Pierre Drieu la Rochelle Die Komödie von Charleroi

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Inhaltsangabe zu „Die Komödie von Charleroi“ von Pierre Drieu la Rochelle

Lebenshunger und Todessehnsucht, patriotische Gefühle und Desillusionierung: Pierre Drieu la Rochelles brillante Erzählungen spiegeln die innere Zerrissenheit des streitbaren Autors wider. Einer, der sich romantisch nach Heldentum sehnte, beschreibt hier die Absurdität des Ersten Weltkriegs und die schmerzliche Orientierungslosigkeit der Heimkehrer.Madame Pragen, eine ehrgeizzerfressene Pariser Witwe, hat 1914 ihren schmächtigen Sohn in den Krieg geschickt, um einen Helden aus ihm zu machen. Er fiel in den ersten Tagen während eines bedeutungslosen Scharmützels im belgischen Charleroi. Im Jahr 1919 nutzt nun seine Mutter einen Besuch des Schlachtfelds, um sich vor den provinziellen Honoratioren der Stadt als Grande Dame zu inszenieren. In «Der Hund der Heiligen Schrift» brüstet sich ein junger Veteran mit Verdun. Doch in der Kinoreihe vor ihm sitzt ein ehemaliger Kamerad ...Auf Anhieb fasziniert der flirrende Ton des Erzählers. Seine zynische Lässigkeit, sein stetiges Abtasten der Realitäten, die umso drastischer wirkende Überzeichnung einzelner Figuren: Diese Prosastücke bieten einen schillernden Rückblick auf das Schlüsselerlebnis einer irrlichternden Generation.

Erschütternde Erzählungen zum Ersten Weltkrieg.

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    Die Komödie von Charleroi
    Lesemanie

    Lesemanie

    20. March 2017 um 08:31

    Sechs Novellen sind in diesem Buch vereint. Sie alle drehen sich um die Erfahrungen der „Verlorenen Generation“, um Erlebnisse in den Schützengräben während des Ersten Weltkriegs oder in den Straßen von Paris in den Jahren danach, in denen die überlebenden Heimkehrer ratlos durch diese friedliche Zeit taumeln. charleroiDie erste der Novellen, die dem Band ihren Namen leiht, folgt einem dieser Überlebenden Jahre nach Kriegsende zurück auf die Schlachtfelder. Im Schlepptau seiner Arbeitgeberin, der reichen Madame Pragen, bereist er die Gegend in der ihr Sohn, sein Kamerad, gefallen ist. Madame Pragen macht aus dieser persönlichen, fast intimen, Erfahrung, ein öfffentliches Ereignis. Sie spendet sein Jahren großzügig an die Dörfer in dieser Gegend damit die Erinnerung an ihren Jungen erhalten bleibt und will nun nicht nur sehen wo ihr einziges Kind gestorben ist, sondern auch die Überreste des Leichnams begutachten, bei dem man davon ausgeht, dass es ihr Sohn sein könnte. Einer Mutter dabei zuzusehen, wie sie sich krampfhaft und mit allen Mitteln bemüht, sich selbst davon zu überzeugen, dass ihr Sohn für eine große Sache und nicht umsonst gestorben ist, ist erschütternd.Ebenso eindringlich sind die darauf folgenden Erzählungen. In „Der Hund der heiligen Schrift“ erinnert sich ein Rückkehrer an die Tage bevor seine Infanterieeinheit nach Verdun versetzt wird. Eine Verkettung unglücklicher Zufälle, vielleicht auch organisatorische Fehler, führen einen anderen Mann zu der Einheit. Dieser Mann stammt aus einer Familie die „alt, groß und im Allgemeinen sehr reich“ ist und er lässt seine Kontakte spielen um nicht mit den Männern an die Front zu müssen. Kurz vor dem Abmarsch nach Verdun verlässt er die Truppe und schließt sich einem Regiment an, das weniger direkten Feindkontakt hat.In diesen sechs Novellen bringt Drieu La Rochelle die Gefühle einer ganzen Generation, vielleicht die eines ganzen Kontinents, auf den Punkt. Denn er beschreibt nicht nur die Irrsinnigkeit des Krieges, sondern eben auch die Naivität, mit der junge Männer auf beiden Seiten in die Schlacht gepeitscht werden, oder auch die Fassungslosigkeit, mit der altgediente Generäle verstehen lernen, dass eine Kavallerie in einem Krieg des 20. Jahrhunderts ausgedient hat: „Es ist eher ein Krieg der Fabriken als ein Krieg der Menschen. In den Fabriken wird massenhaft Stahl hergestellt, und den wirft man sich dann von Weitem, ohne sich anzusehen, stöhnend an den Kopf […] Meine Vorfahren haben doch nicht auf eine Zivilisation hingearbeit, damit wir plötzlich nichts mehr ausrichten können und sich jede Bewegung im Mechanischen, Blinden, Absurden verliert? Eine Maschine, eine Kanone, die ohne Zutun ununterbrochen schießt – was ist das? Das ist weder ein Mensch noch ein Tier und auch kein Gott […] Es war eine unerwartete, grauenvolle Entfesselung. Als der Mensch die ersten Maschinen erfand, hat er seine Seele dem Teufel verkauft, und jetzt präsentierte der Teufel die Rechnung.“Er klagt die dekadenten Entscheidungsträger an, die aus der Sicherheit ihrer Kabinettsräume heraus Krieg erklären und führen lassen und mit der Möglichkeit von Ruhm und Ehre locken. Dabei spricht er wieder und wieder darauf an, dass sich dieser Krieg von allen vorangegangenen Kriegen unterscheidet: „Krieg ist nicht mehr Krieg. Ihr werdet es eines Tages sehen, Faschisten aller Länder, wenn ihr euch flach auf den Boden drückt mit eurer vollgeschissenen Hose. Dann wird es keine Federbüsche, Goldtressen, Sporen, Pferde, Trompeten, Worte geben, sondern bloß eine industrielle Ausdünstung, die euch die Lunge zerfrisst.“Die kritische Anspielung auf „Faschisten aller Länder“ verdient zusätzliche Aufmerksamkeit. Pierre Drieu La Rochelle ist, so schrieb die Welt im Mai 2016, „mehr berüchtigt als berühmt“ (Krause). Der Titel des Artikels lautet „Für diesen Dichter was der Faschismus sexy“. Rochelle war nämlich, das muss man wissen, Kollaborateur unter der deutschen Besatzung Frankreichs zwischen 1940 und 1944. Dass der Faschismus ggf. nicht dauerhaft „sexy“ für La Rochelle war, wird in dem obigen Zitat deutlich. Sowohl der Artikel als auch das Nachwort zu dieser Novellen-Sammlung gehen darauf ein, dass La Rochelle weniger von einer politischen Ideologie seiner Zeit überzeugt war, sondern vielmehr von einer totalitären Ideologie zur anderen taumelte – „und wieder zurück“ (Krause). Konstant blieb da nur seine Verachtung für die Dritte Republik Frankreichs, die in seinen Erzählungen überall hervorscheint und die Krause wie folgt auf den Punkt bringt: „Die alten Eliten hatten nicht nur im sinnlosen Gemetzel von 1914 bis 1918 kläglich versagt. Sie fuhren vielmehr in den Augen des smarten jungen Mannes aus gutem Hause fort, die Zeichen der Zeit zu verkennen und sich in ihren Korruptionsskandalen zu verheddern.“Während des Ersten Weltkriegs und in den Jahren danach ist La Rochelle Pazifist – einige der oben angebrachten Zitate aus dem Erzählband sowie viele weitere Stellen in seinen Novellen weisen darauf hin. Sein Pazifismus weicht dem Faschismus um schließlich doch einer Begeisterung für den Kommunismus Platz zu machen. Über dieses Nicht-Festlegen wenn es um politische Positionen geht, schreibt auch Thomas Laux im Nachwort der Novellensammlung: „Ab 1934 bezeichnete er sich in aller Öffentlichkeit als Faschisten – um sich gegen Ende seines Lebens, kurz vor seinem Selbstmord im März 1945 mit zweiundfünfzig Jahren, erneut für die kommunistische Idee zu begeistern […] Drieu ist also im Grunde zu keinem Zeitpunkt ein leicht einzuschätzender Mensch gewesen, seinen politischen Festlegungen war offenkundig ein Verfallsdatum eingeschrieben.“Doch was in den Erzählungen konstant bleibt ist das Verdammen nationalistischen Gedankenguts: so bezeichnet er den Nationalismus als den „schändlichsten Aspekt des modernen Geistes“ und spricht von der nationalistischen „Raserei“ diesem „grotesken Wahnsinn“ seiner Zeit. Zugleich finden sich vereinzelt rassistische und antisemitische Aussprüche einiger Charaktere, die beim Lesen durchaus irritieren mögen (auch dies wieder Teil von La Rochelles Ambivalenz; seine erste Frau war Jüdin).Und doch fügen sie sich in die Geschichte mit ein und komplettieren das Portrait dieser Verlorenen Generation, die man kennen lernen (und zu einem gewissen Grad verstehen lernen) muss, damit Geschichte sich nicht einmal ansatzweise wiederholt.La Rochelle selbst ist ein mir zutiefst suspekter und unsympathischer Mann, der, so scheint es mir, sein Fähnchen jeweils nach dem Wind gehangen hat und dem der Mumm gefehlt hat, für die richtige Sache (und somit gegen die Nationalsozialisten) einzustehen. Doch die Novellen die in Die Komödie von Charleroi vereint sind, sind beeindruckend dicht geschriebene Erzählungen, die Nationalismus und Krieg aufs schärfste verdammen. Und das macht sie lesenswert.

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  • Die Komödie von Charleroi: Begebenheiten aus dem Ersten Weltkrieg

    Die Komödie von Charleroi
    storiesonpaper

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    12. May 2016 um 10:00

     „Die Komödie von Charleroi“ ist eine Geschichte des Ersten Weltkrieges. Es ist eine ernste Komödie, die mit den Facetten der Menschen in ihnen spielt. Verspricht der Anfang noch einen Handlungsrahmen werden schnell sämtliche Strukturen über den Haufen geworfen, sodass aus einer Geschichte viele werden. Der Protagonist erzählt von verschiedenen Situationen und Menschen, die ihm in den Schützengräben Belgiens und auch danach noch begegnen. Er zieht hiermit einen vielfältigen Querschnitt der gesellschaftlichen und sozialen Vorgänge an der Front. Ohne zu viel verraten zu wollen, sind die Begegnungen sehr unterschiedlich; vom fahnenflüchtigen Angsthasen zum regelrechten Draufgänger lässt Rochelle uns an allen Charakteren in all ihren verschiedenen Ausprägungen teilhaben. Der Auto erlaubt so einen interessanten Einblick in die Psyche und Gedanken der Soldaten. Pierre Drieu la Rochelle kämpfte selber als Soldat für Frankreich, unter anderen auch bei der bedeutenden Schlacht von Verdun, die im Roman immer wieder eine Rolle spielt. Gerade das macht die Erzählungen so realistisch. Auch der Sprachstil ist nüchtern, vermittelt aber gleichzeitig eine emotionale Tiefe. „Die Komödie von Charleroi“ zieht den Leser imaginär schnell mit an die Front und lässt ihn an spannenden Gesprächen und Situationen teilhaben, in denen man immer schwankt zwischen dem Drang, den Kopf zu schütteln oder zu schmunzeln. Sie erzählt die Geschichte von sich inszenierenden Angsthasen und gefallenen Helden. Fazit:  „Die Komödie von Charleroi“ ist kein einfaches Buch. Der Kampf um das Überleben hunderttausender Soldaten klingt immer wieder in den Erzählungen mit und macht den Roman umso spannender. Hatte ich nach dem ersten Durchlesen ein gemischtes Gefühl, was meine Bewertung betraf, finde ich die Geschichten im Nachhinein immer interessanter. Ich vergebe gerne 4 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung. Die spezielle Neuübersetzung aus dem Manesse Verlag beinhaltet ebenfalls zahlreiche Anmerkungen zum Hintergrund des Romans und ein Nachwort zum Autor, die das bewegte und turbulente Leben Rochelles umreißen – ein spannender Schriftsteller, dessen Erzählungen heute leider viel zu unbekannt sind!

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