Pierre Lemaitre

 4,1 Sterne bei 480 Bewertungen
Autor von Die Farben des Feuers, Drei Tage und ein Leben und weiteren Büchern.
Autorenbild von Pierre Lemaitre (©Thierry Rajic/Figure)

Lebenslauf

Ausgezeichnete Krimis, Thriller und Historische Romane aus dem Land des guten Geschmacks: Der 1951 geborene französische Autor arbeitete zunächst einige Jahre als Lehrer für Literatur und Ausbilder von Bibliothekaren. Sein Debüt als Schriftsteller gab er im Jahr 2006 mit dem Roman „Travail soigné“. Unter dem Titel „Irène“ wurde das Werk, das mit dem Prix du premier roman du Festival de Cognac ausgezeichnet wurde, in zahlreiche Sprachen übersetzt. Für den Historischen Roman „Au revoir là-haut" (dt. „Wir sehen uns dort oben“, 2014) bekam der Franzose, der seit 2011 Verwaltungsrat der Société des gens de lettres ist, 2013 den bedeutendsten französischen Literaturpreis Prix Goncourt. Im selben Jahr wurde der sozialkritische Thriller „Cadres noirs“ unter der Regie von Manuel Boursinhac verfilmt. Pierre Lemaitre ist auch als Drehbuchautor für Kino- und Fernsehfilme tätig und lebt in Paris.

Neue Bücher

Cover des Buches Spiegel unseres Schmerzes (ISBN: 9783442771851)

Spiegel unseres Schmerzes

Erscheint am 13.08.2024 als Taschenbuch bei btb.

Alle Bücher von Pierre Lemaitre

Cover des Buches Die Farben des Feuers (ISBN: 9783442719624)

Die Farben des Feuers

 (127)
Erschienen am 08.08.2021
Cover des Buches Drei Tage und ein Leben (ISBN: 9783608981063)

Drei Tage und ein Leben

 (118)
Erschienen am 04.09.2017
Cover des Buches Opfer (ISBN: 9783608503708)

Opfer

 (81)
Erschienen am 24.08.2018
Cover des Buches Der kalte Hauch der Angst (ISBN: 9783548921150)

Der kalte Hauch der Angst

 (51)
Erschienen am 10.11.2010
Cover des Buches Wir sehen uns dort oben (ISBN: 9783442748822)

Wir sehen uns dort oben

 (40)
Erschienen am 08.05.2017
Cover des Buches Ich will dich sterben sehen (ISBN: 9783843707893)

Ich will dich sterben sehen

 (24)
Erschienen am 11.10.2013
Cover des Buches Spiegel unseres Schmerzes (ISBN: 9783608983616)

Spiegel unseres Schmerzes

 (6)
Erschienen am 17.10.2020
Cover des Buches Drei Tage und ein Leben (ISBN: 9783442715497)

Drei Tage und ein Leben

 (4)
Erschienen am 12.05.2019

Neue Rezensionen zu Pierre Lemaitre

Cover des Buches Drei Tage und ein Leben (ISBN: 9783608981063)
buchstaeblichverliebts avatar

Rezension zu "Drei Tage und ein Leben" von Pierre Lemaitre

Spannend
buchstaeblichverliebtvor 8 Monaten

📌 "Innerhalb weniger Minuten hat sein Leben die Richtung geändert. Er ist ein Mörder. Doch die beiden Bilder passen nicht zusammen, man kann nicht zwölf Jahre alt und ein Mörder sein..." (S. 29)

1999Antoine, 12 Jahre alt, erschlägt den Nachbarsjungen Rémi, 6 Jahre alt, und versteckt dessen Leiche im Wald. Eine große Suchaktion muss aufgrund eines Jahrhundertunwetters abgeblasen werden und so ziehen die Jahre ins Land und Antoines Schuld bleibt ungesühnt. Innerlich ist der 12jährige emotional zerrissen, kann die ungeplante Tat nicht vergessen, geschweige denn verarbeiten, hegt Fluchtgedanken, versucht sich selbst das Leben zu nehmen.

Diese innere Zerrissenheit Antoines wird aus meiner Sicht richtig gut beschrieben und der erste Teil der Geschichte punktet durch die atmosphärische Darstellung der Suchaktion, die Dorfcharaktere und die psychologische Tiefe ... 

Nach einem Zeitsprung befinden wir uns im Jahr 2010, später 2015. Antoine ist erwachsen geworden, hat Medizin studiert - etwas aus seinem Leben gemacht und  seinen Heimatort eigentlich längst verlassen; nur seine Erinnerungen ist er nicht los geworden, wird von Panikattacken heimgesucht - die Wahrheit tief in sich verborgen. Als seine Mutter Hilfe benötigt kehrt er zurück nach Beauval und wird immer wieder mit der alten Geschichte konfrontiert, denn in dem Örtchen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein und ein jeder erinnert sich an den alten Vermisstenfall des kleinen Rémi.

Diesen Teil des Buches fand ich leider nicht mehr ganz so anschaulich erzählt, war aber sehr gespannt auf die Auflösung des Ganzen, als beim Bau eines Freizeitparks nach Jahren endlich Rémis Leiche gefunden wird und die Tätersuche neu aufgenommen wird. 

Als Gesamtpaket betrachtet eine hervorragende Geschichte. 

Mochte ich. 

Cover des Buches Drei Tage und ein Leben (ISBN: 9783608981063)
Maza_e_Keqes avatar

Rezension zu "Drei Tage und ein Leben" von Pierre Lemaitre

Chaos im Kopf, Angst und Schuld
Maza_e_Keqevor 2 Jahren

Kurz vor Weihnachten des Jahres 1999 verschwindet in einem kleinen Ort in Frankreich ein sechsjähriger Junge. Groß angelegte Suchaktionen der Dorfbewohner bringen keine Ergebnisse. Nur Antoine, 12 Jahre alt, kennt die Wahrheit. Seine Angst und seine Schuld belasten den Jungen sehr. Als ein schweres Unwetter die Suche nach dem Vermissten auf Eis legt, überschlägt sich das Chaos in Antoines Kopf. 


Am Schluss des ersten Kapitels ist bekannt, „was an diesem Tag geschah“. Wer bis dahin mit dem seltsamen Schreibstil warm geworden ist, wird sicher gern weiterlesen, um zu erfahren, welche Folgen sich aus den Ereignissen ergeben. Bei mir war nur die Neugier größer als die Abneigung gegen ausschweifende Beschreibungen, kaum vorhandene Gespräche und die Vermischung von Antoines Fantasien und realen Ereignissen. Nur habe ich bis zum Ende durchgehalten, der nochmal eine ganz interessante Wendung bereithält.


Mich hat der Erzählstil gestört und dadurch kam kein rechtes Lesevergnügen auf. Auch das Verhalten der Protagonisten ist für mich unverständlich und ich empfinde es größtenteils als anstrengend. Der Autor wird hoch gelobt, das wird gute Gründe haben. Wer also damit klar kommt, erhält eine tiefgründige Geschichte. Wer das nicht mag, verpasst dagegen nur wenig bis gar nichts.

Cover des Buches Spiegel unseres Schmerzes (ISBN: 9783608983616)
AlexanderPreusses avatar

Rezension zu "Spiegel unseres Schmerzes" von Pierre Lemaitre

Les enfants du désastre Teil 3
AlexanderPreussevor 2 Jahren

Buchvorstellung von meinem Blog www.schreibgewitter.de

Im dritten und letzten Teil seiner Trilogie aus der Zeit zwischen dem siegreichen Ende des Ersten Weltkrieges und dem desaströsen Beginn des Zweiten lässt der französische Schriftsteller Pierre Lemaitre abermals das offizielle Frankreich in einem Licht erscheinen, das wenig bis nichts von der klischeehaften Gloire aus der Nationalhymne aufweist.

Der Autor arbeitet sich in „Spiegel unseres Schmerzes“ an der ebenso überraschenden wie verheerenden Niederlage Frankreichs (Belgiens, der Niederlande und dem britischen Expeditionsheer) gegen die Wehrmacht im Mai/Juni 1940 ab. Er setzt auf den Kontrast, der für den Leser umso größer ausfällt, je mehr dieser über den Feldzugverlauf, den Vorbereitungen und den Ersten Weltkrieg weiß.

„Der Staatssekretär war ein Mann um die sechzig. Sein pausbäckiges Gesicht und die schmollenden Lippen vermittelten den Eindruck, er würde gleich losschluchzen.“

Pierre Lemaitre: Spiegel unseres Schmerzes

Es ist eine gängige Erkenntnis, dass Kriege immer mit Blick auf den vorangegangenen geplant würden und es daher kein Wunder sei, wenn kein Plan die erste Gefechtsberührung überlebe. Frankreich hat sich eingemauert, einen starken Befestigungsgürtel gebaut und zugleich seine defensive Strategie auf die Erkenntnisse aus dem deutschen Angriff 1914 ausgerichtet.

Die Wehrmacht ist 1940 erwartungsgemäß wie im Ersten Weltkrieg in Belgien, Luxemburg (und den Niederlanden) eingerückt, doch handelte es sich „nur“ um ein Lockmanöver, um die Franzosen sowie das britische Expeditionsheer nach Norden zu locken. Dort angekommen, wurden den Armeen die rückwärtigen Verbindungen gekappt, weil die Wehrmacht durch die Ardennen Richtung Ärmelkanal vorgestoßen ist.

Der Krieg 1940 endete mit einer ungeheuren Niederlage für Frankreich, das nach nur sechs Wochen besiegt, gedemütigt und für Jahre besetzt worden ist. Man sollte sich das vor Augen führen, wenn heute französische Politiker von Deutschland höhere Ausgaben für die Verteidigung fordern – wie unvorstellbar doch die Entwicklung gegenüber der Zeit vor einhundert Jahren gewesen ist.

„Die in Zwanzigerreihen aufgestellten Filter sahen aus wie dicke Edelstahlfässer oder gutmütige Riesenmilchkannen, was Gabriel nicht im Geringsten beruhigte. Sie sollten vor einem Giftgasangriff schützen, doch für ihn waren sie nichts anderes als ängstliche, versteinerte Wachposten.“

Pierre Lemaitre: Spiegel unseres Schmerzes

Was mit „Schmerz“ gemeint ist, dürfte zumindest im Ansatz deutlich sein, doch der Roman bohrt wie ein garstiger Finger in mehr als einer offenen Wunde: Auf der persönlichen, individuellen Ebene haben die fürchterlichen Fehlentscheidungen der französischen Eliten, ihr Selbstbetrug dafür gesorgt, dass der Feind aus dem Osten erfolgreich sein konnte. Lemaitre lässt die Entzauberung durch seine starken Figuren besorgen.

Sie tragen tadelige Züge. Hochstapler. Diebe. Deserteure. Schieber. Klugschwätzer, die am Tresen ihre angeblichen strategischen Einblicke ausbreiten. Und doch haben sie alle ihre überraschenden Seiten, wenn sie sich unter dem Druck der Ereignisse entscheiden müssen  und das nolens volens tun. Von ihrer Führung sind sie längst im Stich gelassen worden.

Zugleich entlarven sie die absurden Entscheidungen der militärisch-politischen Eliten, die ihrerseits zum Mäntelchen des Pathos und der Lüge greifen, um sich zu schützen. Es sind wundervolle Figuren, die sich im Roman tummeln! Vielschichtig, wankelmütig und zugleich stark, wenn die Lage kritisch wird – auch ein schwarzer Spiegel zur Landesführung.

Lemaitre ist bisweilen atemberaubend boshaft, wenn er seine Sprachkunst in eine scharfklingige Waffe verwandelt und erbarmungslos einsetzt – dabei nie mit dem plumpen Knüppel drischt, sondern gewandt und feinsinnig austeilt. Das etwas längere Zitat zeigt wunderbar, wie der Autor kunstvoll die Hilflosigkeit bloßstellt:

„Doch viel beunruhigender war für ihn die Anwesenheit einer Vielzahl von Militärs in Galauniform. Als er die Spitzen des Generalsstabs erblickte, Marschall Petain, General de Castelnau, General Gouraud und so fort, hatte er sich gefragt, ob diese Männer während der Invasion des Landes durch den Erbfeind nichts Besseres zu tun hatten, als einer Messe beizuwohnen. […] Die Messe zog sich endlos hin. Fernand fragte sich, wie viele Kilometer mochten die Panzerdivisionen von General Guderian in dieser Zeit wohl zurückgelegt haben. Es [..] wurde allen klar, dass Gott gerade zum Oberbefehlshaber ernannt worden war.“

Pierre Lemaitre: Spiegel unseres Schmerzes

Der Roman ist wieder aus mehreren Perspektiven erzählt, deren Handlungsträger anfangs nichts miteinander zu tun haben und die doch alle durch zarte Bande miteinander verbunden sind und im Laufe der Erzählung auf einen Ort zustreben, wo sie sich treffen. Das Elend des Krieges wird auf jeder Seite spürbar. Zu den bedrückendsten Szenen gehört jene, in denen Lemaitre den Angriff deutscher Kampfflugzeuge auf eine Flüchtlingskolonne auf den Straßen nach Süden schildert.

Nur einmal wird so etwas wie eine Kampfhandlung geschildert und Lemaitre bleibt seinem Wesen glücklicherweise treu, weil er darauf verzichtet, auch nur den Hauch pathetischen Weihrauchs zu schwenken, denn die beiden „heldenhaften“ Verteidiger einer Brücke agieren mehr zufällig und willenlos, bewirken zudem mit ihrer Tat rein gar nichts, denn die deutschen Panzer wälzen sich in langen Kolonnen schier unaufhaltsam weiter.

Es ist ein wenig schade, dass die Trilogie zu einem Ende gekommen ist. Dabei sind die Bande der drei Teile untereinander eher lose, in diesem Band übernimmt ein Mädchen aus dem ersten eine tragende Rolle, das zugleich Erinnerungen an einige damalige Protagonisten hegt. Und doch hängt alles miteinander zusammen, eingerahmt von den beiden fürchterlichen Kriegen.

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Zusätzliche Informationen

Pierre Lemaitre wurde am 19. April 1951 in Paris (Frankreich) geboren.

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