 01.03.2017

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Rezension zu "Ein Sonntag auf dem Lande" von Pierre Bost

Ländliche Idylle
nonostarvor einem Monat

Pierre Bost war mir bis dahin unbekannt. In "Ein Sonntag auf dem Lande" schildert Bost einen Sonntagnachmittag der Familie von Monsieur Ladmiral. Er ist ein mehr oder weniger erfolgreicher Maler, der sich selbst jedoch nie als großen Künstler gesehen hat. In die Jahre gekommen lebt er jetzt allein etwas abseits von Paris, nur seine Haushälterin Mercédes leistet ihm Gesellschaft. Sein Sohn Gonzague, der ihn schon seit der Kindheit verehrt und dem Vater in allem nacheifert, ja ihn sogar kopiert, besucht ihn mit seiner Familie jeden Sonntag. Doch der Vater, von dieser Verehrung irgendwann genervt, wendet sich mehr und mehr der rebellischen Tochter Irene zu, sehr zum Missfallen von Gonzague. Natürlich kommt es, wie es kommen muss und die sonst eher selten gesehene Irene taucht just an diesem Sonntag ebenfalls auf und bringt Unruhe in die sonst so idyllische Sonntagmittagruhe.

Monsieur Ladmiral und seine Familie haben mir wirklich viel Freude bereitet. Gonzague und sein Vater sind wirklich sehr um Harmonie bemüht und so nimmt sich jeder zurück, weil er dem (manchmal falschen) Gefühl erliegt, der andere würde es so wollen und am Abend sei ja auch schon wieder alles vorbei. Irene bringt da genau das richtige Maß an Abwechslung in die Runde. Sie verdreht ihren Neffen den Kopf, verärgert Bruder und Schwägerin und entzückt den Vater, der sich lieber die Widerworte der Tochter als die Verehrung des Sohnes anhört.

"Ein Sonntag auf dem Lande" bietet großes Lesevergnügen, kurzweilige Unterhaltung und durchaus auch die ein oder andere unterschwellige Kritik. Perfekt für einen Sonntagnachmittag, egal ob auf dem Lande oder in der Stadt.

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Rezension zu "Ein Sonntag auf dem Lande" von Pierre Bost

Wenn die Routine gestört wird
aus-erlesenvor 3 Jahren

Das Leben hat es gut gemeint mit Monsieur Ladmiral. Mitte siebzig ist er mittlerweile. Ein erfülltes Leben liegt hinter ihm. In Saint-Ange-des-bois hat er ein gemütliches Häuschen gefunden. Kurz vor den Toren von Paris. Der Garten ist vorzeigbar und zum Bahnhof braucht man nur acht Minuten. Monsieur Ladmiral benötigt aber immer länger, das Alter halt. Doch mit stoischer Ruhe schiebt er die verlängerte Laufzeit zum Bahnhof auf die Unzuverlässigkeit der Bahn. Das amüsiert ihn insgeheim. Für Mercédès, seine Hausangestellte, ist es eine willkommene Gelegenheit ihrem Chef ein wenig Gegenwehr zu verabreichen. 
Die kleinen Beschwerden über das Älterwerden pflegt Monsieur Ladmiral. Genauso wie den sonntäglichen Besuch seines Sohnes Gonzague. Seit Jahr und Tag kommt er regelmäßig mit seiner Frau Thérèse, den Jungens Emile und Lucien sowie der kleine Mireille zu Besuch. Leidige Pflicht auf beiden Seiten. Wobei der Alte die Besuche genießt. Die kleine Mireille ist für ihn der Jungbrunnen, in den er gern steigt. Für Gonzague, der von seiner Frau bevorzugt Edouard genannt wird – sein richtiger Name, Gonzague behagt ihr keineswegs – ist es jedes Mal ein Graus. 
Denn Monsieur Ladmiral hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Wohl geraten ist er wohl, sein Sohn. Doch als eine Ausgeburt an Esprit würde ihn wohl kaum jemand bezeichnen. Das Geld reicht, und wenn nicht, bekommt er großzügig eine Lohnerhöhung. Für Thérèse eine nicht zu unterschätzende Stütze… Monsieur mag die nur allzu gewöhnliche Schwiegertochter keineswegs. Und so vergeht der Sonntag mit kleinen Fotzeleien, die Gonzague über sich ergehen lässt und der Alte ohne groß nachzudenken, großzügig verteilt. Bis … ja bis Irène eintrifft. Sie ist der Wirbelwind in der Familie. Und Gonzagues Schwester. Ein Plappermaul, das mit ihrem Elan davon abzulenken versucht, dass ihre Einnahmequellen eventuelle nicht den üblichen Standrads entsprechen könnten. Für Monsieur Ladmiral eine willkommene Abwechslung. Denn sie bekommt er nicht jeden Sonntag vor die Augen. Gonzague sieht in Irène eher eine Bedrohung.
Pierre Bost gehörte in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu den produktivsten und viel gelesenen Autoren Frankreichs. Dies ist sein letzter Roman, die letzten Jahrzehnte seines Lebens schuf er kein weiteres Werk und widmete sich Autorenaufträgen für Filme. Mit jeder Zeile dieses Miniromans dringt die ländliche Idylle tiefer und tiefer ins Herz des Lesers. Das Grün des üppigen Gartens, das Rascheln des Laubes, die Unbekümmertheit der Zeit ergreifen von einem Besitz. Die Neckereien der erwachsenen Geschwister ist greifbar, doch sind beide erwachsen genug nicht vor dem Vater ausfallend zu werden. Ihm gehört der gesamte Respekt. Gonzague verbindet die Vergänglichkeit mit Angst, Iréne ist tief im Hier und Jetzt verwurzelt. Und Monsieur Ladmiral weiß, dass er eh nichts mehr ändern kann. Den Lebensgenuss jedoch kann ihm keiner und nichts wegnehmen. 

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Rezension zu "Ein Sonntag auf dem Lande" von Pierre Bost

Monsieur Ladmiral
Buecherschmausvor 7 Jahren

Dieses Buch ist ein kleines Juwel! Das beginnt bereits bei der äußeren Aufmachung der Ausgabe im Dörlemann Verlag: Dunkelgrünes Leinen, ein impressionistisches Titelbild, schönes Papier, auch im Vorsatz. Es macht schon Freude, dieses kleine Büchlein in der Hand zu halten.

Auch der Inhalt verzaubert. Er kommt einerseits dem nahe, was der deutsche Titel, angelehnt an den Filmtitel - das Buch wurde 1984 von Bertrand Tavernier erfolgreich verfilmt - verspricht: Sommer, Sonne, Landleben, Heiterkeit, Leichtigkeit. Man spürt förmlich die Hitze, hört die Insekten sirren und sieht die reich gedeckte Sonntagstafel. Sofort hat man die Bilder unzähliger französischer Filme vor Augen, die genau vor diesem Hintergrund spielen. Und auch hier versammelt sich die Familie im Landhaus des Malers Monsieur Ladmiral zum Sonntagsbraten. Es ist die Zeit kurz vor oder kurz nach dem ersten Weltkrieg, die Angaben in Klappentext und Nachwort widersprechen sich da leider. Autos sind als Boten der Neuzeit noch eher eine Seltenheit, das Leben geht einen beschaulichen Gang, die Erwachsenen gönnen sich eine kleine Siesta, die Kinder spielen im Garten.

Andrerseits ist da der Originaltitel, "Monsieur Ladmiral va bientot mourir", "Monsieur Ladmiral wird bald sterben". Er weist auf die andere Seite des Textes hin, die melancholische. Denn Monsieur Ladmiral spürt das Alter. Auch in der Familie gibt es Konflikte. So liebt und bewundert sein Sohn Gonzague ihn sehr, nimmt nahezu jeden Sonntag die beschwerliche Bahnfahrt mit Frau und drei Kindern auf sich, um den Vater zu besuchen. Dieser kann seinen Sohn aber nicht wahrhaft respektieren und lieben, zu durchschnittlich erscheint ihm der Sprössling. Seine Liebe gilt der Tochter, die eigensinnig, selbstbewusst und leicht exaltiert, selten, so aber an diesem Sonntag auftaucht. Die Beziehung der Geschwister ist gespannt. Monsieur Ladmiral merkt auch, dass seine künstlerische Schaffenskraft nachlässt. Er hängt noch der alten Salonmalerei an, während schon längst die Impressionisten mit ihrer Freilichtmalerei die Kunstwelt erobert haben. Wie ein impressionistisches Bild wirkt dieser Roman auch hingetupft. Zart, voller Poesie, aber auch mit Ironie und hintergründigem Humor. Leicht, aber tiefgründig, heiter, aber melancholisch. Ein langsames, leises Buch über den Abschied, vom Leben, von Zielen, die man vielleicht nie erreicht, Träumen, die sich nie erfüllt haben, sei es der Traum von der Karriere, sei es der vom Leben in der perfekten Familie. Ein kleines Meisterwerk, das bereits 1945 erschien, in dieser wunderschönen Neuauflage nun wiederzuentdecken ist.

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