Pierre Lemaitre Drei Tage und ein Leben

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Inhaltsangabe zu „Drei Tage und ein Leben“ von Pierre Lemaitre

Als der kleine Rémi im französischen Ort Beauval verschwindet, stehen alle unter Schock. Eine groß angelegte Suchaktion wird gestartet, bei der vor allem der angrenzende Wald durchkämmt wird. Doch am dritten Tag muss die Suche wegen eines Jahrhundertsturms abgebrochen werden. Während dieser drei Tage lebt der zwölfjährige Antoine mit der unerträglichen Angst, entdeckt zu werden. Denn nur er allein weiß, was in jenen Stunden wirklich geschah. Mit großer Sensibilität spürt Pierre Lemaitre dem Schicksal seines jungen Protagonisten nach und stellt die Frage, wie es sich mit einer lebenslangen Schuld überhaupt leben lässt.

Ungekürzte Lesung mit Torben Kessler
5 CDs | ca. 6 h 29 min

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  • Schuld und Sühne in der französischen Provinz

    Drei Tage und ein Leben

    Aspasia

    04. January 2018 um 19:59

    Alles nahm seinen Anfang mit dem Tod des Hundes. Dem Nachbarhund, der ihm, zum treuen Freund geworden war, zum einzigen Mitwisser seines Geheimnisses, dem Bau dieses ausgeklügelt konstruierten Hauses in den Wipfeln der alten Bäume im verwunschenen Wald von Saint Eustache, etwas außerhalb des Dorfes gelegen. Dieser Bau, in den er so viel Zeit und Mühe gesteckt hatte, damit es perfekt würde, sollte eine Überraschung werden für die Anderen, die sich ihre Nachmittag seit kurzem lieber mit einem Computerspiel im abgedunkelten Haus vertrieben, was ihm seine allein erziehende Mutter aus pädagogischen Gründer untersagt hatte. Doch er nahm an, dass sie es bald leid wären, und dass sie dann zu den üblichen Unternehmungen, zu ihm und dem Baumhaus, zurückkehren würden.Zu ihm, Antoine, dem eher unauffälligen Jungen von nebenan, der kreativ ist, ein begabter Schüler, sich manchmal recht allein fühlt, ohne seinen Vater, der seine etwas verschrobene Mutter liebt, in die Kirche geht, eher ein Mitläufer, als ein Anführer, ein ganz normaler 12-Jähriger, wie wir vielleicht selber einer waren oder unser bester Freund.Als dieser Hund kurz vor Heiligabend angefahren und dann von seinem mitleidlosen Besitzer, Monsieur Desmedt, vor Antoines Augen erschossen wird, sein lebloser Kadaver in einen blauen Müllsack entsorgt, wie der übrige Schutt des Hauses, ist der Junge entsetzt und schier verzweifelt über den Verlust seines Vertrauten. Sein Blick auf die Welt wird eine andere, sein liebevoll konstruiertes Werk im Wald, ist nur noch eine Bretterbude, die er in größtem Zorn dem Erdboden gleich macht.In diesem Moment des inneren Gefühlssturmes, der sich seinen Weg nach außen bahnt, taucht, wie schon viele Male beim Spielen im Dorf zuvor, der kleine Nachbarjunge Rémy Desmedt bei ihm auf, der ihn bewundert, zu hm aufsieht. Er steht da, im Auge des Orkans, unschuldig, ohne die Gefahr auch nur zu ahnen. Für Antoine, der Antworten sucht, anklagen will, wird der 6-Jährige zum Stellvertreter seines brutalen Vaters, des Hundekiller. Antoine ergreift einen herumliegenden Ast und schlägt zu. Rémy ist tot. Erschlagen von Antoine. Eine Tat im Affekt. Eine Tat in größter seelischer Not, in größter Wut, die nicht einmal dem unschuldigen Jungen selbst galt. Ein Kind, das nie erwachsen werden wird und ein Kind, dessen Kindheit mit einem Schlag beendet ist.Unter Schock verscharrt Antoine den kleinen, leblosen Körper und flieht vom Tatort.Nun beginnt eine Geschichte von Schuld und Sühne, an der auch Dostojewski seine Freude gehabt hätte.Der erfolgreiche und 2013 mit dem bedeutendsten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt, ausgezeichnete Autor, Pierre Lemaitre, Jahrgang 1951, macht in seinem neusten Roman aus dieser Vorlage kein reißerisches Kriminalstück, und das, obwohl er seine Karriere mit diesem Genre begonnen hat, sondern fokussiert sich ganz auf Antoines Innenleben. Ihn interessiert vielmehr die Frage:„Was passiert mit einem Kind, das mit einer Schuld leben muss, die es überfordert und das immer Angst vor Entdeckung haben wird.“ P. LemaitreWährend im Nachbarhaus in Beauval, dem „schönen Tal“, eine dieser typischen Gemeinden jenseits der großen Städte, in der jeder über jeden wacht, die Dorfgemeinschaft, angeführt vom Bürgermeister, dem auch die einzige Fabrik des Ortes gehört, zusammen mit der Polizei damit beginnt, die Suche nach dem kleinen Rémy zu koordinieren, beginnt auch die Schuld sich in Antoine für ein Leben mit ihr einzunisten.Er ist hin und her gerissen zwischen der Angst vor der Aufdeckung seiner Tat und dem, was das für seine Mutter bedeuten würde, und dem Mitleid mit Rémys Mutter, die zwischen der Hoffnung ihr Sohn käme gleich zur Tür herein, und der Verzweiflung über das Unaussprechliche schwankt, und dem Bedürfnis sie zu erlösen. In ihm kämpft das Verlangen zu gestehen, damit es endlich vorbei ist, gegen die albtraumhafte Phantasie über einen brutalen Gefängnisaufenthalt. Er trifft heimliche Fluchtvorbereitungen und beteiligt sich an der Suche nach einem Toten. Er hofft auf die winzigen Möglichkeit unentdeckt zu bleiben und begeht doch einem Suizidversuch.In Lemaitres neustem Roman „Drei Tage und ein Leben“ schildert der Erzähler diesen Sturm der Gefühle des Kindes, das ungewollt ein Kind tötet, so eindrucksvoll, dass dies noch lange nachhallt im Leser.Drei Tage dauert die Suche, dauert der innere Konflikt des jungen Protagonisten, dann folgt auf den Gefühlsturm ein meteorologischer, in Form des Jahrhundertunwetters „Lothar“, das 1999 über Mitteleuropa fegte. Ein geschickter Kunstgriff Lemaitres, der populäre und gleichzeitig hoch gelobte und für ein früheres Werk sogar mit dem Prix Goncourt, dem höchsten französischem Literaturpreis, ausgezeichnete, Autor.„Es hat mich interessiert, mit diesem Unwetter ein Ereignis zu schaffen, nach dem die Karten ganz neu gemischt sein würden. Alle, bis auf eine. Das ganze Dorfleben fängt quasi bei null wieder an, aber die Tragödie, die bleibt und die Gewissheit, dass die Wahrheit früher oder später ans Licht kommen wird.“Danach ist nichts mehr wie es war.Auf jeden Fall nicht äußerlich, Die Wassermassen, die fast alles, was den Ort ausmachte, fortgerissen haben, die in den Häusern bis auf die Höhe eines Grundschulkindes angestiegen sind, und nun alles unter Schlammmassen bedeckt haben. Die Priorität der Gemeinschaft verschiebt sich von der Suche nach einem Kind, dass nach 3 Tagen entweder längst tot, oder doch nur in den Händen von Entführern ist, hin zu einer Solidarität mit denen, die nach dem Ausbruch des Sturms ohne Dach über dem Kopf, ohne Strom und Telefon zurück geblieben sind. Und innerlich?„Im Alltag vergaß er. Der Tod von Rémi Desmedt war eine alte Begebenheit, eine schmerzliche Kindheitserinnerung, Wochen vergingen ohne Unbehagen. Antoine war nicht gefühllos: Sein Verbrechen existierte einfach nicht mehr. Dann lösten ein kleiner Junge auf der Straße, eine Szene im Kino, der Anblick eines Gendarms plötzlich eine nicht zu unterdrückende Angst in ihm aus.“Diesen Alltag, allen voran den in Beauval, das dortige Beziehungsgeflecht der Einwohner und möglicherweise sogar schon deren Vorfahren, die seit Jahren am selben Ort leben und miteinander agieren, in vorgegebenen , recht engen Grenzen, die nicht frei sind, zu wählen, in ihre Rollen hineingeboren werden, sie erben, sie dann, wenn sie Glück haben, vielleicht etwas moderner interpretieren können, versteht Lemaitre gekonnt und bildreich zu schildern.Mir manchmal etwas zu sehr durch die Brille des Parisers auf die Provinz. Die gezeichneten Lebensweg zu fatalistisch, zu sehr Camus. Ich will einfach nicht glauben, dass jede brave, katholische Dorfschönheit, eine heimliche Nymphomanin ist, jeder Sohn eines königlich regierenden Bürgermeisters auf Lebenszeit tumb und dreist ist, und jede jugendliche Lolita in zu engen Jeans, vor ihrem 25. Geburtstag mit 3 Bälgern in einem Wohnmobilpark endet.Geschickt ist die Aufteilung des Romans in drei unterschiedliche große Teile: der erste und längste, die drei Tage um Weihnachten 1999 herum, der zweite, ein paar Tage 10 Jahre später, die Vergangenheit holt Antoine ein, und der kürzeste, letzte und für mich auch schwächste Teil, erneut 3 Jahre später.„Tatsächlich ließ ihn die Angst nie los. Sie döste, schlief ein und kam wieder. Antoine lebte in der Überzeugung, dass der Mord ihn früher oder später einholen und sein Leben ruinieren würde.“Trotz meiner Begeisterung für Lemaitres Vermögen als sehr begabter Plotkonstrukteur und gleichzeitig überaus berührender Erzähler, die Idee, dass ein begangenes Unrecht, kein Mord, weder juristisch, noch moralisch, dass also ein jemandem zugefügtes Unglück mit dem, wenn auch selbstgewählte, Unglück des Verursachers aufgewogen wird, ist mir zu banal und zu gestrig.Dostojewskis Schuld und Sühne war schließlich schon 1866 für 2012 hätte ich mir ein zeitgemäßeres Ende gewünscht.

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