Pierre Lemaitre , Christian De Metter Wir sehen uns dort oben

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Inhaltsangabe zu „Wir sehen uns dort oben“ von Pierre Lemaitre

1919. Der Albtraum des Ersten Weltkriegs ist endlich zu Ende, und das geschundene Frankreich versucht krampfhaft, in die Normalität zurückzufinden. Dabei sind die zahlreichen Landser, die nun von den Schlachtfeldern heimkehren, oft eher hinderlich. Das erfahren auch Albert und Edouard, der eine schwer traumatisiert, der andere entsetzlich entstellt. Zu verdanken haben sie dies ihrem Ex-Kommandeur, einem skrupellosen Karrieristen, der für seine Beförderung über Leichen geht, zur Not selbst die der eigenen Kameraden. So finden sich die beiden schicksalhaft aneinander geketteten Leidensgenossen nach Kriegsende im Abseits wieder, denn die »dankbare« Nation hat für Krüppel keinen Platz, sondern allenfalls ein schlechtes Gewissen, das man mit patriotischen Denkmälern und Kriegsgräbern beschwichtigt. Das erkennen auch Albert und Edouard, woraufhin sie einen verwegenen Plan schmieden, um sich an den vaterländischen Heuchlern zu rächen. Niemand soll ungeschoren davonkommen. Und da man sich im Leben immer zweimal sieht, begegnet ihnen alsbald auch ihr Ex-Leutnant wieder, nun zu einem besonders zynischen Kriegsgewinnler mutiert...
Pierre Lemaitres Roman »Wir sehen uns dort oben« war 2013 ein literarischer Überraschungserfolg in Frankreich und gewann sogar den renommierten Prix Goncourt. Ein dickes, 500 Seiten pralles Buch, das zwischen Schwejkiade und galliger Groteske pendelt und dabei voller starker Bilder steckt. Darum hat Lemaitre selbst für eine Comic-Fassung gesorgt und mit Christian de Metter (»Shutter Island«, »Scarface«) einen ausgezeichneten Illustrator gefunden, der mit seinen Zeichnungen und dank seiner durchdachten Farbgebung die Stimmung der Erzählung perfekt auf den Punkt bringt. Ohne viele Worte übrigens, schließlich kann Edouard aufgrund seiner Kriegsverletzung nicht mehr reden. Ein aufsehenerregender Comic-Roman, der seiner Vorlage mehr als gerecht wird.

Beeindruckendes Buch. Intensiv und teilweise unglaublich gut geschrieben. Ein Highlight

— PagesofPaddy

Ein Lesehighlight!

— tootsy3000

Zu Recht Gewinner des großen französichen Literaturpreises Prix Goncourt. Unglaublich vielschichtige Charaktere, von denen das Buch lebt.

— ilkamiilka

Alles in allem eine gelungene Darstellung eines Romans, welcher unglaublich fesselt und aufwühlt.

— LieLu

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    Wir sehen uns dort oben

    ilkamiilka

    11. June 2017 um 17:58

    'Wir sehen uns dort oben' von Pierre Lemaitre ist ein Buch, das nachhallt. Schon während der Lektüre hat es mich stets zum Nachdenken angeregt und dieser Prozess endete auch nicht, als ich es aus der Hand legte. Das liegt zum einem an dem Thema, denke ich. Der erste Weltkrieg ist ein Thema, das mich stets berührt. Krieg allgemein. Das Leben, das die Protagonisten führen weicht einfach so krass von meinem ab, dass man gar nicht anders kann, als sich selbst die Lächerlichkeit der eigenen Probleme vor Augen zu führen. Nach solch einem Kontakt mit der (fiktiven) Vergangenheit bin ich meist unglaublich dankbar für mein eigenes Leben. So auch diesmal, da der Autor ein glaubhaftes Gefühl für die damalige Zeit vermittelt.In diesem Buch geht es überwiegend um die zwei Soldaten Albert und Édouard, die für Frankreich im ersten Weltkrieg gekämpft haben und die durch mehrere (unglückliche) Fügungen des Schicksaals sowas wie Freunde werden. Der Begriff 'Freunde' ist irgendwie passend und unpassend zugleich - das Verhältnis der beiden ist durchaus speziell. So wie alles irgendwie speziell an den Charakteren dieses Buches ist, worin für mich auch der besondere Reiz lag. Die Handlung folgt einem eher gemächlichen Spannungsbogen, dennoch war mir nie langweilig. Das lag an der Art, wie die Charaktere beschrieben wurden. Selten habe ich Büche gelesen, in denen der Unterschied zwischen der Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung der Personen so deutlich wurde. Dies gelang durch die Perspektivwechsel, die zwar mitten im Kapitel stattfanden, aber durch einen Absatz gut gekennzeichnet waren. So wurde einem erst erklärt, wie Person A ins Gespräch ging, häufig völlig überzeugt, der anderen Person überlegen zu sein. Man fühlte sich sicher, sah den Ausgang des Gesprächs schon vor sich. Doch dann erwischte es einen ebenso kalt wie Person A, als Person B offenbarte, wie sie dachte. Dabei kamen die Personen keinesweges alles gut weg, häufig meine ich Kritik gegen bestimmte Denkweisen herausgelesen zu haben. Während man in manchen Büchern von nahezu perfekten "Menschen" umgeben ist, musste man hier manchmal mühsam suchen, positive Züge an den Charakteren zu entdecken. Als Beispiel sei hier Merlin genannt, der mich unglaublich fasziniert hat, da meine Emotionen beim Lesen zwischen Fassungslosigkeit, Ekel und Bewunderung schwankten. Da war wirklich alles vertreten.Das Ende ist für mich genau die richtige Mischung aus traurigem und glücklichem Anteil. Es wirkt realistisch.Fazit: Zu Recht Gewinner des großen französichen Literaturpreises Prix Goncourt. Unglaublich vielschichtige Charaktere, von denen das Buch lebt.Mehr Bewertungen auf www.buchkatzen.weebly.com

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  • Wir sehen uns dort oben (Pierre Lemaitre, Christian de Metter)

    Wir sehen uns dort oben

    LieLu

    01. August 2016 um 15:30

    Erschienen: Juni 2016 Seitenzahl: 176 Verlag: Splitter Verlag Hardcover: 29,80 € ISBN: 3958393934 Die Autoren Pierre Lemaitre ist ein französischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Für seinen Roman Au revoir là-haut (Wir sehen uns dort oben) wurde er 2013 mit dem bedeutendsten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet.  Christian de Metter ist französischer Comicbuchautor und schafft mit der Zeichnung von Wir sehen uns dort oben ein ansprechendes Werk. Wir sehen uns dort oben Nachdem im Jahr 1918 die Gräuel des Ersten Weltkriegs endlich beendet zu sein scheinen und gerade Frankreich versucht, krampfhaft wieder in die Normalität zurück zu finden, gibt es für Kriegsveteranen kaum noch Platz. Zahlreiche Wiederkehrer von den Schlachtfeldern können nichts zum Wiederaufbau des Landes beitragen und sind zu Krüppeln verunstaltet. So ergeht es auch Albert und Edouard. Einer der beiden ist schwer traumatisiert, während der andere entstellt ist. Doch Frankreich hat für Krüppel keinen Platz. So bleibt den beiden nichts anderes übrig, als sich gemeinsam durchzuschlagen. Doch in ihrem Herzen keimt noch etwas anderes als der pure Überlebenstrieb: sie wollen Rache. An demjenigen, der sie verraten hat. Dafür hecken sie einen Plan aus, denn man sieht sich immer zweimal im Leben. Und schließlich stehen sie ihrem Widersacher gegenüber… Fazit Der vorliegende Comic, welcher eine Verbildlichung des Romans „Wir sehen uns dort oben“ von Pierre Lemaitre ist, beinhaltet das vom Ersten Weltkrieg gezeichnete Frankreich. Zwei vom Krieg ebenfalls gezeichnete Soldaten, Albert und Edouard kommen nach Hause und nichts ist mehr wie es war. Der Autor versucht die Gräuel des Ersten Weltkrieges nachzuempfinden. Einen Krieg, den er selbst nie erlebt hat. Seine beiden Hauptprotagonisten jedoch schon. Lemaitre verarbeitet in seinem Buch jedoch viel mehr, menschliche Abgründe, Realitäten fernab jeglicher Vorstellungskraft, Freundschaft und Zusammenhalt. Aber auch Rache, Kriegsgewinner und – Verlierer finden in seinem Buch Erwähnung. Christian de Metter versucht dieses Themenspektrum und den Anspruch des Autors nun in einem Graphic Novel umzusetzen. Besonders bei dem gefühlvollen Antihelden Albert, der in jedem Menschen das Gute zu sehen scheint und dem es sichtbar schwer fällt, Rache üben zu wollen, fällt die Lebendigkeit der Figuren im Comic auf. Ihn möchte man an einigen Stellen gern noch einmal darauf hinweisen, was ihm angetan wurde, aber ich denke genau das ist im Roman auch gewollt. Durch eine gebückte Körperhaltung und zahlreiche Mimik und Gestik, wird eine große Melancholie sichtbar, die von Albert ausgeht. Sein Freund Edouard ist entstellt und ihm fehlt jeglicher Lebenswille. Zu seiner Familie will er in seinem Zustand schon gleich gar nicht zurück. Auch er wird unglaublich authentisch dargestellt. Besonders durch düstere Farben und schraffierte Szenen, wird die Atmosphäre des Romans gut eingefangen und umgesetzt. Jede Figur erhält durch eine eigenwillige Gestaltung ihren Charakterzug. Auch die schnörkellose Darstellung der Figuren und Sprechblasen, finde ich äußerst passend. Ich denke im Roman spielt die Frage nach dem Helden und dem Antihelden eine wichtige Rolle, dies kommt jedoch im Comic nicht ganz so gut heraus, wie es das im Roman tut. Gerade, weil nicht alle Sprechszenen dargestellt werden können. Alles in allem eine gelungene Darstellung eines Romans, welcher unglaublich fesselt und aufwühlt. Dieser Comic fasst besonders für Wenigleser die wichtigsten Punkte zusammen. http://immer-mit-buch.blogspot.de/2016/08/rezension-wir-sehen-uns-dort-oben-der.html

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  • Die Nachkriegszeit

    Wir sehen uns dort oben

    baronessa

    13. October 2015 um 13:43

    Édouard vom Glück begünstigt, rettet im 1. Weltkrieg einen Kameraden das Leben. Dabei wurde er allerdings vom Glück verlassen, denn er kämpft um sein Leben, als ein Granatsplitter ihn schwer verletzt. Albert steht in seiner Schuld und versucht alles, dem schwer verletzten Kameraden zu helfen. Immer wieder, versucht Offizier Pradelle ihm zu schaden. Was er nicht weiß - Édouard stammt aus einer reichen Familie. Bald gibt es Édouard nicht mehr, die Familie will den Toten überführen, was Albert vor einem Konflikt stellt. Bald stellt sich heraus, dass Offizier Pradelle die Schwester von Édouard geheiratet hat und der Offizier macht ein kriminelles Geschäft mit den toten Soldaten vom Schlachtfeld. Der Betrug kommt heraus und nicht nur der gute Name der Familie steht auf dem Spiel.   Es passiert allerhand in der Geschichte. Es ist nicht nur das Leid auf dem Schlachtfeld, was der Autor nebenbei erwähnt, sondern das Leben nach dem Krieg. Wie Menschen versuchen Fuß zu fassen, um den Irrsinn zu überwinden. Die Lebensgeschichten der Protagonisten spielen eine große Rolle, die verpassten Träume und das Geschäft mit dem Tod. Bewegend, fesselnd und überwältigend so sind die Szenen und die Protagonisten dargestellt. Man schüttelt über soviel Unverfrorenheit den Kopf, wie Menschen sich am Leid bereichern. Dramatik, Spannung und Neugier von der ersten Seite an - bis zum Schluss. Eine wirklich einprägsame Darstellung vom Kriegsgeschehen und den Erschwernissen nach dem Krieg. Das Cover finde ich gut gewählt, denn es könnten die Protagonisten sein.   „Ein großer Frieden bereitet sich in ihm aus. Er schließt die Augen. Dann ein Unwohlsein, sein Herz hört auf zu schlagen, der Geist erlischt, er verliert sich.“ Tolles Buch - hat  mir sehr gut gefallen!

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  • Wir sehen uns dort oben

    Wir sehen uns dort oben

    Fantasie_und_Träumerei

    12. May 2015 um 18:56

    Albert Maillard erwartet nichts sehnlicher als das Ende des Krieges. Viel zu lang schon hat er ums Überleben gekämpft, was ihn so angestrengt hat, dass er am liebsten aufgeben würde. Doch wer wird schon kurz vorm Ziel, klein beigeben, vor allem, wenn Zuhause ein hübsches Mädchen auf ihn wartet. Doch auch, wenn es eigentlich nur noch bergauf gehen kann, fühlt er sich resigniert und mutlos. Als würde er seine Zweifel ausdünsten, gerät er ins Visier des ehrgeizigen und hinterlistigen Leutnant Pradelle und eher er sich versieht ist er im Krater einer Handgranate verschüttet. "Während er Édouard an sich drückt, wird ihm bewusst, dass sein Kamerad, so wie alle, den ganzen Krieg hindurch nur einen Wunsch hatte: zu überleben. Und nun, da der Krieg zu Ende und er noch am Leben ist, will er sich einfach nur in Luft auflösen." Auch Édouard Péricort ist des Kämpfens müde. Als Sohn reicher Eltern ohne ein Ziel vor Augen und immer in der Rolle des Komikers und Unterhalters Zuhause, sowieso nicht für den Kampf geboren, erhofft er nichts so sehr wie Frieden und die Heimkehr nach Hause zur Schwester, zu der er eine etwas zu innige Beziehung hat. Doch auch er wird Opfer einer der letzten in Betrieb genommenen Waffen. Doch bevor diese sein Leben für immer verändert, rettet er noch das von Albert Maillard und schafft damit eine Verbindung zwischen den beiden Männern, die vom Schicksal herbeigeführt und auch nur von diesem wieder zu trennen ist. "Die beiden Männer hatten zwar schon eine gemeinsame Geschichte, in der jeder seine eigene Rolle spielte, aber eigentlich kannten sie sich nicht. Ihre Verbindung war aus einem komplizierten Geflecht aus schlechtem Gewissen, Solidarität, Ressentiment, Distanz und brüderlicher Verbundenheit entstanden" Lemaitres Schreibe hat mich vom ersten Satz an mit einer starken Intensität umfasst und nicht mehr losgelassen. Seite für Seite habe ich verschlungen, manchmal kurz davor doch abzubrechen, weil die Wellen des Krieges so weit und hart um sich schlagen. Sichtbare Verletzungen, die Übelkeit erregen und solche, deren Ausmaß kaum zu erfassen ist. Alpträume, Wesensveränderungen, Verlustgefühle und Ängste, mit all dem schlagen sich die ehemaligen Soldaten herum, verhöhnt vom Land, das eine Entlohnung verspricht, die weder ausgeführt werden kann, noch ansatzweise wieder das gut machen kann, was der Krieg verbrochen hat. "[...] Er hatte es freiwillig getan, aber - er wusste nicht so recht, wie er es ausdrücken sollte, was er empfand, diese Ungerechtigkeit ... Niemand war Schuld daran, und doch war es die ganze Welt." Maillard und Péricort haben wahren Heldentum bewiesen, der von niemandem anerkannt wird und auch keinem von beiden zu Nutze ist, denn auch Anerkennung ist nur eine geringe Form der Erlösung. Und als ob die Kriegsschäden nicht genug sind, kämpft das Leben weiterhin gegen sie. Glück ist für sie eben so ein schwer einschätzbares Spiel wie für ihre Angehörigen. Der Leser stellt sich mehr als einmal die Frage: gibt es eine ausgleichende Gerechtigkeit? "Es war immer dasselbe. Dauernd kamen einem diese Typen mit dem Krieg. Und dauernd wollten sie aller Welt eine Lektion erteilen. Man hatte langsam die Nase voll von diesen Helden! Außerdem waren die wirklichen Helden tot!" Obwohl ich vom Cover des Buches eine andere Geschichte erwartet habe, bin ich sehr begeistert vom zurecht mehrfach ausgezeichneten Roman des Franzosen. Die von mir erwartete Leichtigkeit der Protagonisten blieb aus, ihr von ihnen so lang geduldetes Elend schlug dafür umso härter zu. Berührt und völlig gefesselt von einer Geschichte, die ein hervorragendes Konstrukt aus berechnenden Machtspielen und den undurchschaubaren Wegen des Schicksals, gebe ich gerne meine Lesseempfehlung für "Wir sehen uns dort oben".

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  • Sprachlich hervorragend und psychologisch tiefreichend

    Wir sehen uns dort oben

    michael_lehmann-pape

    06. February 2015 um 12:04

    Sprachlich hervorragend und psychologisch tiefreichend Da sind die letzten Tage des ersten Weltkrieges. Da ist dieser Teufel in „schöner Menschengestalt“, der Leutnant, der nichts anderes als sein Fortkommen im Sinn hat, der jede Sekunde dieses Krieges nutzen will für sein Netzwerk, um auf sich aufmerksam zu machen, um voran zu gehen. Und dabei im wahrsten Sinne des Wortes „über Leichen“ geht. Skrupellos, attraktiv, einer, der gedenkt, nach oben zu heiraten aber „seitwärts“ seine Finger dabei nicht bei sich behalten will und wird. Da ist dieser einfache, aufrechte, immer leicht langsam, dem Leben hinterherhinkende Albert. Der einfach aus dem Graben in den Kampf läuft und an der falschen Stelle landet. Was dem Leutnant ein Dorn im Auge ist und bleiben wird. Der umgehend, klar und skrupellos dieses Problem zu lösen gedenkt. Da ist Edouard. Pfiffig, wendig, Sohn aus reichem Haus, der eigentlich ja nur diese letzten Stunden überstehen will. Einigermaßen gesund. Und doch kommt alles anders und das in dramatischer, harter Weise. Für den einen direkt, für den anderen später, für jeden am Ende. Wobei zunächst Albert und Edouard beisammen bleiben, durch ein grausames Schicksal „wie ein altes Ehepaar“ innerlich aneinander gekettet. Während der Leutnant nicht nur seine erste Million in der Zeit sofort nach dem Krieg „machen“ wird, sondern auch noch in eine Familie einheiratet, die ihn in unbedingter, innerer Verbindung zu den beiden einfachen Soldaten verbleiben lässt. Was zunächst nicht auffällt, hat doch Albert für Edouard aus gutem Grund eine neue Identität gefälscht und den gemarterten Mann offiziell sterben lassen. Und muss nun sehen, wie er irgendwie in den harten Zeiten nach dem Krieg für sich und Edouard durchkommt. Mehr schlecht als recht und mehr krumm als gerade, aber aus dieser Verpflichtung kommt er nicht mehr heraus. Intensiv geht Lemaitre seinen einzelnen Figuren nach und legt präzise deren Inneres offen. So sehr, dass selbst der verdorbene „schöne Mann“ dem Leser griffig vor Augen geführt wird und gar so etwas wie ein emotionales Verständnis für dessen Handeln aufkommt. Trotz der rabiaten Art, trotz der ständigen „krummen Geschäfte“, die der Mann allein zur eigenen Bereicherung vollzieht. Und das alles in bildgewaltiger Sprache. Wie schon zu Beginn Lemaitre den Kampf Alberts im glitschigen Granattrichter beschreibt, wie er plastisch die Woge an Dreck und einem abgetrennten Pferdekopf in diesen Graben wie einen Tsunami hineinschleudert und dann emotional dicht das alles aus der Sicht des Verschütteten erzählt, das packt den Leser ungemein. Und auch wenn Lemaitre an doch nicht wenigen Stellen sehr, sehr ausschweifend erzählt, so manchen Nebensträngen zu sehr nachgeht, zu ausschweifend Charakterzüge erklären will, manches Mal einfach zu sprachverliebt erscheint, so dass der Leser hier und da versucht ist, einfach einige Seiten vor zu blättern, um dem roten Faden wieder folgen zu können, so erzeugt der Autor doch einen intensiven Fluss der Bilder, Personen und der Atmosphäre im Krieg, im Lazarett, in der Zeit danach in Paris, die den Leser mitten hineinnimmt. Hineinnimmt in all die kleinen und großen Gefühle, die Not, die furchtbaren Folgen, die innere Intensität, Resignation, Verzweiflung, Leere, Hoffnung seiner Protagonisten. Mitsamt der sich steigernden Spannung, wie das alles enden wird. In die Scham im Aufzug, die alte Verlobte wiederzusehen und angestrengt so zu tun, diese nicht zu kennen. In die Dumpfheit des Brütens mit einer Zigarette im Nasenloch. In das Schreien des Schmerzes und die Kälte des Herzens. Dieser Vater-Sohn, Kriegsgewinnler und Kriegsverlierer, Reich und Arm Geschichte im Buch. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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  • Auch sprachlich ist dieser Roman ein Genuss

    Wir sehen uns dort oben

    WinfriedStanzick

    26. January 2015 um 13:23

        Ein als Autor von Kriminalromanen in Frankreich bekannter Schriftsteller schreibt einhundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs einen mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten spannenden und bewegenden Roman aus vielen unterschiedlichen Erzählsträngen, meisterhaft komponiert und perfekt erzählt.   Die Handlung beginnt im Jahr 1918 auf den Schlachtfeldern Frankreichs. Kurz vor dem Ende eines mörderischen Kriegs sterben die Soldaten wie die Fliegen, einen sinnlosen anonymen Tod in den Gräben.   Einer dieser Soldaten ist Albert, von seinem Leutnant Pradelle bis aufs Blut gequält. Als dieser ihn eines Tages einfach so in ein Schlammloch stürzt, wird er von seinem Freuend Eduard gerettet. Doch dieser bezahlt die Rettungstat mit dem Verlust seines Unterkiefers, der ihm weggeschossen wird. Beide schwer verwundet, überleben Albert und Eduard das Ende des Kriegs. Noch ohne Orientierung steht Albert seinem Freund nach dem Krieg in allem bei, verschafft ihm eine neue Identität, weil Eduard mit diesem Gesicht seiner Familie nie mehr begegnen möchte. Sie gehen miteinander durch Dick und Dünn, gründen eine Denkmalfirma, mit der sie andere betrügen. Diese regelrechte Lust am Betrug verschafft ihnen neue Lebensenergie. Doch eines Tages taucht Pradelle wieder auf. Auch er ernährt sich von Betrug. Er macht Geschäfte mit der angeblichen Umbettung von Gefallenen. Man sieht sich immer zweimal im Leben ….   Lemaitres Buch zeigt, in welches Leben abseits jeglicher bisheriger Moralvorstellungen und Werte der Krieg die Menschen führt. Doch es ist nicht defätistisch. Im Gegenteil: im Stil eines wahren Schelmenromans führt er seine Figuren vor und überrascht den gespannten Leser immer wieder neu mit nicht für möglich gehaltenen Wendungen.   Auch sprachlich ist dieser Roman ein Genuss.

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  • Bewegende Geschichte

    Wir sehen uns dort oben

    lord-byron

    Wir schreiben das Jahr 1917 und befinden uns auf einem Schlachtfeld in Frankreich. In den Schützengräben geht das Gerücht um, dass der Krieg bald zu Ende ist. Klar wollen die Soldaten die es bis hier her geschafft haben nicht mehr ihr Leben riskieren. Doch Leutnant Pradelle sieht das ganz anders. Er will sich noch einmal hervortun und zettelt eine Intrige an. Als der immer melancholisch aussehende Albert dem Leutnant auf die Schliche kommt, kostet ihn das fast das Leben. Dass er überlebt, hat er nur dem jungen Édouard zu verdanken, der ihm in letzter Sekunde das Leben rettet. Aber zu welchem Preis? Aus Dankbarkeit verschafft Albert ihm eine neue Identität und die Beiden bleiben nach dem Krieg zusammen. Immer wieder kreuzen sie den Weg von Leutnant Pradelle und alle treiben sie unlautere Geschäfte.... Ich stehe wieder vor der sehr schwierigen Aufgabe, dieses Buch zu bewerten. Aber wie soll man ein Buch bewerten das vom Krieg erzählt, von der schweren Zeit danach, von den Verletzten oder nicht mehr lebensfähigen Menschen? Von den kaputten Seelen und dem ewigen Kampf ums Überleben? Es fällt mir wirklich sehr, sehr schwer, aber ich werde mein Bestes geben. Der erste Teil des Buches handelt vom letzten Ansturm der Franzosen auf eine deutsche Stellung. Viele der Soldaten werden getötet oder verwundet, aber die Deutschen sind geschlagen. Viele Mütter werden um ihre Söhne weinen. Der Autor hat es wunderbar verstanden die Gefühle und die Ängste der Soldaten an den Leser zu transportieren. Ich litt sehr mit ihnen. Als Albert dann beinahe gestorben wäre, hoffte und bangte ich und war überglücklich, dass Édouard so aufmerksam war und sich trotz seiner schweren Verletzung daran machte seinen Kameraden zu retten. Was Édouard durchleiden muss ist schlimmer als die Hölle und am liebsten hätte ich die Seiten einfach übersprungen. Aber ich habe mich zusammengerissen und wirklich Wort für Wort gelesen. Auch die Nachkriegszeit hat Pierre Lemaitre sehr gut eingefangen und durch seine Sprache und seinen Schreibstil war ich überall mit dabei. Was mir ziemlich verwirrte war, dass Ruhm und Ehre das Größte waren, das höchste Gut jedes Soldaten. Jeder sprach davon, jeder wollte die Ehre und den Ruhm für sich beanspruchen. Aber trotzdem waren so viele Menschen in unmoralische oder verbotene Geschichten verwickelt. Da wurde das große Geld gemacht, in dem man gefallene Soldaten umbetten ließ und dort wurde mit Kriegsdevotionalien gehandelt. Jeder musste sehen wo er bleibt und wie er für sich das Meiste und Beste herausholt. Trotz allem hat mich die Geschichte gefangen, betroffen gemacht und mich hoffen lassen, niemals so eine schreckliche Zeit miterleben zu müssen. Ich habe gebangt, gehofft, gelitten und gehasst aber manchmal auch gelächelt. Lemaitre hat hier wirklich eine außergewöhnliche Geschichte erschaffen, die trotz ihrer Schrecken und ihrer Gemeinheiten richtig Spaß gemacht hat. Die kleinen Gaunereien, der Zusammenhalt, die Freundschaft, all das machte das Buch so lesenswert für mich. Ich vergebe für "Wir sehen uns dort oben" 5 von 5 Punkte und bin dankbar, dass ich mich an dieses Buch heran getraut habe. Es ist wirklich gut ab und zu mal über den Tellerrand zu schauen und Bücher zu lesen, die eigentlich nicht dem Beuteschema entsprechen. Für mich war das jedes mal eine große Bereicherung. Vielen Dank Monsieur Lemaitre, für dieses Buch. Es ist keine Geschichte, die man mal eben so nebenbei liest, denn sie hat es verdient, dass man sich ihr voll und ganz widmet. © Beate Senft

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    • 17

    lord-byron

    17. December 2014 um 14:05
    dicketilla schreibt Schon das Cover macht neugierig, und deine Rezi noch mehr.

    Ja, ich glaube das Buch würde dir gefallen.

  • Große Verlosung zum Leserpreis 2014: 5 Buchpakete mit je 50 Büchern!

    Die Seiten der Welt

    Daniliesing

    Lust auf eins von 5 riesigen Buchpaketen zum Leserpreis 2014? Bestimmt hat es der ein oder andere von euch schon entdeckt: Seit gestern suchen wir beim Leserpreis 2014 wieder eure Lieblingsbücher des Jahres. In insgesamt 16 Kategorien könnt ihr die Bücher und Autoren nominieren, die euch 2014 am meisten begeistert haben, ganz egal, ob euch das Buch vor Spannung bis mitten in die Nacht wachgehalten hat, ihr Tränen gelacht oder aber mitgefühlt und -gefiebert habt. Nominiert ab sofort eure persönlichen Lieblingsbücher & -autoren und ermöglicht es ihnen so, es auf unsere Shortlists für die Abstimmungsphase zu schaffen, die am 20. November beginnt. Die Bücher und Autoren, die dann wiederum die meisten Stimmen erhalten, bekommen den Leserpreis in Gold, Silber und Bronze, der am 28.11. vergeben wird! Also schnell nominieren / abstimmen / Gewinner anschauen! ---- Unsere große Verlosung für euch! Da der Leserpreis für uns jedes Jahr wieder etwas ganz Besonderes ist, möchten wir unsere Freude daran mit euch teilen. Wir werden nach der Bekanntgabe der Leserpreis-Gewinner insgesamt 5 Buchpakete mit jeweils 50 Neuerscheinungen verlosen. Fünf Gewinner dürfen sich also über eine ordentliche Ladung neuen Lesestoff freuen! Und wer kann nicht schöne neue Bücher gebrauchen? 1. Um an der Verlosung teilzunehmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten - 3 der 5 Buchpakete verlosen wir unter allen Bloggern, die auf ihrem Blog über den Leserpreis berichten und darauf verlinken. Bitte teilt uns den Link zu eurem Blogbeitrag hier in einem Kommentar mit (wer mir schon eine E-Mail mit dem Link geschickt hat, muss dies nicht doppelt tun). http://www.lovelybooks.de/leserpreis/ Grafiken zum Einbinden in den Blog findet ihr hier. 2. Wenn ihr keinen Blog habt, könnt ihr alternativ auf den Social Media Kanälen wie Facebook, Twitter, Google + usw. auf den Leserpreis hinweisen. Unter allen, die das machen, verlosen wir noch mal 2 Buchpakete mit 50 Büchern. Wichtig ist hier, dass ihr euren Beitrag öffentlich teilt und ihn uns hier verlinkt. Bitte verlinkt in eurem Kommentar hier direkt auf eurer Posting und nicht auf euer gesamtes Profil. Außerdem müssen in eurem Social-Media-Posting unbedingt der und der Hashtag #Leserpreis enthalten sein. http://www.lovelybooks.de/leserpreis/ 3. Ihr habt weder einen Blog, noch seid ihr auf einem der Social Media Kanäle aktiv? Dann verratet uns hier in einem Kommentar das beste Buch, das ihr in diesem Jahr gelesen habt. Unter allen, die das machen, verlosen wir noch mal 5 einzelne Bücher, die die jeweiligen Gewinner auf ihren Wunschzetteln haben. Ihr dürft natürlich auch 1 & 2 oder 1, 2 & 3 kombinieren und so eure Chancen steigern :-) Wir wünschen euch ganz viel Spaß & bitte vergesst nicht, eure Lieblingsbücher zu nominieren & später abzustimmen! PS: Die angehängten Bücher und die auf dem Foto sind ein Beispiel, was sich im Buchpaket befinden könnte. Wir haben hier aber eine ganz bunte Auswahl und ihr könnt euch dann von einem riesigen Überraschungsbuchpaket begeistern lassen :)

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