Pierre Lemaitre

 4.1 Sterne bei 302 Bewertungen
Autor von Drei Tage und ein Leben, Opfer und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Pierre Lemaitre

Ausgezeichnete Krimis, Thriller und Historische Romane aus dem Land des guten Geschmacks: Der 1951 geborene französische Autor arbeitete zunächst einige Jahre als Lehrer für Literatur und Ausbilder von Bibliothekaren. Sein Debüt als Schriftsteller gab er im Jahr 2006 mit dem Roman „Travail soigné“. Unter dem Titel „Irène“ wurde das Werk, das mit dem Prix du premier roman du Festival de Cognac ausgezeichnet wurde, in zahlreiche Sprachen übersetzt. Für den Historischen Roman „Au revoir là-haut" (dt. „Wir sehen uns dort oben“, 2014) bekam der Franzose, der seit 2011 Verwaltungsrat der Société des gens de lettres ist, 2013 den bedeutendsten französischen Literaturpreis Prix Goncourt. Im selben Jahr wurde der sozialkritische Thriller „Cadres noirs“ unter der Regie von Manuel Boursinhac verfilmt. Pierre Lemaitre ist auch als Drehbuchautor für Kino- und Fernsehfilme tätig und lebt in Paris.

Neue Bücher

Die Farben des Feuers

 (25)
Erscheint am 28.02.2019 als Hardcover bei Klett-Cotta.

Die Farben des Feuers

Erscheint am 28.02.2019 als Hörbuch bei Der Audio Verlag.

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Drei Tage und ein Leben

Drei Tage und ein Leben

 (88)
Erschienen am 20.12.2017
Opfer

Opfer

 (73)
Erschienen am 02.09.2018
Der kalte Hauch der Angst

Der kalte Hauch der Angst

 (46)
Erschienen am 11.11.2009
Wir sehen uns dort oben

Wir sehen uns dort oben

 (28)
Erschienen am 09.05.2017
Die Farben des Feuers

Die Farben des Feuers

 (25)
Erschienen am 28.02.2019
Ich will dich sterben sehen

Ich will dich sterben sehen

 (24)
Erschienen am 09.03.2012
Drei Tage und ein Leben

Drei Tage und ein Leben

 (0)
Erschienen am 13.05.2019
Ein Held

Ein Held

 (0)
Erschienen am 30.04.2015

Neue Rezensionen zu Pierre Lemaitre

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Rezension zu "Die Farben des Feuers" von Pierre Lemaitre

Tage der Abrechnung
Bibliomarievor 2 Stunden

Am Tag der Beisetzung des Bankiers Marcel Péricourt, stürzt oder springt der Enkel aus dem Fenster und bleibt schwerverletzt auf dem Katafalk liegen. Madeleine Pericourt verliert sich in ihrer maßlosen Trauer und in ihrer Sorge um den nach dem Sturz gelähmten Sohn Paul. So steht sie zwar formell an der Spitze des Bankhauses, aber der Prokurist der Bank Gustave Joubert lenkt die Geschäfte.

Umgeben ist Madeleine vom raffgierigen Onkel Charles und vom Hauslehrer André Delcourt, der auch ihr Liebhaber ist. Erst spät, zu spät begreift Madeleine, dass keiner ihrer Vertrauten ihr Wohlwollen im Auge haben. Joubert will Rache für die Kränkung, dass er mit einem Almosen im Testament des alten Péricourt abgespeist wurde.
Doch als Madelaine alles verloren hat, erwacht in ihr die Kraft ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Die politischen Wirren, die Wirtschaftskrise und die Vorboten des Zweiten Weltkriegs spielen ihr in die Hände und sie beginnt die Schuldscheine für den Verrat einzufordern.

Pierre Lemaitre findet einen leichten, oft sogar ironischen Ton um seine Figuren zu portraitieren. Der Roman entwickelt fast die Dynamik einer Kriminalgeschichte, wenn Madeleine Zug für Zug ihren Rachefeldzug umsetzt. Die farbige Darstellung der Gesellschaftsschichten und deren Umwälzungen im Vorkriegsfrankreich ist prägnant und gelungen. Der Roman entwickelt einen Sog, dem ich mich als Leserin nicht entziehen konnte. Besonders gelungen fand ich die Frauen der Geschichte, nicht nur Madeleine, sondern auch Kindermädchen Léonce und Pflegerin Vladi sind großartig portraitiert und stehen für ihre jeweilige Gesellschaftsschicht.

Es ist ein groß angelegter Sitten- und Gesellschaftsroman, in den Lemaitre Madeleines Abrechnung einbettet. Dabei gefiel mir ganz besonders die Raffinesse der einzelnen Handlungsstränge, die auch mit Kritik an der damaligen Gesellschaft nicht spart. Ob nun es die Arroganz des Großbürgertums oder die Eitelkeit der Politiker oder die Geltungssucht der Presse ist. Madeleine hat viel verloren, aber ihre Freiheit hat sie sich zurück erobert.

Ein wunderbarer Roman, dessen brillante Sprache mich nachhaltig beeindruckt hat.


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Rezension zu "Die Farben des Feuers" von Pierre Lemaitre

Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird
Greedyreadervor 5 Stunden

Pierre Lemaitres Roman “Die Farben des Feuers“ stellt die Fortsetzung des hochgelobten und 2013 mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten ersten Teils “Wir sehen uns dort oben“ dar und behandelt die ausgehenden 20er und beginnenden 30er Jahre. Auch im zweiten Band der geplanten Trilogie geht es um die Geschicke des Bankhauses Péricourt.
Die Handlung setzt im Jahr 1927 mit der Beisetzung des mächtigen Bankchefs Marcel Péricourt ein, an der alles teilnimmt, was in Politik und Wirtschaft Rang und Namen hat. Noch bevor sich der Leichenzug in Bewegung setzt, kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall. Péricourts Enkel, der 7jährige Paul, stürzt sich aus dem zweiten Stock seines Elternhauses und fällt auf den Sarg des Großvaters. Seine Mutter Madeleine wird sich lange Zeit darauf konzentrieren, ihr fortan gelähmtes Kind mit Hilfe eines polnischen Kindermädchens und ihrer Haushälterin Léonce zu umsorgen. Sie ist in keiner Weise qualifiziert, ein Bankimperium zu führen und vertraut blind den Menschen, die ihr nahestehen. Wie sie später feststellen muss, haben alle sie manipuliert und betrogen: der Prokurist Gustave Joubert, der nicht mehr als Heiratskandidat in Frage kommt, die schöne Léonce, die ihre eigenen Ziele verfolgt, Madeleines Geliebter André Delcourt, der Hauslehrer des kleinen Paul, der Karriere als Journalist und Schriftsteller machen will und nicht zuletzt ihr rachsüchtiger Onkel Charles, der ohne die massive finanzielle Unterstützung seines Bruders Marcel nie etwas zustande gebracht hat. Der Verrat dieser Menschen, führt sehr schnell zu Madeleines finanziellem Ruin und ihrem sozialen Abstieg. Doch ihrem Sohn zuliebe fängt sie sich und plant einen raffinierten Rachefeldzug, um ihre Gegner zu bestrafen und auszuschalten und selbst wieder auf eigenen Füßen zu stehen.
Lemaitre bietet dem Leser nicht nur eine spannende Familiengeschichte, sondern auch das gut recherchierte Porträt der Epoche zwischen den beiden Weltkriegen. Er zeigt ein Land in der Krise, das sich noch nicht von den Folgen des Krieges erholt hat, in den Fängen von allgegenwärtiger Korruption und einer Steuerflucht von immensem Ausmaß, während es angesichts der Steuerforderungen des Staates gegenüber den weniger begüterten Schichten fast zu einem Volksaufstand kommt. Sehr gelungen ist auch das satirische Porträt einer käuflichen Presse, die nicht informiert, sondern bezahlte Meinungen druckt. Der Autor verdeutlicht den heraufziehenden Faschismus in den Nachbarländern ebenso wie die Gefahr des nächsten drohenden Krieges. Lemaitre schreibt jedoch kein trockenes Geschichtsbuch, sondern eine überaus lebendige Geschichte mit Ironie und Humor, in der er den Leser häufiger direkt anspricht und so zum Komplizen macht. Sehr witzig ist zum Beispiel die Beschreibung von Charles Zwillingstöchtern Rose und Jacinthe, die so entsetzliche Zähne haben und auch sonst dermaßen unansehnlich sind, dass sie ohne eine riesige Mitgift keine Ehepartner finden werden (S. 25). Lemaitres Roman ist raffiniert konstruiert, aber wegen der Personenvielfalt und des komplizierten, sich über lange Zeiträume erstreckenden Rachefeldzugs nicht ganz mühelos zu lesen. Mich hat der interessante, mit Gusto geschriebene Roman sehr gut unterhalten.

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P

Rezension zu "Die Farben des Feuers" von Pierre Lemaitre

Furioses Sittenbild
pawlodarvor einem Tag

Dieser rasante Gesellschaftsroman weckt Erinnerungen an die großen französischen Erzähler des 19. Jahrhunderts. Eine moderne Comedie Humaine, ein furioses Sittenbild aus der Epoche zwischen den beiden Weltkriegen: Die Erbin einer Privatbank verliert ihren gesamten Besitz, wird sozial deklassiert und entwickelt einen ebenso rasenden wie zielgerichteten Hass auf die Menschen ihrer Umgebung, die an ihrer Misere schuld sind. Wie ein feinjustiertes Uhrwerk richtet ihre Rache diese Menschen zugrunde, die jeweils einen bestimmten Typus niedriger Gesinnung repräsentieren. Geschliffen formulierte Charakterdarstellungen, eine sich in immer irrsinnigeren Pirouetten beschleunigende Konstruktion der Handlung, die süffisante Ironie eines Sprachgebrauchs, der an die große französische Tradition erinnert - das sind die Merkmale dieses Romans, der dem Leser ungetrübtes Lektürevergnügen bietet.

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Pierre Lemaitre wurde am 19. April 1951 in Paris (Frankreich) geboren.

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